Der Klimawandel verursacht keine tektonischen Erdbeben, kann deren Folgen in der Arktis aber erheblich verschärfen. Erwärmt sich dauerhaft gefrorenes Gestein, verliert das Eis in seinen Spalten einen Teil seiner stabilisierenden Wirkung. Ein Erdbeben kann dann leichter Felsstürze, Gerölllawinen und Gletscherabbrüche auslösen. Eine Untersuchung des Erdbebens auf Jan Mayen vom März 2025 zeigt diese gefährliche Verkettung besonders deutlich.
Wie verschärft der Klimawandel Erdbebenfolgen in der Arktis?
| Faktor | Beobachtung auf Jan Mayen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Erdbeben | Magnitude 6,5 am 10. März 2025 | Unmittelbarer Auslöser der Kettenreaktion |
| Permafrost | Langfristige Erwärmung und mögliche Degradation | Gesteinsklüfte verlieren an Stabilität |
| Felslawine | Große Mengen vulkanischen Materials stürzten ab | Teile des Kjerulf-Gletschers wurden verschüttet |
| Gletscherkalben | Abbruch am benachbarten Weyprecht-Gletscher | Zusätzliche Folge der starken Bodenbewegung |
| Forschung | Auswertung von Erdbeben, Satelliten, Infraschall und Klimadaten | Minutiöse Rekonstruktion des Ablaufs |
| Übergeordnete Bedeutung | Kombination aus Erwärmung und geologischem Auslöser | Wachsende Risiken in Polarregionen und Hochgebirgen |
Meldung: Ein Erdbeben der Magnitude 6,5 löste auf der arktischen Insel Jan Mayen eine große Felslawine und das Kalben eines Gletschers aus.
Bedeutung: Die Studie liefert Hinweise darauf, dass die langfristige Erwärmung des Permafrosts den betroffenen Vulkanhang geschwächt und dadurch die Auswirkungen der Erschütterungen verstärkt haben könnte.
Einordnung: Die Ergebnisse sind besonders für die Naturgefahrenforschung, den Katastrophenschutz, die Überwachung von Permafrostregionen und die Planung von Infrastruktur in Hochgebirgen und Polarregionen wichtig.
Was geschah beim Erdbeben auf Jan Mayen?
Am 10. März 2025 ereignete sich in der Umgebung der norwegischen Insel Jan Mayen ein starkes Erdbeben. Es erreichte eine Magnitude von 6,5 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Diese Skala beschreibt die bei einem Erdbeben freigesetzte Energie und eignet sich besonders für die wissenschaftliche Bewertung stärkerer Ereignisse.
Wenige Minuten nach Beginn des Bebens lösten die Bodenbewegungen an einem steilen Hang oberhalb des Kjerulf-Gletschers eine gewaltige Felslawine aus. Große Mengen vulkanischen Gesteins lösten sich, stürzten in Richtung Gletscher und breiteten sich über dessen Oberfläche aus. Das Material gelangte offenbar bis in die Nähe der Küste.
Gleichzeitig blieb es nicht bei diesem einen Ereignis. Satellitendaten zeigten, dass es auch am benachbarten Weyprecht-Gletscher zu einer deutlichen Veränderung kam. Dort lösten die Erschütterungen ein Kalben aus. Als Kalben bezeichnen Fachleute das Abbrechen größerer Eismassen am Rand eines Gletschers.
Damit entstand eine Kaskade mehrerer miteinander verbundener Naturgefahren:
- Ein tektonisches Erdbeben erschütterte die Insel.
- Ein bereits geschwächter Berghang verlor seine Stabilität.
- Vulkanisches Gestein stürzte auf den Kjerulf-Gletscher.
- Schutt und Geröll bedeckten große Teile der Eisoberfläche.
- Am Weyprecht-Gletscher brachen gleichzeitig Eismassen ab.
Jedes dieser Ereignisse kann für sich genommen erhebliche Auswirkungen haben. Entscheidend ist jedoch ihr Zusammenwirken. Genau diese Verbindung bezeichnen Forschende als kaskadierende Naturgefahr.
Wo liegt Jan Mayen und warum gibt es dort Erdbeben?
Jan Mayen ist eine abgelegene Insel im nördlichen Atlantik und gehört politisch zu Norwegen. Sie liegt ungefähr 500 Kilometer östlich von Grönland und rund 550 Kilometer nördlich von Island. Dauerhafte zivile Siedlungen gibt es dort nicht. Zeitweise halten sich vor allem Beschäftigte einer Wetterstation und weiteres Fachpersonal auf der Insel auf.
Geologisch befindet sich Jan Mayen in einer ausgesprochen dynamischen Region. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und liegt im Umfeld des Mittelatlantischen Rückens. Dort bewegen sich tektonische Platten auseinander. Zusätzlich verläuft in der Region die Jan Mayen Transformstörung, an der sich Erdkrustenbereiche seitlich gegeneinander verschieben.
Erdbeben sind deshalb in der Umgebung keine außergewöhnliche Erscheinung. In der Vergangenheit wurden Ereignisse mit Magnituden von bis zu 7,0 registriert. Das Beben von 2025 war also nicht das erste starke Erdbeben der Region.
