Die Heringsfischerei im Öresund brach um 1570 zusammen, obwohl der Heringsbestand nicht vollständig verschwand. Eine neue Studie zeigt, dass mehrere Belastungen gleichzeitig wirkten: intensive Fischerei, veränderte Umweltbedingungen, beschädigte Fangplätze, fehlende Arbeitskräfte und Konkurrenz durch günstigeren Nordseehering. Der Fall macht deutlich, warum der Zustand eines Fischbestands allein wenig darüber verrät, ob eine Fischerei wirtschaftlich überleben kann.
Warum brach die Heringsfischerei im Öresund zusammen?
Über Jahrhunderte war der Hering aus dem Öresund eine bedeutende Handelsware. Die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden versorgte Märkte weit über die Region hinaus. Dann verlor die Fischerei innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ihre wirtschaftliche Grundlage. Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung haben untersucht, wie es dazu kommen konnte. Ihre Ergebnisse erschienen 2026 in Nature Sustainability.
| Einflussfaktor | Was geschah? | Warum war das für die Fischerei wichtig? |
|---|---|---|
| Intensive Befischung | Der Heringsbestand wurde geschwächt. | Fänge wurden aufwendiger und die Kosten stiegen. |
| Umweltveränderungen | Während der Kleinen Eiszeit kühlte sich die Region ab. | Die Produktivität des Bestands geriet zusätzlich unter Druck. |
| Schäden an Fangplätzen | Wanderdünen beeinträchtigten die Infrastruktur. | Fang und Verarbeitung wurden schwieriger. |
| Arbeitskräftemangel | Ein neu eingeführter Schollenzwang band Menschen an andere Verpflichtungen. | Der Fischerei standen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. |
| Konkurrenz | Günstiger Hering aus der Nordsee gewann Marktanteile. | Der Absatz des Öresundherings wurde wirtschaftlich unattraktiver. |
Die wichtigste Erkenntnis: Der Niedergang einer Fischerei ist nicht automatisch dasselbe wie das vollständige Verschwinden ihrer Zielart. Im Öresund schrumpfte der Heringsbestand deutlich. Ausschlaggebend für den Zusammenbruch der Fischerei war laut Studie jedoch das Zusammenwirken ökologischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Belastungen.
Was ist beim historischen Fischereikollaps passiert?
Zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert gehörte die Fischerei bei Skanör und Falsterbo zu den großen Heringsfischereien Nordeuropas. Die Orte liegen an der südwestlichen Spitze des heutigen Schweden, nahe dem Öresund. Dort gefangener und gesalzener Hering konnte transportiert und über längere Zeit gelagert werden. Das machte ihn zu einer wichtigen Ware für Handel und Ernährung.
Um 1570 brachen die Fangmengen und die wirtschaftliche Bedeutung dieser Fischerei stark ein. Laut der Kieler Mitteilung wurden vergleichbare Fangmengen erst in den 1950er-Jahren wieder erreicht. Die lange Zeitspanne zeigt, wie tiefgreifend der Einschnitt war. Sie bedeutet allerdings nicht, dass 400 Jahre lang keine Heringe mehr im Öresund lebten oder dort überhaupt nicht mehr gefischt wurde.
Gerade diese Unterscheidung ist für das Verständnis der Studie entscheidend. Ein Fischbestand beschreibt die Tiere, die zu einer bestimmten Population gehören. Eine Fischerei umfasst zusätzlich Schiffe, Arbeitskräfte, Fangplätze, Verarbeitung, Handel und Nachfrage. Sie kann ihre Grundlage verlieren, bevor die befischte Art vollständig verschwindet.
Warum war Hering damals so bedeutend?
Hering ließ sich in großen Mengen fangen und durch Salzen haltbar machen. Damit eignete er sich für den Handel über weite Strecken. Für die Küstenorte bedeutete die Fischerei Einkommen und Beschäftigung. Zugleich hingen Händler, Zulieferer und Abnehmer von verlässlichen Lieferungen ab.
Ein solcher Wirtschaftszweig ist empfindlich, wenn mehrere Voraussetzungen gleichzeitig schwächer werden. Weniger ergiebige Fänge erhöhen den Aufwand. Beschädigte Infrastruktur erschwert die Verarbeitung. Steigen parallel die Kosten und sinken die Verkaufsmöglichkeiten, kann ein Betrieb selbst dann unrentabel werden, wenn weiterhin Fisch vorhanden ist.
