Die Klimaerwärmung verändert den Schlupfzeitpunkt vieler Wildbienen und Wespen deutlich. Eine neue Studie der Universität Würzburg zeigt, dass höhere Temperaturen Insekten früher aus der Winterruhe holen. Dadurch verlieren viele Arten wichtige Energiereserven und finden teils schlechtere Bedingungen vor. Besonders betroffen sind Arten aus kühleren Regionen, die normalerweise an kalte Frühjahre angepasst sind.
Wie verändert die Klimaerwärmung Bienen und Wespen?
- Fast 15.000 Bienen und Wespen untersucht
- Über 160 Regionen in Bayern beteiligt
- Wärmere Frühlinge führen zu früherem Schlupf
- Viele Weibchen verlieren deutlich an Körpermasse
- Arten aus kühleren Regionen gelten als besonders gefährdet
- Veröffentlicht im Fachjournal Functional Ecology
Warum ist die Klimaerwärmung für Bienen und Wespen so relevant?
Wildbienen und Wespen gehören zu den wichtigsten Insekten in unseren Ökosystemen. Sie übernehmen zentrale Aufgaben bei der Bestäubung von Pflanzen und helfen dabei, natürliche Gleichgewichte aufrechtzuerhalten. Viele Wildpflanzen und Nutzpflanzen sind auf ihre Arbeit angewiesen.
Wenn sich der Zeitpunkt ihres Schlupfes verändert, kann das weitreichende Folgen haben. Insekten orientieren sich stark an Temperatur und Tageslänge. Schon wenige Grad Unterschied im Frühjahr reichen aus, um biologische Abläufe zu verschieben.
Die aktuelle Untersuchung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigt nun sehr deutlich, wie empfindlich diese Systeme auf steigende Temperaturen reagieren.
Was genau wurde in der Studie untersucht?
Die Forschenden rund um Dr. Cristina Ganuza und Professor Ingolf Steffan-Dewenter analysierten fünf verschiedene Wildbienen und Wespenarten aus Bayern. Dabei standen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt:
- Wann schlüpfen die Insekten bei unterschiedlichen Temperaturen?
- Wie verändert sich ihre körperliche Fitness?
- Welche Rolle spielt die Herkunft aus warmen oder kalten Regionen?
- Wie stark verlieren die Tiere Energiereserven?
Für die Untersuchung sammelte das Team fast 15.000 überwinternde Individuen aus mehr als 160 Regionen in Bayern. Anschließend wurden die Tiere unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen.
Die Wissenschaftler simulierten verschiedene Klimaszenarien:
| Klimaszenario | Beschreibung | Auswirkung |
|---|---|---|
| Kalter Frühling | Ähnliche Bedingungen wie früher | Normaler Schlupfzeitpunkt |
| Warmer Frühling | Moderate Klimaerwärmung | Früherer Schlupf |
| Heißer Frühling | Starke Erwärmung | Deutlich früheres Erwachen und höherer Energieverlust |
Wie überwintern Wildbienen und Wespen?
Viele Menschen wissen gar nicht, dass Wildbienen und Wespen unterschiedliche Überwinterungsstrategien besitzen.
Überwinterung als Larve
Viele Arten verbringen den Winter als verpuppte Larven in Kokons. Diese befinden sich oft:
- im Boden
- in morschem Holz
- in Pflanzenstängeln
- in kleinen Hohlräumen
Überwinterung als fertiges Insekt
Frühjahrsarten entwickeln sich bereits vollständig vor dem Winter und warten als erwachsene Tiere im Kokon auf wärmere Temperaturen.
Dadurch können sie sehr früh im Jahr aktiv werden. Genau diese Strategie wird jedoch zunehmend problematisch.
Später schlüpfende Arten
Sommerarten schließen ihre Entwicklung dagegen erst im Frühjahr ab. Sie benötigen dafür zusätzliche Energie und ausreichend stabile Umweltbedingungen.
Wildbienen und Wespen besitzen Fettreserven, die ihnen helfen, die Winterruhe zu überstehen. Steigen die Temperaturen zu früh an, verbrennen sie diese Reserven schneller. Dadurch sinken ihre Überlebenschancen und ihre Fähigkeit zur Fortpflanzung.
Warum schlüpfen die Insekten früher?
Insekten reagieren sehr sensibel auf Temperaturveränderungen. Wärmere Frühlinge signalisieren ihnen, dass die aktive Saison beginnt.
Die Studie zeigt klar:
- Alle untersuchten Arten schlüpften früher
- Warme Regionen verstärken diesen Effekt zusätzlich
- Extreme Temperaturen beschleunigen den Stoffwechsel
- Energiereserven werden schneller verbraucht
Das Problem dabei: Die Umwelt entwickelt sich nicht immer im gleichen Tempo.
