Warum ist ein intakter Meeresboden so wichtig?

Ein intakter Meeresboden ist Lebensraum, Kohlenstoffspeicher und Schaltstelle wichtiger Nährstoffkreisläufe. Wird er durch Grundschleppnetze, Rohstoffabbau oder Infrastruktur dauerhaft gestört, verändert das nicht nur lokale Ökosysteme. Auch Kohlenstoffspeicherung, Wasserqualität und marine Nahrungsnetze können betroffen sein. Der Planetary Health Check 2026 fordert deshalb, die Integrität des Meeresbodens stärker in Forschung, Meeresraumplanung und politische Entscheidungen einzubeziehen.

Warum ist ein intakter Meeresboden so wichtig?

Warum ist ein intakter Meeresboden so wichtig?
Warum ist ein intakter Meeresboden so wichtig?

Der größte Lebensraum der Erde liegt weitgehend außerhalb unseres Blickfelds. Rund zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt. Ihr Boden befindet sich durchschnittlich in fast vier Kilometern Tiefe. Trotz dieser gewaltigen Dimension spielte der Zustand des Meeresbodens in der öffentlichen Klimadebatte lange nur eine Nebenrolle. Wälder, Moore und Böden an Land gelten als wichtige Kohlenstoffspeicher. Dass auch marine Sedimente langfristig Kohlenstoff binden und zugleich Lebensgrundlage für komplexe Gemeinschaften sind, ist wesentlich weniger bekannt.

Der Planetary Health Check 2026 rückt diese verborgene Welt nun deutlicher in den Mittelpunkt. Das neue Kapitel „Seafloor Integrity: Why the Bottom of the Ocean Matters“ untersucht, wie menschliche Eingriffe die physische Struktur, die Lebensgemeinschaften und die chemischen Funktionen des Meeresbodens beeinflussen. Erarbeitet wurde es von Forschenden des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Funktion des Meeresbodens Warum sie wichtig ist Mögliche Belastung
Lebensraum Riffe, Muschelbänke, Schwammgründe und Sedimente beherbergen zahlreiche Arten Grundschleppnetze, Rohstoffabbau, Baggerarbeiten
Kohlenstoffspeicher Organisches Material kann über lange Zeiträume in Sedimenten gebunden bleiben Wiederholtes Aufwirbeln und Sauerstoffkontakt
Nährstoffkreisläufe Mikroorganismen und Bodentiere beeinflussen Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff Sauerstoffmangel, Verschmutzung, Verlust von Organismen
Stabilität von Nahrungsnetzen Bodenlebewesen bilden eine Nahrungsgrundlage für Fische und andere Meerestiere Lebensraumverlust und häufige mechanische Störungen

Meldung: Was ist passiert?

Der Planetary Health Check 2026 enthält erstmals ein ausführliches Kapitel zur Integrität des Meeresbodens. Es betrachtet den Meeresgrund nicht nur als Lebensraum, sondern als funktionalen Bestandteil des Erdsystems.

Bedeutung: Warum ist das relevant?

Störungen am Meeresboden können Kohlenstoffspeicher, Nährstoffkreisläufe, Artenvielfalt und marine Nahrungsnetze beeinflussen. Die Folgen reichen daher möglicherweise weit über den unmittelbar betroffenen Ort hinaus.

Einordnung: Für wen ist das wichtig?

Die Erkenntnisse betreffen Fischereipolitik, Meeresschutz, Rohstoffplanung, Klimaforschung, Schifffahrt und alle Behörden, die über die Nutzung von Küsten, Meeren und Tiefseegebieten entscheiden.

Warum ist ein intakter Meeresboden so wichtig?
Warum ist ein intakter Meeresboden so wichtig?

Was bedeutet Integrität des Meeresbodens?

Mit Meeresbodenintegrität ist gemeint, dass Struktur, Lebensgemeinschaften und biogeochemische Funktionen des Meeresgrundes so erhalten bleiben, dass das System seine Aufgaben erfüllen kann. Biogeochemisch bedeutet dabei, dass biologische, geologische und chemische Prozesse zusammenwirken. Ein anschauliches Beispiel ist ein Wurm, der Sediment durchmischt. Seine Aktivität verändert, wie Sauerstoff eindringt, wie Mikroorganismen arbeiten und wie Nährstoffe zwischen Boden und Wasser ausgetauscht werden.