Diese Tatsache machte den Felssturz für die Wissenschaft besonders interessant. Wenn die Insel regelmäßig erschüttert wird, warum entstand ausgerechnet 2025 eine derart große Gerölllawine? Nach Angaben des GEOMAR liefern Satellitenbeobachtungen aus einem Zeitraum von etwa 40 Jahren keine Hinweise auf eine vergleichbare, durch ein Erdbeben ausgelöste Felslawine an dieser Stelle.
Welche Rolle spielt der Beerenberg?
Das Landschaftsbild im Norden Jan Mayens wird vom Beerenberg geprägt. Der mehr als 2.200 Meter hohe Vulkan gilt als nördlichster aktiver Vulkan der Erde. Seine bislang letzte bekannte Eruptionsphase fand in den 1980er Jahren statt.
Vom Gipfelbereich und den Flanken des Vulkans ziehen sich mehrere Gletscher in Richtung Küste. Dazu gehören der Kjerulf-Gletscher und der Weyprecht-Gletscher. Die Verbindung aus steilen Hängen, vulkanischem Gestein, Gletschereis, Permafrost und tektonischer Aktivität schafft ein komplexes Gefahrenumfeld.
Vulkanisches Gestein kann von zahlreichen Rissen und Klüften durchzogen sein. Solange Wasser in diesen Spalten dauerhaft gefroren bleibt, trägt das Eis zur Stabilisierung des Felsens bei. Steigen die Temperaturen über längere Zeit, verändert sich dieses Gleichgewicht.
Wie kann tauender Permafrost einen Berghang schwächen?
Permafrost bezeichnet Untergrund, dessen Temperatur mindestens zwei Jahre in Folge bei höchstens null Grad Celsius liegt. Permafrost besteht nicht zwangsläufig nur aus gefrorenem Boden. Er kann auch in steilen Felswänden vorkommen. Dort befindet sich Eis in Poren, Rissen und Gesteinsklüften.
Dieses Eis wirkt vereinfacht gesagt wie ein natürlicher Kitt. Es verbindet einzelne Gesteinsbereiche und kann verhindern, dass sich vorhandene Risse weiter öffnen. Erwärmt sich das Gestein, taut ein Teil dieses Eises auf. Wasser kann sich verlagern, erneut gefrieren oder aus den Klüften abfließen.
Dadurch können mehrere destabilisierende Prozesse entstehen:
- Die bindende Wirkung des Eises nimmt ab.
- Wasser dringt tiefer in vorhandene Klüfte ein.
- Wiederholtes Gefrieren und Tauen vergrößert Risse.
- Der Wasserdruck in Spalten kann zeitweise steigen.
- Einzelne Felsblöcke verlieren ihren Halt.
- Steile Hänge reagieren empfindlicher auf Erschütterungen.
Ein Hang muss deshalb nicht sofort einstürzen, sobald der Permafrost wärmer wird. Die Schwächung kann sich über Jahre oder Jahrzehnte entwickeln. Der Hang bleibt zunächst stehen, nähert sich aber möglicherweise einem kritischen Zustand. Ein späteres Erdbeben kann dann den letzten Impuls liefern.
Wichtig zu unterscheiden: Der Klimawandel hat das Erdbeben auf Jan Mayen nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht ausgelöst. Das Beben entstand durch tektonische Prozesse. Die Erwärmung könnte jedoch die Empfindlichkeit des Hanges gegenüber den Erschütterungen erhöht haben. Der Klimawandel wirkt hier als Risikoverstärker und nicht als unmittelbare Erdbebenursache.
Warum sprechen Forschende von arktischer Verstärkung?
Die Arktis erwärmt sich im Durchschnitt schneller als die Erde insgesamt. Dieser Vorgang wird als arktische Verstärkung bezeichnet. Dabei greifen mehrere Prozesse ineinander. Wenn Schnee und Meereis zurückgehen, werden dunklere Flächen sichtbar. Diese nehmen mehr Sonnenenergie auf als helle Eisflächen. Die zusätzliche Wärme fördert wiederum das weitere Schmelzen.
Auch Veränderungen in Atmosphäre, Ozean und Wolkenbedeckung spielen eine Rolle. Für Felswände und Gebirgshänge ist vor allem entscheidend, dass höhere Lufttemperaturen langfristig in den Untergrund eindringen können. Die Erwärmung von tiefem Fels verläuft langsamer als die Erwärmung der Luft, ist aber für die Stabilität des Permafrosts besonders relevant.
Die Auswirkungen zeigen sich deshalb nicht nur während eines einzelnen warmen Sommers. Es geht um eine langfristige Verschiebung der thermischen Bedingungen. Ein Hang kann über viele Jahre an Festigkeit verlieren, ohne dass dies von außen sofort erkennbar ist.
Wie wurde die Kettenreaktion wissenschaftlich untersucht?
Da Jan Mayen abgelegen und schwer zugänglich ist, konnte das Forschungsteam nicht allein auf klassische Beobachtungen vor Ort setzen. Stattdessen kombinierten die beteiligten Fachleute mehrere voneinander unabhängige Datenquellen.