Wenn Bienen schlüpfen, aber noch kaum Blüten vorhanden sind, fehlt Nahrung. Wespen wiederum finden möglicherweise noch nicht genügend Beutetiere.
Welche Arten sind besonders betroffen?
Besonders kritisch ist die Situation für Arten aus kühleren Regionen.
Laut Studie hatten Populationen aus Gebieten wie dem Bayerischen Wald größere Probleme mit warmen Frühlingen als Populationen aus wärmeren Regionen wie Unterfranken.
Frühjahrsarten aus kalten Regionen
Diese Tiere sind an längere Kälteperioden angepasst. Wenn es plötzlich früh warm wird, geraten ihre biologischen Abläufe aus dem Gleichgewicht.
Die Folgen:
- früheres Schlüpfen
- schnellerer Fettabbau
- schlechtere körperliche Fitness
- geringere Überlebenschancen
Sommerarten verlieren besonders viel Masse
Bei einigen weiblichen Sommerarten beobachteten die Forschenden einen Körpermassenverlust von bis zu 34 Prozent.
Das ist enorm, denn die Tiere benötigen Energie für:
- Partnersuche
- Nahrungssuche
- Nestbau
- Fortpflanzung
Sinken die Reserven zu stark, kann das ganze Populationen schwächen.
Aktuelle Angebote (Werbung):
Welche Folgen hat das für die Natur?
Die Auswirkungen gehen weit über einzelne Insektenarten hinaus.
Bestäubung kann leiden
Wildbienen sind unverzichtbare Bestäuber. Viele Pflanzenarten sind auf sie angewiesen.
Wenn Bienen zu früh schlüpfen und keine Blüten finden, entstehen sogenannte ökologische Zeitverschiebungen.
Das bedeutet:
- Pflanzen und Insekten passen zeitlich nicht mehr zusammen
- Bestäubung wird ineffizienter
- Pflanzen produzieren weniger Samen
- Nahrungsnetze geraten unter Druck
Auswirkungen auf Landwirtschaft
Auch die Landwirtschaft ist indirekt betroffen. Viele Obstsorten und Kulturpflanzen profitieren von Wildbestäubern.
Weniger stabile Insektenpopulationen könnten langfristig Auswirkungen auf Erträge und Artenvielfalt haben.
Warum sind Wildbienen so wichtig?
In Deutschland gibt es hunderte Wildbienenarten. Viele davon sind spezialisiert und bestäuben bestimmte Pflanzen besonders effizient.
Im Gegensatz zur Honigbiene leben Wildbienen meist alleine und bilden keine großen Staaten.
Sie übernehmen dennoch zentrale Aufgaben:
- Bestäubung von Wildpflanzen
- Erhalt biologischer Vielfalt
- Unterstützung landwirtschaftlicher Kulturen
- Nahrungssicherung für andere Tierarten
In wärmeren Regionen Bayerns konnten sich manche Populationen besser an warme Frühjahre anpassen. Populationen aus kühleren Regionen verloren dagegen schneller Energie und zeigten schlechtere körperliche Fitness.
Was sagen die Forschenden selbst?
Dr. Cristina Ganuza erklärt, dass Insekten aus kühleren Regionen besonders anfällig für warme Frühjahre sind.
Sie verlieren schneller ihre Energiereserven und starten dadurch unter schlechteren Bedingungen in die Saison.
Auch Professor Ingolf Steffan-Dewenter sieht erheblichen Forschungsbedarf.
Besonders wichtig seien nun Fragen wie:
- Welche Rolle spielen extreme Hitzetage?
- Wie verändert sich die Bestäubungsleistung?
- Wie schnell können sich Populationen anpassen?
Welche Rolle spielt der Klimawandel insgesamt?
Die Studie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie stark der Klimawandel biologische Prozesse beeinflusst.
Häufig wird bei der Klimaerwärmung vor allem an:
- Hitze
- Dürre
- Waldbrände
- Extremwetter
gedacht.
Doch auch kleine Verschiebungen in Jahreszeiten und Temperaturverläufen können große Auswirkungen auf Ökosysteme haben.
Gerade Insekten reagieren extrem sensibel auf Temperaturänderungen.
Wie können sich Insekten anpassen?
Einige Arten besitzen eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Wissenschaftlich spricht man von Plastizität.
Das bedeutet:
- Der Schlupfzeitpunkt kann flexibel angepasst werden
- Verhaltensweisen verändern sich
- Entwicklungsprozesse reagieren auf Umweltbedingungen
Allerdings hat diese Anpassungsfähigkeit Grenzen.