Zu einem intakten Meeresboden gehören daher nicht nur sichtbare Strukturen wie Korallenriffe oder Muschelbänke. Auch unscheinbare Sedimente, Bakterien, Pilze, Würmer, Krebse und andere grabende Organismen sind entscheidend. Sie zerkleinern organisches Material, belüften obere Sedimentschichten und beeinflussen die Verfügbarkeit von Nährstoffen.

Auch natürliche Prozesse verändern den Meeresgrund. Entscheidend ist, ob seine Funktionsfähigkeit trotz Belastungen erhalten bleibt und ob sich das Gebiet nach einer Störung erholen kann.

Ist die Meeresbodenintegrität eine neue planetare Grenze?

Nein. Das Kapitel im Planetary Health Check 2026 führt die Meeresbodenintegrität nicht als zusätzliche planetare Grenze ein. Für eine planetare Grenze wären ein global geeigneter Kontrollindikator und ein wissenschaftlich belastbarer Grenzwert nötig. Beides existiert bislang nicht.

Der Bericht macht damit auf eine Lücke in der Beobachtung des Erdsystems aufmerksam, ohne eine weltweit eindeutige Belastungsgrenze zu behaupten. Küstenzonen, Schelfmeere und Tiefseeregionen unterscheiden sich stark. Zudem fehlen langfristige Messreihen.

Welche menschlichen Eingriffe schädigen den Meeresboden?

Die Belastungen reichen heute von flachen Küstengewässern bis in Tiefen von mehr als 6.000 Metern. Lange bot die schwere Erreichbarkeit der Tiefsee einen gewissen Schutz. Moderne Technik hat diese natürliche Barriere jedoch verkleinert.

  • Grundschleppnetzfischerei: Schwere Netze und Geräte werden über den Boden gezogen. Dabei können Strukturen beschädigt, Tiere verletzt und Sedimente aufgewirbelt werden.
  • Tiefseebergbau: Beim möglichen Abbau von Manganknollen würden Bodenflächen direkt bearbeitet. Zusätzlich könnten Sedimentwolken benachbarte Lebensräume belasten.
  • Schifffahrt: Ankerplätze, vertiefte Fahrrinnen und Hafenarbeiten greifen besonders in Küstenregionen in den Untergrund ein.
  • Kabel und Pipelines: Ihre Verlegung verändert den Boden meist auf schmalen Trassen, kann aber empfindliche Lebensräume zerschneiden oder überlagern.
  • Sand und Kiesabbau: Die Entnahme verändert Geländeformen, Korngrößen und Lebensbedingungen im Sediment.
  • Überdüngung und Schadstoffe: Nährstoffüberschüsse fördern Algenwachstum und Sauerstoffmangel. Chemische Belastungen können sich im Sediment anreichern.
  • Klimawandel: Erwärmung, Versauerung und veränderte Sauerstoffverhältnisse verstärken vielerorts bestehende Belastungen.

Nach den im Bericht zusammengetragenen Angaben erreicht die Grundschleppnetzfischerei Tiefen von ungefähr 4.000 Metern und stört jährlich bis zu zwei Prozent des globalen Meeresbodens. Ein einzelner Betrieb zum Abbau von Manganknollen könnte mehr als 200 Quadratkilometer direkt beeinflussen. Solche Zahlen zeigen die Größenordnung, dürfen aber nicht als exakte Beschreibung jedes Meeresgebietes verstanden werden. Intensität, Häufigkeit und ökologische Wirkung unterscheiden sich regional erheblich.

Warum sind wiederholte Störungen besonders problematisch?

Ein einmaliges Ereignis muss nicht zwangsläufig zu einem dauerhaften Funktionsverlust führen. Viele Küstenökosysteme sind an natürliche Bewegung angepasst. Problematisch wird es, wenn derselbe Bereich häufig gestört wird und die nächste Belastung eintritt, bevor sich Lebensgemeinschaften erholen konnten.