Wie haben die Forschenden 450 Jahre Fischereigeschichte rekonstruiert?
Für heutige Fischbestände stehen je nach Art Fangstatistiken, wissenschaftliche Untersuchungen und biologische Messungen zur Verfügung. Für das Mittelalter und die frühe Neuzeit gibt es solche durchgehenden Daten nicht. Das Forschungsteam musste die Entwicklung deshalb aus verstreuten historischen Quellen zusammensetzen.
Die rekonstruierte Zeitreihe reicht von etwa 1200 bis 1650. Herangezogen wurden unter anderem Zollbücher, Unterlagen zu königlichen Vorkaufsrechten und weitere Archivbestände. Solche Dokumente geben Hinweise darauf, welche Mengen an bestimmten Orten und in bestimmten Jahren gehandelt wurden. Sie bilden die damalige Fischerei aber nicht lückenlos ab.
Um Lücken einzuordnen, berücksichtigten die Forschenden weitere Hinweise. Dazu gehörten die Verfügbarkeit von Salz als wichtigem Mittel zur Haltbarmachung und rekonstruierte Klimadaten. Aus diesen Informationen entstand ein ungewöhnlich langer Blick auf die Entwicklung der Fischerei.
Faktenbox: Was kann eine historische Zeitreihe zeigen?
- Sie macht längerfristige Veränderungen sichtbar, die in wenigen Jahrzehnten leicht übersehen werden.
- Sie hilft, Fangentwicklung und mögliche Einflussfaktoren zeitlich miteinander zu vergleichen.
- Sie bleibt eine Rekonstruktion: Historische Handelsunterlagen sind keine direkten Messungen des damaligen Fischbestands.
Was bedeutet bioökonomische Bestandsabschätzung?
Die Forschenden verwendeten eine neu entwickelte bioökonomische Bestandsabschätzung, kurz BESA. Dabei werden biologische und wirtschaftliche Informationen gemeinsam ausgewertet. Historische Fangmengen und Preise sollen Hinweise darauf liefern, wie sich der Heringsbestand und die unter den jeweiligen Bedingungen möglichen Fänge entwickelt haben könnten.
Der Ansatz ist hilfreich, weil Fangzahlen allein mehrdeutig sind. Ein geringer Fang kann bedeuten, dass wenig Fisch vorhanden ist. Er kann aber auch auf fehlende Arbeitskräfte, beschädigte Fangplätze oder geringe Nachfrage zurückgehen. Umgekehrt beweist ein hoher Fang nicht, dass ein Bestand langfristig stabil bleibt. Die wirtschaftlichen Bedingungen helfen daher, biologische Entwicklungen besser einzuordnen.
Wozu diente die Loop-Analyse?
Zusätzlich nutzte das Team eine sogenannte Loop-Analyse. Sie beschreibt Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Teilen eines Systems. Für die Heringsfischerei sind das beispielsweise Bestand, Fangaufwand, Kosten, Preise und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Nicht jeder historische Zusammenhang muss dafür mit einer exakten Zahl belegt werden. Entscheidend ist zunächst, welche Größen sich gegenseitig beeinflussen können.
Ein einfaches Beispiel: Sinkt der Bestand, kann der Fang schwieriger werden. Dadurch steigen möglicherweise die Kosten je gefangenem Fisch. Wenn gleichzeitig günstiger Hering aus einer anderen Region angeboten wird, geraten die Betriebe noch stärker unter Druck. Die Wirkung der einzelnen Faktoren verstärkt sich.
Solche Modelle liefern keine vollständige Wiederholung der Vergangenheit. Sie helfen vielmehr, eine plausible Erklärung zu prüfen, die sowohl zu den verfügbaren historischen Daten als auch zu den bekannten Zusammenhängen passt.
Welche Ursachen führten zum Niedergang der Heringsfischerei?
Die Studie widerspricht einer einfachen Erklärung, nach der allein ein zusammengebrochener Heringsbestand das Ende der Fischerei verursachte. Der Bestand ging deutlich zurück, verschwand aber nicht vollständig. Zugleich veränderten sich Umwelt, Arbeitsbedingungen und Märkte. Erst die gemeinsame Betrachtung erklärt nach Auffassung des Forschungsteams den plötzlichen wirtschaftlichen Einbruch.
Welche Rolle spielte die Überfischung?