Wenn sich Temperaturen zu schnell verändern, reicht evolutionäre Anpassung oft nicht mehr aus.
Warum sind regionale Unterschiede wichtig?
Die Herkunft der Populationen spielte in der Studie eine entscheidende Rolle.
| Region | Eigenschaft | Reaktion auf Wärme |
|---|---|---|
| Unterfranken | Wärmeres Klima | Bessere Anpassung |
| Bayerischer Wald | Kühleres Klima | Höherer Energieverlust |
Das zeigt, dass nicht alle Populationen gleich auf die Klimaerwärmung reagieren.
Regionale Unterschiede werden deshalb künftig immer wichtiger.
Welche Bedeutung hat die Studie für Deutschland?
Die Ergebnisse sind besonders relevant für Mitteleuropa und Deutschland.
Viele Regionen erleben bereits:
- mildere Winter
- frühere Frühjahre
- häufigere Hitzeperioden
- stärkere Wetterschwankungen
Dadurch verändern sich Lebensräume vieler Arten.
Die Studie macht deutlich, dass selbst kleine Temperaturverschiebungen biologische Prozesse massiv beeinflussen können.
Welche Rolle spielt das Forschungsprojekt Landklif?
Die Untersuchung ist Teil des Forschungsprojekts Landklif.
Dieses Projekt untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf Landschaften, Artenvielfalt und Ökosysteme.
Weitere Informationen gibt es beim Forschungsprojekt Landklif.
Auch der JMU-Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie beschäftigt sich intensiv mit den ökologischen Folgen des Klimawandels.
Was bedeutet das für Naturfreunde und Gartenbesitzer?
Auch Privatpersonen können helfen, Wildbienen und andere Insekten zu unterstützen.
Blühflächen schaffen
Besonders wichtig sind:
- heimische Pflanzen
- lange Blühzeiten
- naturnahe Gärten
- weniger versiegelte Flächen
Nistmöglichkeiten erhalten
Viele Wildbienen benötigen:
- offene Bodenstellen
- Totholz
- Pflanzenstängel
- natürliche Rückzugsorte
Pestizide vermeiden
Chemische Pflanzenschutzmittel können zusätzliche Belastungen verursachen.
Gerade geschwächte Populationen reagieren empfindlich auf weitere Stressfaktoren.
Wildbienen sind meist friedlich und stechen nur selten. Viele Arten können den menschlichen Körper kaum durchdringen. Sie sind daher wichtige und oft unterschätzte Helfer im Ökosystem.
FAQ: Häufige Fragen zur Klimaerwärmung und Insekten
Warum schlüpfen Bienen früher?
Steigende Temperaturen signalisieren den Insekten einen früheren Frühlingsbeginn. Dadurch endet die Winterruhe früher.
Warum verlieren die Tiere Körpermasse?
Höhere Temperaturen erhöhen den Energieverbrauch. Die Insekten verbrennen Fettreserven schneller.
Sind nur Wildbienen betroffen?
Nein. Auch Wespen und viele andere Insekten reagieren empfindlich auf Temperaturveränderungen.
Warum sind kühle Regionen stärker betroffen?
Populationen aus kalten Regionen sind evolutionär an längere Winter angepasst und reagieren empfindlicher auf plötzliche Wärme.
Kann sich die Natur anpassen?
Teilweise ja. Allerdings könnte die Geschwindigkeit des Klimawandels für viele Arten problematisch werden.
Welche offenen Fragen bleiben?
Die Forschenden sehen weiterhin großen Forschungsbedarf.
Besonders wichtig sind künftig:
- Langzeitstudien
- Untersuchungen zu Extremhitze
- Auswirkungen auf Bestäubung
- Anpassungsfähigkeit verschiedener Arten
- regionale Unterschiede
Die aktuelle Studie liefert wichtige Grundlagen, beantwortet aber noch nicht alle Fragen.
Fazit: Klimaerwärmung verändert das Leben von Bienen und Wespen deutlich
Die neue Untersuchung aus Würzburg zeigt eindrucksvoll, wie sensibel Wildbienen und Wespen auf steigende Temperaturen reagieren.
Frühere Schlupfzeiten, schnellerer Energieverlust und schlechtere Startbedingungen könnten langfristig erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme und Bestäubung haben.
Besonders problematisch ist die Situation für Arten aus kühleren Regionen, die an kalte Frühjahre angepasst sind.
Die Studie macht deutlich, dass der Klimawandel nicht nur Wetterextreme verändert, sondern auch grundlegende biologische Abläufe in der Natur beeinflusst.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, wie wichtig weitere Forschung und gezielte Schutzmaßnahmen für Wildbienen und andere Insekten werden.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news869007
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen, News bzw. Pressemeldung