In der Tiefsee verläuft die Regeneration häufig besonders langsam. Dort sind Nahrungsangebot, Wachstum und Fortpflanzung vieler Arten begrenzt. Spuren früherer Tiefseeexperimente waren deshalb noch Jahrzehnte später erkennbar. Das bedeutet nicht, dass jede Veränderung unumkehrbar ist. Es zeigt aber, dass menschliche Planungszeiträume die ökologischen Erholungszeiten deutlich unterschätzen können.

Wie speichert der Meeresboden Kohlenstoff?

Abgestorbene Algen, Planktonreste und anderes organisches Material sinken aus dem Wasser in Richtung Meeresgrund. Ein Teil wird unterwegs oder an der Oberfläche des Sediments zersetzt. Ein anderer Teil gelangt tiefer in den Boden und kann dort sehr lange gespeichert bleiben. Vor allem Sedimente auf den Kontinentalschelfen enthalten große Reserven organischen Kohlenstoffs.

Wird der Boden mechanisch aufgewirbelt, kommt zuvor abgeschirmtes Material erneut mit Wasser und Sauerstoff in Kontakt. Mikroorganismen können es dann verstärkt abbauen. Dabei kann gelöster anorganischer Kohlenstoff entstehen und letztlich auch Kohlendioxid freigesetzt werden.

Globale Modellierungen kommen zu dem Ergebnis, dass Grundschleppnetzfischerei jedes Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus Sedimenten mobilisieren könnte. Diese Angabe ist eine Modellschätzung und keine direkt gemessene zusätzliche Emission in die Atmosphäre. Wie viel des mobilisierten Kohlenstoffs tatsächlich als zusätzliches atmosphärisches CO₂ wirksam wird, ist wissenschaftlich weiterhin mit großen Unsicherheiten verbunden.

Faktenbox: Kohlenstofffreisetzung richtig einordnen

„Aus Sedimenten mobilisiert“ bedeutet nicht automatisch „vollständig in die Atmosphäre gelangt“. Ein Teil des Kohlenstoffs kann im Wasser verbleiben, erneut gebunden oder an anderer Stelle abgelagert werden. Für seriöse Klimabilanzen müssen diese Wege voneinander getrennt betrachtet werden.

Warum genügt der Blick auf Wälder und Moore nicht?

Wälder, Moore, Böden und Ozeane sind keine getrennten Klimasysteme. Sie tauschen Kohlenstoff mit der Atmosphäre aus und reagieren auf Erwärmung sowie menschliche Nutzung. Der Planetary Health Check macht deshalb deutlich, dass natürliche Kohlenstoffsenken gemeinsam betrachtet werden müssen.

Der Schutz des Meeresbodens ersetzt weder die schnelle Verringerung fossiler Emissionen noch den Schutz von Wäldern und Mooren. Er ergänzt diese Maßnahmen. Eine vorhandene natürliche Speicherfunktion unnötig zu schwächen, während gleichzeitig aufwendige technische Verfahren zur Kohlenstoffentnahme entwickelt werden, wäre ökologisch und wirtschaftlich widersprüchlich.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Wie beeinflusst der Meeresboden die Nährstoffkreisläufe?

Am Übergang zwischen Sediment und Wasser laufen zahlreiche Reaktionen ab. Mikroorganismen wandeln Stickstoffverbindungen um, organisches Material wird abgebaut und Phosphor kann gebunden oder freigesetzt werden. Bodenlebewesen transportieren Stoffe durch ihre Gänge und verändern die Sauerstoffversorgung im Sediment.

Diese Prozesse beeinflussen, welche Nährstoffe im Wasser verfügbar sind. Zu viele frei verfügbare Nährstoffe können das Wachstum von Algen fördern. Sinkt abgestorbenes Material anschließend zum Boden, verbraucht sein Abbau Sauerstoff. So können sich Sauerstoffmangel und veränderte Sedimentchemie gegenseitig verstärken.