Die intensive Nutzung hatte den Heringsbestand bereits geschwächt. Für die Fischerei kann das eine doppelte Belastung sein: Es stehen weniger Tiere zur Verfügung, und für einen ähnlichen Fang kann mehr Aufwand nötig werden. Steigende Fangkosten treffen Betriebe besonders hart, wenn die Verkaufspreise nicht im gleichen Maß steigen.
Überfischung ist in diesem Fall also ein wichtiger Teil der Erklärung. Sie sollte aber nicht mit der Behauptung verwechselt werden, der gesamte Bestand sei damals ausgelöscht worden. Die Studie beschreibt gerade einen Fall, in dem der ökologische Rückgang und der wirtschaftliche Zusammenbruch auseinandergehalten werden müssen.
Wie beeinflusste die Kleine Eiszeit den Hering?
Im untersuchten Zeitraum setzte eine Abkühlungsphase ein, die als Kleine Eiszeit bezeichnet wird. Nach Darstellung der Forschenden wirkte sie sich auf die Produktivität des Heringsbestands aus. Ein bereits durch Fischerei geschwächter Bestand konnte dadurch zusätzlich unter Druck geraten.
Klimaeinflüsse wirken auf Fischbestände nicht immer auf einfache Weise. Temperaturveränderungen können Lebensräume, Nahrung und Fortpflanzungsbedingungen verändern. Aus der historischen Studie folgt deshalb keine pauschale Regel, wonach kälteres Wasser grundsätzlich schlecht für Hering wäre. Relevant sind die konkreten Bedingungen im damaligen Ostseeraum und ihr Zusammenspiel mit den übrigen Belastungen.
Warum waren Wanderdünen und Arbeitskräfte wichtig?
Eine Fischerei braucht mehr als Fanggründe. Boote müssen anlanden können, Fische müssen verarbeitet werden, und für all das werden Menschen und geeignete Plätze gebraucht. Laut der Studie zerstörten Wanderdünen Teile der Infrastruktur an den Fangplätzen. Gleichzeitig entzog ein neu eingeführter Schollenzwang der Fischerei Arbeitskräfte.
Diese Faktoren verändern den Heringsbestand nicht unmittelbar. Sie können aber darüber entscheiden, ob sich sein Fang noch lohnt. Das ist ein wichtiger Grund, weshalb die Forschenden den Niedergang der Fischerei nicht allein aus biologischen Daten erklären.
Was änderte die Konkurrenz aus der Nordsee?
Zur selben Zeit gewann die Nordseefischerei an Bedeutung. Preiswerter angebotener Nordseehering verdrängte die Ware aus dem Ostseeraum auf dem Markt. Für die Fischerei im Öresund traf das auf eine besonders ungünstige Lage: Die Fangbedingungen wurden schwieriger, während die Konkurrenz günstigere Produkte anbieten konnte.
Selbst wenn eine Fangmenge biologisch noch möglich ist, muss sie wirtschaftlich nicht tragfähig sein. Werden Aufwand und Kosten zu hoch, können Händler und Verbraucher auf andere Bezugsquellen ausweichen. Die historische Entwicklung zeigt damit auch, wie eng regionale Fischereien mit größeren Handelsmärkten verbunden waren.
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Warum ist der Unterschied zwischen Bestandsrückgang und Fischereikollaps wichtig?
Die Begriffe klingen ähnlich, beschreiben aber verschiedene Vorgänge. Ein Bestandsrückgang betrifft die Zahl beziehungsweise die Biomasse der Fische. Ein Fischereikollaps betrifft die Nutzung dieses Bestands als wirtschaftliche Tätigkeit. Beides kann gleichzeitig auftreten, muss aber nicht im selben Ausmaß geschehen.
Stell dir einen Küstenort vor, dessen Betriebe noch Hering fangen. Die Fahrten dauern inzwischen länger, die Verarbeitung ist aufwendiger, und auf dem Markt wird günstigerer Fisch aus einer anderen Region verkauft. Der Fang existiert weiterhin. Für viele Betriebe reicht sein Erlös jedoch nicht mehr aus. Das wäre ein wirtschaftliches Problem, das eine reine Messung der vorhandenen Heringe nicht vollständig erklärt.
Umgekehrt kann eine Fischerei eine Zeit lang hohe Erträge liefern, obwohl der Bestand bereits zu stark beansprucht wird. Deshalb müssen Verantwortliche mehrere Fragen getrennt beantworten:
- Wie entwickelt sich der Fischbestand?
- Wie stark wird er befischt?
- Wie verändern sich Umwelt und Lebensraum?
