Ein neuer Bio-Schaum aus Polybutylensuccinat, kurz PBS, könnte viele herkömmliche Kunststoffschäume aus Erdöl ersetzen. Das Besondere daran: Unternehmen können den nachhaltigen Schaum auf bestehenden Produktionsanlagen verarbeiten, ohne teure Umrüstungen. Dadurch lassen sich CO₂-Emissionen reduzieren, gesetzliche Anforderungen erfüllen und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile erzielen. Besonders spannend ist die Entwicklung für Verpackungen, Bauanwendungen und den Transportsektor.
Wie kann Bio-Schaum fossile Kunststoffe ersetzen?
| Eigenschaft | Bio-Schaum aus PBS | Herkömmlicher PE-Schaum |
|---|---|---|
| Rohstoffbasis | Biobasiert | Fossil aus Erdöl |
| Verarbeitbarkeit | Bestehende Anlagen nutzbar | Standardverfahren |
| Recyclingfähigkeit | Ja | Teilweise |
| Biologische Abbaubarkeit | Möglich | Nein |
| CO₂-Bilanz | Verbessert | Höherer CO₂-Ausstoß |
| Anwendungsbereiche | Verpackung, Bau, Schutzlösungen | Verpackung, Bau, Schutzlösungen |
Warum sind nachhaltige Kunststoffschäume so wichtig?
Kunststoffschäume gehören heute zu den wichtigsten Materialien in vielen Industrien. Sie werden für Verpackungen, Isolierungen, Transportschutz oder technische Anwendungen genutzt. Besonders Polyethylen Schäume, auch PE Schäume genannt, gelten als weit verbreitet.
Das Problem dabei: Viele dieser Materialien basieren auf fossilen Rohstoffen wie Erdöl. Gleichzeitig steigen weltweit die Anforderungen an Klimaschutz, Recycling und Nachhaltigkeit. Unternehmen stehen dadurch zunehmend unter Druck, nachhaltigere Alternativen einzusetzen.
Die Industrie sucht verstärkt nach sogenannten Drop In Lösungen. Das sind Materialien, die ohne neue Maschinen oder große Umstellungen eingesetzt werden können. Genau hier setzt der neue PBS Bio-Schaum an.
Was ist Polybutylensuccinat überhaupt?
Polybutylensuccinat, kurz PBS, ist ein thermoplastischer Kunststoff, der biobasiert hergestellt werden kann. Thermoplastisch bedeutet, dass das Material unter Wärme formbar bleibt und erneut verarbeitet werden kann.
Im Gegensatz zu klassischen Kunststoffen auf Erdölbasis bietet PBS mehrere Vorteile:
- Biobasierte Rohstoffbasis
- Teilweise biologisch abbaubar
- Recyclingfähig
- Gute mechanische Eigenschaften
- Verarbeitbar mit bestehenden Produktionssystemen
Dadurch gilt PBS als besonders interessant für nachhaltige Verpackungslösungen und industrielle Anwendungen.
Wie funktioniert der neue xPBS Bio-Schaum?
Der neue Schaumstoff wurde im Rahmen des Projekts „PBS Extrusion Foam“, kurz xPBS, entwickelt. Beteiligt waren mehrere Institute des Fraunhofer Clusters of Excellence Circular Plastics Economy CCPE.
Das Ziel bestand darin, einen nachhaltigen Kunststoffschaum zu entwickeln, der klassische PE Schäume ersetzen kann, ohne dass Unternehmen ihre Produktionslinien komplett umbauen müssen.
Genau das macht die Entwicklung so relevant für die Industrie.
Welche Eigenschaften bietet der Bio-Schaum?
Der entwickelte xPBS Schaum erreicht ähnliche Eigenschaften wie klassische LDPE Schäume.
Dazu gehören:
- Vergleichbare Dichte
- Hohe Verarbeitungsstabilität
- Gute Schutzfunktion
- Flexible Einsatzmöglichkeiten
- Skalierbarkeit für industrielle Produktion
Damit eignet sich das Material für zahlreiche bestehende Anwendungen.
Warum ist die Drop In Lösung für Unternehmen entscheidend?
Viele nachhaltige Materialien scheitern in der Praxis daran, dass Unternehmen ihre Maschinen teuer umrüsten müssten. Produktionsstopps, neue Werkzeuge oder aufwendige Anpassungen verursachen hohe Kosten.
Der neue PBS Schaum verfolgt einen anderen Ansatz.
Unternehmen können das Material auf vorhandenen Extrusionsanlagen verarbeiten. Dadurch sinkt die Einstiegshürde erheblich.
Die Möglichkeit, nachhaltige Materialien ohne neue Produktionslinien einzusetzen, kann die Umstellung auf klimafreundlichere Kunststoffe deutlich beschleunigen.
In welchen Bereichen könnte der Bio-Schaum eingesetzt werden?
Die Einsatzmöglichkeiten sind breit gefächert. Besonders interessant ist der neue Werkstoff für Märkte mit hohem Materialverbrauch.