Auch die Nahrungsnetze beginnen häufig direkt oder indirekt am Meeresgrund. Muscheln filtern Partikel aus dem Wasser. Würmer und Kleinkrebse verwerten organisches Material. Fische wiederum ernähren sich von diesen Tieren. Verschwinden strukturreiche Lebensräume und typische Bodenorganismen, können sich die Folgen durch mehrere Stufen des Nahrungsnetzes ziehen.

Warum gilt die Ostsee als Warnsignal?

Die Ostsee zeigt besonders deutlich, wie mehrere Belastungen zusammenwirken. Sie ist ein vergleichsweise flaches, fast abgeschlossenes Binnenmeer mit begrenztem Wasseraustausch. Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft, Abwasser und Flüssen wirken dort gemeinsam mit Erwärmung, Versauerung, Fischerei, Schifffahrt und Sauerstoffmangel.

Das Autorenteam des neuen Kapitels kommt unter Einbeziehung von Bodenstruktur, Biogeochemie und benthischen Ökosystemen zu dem Schluss, dass kein Quadratmeter des Ostseebodens mehr frei von menschlichen Veränderungen ist. Benthisch bezeichnet Organismen und Lebensgemeinschaften, die am oder im Gewässerboden leben.

Das bedeutet nicht, dass jeder Quadratmeter gleich stark zerstört ist. Manche Gebiete sind durch mechanische Nutzung betroffen, andere durch Nährstoffeinträge, Temperaturanstieg oder Sauerstoffmangel. Häufig überlagern sich mehrere Faktoren.

Was lässt sich aus der Ostsee für andere Meere lernen?

Die Ostsee ist kein genaues Modell für sämtliche Ozeane. Ihre geringe Tiefe, ihr niedriger Salzgehalt und der eingeschränkte Wasseraustausch sind besondere Eigenschaften. Dennoch macht sie sichtbar, was passieren kann, wenn langfristige Stoffeinträge und intensive Nutzung auf den Klimawandel treffen.

Für Nordsee, Mittelmeer und andere stark genutzte Regionen lautet die praktische Lehre: Einzelne Belastungen dürfen nicht isoliert bewertet werden. Ein Lebensraum kann eine begrenzte Störung verkraften, aber durch die Kombination aus Erwärmung, Sauerstoffverlust, Fischerei und Infrastruktur seine Widerstandsfähigkeit verlieren.

Wie kann ein intakter Meeresboden besser geschützt werden?

Wirksamer Schutz beginnt mit besseren Daten, endet aber nicht bei der Forschung. Die gewonnenen Erkenntnisse müssen in Schutzgebiete, Genehmigungen, Fischereiregeln und die Meeresraumplanung einfließen. Dabei sollte nicht nur gezählt werden, welche Arten vorkommen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche ökologischen Funktionen ein Gebiet erfüllt.

  1. Empfindliche Flächen erfassen: Kohlenstoffreiche Sedimente, Riffe, Schwammgründe und langsam wachsende Tiefseeökosysteme müssen genauer kartiert werden.
  2. Nutzungsdruck messen: Entscheidend sind nicht nur Art und Fläche eines Eingriffs, sondern auch Häufigkeit, Intensität und Dauer.
  3. Kumulative Folgen prüfen: Fischerei, Kabel, Rohstoffabbau, Verschmutzung und Klimafolgen müssen gemeinsam bewertet werden.
  4. Schutzgebiete funktional planen: Schutzgrenzen sollten Lebensräume, Stoffkreisläufe und die Vernetzung benachbarter Gebiete berücksichtigen.
  5. Erholung kontrollieren: Langfristiges Monitoring muss zeigen, ob Maßnahmen tatsächlich wirken und wie schnell sich ein Gebiet regeneriert.

Ein Praxisbeispiel ist die Planung eines Offshoreprojekts. Eine klassische Prüfung könnte vor allem die direkt beanspruchte Fläche betrachten. Eine umfassendere Prüfung fragt zusätzlich, ob Bauarbeiten Sedimente aufwirbeln, Laichgebiete beeinträchtigen, Strömungen verändern oder gemeinsam mit vorhandenen Kabeln, Fischerei und Schifffahrt eine kritische Gesamtbelastung erzeugen.