- Unter welchen Kosten arbeiten die Betriebe?
- Welche Alternativen haben die betroffenen Küstengemeinden?
Der historische Fall liefert keine einfache Formel, mit der sich heutige Krisen vorhersagen lassen. Er zeigt jedoch, welche Warnzeichen übersehen werden können, wenn nur eine dieser Fragen betrachtet wird.
Was bedeutet die Studie für die Fischereipolitik heute?
Die Forschenden sehen im Öresund ein Beispiel für die Bedeutung eines ökosystembasierten Fischereimanagements. Dabei wird der Fischbestand nicht isoliert betrachtet. Auch Veränderungen im Lebensraum, andere Belastungen des Ökosystems und die wirtschaftliche Lage der Menschen, die von der Fischerei leben, gehören zur Bewertung.
Für politische Entscheidungen bedeutet das zunächst: Fanggrenzen müssen sich an der biologischen Tragfähigkeit eines Bestands orientieren. Zugleich sollten Maßnahmen berücksichtigen, welche Folgen sie für Betriebe und Küstenorte haben. Wer wirtschaftlichen Druck ignoriert, übersieht möglicherweise Anreize, einen ohnehin geschwächten Bestand weiter intensiv zu nutzen.
Zur sozialen und wirtschaftlichen Perspektive gehören etwa die Infrastruktur vor Ort, Möglichkeiten für andere Einnahmen und die Frage, wie Gemeinden Veränderungen bewältigen können. Solche Maßnahmen ersetzen den Schutz eines gefährdeten Bestands nicht. Sie können aber dazu beitragen, dass Schutzmaßnahmen langfristig umsetzbar sind.
Lässt sich der historische Fall direkt auf die westliche Ostsee übertragen?
Nein, denn es geht um einen anderen Zeitraum und nach Darstellung der Forschenden auch um einen anderen biologischen Heringsbestand. Zudem unterscheiden sich die Umweltbedingungen: Während im historischen Fall eine Abkühlung eine Rolle spielte, belastet heute die Erwärmung der Ostsee die Fischbestände auf andere Weise.
Die Studie zieht deshalb keine Gleichsetzung zwischen dem Öresund des 16. Jahrhunderts und der heutigen westlichen Ostsee. Vergleichbar ist das grundsätzliche Problem mehrerer gleichzeitiger Belastungen. Laut der Kieler Mitteilung befindet sich der Hering der westlichen Ostsee außerhalb sicherer biologischer Grenzen; für ihn gilt eine Empfehlung, keine gezielte Fangmenge vorzusehen. Solche fachlichen Empfehlungen und die jeweils geltenden rechtlichen Fangregeln sind auseinanderzuhalten.
Einordnung für die Gegenwart: Die historische Studie belegt nicht, dass heutige Fischereien denselben Verlauf nehmen werden. Sie zeigt, warum biologische Bestandsdaten, Umweltveränderungen und wirtschaftliche Zwänge gemeinsam geprüft werden sollten. Für konkrete Fangregeln sind aktuelle Bestandsbewertungen und die jeweils geltenden Vorschriften maßgeblich.
Wer kann aus dem historischen Beispiel etwas lernen?
Was ist für die Fischereiwirtschaft relevant?
Für Fischereibetriebe macht die Studie sichtbar, wie schnell mehrere Belastungen zusammenkommen können. Ein schwächerer Bestand erhöht möglicherweise den Aufwand. Zugleich können Energiepreise, fehlende Arbeitskräfte, beschädigte Infrastruktur oder Konkurrenz die Erträge beeinflussen. Ein Betrieb braucht deshalb sowohl verlässliche Informationen über die Bestände als auch eine realistische wirtschaftliche Planung.
Was sollten Forschung und Politik berücksichtigen?
Die Arbeit zeigt den Wert langer Zeitreihen und der Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete. Historische Quellen allein erklären keine biologische Entwicklung. Biologische Modelle allein erfassen keine Marktveränderungen. Erst zusammen entsteht ein umfassenderes Bild.
Für die Politik folgt daraus eine praktische Aufgabe: Warnzeichen aus unterschiedlichen Bereichen sollten frühzeitig zusammengeführt werden. Wenn Fangkosten steigen, Bestände unter Druck geraten und Umweltbedingungen sich verschlechtern, lohnt sich ein genauer Blick, auch wenn keiner dieser Werte für sich genommen einen bevorstehenden Zusammenbruch beweist.