Verpackungsindustrie
Verpackungen gehören zu den größten Einsatzbereichen für Kunststoffschäume. Schaumstoffe schützen empfindliche Produkte vor Schäden beim Transport.
Mögliche Anwendungen:
- Versandverpackungen
- Elektronikschutz
- Polsterungen
- Lebensmittelverpackungen
- Industrieverpackungen
Bauindustrie
Auch im Bauwesen spielen Schaumstoffe eine wichtige Rolle.
Dazu zählen:
- Dämmmaterialien
- Schutzschichten
- Abstandshalter
- Leichte Konstruktionselemente
Nachhaltige Alternativen werden hier zunehmend wichtiger, weil die Baubranche ihre Klimabilanz verbessern muss.
Transport und Logistik
Produkte müssen sicher transportiert werden. Gleichzeitig möchten Unternehmen Verpackungsmüll reduzieren.
Bio-Schaumstoffe könnten hier eine nachhaltigere Lösung bieten.
Warum steigt der Druck auf die Kunststoffindustrie?
Die Kunststoffbranche steht weltweit unter wachsendem Veränderungsdruck.
Gründe dafür sind unter anderem:
- Klimaschutzziele
- EU Vorschriften
- Recyclingquoten
- Verbrauchererwartungen
- Steigende Rohstoffkosten
- CO₂ Reduktionsziele
Viele Unternehmen suchen deshalb nach Lösungen, die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kombinieren.
Der neue PBS Schaum könnte genau diese Lücke schließen.
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Welche Rolle spielt Fraunhofer bei der Entwicklung?
Die Entwicklung erfolgte innerhalb des Fraunhofer Clusters of Excellence Circular Plastics Economy CCPE.
Mehr Informationen dazu gibt es hier:
https://www.ccpe.fraunhofer.de/en.html
Mehrere Institute arbeiteten gemeinsam an Materialentwicklung, Prozessoptimierung und Skalierung.
Welche Aufgaben hatten die Institute?
Die Zusammenarbeit umfasste unterschiedliche Fachbereiche:
- Materialentwicklung
- Polymerforschung
- Skalierung der Produktion
- Anpassung der Materialeigenschaften
- Industrielle Prozessentwicklung
Das Ziel bestand darin, eine praxisnahe Lösung zu schaffen, die nicht nur im Labor funktioniert.
Viele nachhaltige Materialien schaffen nie den Sprung in die industrielle Praxis. Beim xPBS Projekt wurde von Anfang an auf reale Produktionsbedingungen geachtet.
Welche Umweltvorteile bietet PBS?
Nachhaltige Materialien müssen mehr leisten als nur „bio“ zu sein. Entscheidend sind Lebenszyklus, Recyclingfähigkeit und tatsächliche Umweltwirkungen.
Reduzierung fossiler Rohstoffe
Da PBS biobasiert hergestellt werden kann, sinkt die Abhängigkeit von Erdöl.
Das ist wichtig, weil fossile Rohstoffe:
- endliche Ressourcen sind
- hohe CO₂ Emissionen verursachen
- preislich schwanken
- politische Abhängigkeiten schaffen
Recyclingfähigkeit
PBS gehört zu den thermoplastischen Kunststoffen. Dadurch kann das Material erneut verarbeitet werden.
Das unterstützt Kreislaufwirtschaftskonzepte.
Biologische Abbaubarkeit
Je nach Zusammensetzung und Bedingungen kann PBS biologisch abbaubar sein.
Wichtig ist dabei jedoch die Einordnung:
Biologische Abbaubarkeit bedeutet nicht automatisch, dass Materialien einfach in der Umwelt entsorgt werden dürfen. Auch biologisch abbaubare Kunststoffe benötigen passende Entsorgungssysteme.
Wo liegen die Grenzen nachhaltiger Kunststoffe?
Trotz vieler Vorteile gibt es auch Herausforderungen.
Rohstoffverfügbarkeit
Biobasierte Rohstoffe müssen nachhaltig produziert werden. Sonst entstehen neue Umweltprobleme.
Preisfragen
Neue Materialien sind anfangs oft teurer als etablierte Standardkunststoffe.
Mit steigender Produktion könnten die Kosten jedoch sinken.
Recyclinginfrastruktur
Auch nachhaltige Materialien benötigen funktionierende Sammel und Recyclingsysteme.
Missverständnisse bei biologischem Abbau
Viele Verbraucher setzen biologisch abbaubar mit „umweltfreundlich in jeder Situation“ gleich.
Das ist zu vereinfacht.
Die tatsächliche Umweltwirkung hängt stark von Nutzung, Entsorgung und Recycling ab.
Warum könnte xPBS wirtschaftlich interessant werden?
Nachhaltigkeit allein reicht für industrielle Anwendungen meist nicht aus. Unternehmen achten auf:
- Kosten
- Produktionssicherheit
- Skalierbarkeit
- Lieferketten
- Gesetzliche Anforderungen
Genau hier könnte xPBS Vorteile bieten.