Welche Vor- und Nachteile haben strengere Schutzmaßnahmen?

Mögliche Vorteile Mögliche Zielkonflikte
Erhalt von Lebensräumen und Artenvielfalt Einschränkungen für bestimmte Fischereibetriebe
Schutz natürlicher Kohlenstoffspeicher Höherer Aufwand für Planung und Umweltprüfung
Stabilere Nahrungsnetze und mögliche langfristige Fischereivorteile Kurzfristige Verlagerung wirtschaftlicher Aktivitäten
Bessere Vorsorge bei schwer rückholbaren Eingriffen Entscheidungen trotz wissenschaftlicher Unsicherheiten

Schutzkonzepte müssen räumlich gezielt, wissenschaftlich begründet und sozial tragfähig sein. Bei empfindlichen Tiefseegebieten spricht die sehr langsame Erholung für ein strenges Vorsorgeprinzip.

Welche rechtlichen Regeln schützen den Meeresboden?

Die wichtigste Grundlage ist das internationale Seerecht. Innerhalb nationaler Hoheitsgebiete greifen zusätzlich europäische und nationale Vorschriften. Schwieriger wird es auf der Hohen See und am internationalen Meeresboden, weil Zuständigkeiten auf verschiedene Institutionen und Regelwerke verteilt sind.

Das BBNJ-Abkommen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt in Gebieten jenseits nationaler Hoheitsgewalt ist am 17. Januar 2026 in Kraft getreten. Es schafft unter anderem Möglichkeiten für gebietsbezogene Schutzmaßnahmen und stärkt Vorgaben für Umweltverträglichkeitsprüfungen. Für mineralische Rohstoffe im internationalen Meeresbodengebiet bleibt jedoch die Internationale Meeresbodenbehörde zuständig.

Damit bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Fischerei, Schifffahrt, Rohstoffabbau und Biodiversität werden teilweise getrennt geregelt, obwohl ihre Folgen am selben Meeresboden zusammentreffen. Eine zeitgemäße rechtliche Bewertung muss deshalb kumulative Auswirkungen berücksichtigen. Das Vorsorgeprinzip verlangt zudem, bei drohenden schweren oder langfristigen Schäden nicht erst auf vollständige wissenschaftliche Gewissheit zu warten.

Faktenbox: Vorsorge bedeutet nicht Stillstand

Das Vorsorgeprinzip verbietet nicht automatisch jede wirtschaftliche Nutzung. Es verlangt nachvollziehbare Risikoprüfungen, geeignete Schutzmaßnahmen und besondere Zurückhaltung, wenn Schäden möglicherweise groß, dauerhaft oder kaum umkehrbar wären.

Was muss die Forschung jetzt klären?

Für die globale Bewertung der Meeresbodenintegrität fehlt bislang ein allgemein anerkannter Kontrollindikator. Ein solcher Messwert müsste empfindlich auf relevante Veränderungen reagieren, weltweit erfassbar sein und einen klaren Bezug zur Funktionsfähigkeit des Erdsystems besitzen.

Dafür sind folgende Forschungsaufgaben entscheidend:

  • globale Karten zur Intensität und Häufigkeit mechanischer Störungen
  • bessere Daten zu Kohlenstoffvorräten in unterschiedlichen Sedimenttypen
  • Langzeitbeobachtungen zur Erholung von Küsten und Tiefseeökosystemen
  • Messmethoden für biologische, chemische und physische Bodenfunktionen
  • Modelle, die lokale Eingriffe mit regionalen und globalen Folgen verbinden
  • vergleichbare Standards für Umweltverträglichkeitsprüfungen

Fehlende Daten sind weder ein Beweis für Harmlosigkeit noch eine Grundlage für überzogene Gewissheiten. Gute Wissenschaft benennt den Wissensstand, bestehende Bandbreiten und den weiteren Messbedarf.

Welche Fragen werden zum intakten Meeresboden häufig gestellt?