Warum ist der Fall auch für Verbraucher interessant?
Wer Fisch kauft, sieht am Produkt meist nicht, unter welchen ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen er gefangen wurde. Der Öresundfall erinnert daran, dass die Verfügbarkeit einer Fischart im Handel wenig über die Stabilität einer bestimmten regionalen Fischerei aussagt. Nachhaltigkeit betrifft den Zustand des Bestands, die Auswirkungen des Fangs auf das Ökosystem und die Menschen entlang der Lieferkette.
Welche Grenzen hat die historische Untersuchung?
Die große Stärke der Studie ist ihre lange Zeitperspektive. Gleichzeitig stammen die Daten aus historischen Unterlagen, die ursprünglich nicht für moderne Fischereiforschung angelegt wurden. Überlieferte Handelsmengen, Preise und Hinweise auf Salzverfügbarkeit müssen interpretiert werden. Modellgestützte Schätzungen können Unsicherheiten verringern und Zusammenhänge prüfen, aber fehlende direkte Messungen nicht nachträglich ersetzen.
Auch die Ursachen lassen sich nicht wie in einem kontrollierten Experiment einzeln ein- und ausschalten. Die Forschenden untersuchen, welche Erklärung mit den verfügbaren Daten und den bekannten Wechselwirkungen vereinbar ist. Ihre zentrale Aussage ist entsprechend differenziert: Mehrere Faktoren trugen zusammen zum Kollaps bei. Aus dem Fall lässt sich kein exakter Anteil ableiten, den jeder einzelne Faktor am Niedergang hatte.
FAQ: Was lässt sich über den Fischereikollaps im Öresund sagen?
Wann brach die Heringsfischerei im Öresund zusammen?
Der starke Einbruch ereignete sich um das Jahr 1570. Zuvor hatte die Fischerei über mehrere Jahrhunderte große Bedeutung für den Handel in Nordeuropa.
War der Hering damals vollständig verschwunden?
Nein. Laut der Studie schrumpfte der Bestand deutlich, brach aber nicht vollständig zusammen. Der wirtschaftliche Kollaps der Fischerei lässt sich daher nicht mit einem vollständigen Verschwinden des Herings gleichsetzen.
War Überfischung die alleinige Ursache?
Nein. Die intensive Befischung schwächte den Bestand. Hinzu kamen Umweltveränderungen, Schäden an Fangplätzen, ein Mangel an Arbeitskräften und Konkurrenz durch günstigeren Hering aus der Nordsee.
Was bedeutet ökosystembasiertes Fischereimanagement?
Der Ansatz betrachtet neben dem befischten Bestand auch seinen Lebensraum und weitere Einflüsse auf das Ökosystem. Für tragfähige Entscheidungen sollten zudem die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Fischerei berücksichtigt werden.
Kann die Studie einen heutigen Fischereikollaps vorhersagen?
Nein. Sie erklärt einen historischen Fall und zeigt mögliche Wechselwirkungen. Für die Bewertung heutiger Bestände braucht es aktuelle Daten zu den jeweiligen Arten, Regionen und Umweltbedingungen.
Was ist das Fazit zum historischen Fischereikollaps?
Die Heringsfischerei im Öresund scheiterte nicht an einer einzigen Ursache. Ein geschwächter Bestand, veränderte Umweltbedingungen und wirtschaftliche Probleme trafen zur selben Zeit aufeinander. Die Rekonstruktion von 450 Jahren Fischereigeschichte macht verständlich, warum eine Fischerei zusammenbrechen kann, obwohl ihre Zielart nicht vollständig verschwunden ist.
Für heutige Entscheidungen ist vor allem die Methode lehrreich: Wer Fischerei langfristig sichern will, muss Bestände schützen und zugleich Umwelt, Märkte sowie die Situation der betroffenen Menschen im Blick behalten. Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, lässt sich nur anhand aktueller Daten bestimmen.
Welche Quellen liegen dem Artikel zugrunde?
Originalpublikation: Voss, R., Schmidt, J. O., Lehmann, O., Okamoto, D., Polte, P., Lancker, K., Grunwald, A., & Scotti, M. (2026). An historic fishery collapse driven by socioeconomic and environmental factors. Nature Sustainability. https://doi.org/10.1038/s41893-026-01937-1
Weitere Informationen: Pressemeldung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news878104 und https://www.uni-kiel.de/de/historischer-fischereikollaps-als-lehrstueck-fuer-die-gegenwart
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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