Keine teuren Maschinenwechsel
Die Nutzung bestehender Anlagen spart Investitionskosten.
Schnellere Markteinführung
Da Produktionsprozesse weitgehend erhalten bleiben, können Unternehmen schneller umstellen.
Frühe Anpassung an neue Vorschriften
Viele Unternehmen bereiten sich bereits auf strengere Umweltauflagen vor.
Wer früh nachhaltige Materialien einsetzt, kann Wettbewerbsvorteile aufbauen.
Welche Bedeutung hat das Folgeprojekt xPBS food?
Besonders spannend ist das Folgeprojekt xPBS food.
Seit Januar 2026 wird die Technologie speziell für Lebensmittelverpackungen weiterentwickelt.
Warum ist Lebensmittelverpackung so anspruchsvoll?
Verpackungen für Lebensmittel müssen viele Anforderungen erfüllen:
- Lebensmittelsicherheit
- Geruchsneutralität
- Stabilität
- Feuchtigkeitsschutz
- Recyclingfähigkeit
Die Kombination aus Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit gilt als große Herausforderung.
Welche Chancen ergeben sich daraus?
Der Markt für nachhaltige Lebensmittelverpackungen wächst weltweit stark.
Wenn xPBS food erfolgreich wird, könnte die Technologie in vielen Bereichen eingesetzt werden.
Dazu gehören:
- Take Away Verpackungen
- Schutzverpackungen
- Frischeverpackungen
- Lebensmitteltransporte
- Versandlösungen
Wie verändert nachhaltiger Kunststoff die Industrie?
Die Kunststoffindustrie befindet sich mitten im Wandel.
Lange Zeit lag der Fokus fast ausschließlich auf Funktionalität und Kosten. Heute kommen neue Faktoren hinzu:
- Nachhaltigkeit
- Klimaschutz
- Kreislaufwirtschaft
- Recyclingfähigkeit
- Ressourcenschonung
Neue Materialien wie xPBS zeigen, dass nachhaltige Alternativen nicht zwangsläufig schlechter oder wirtschaftlich unattraktiv sein müssen.
Der Erfolg nachhaltiger Materialien hängt oft weniger von der Technik als von der praktischen Umsetzbarkeit ab. Genau deshalb gelten Drop In Lösungen aktuell als besonders vielversprechend.
Welche Vorteile und Nachteile hat Bio-Schaum aus PBS?
Vorteile
- Biobasierte Rohstoffe
- Teilweise biologisch abbaubar
- Recyclingfähig
- Nutzung bestehender Produktionsanlagen
- Geringere CO₂ Belastung
- Breite Einsatzmöglichkeiten
Nachteile
- Neue Lieferketten nötig
- Möglicherweise höhere Kosten
- Recyclingstrukturen müssen angepasst werden
- Nicht automatisch vollständig umweltneutral
FAQ zum Bio-Schaum aus PBS
Was bedeutet PBS?
PBS steht für Polybutylensuccinat. Dabei handelt es sich um einen thermoplastischen Kunststoff, der biobasiert hergestellt werden kann.
Kann PBS herkömmliche Kunststoffe ersetzen?
In bestimmten Anwendungen ja. Besonders bei Verpackungen und Schutzschäumen bietet PBS großes Potenzial.
Ist PBS biologisch abbaubar?
Je nach Zusammensetzung und Entsorgungsbedingungen kann PBS biologisch abbaubar sein.
Warum ist die Drop In Lösung wichtig?
Unternehmen können bestehende Maschinen weiter nutzen und müssen keine komplett neuen Produktionsanlagen kaufen.
Welche Branchen profitieren besonders?
Vor allem Verpackungsindustrie, Bauwesen und Logistik könnten von nachhaltigen Bio-Schäumen profitieren.
Ist PBS automatisch klimaneutral?
Nein. Auch biobasierte Materialien verursachen Emissionen. Dennoch kann die Umweltbilanz im Vergleich zu fossilen Kunststoffen verbessert werden.
Fazit: Könnte Bio-Schaum die Kunststoffindustrie verändern?
Der neue PBS Bio-Schaum zeigt, dass nachhaltige Kunststofflösungen zunehmend industrietauglich werden. Besonders die Möglichkeit, bestehende Produktionsanlagen weiter zu nutzen, macht die Technologie für Unternehmen interessant.
Gleichzeitig verbindet das Material mehrere wichtige Eigenschaften: biobasierte Rohstoffe, Recyclingfähigkeit und industrielle Skalierbarkeit.
Ob sich PBS Schäume langfristig breit durchsetzen, hängt von Kosten, Marktakzeptanz und regulatorischen Entwicklungen ab. Das Potenzial für nachhaltigere Verpackungen und Kunststoffanwendungen ist jedoch deutlich erkennbar.
Gerade in Zeiten steigender Umweltanforderungen könnten solche Lösungen eine wichtige Rolle für die Zukunft der Kunststoffindustrie spielen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/en/news869372 und https://www.ccpe.fraunhofer.de/en.html
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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