Warum ist der Meeresboden für das Klima wichtig?

Meeressedimente speichern große Mengen organischen Kohlenstoffs. Störungen können Teile davon mobilisieren und den mikrobiellen Abbau fördern. Wie viel zusätzliches CO₂ dadurch in die Atmosphäre gelangt, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Ist jede Fischerei am Meeresboden schädlich?

Die Wirkung hängt von Fanggerät, Häufigkeit, Bodentyp und Empfindlichkeit des Lebensraums ab. Besonders schwere, wiederholt eingesetzte Grundschleppgeräte können strukturreiche oder langsam regenerierende Böden stark beeinträchtigen. Eine pauschale Bewertung aller Methoden wäre trotzdem zu undifferenziert.

Kann sich ein geschädigter Meeresboden erholen?

Ja, viele Gebiete können sich grundsätzlich erholen. Die Dauer reicht je nach Tiefe, Temperatur, Nahrungsangebot und Art der Störung von relativ kurzen Zeiträumen bis zu vielen Jahrzehnten. Bei zerstörten Tiefseestrukturen kann die Erholung noch wesentlich länger dauern oder innerhalb menschlicher Zeitmaßstäbe ausbleiben.

Was hat die Meeresbodenintegrität mit der Artenvielfalt zu tun?

Der Meeresgrund bietet Nahrung, Schutz, Laichplätze und feste Siedlungsflächen. Gehen Riffe, Muschelbänke, Schwammgründe oder typische Sedimentgemeinschaften verloren, verschwinden wichtige ökologische Nischen. Das kann auch Arten betreffen, die nur zeitweise am Boden leben.

Ist der Planetary Health Check 2026 eine einzelne Studie?

Der Planetary Health Check ist ein jährlich erscheinender wissenschaftlicher Bericht, der Erdbeobachtungsdaten und Erkenntnisse der Erdsystemforschung zusammenführt. Die Ausgabe 2026 wurde von knapp 70 Forschenden erarbeitet. Sie bewertet planetare Grenzen und beleuchtet zusätzlich ausgewählte Themen wie die Integrität des Meeresbodens.

Was kann ein einzelner Mensch zum Schutz des Meeresbodens beitragen?

Die größten Veränderungen müssen durch Politik, Behörden und Wirtschaft erfolgen. Verbraucher können sich dennoch über Fangmethoden informieren, langlebige Produkte nutzen, Plastik und Schadstoffeinträge vermeiden und Organisationen unterstützen, die wissenschaftlich begründeten Meeresschutz fördern. Individuelles Verhalten ersetzt aber keine wirksamen Regeln für industrielle Nutzungen.

Was ist die wichtigste Erkenntnis des Planetary Health Check 2026?

Der Meeresboden ist keine leblose Ablagefläche unter den Ozeanen. Er ist ein aktiver Teil des Erdsystems. Seine Organismen und Sedimente beeinflussen Kohlenstoffspeicherung, Nährstoffkreisläufe, Wasserqualität, Artenvielfalt und Nahrungsnetze. Genau deshalb können lokale Eingriffe eine größere Bedeutung entwickeln, als ihre sichtbare Fläche zunächst vermuten lässt.

Der Planetary Health Check 2026 liefert noch keinen globalen Grenzwert für einen intakten Meeresboden. Er zeigt vielmehr, wie dringend einheitliche Messgrößen, bessere Beobachtungsdaten und eine vernetzte politische Bewertung benötigt werden. Besonders bei Tiefseebergbau, intensiver Grundschleppnetzfischerei und Eingriffen in kohlenstoffreiche Sedimente ist Vorsorge sinnvoll, weil Schäden lange anhalten und teilweise kaum rückgängig zu machen sind.

Die zentrale Konsequenz lautet daher: Meeresschutz darf nicht an der Wasseroberfläche enden. Wer Klima, biologische Vielfalt und widerstandsfähige Ozeane erhalten will, muss den Grund unter dem Meer als schützenswerten, funktionalen Lebensraum begreifen.

Quellen und weiterführende Informationen

Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news877830 und http://www.planetaryhealthcheck.org


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


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