Welche Messdaten kamen zum Einsatz?
- Lokale seismische Daten: Sie zeichneten die Erschütterungen in der näheren Umgebung auf.
- Regionale Erdbebendaten: Sie halfen bei der Bestimmung von Epizentrum, Stärke und zeitlichem Verlauf.
- Hochauflösende Satellitenbilder: Sie machten die Veränderungen an Felswand und Gletschern sichtbar.
- Infraschallmessungen: Sie erfassten sehr tieffrequente Schallwellen, die durch die große Massenbewegung entstanden.
- Lufttemperaturdaten: Sie lieferten Informationen über die jüngere thermische Entwicklung.
- Langfristige Klimadaten: Sie ermöglichten die Einordnung der Erwärmung über einen längeren Zeitraum.
Die Kombination war entscheidend. Ein Satellitenbild kann zeigen, wo Gestein abgebrochen ist, liefert allein aber nicht immer den exakten Zeitpunkt. Seismische Stationen zeichnen Bodenbewegungen auf, müssen jedoch zwischen dem eigentlichen Erdbeben und nachfolgenden Massenbewegungen unterscheiden. Infraschall kann wiederum helfen, eine große Lawine zeitlich einzugrenzen.
Durch den Abgleich der Messreihen ließ sich die Abfolge der Ereignisse nahezu minutengenau rekonstruieren. Dadurch wurde deutlich, dass die Felslawine kurz nach dem Erdbeben einsetzte und sehr wahrscheinlich durch dessen Erschütterungen ausgelöst wurde.
Was können Satellitenbilder über den Klimawandel verraten?
Satelliten dokumentieren nicht direkt jede Veränderung im Inneren eines Berghanges. Sie ermöglichen aber den Vergleich der Geländeoberfläche vor und nach einem Ereignis. Auf Jan Mayen ließ sich dadurch erkennen, an welcher Stelle die Felswand abbrach und wie weit sich das Material über den Kjerulf-Gletscher ausbreitete.
Zudem konnten Forschende jahrzehntelange Bildreihen auswerten. Nach Angaben des GEOMAR fand sich darin kein Ereignis vergleichbarer Größe. Das beweist für sich allein noch keinen kausalen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Zusammen mit Temperaturdaten, Kenntnissen über Permafrost und der außergewöhnlichen Hangreaktion entsteht jedoch ein wissenschaftlich plausibles Gesamtbild.
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Was bedeutet eine Geröllbedeckung für einen Gletscher?
Wenn eine Felslawine auf einen Gletscher trifft, verändert sie mehr als nur dessen Oberfläche. Das zusätzliche Material kann die Bewegung des Eises beeinflussen, den Gletscher mechanisch belasten und seine Schmelzrate verändern.
Die Wirkung von Geröll hängt unter anderem von seiner Dicke ab. Eine dünne dunkle Schicht kann mehr Sonnenstrahlung aufnehmen und dadurch das Abschmelzen beschleunigen. Eine mächtige Schuttdecke kann das Eis dagegen teilweise gegen Wärme isolieren. Auf einem einzigen Gletscher können deshalb gleichzeitig Bereiche mit verstärkter und verringerter Schmelze entstehen.
Weitere mögliche Folgen sind:
- Veränderungen der Abflusswege von Schmelzwasser
- Bildung oder Verlagerung kleiner Seen auf dem Eis
- Zusätzliche Rissbildung durch ungleichmäßige Belastung
- Veränderungen der Fließgeschwindigkeit des Gletschers
- Transport des Gerölls in tiefere Bereiche und bis zur Küste
- Beeinflussung der Sedimentablagerung im Meer
Welche Langzeitfolgen die Ablagerungen auf dem Kjerulf-Gletscher haben werden, lässt sich nicht allein aus dem unmittelbaren Ereignis ableiten. Dafür sind weitere Beobachtungen notwendig.
Warum sind kaskadierende Naturgefahren besonders gefährlich?
Bei klassischen Gefahrenanalysen werden Erdbeben, Felsstürze, Gletscherbewegungen und Überflutungen häufig getrennt betrachtet. In der Realität können sie jedoch eng miteinander verbunden sein. Eine erste Gefahr verändert die Umgebung und löst eine zweite aus. Diese kann wiederum eine dritte Entwicklung anstoßen.
Ein mögliches Beispiel aus einer bewohnten Hochgebirgsregion sieht so aus:
- Langfristige Erwärmung schwächt eine Felswand.
- Ein Erdbeben oder Starkregen löst einen Felssturz aus.
- Das Gestein fällt auf einen Gletscher oder in einen Bergsee.
- Eine Flutwelle oder eine Geröllströmung entsteht.
- Straßen, Brücken, Siedlungen und Energieanlagen werden getroffen.
Jan Mayen selbst ist nur sehr dünn besiedelt. Das Ereignis verursachte deshalb keine Katastrophe mit vielen menschlichen Opfern. Wissenschaftlich ist es dennoch wertvoll, weil sich die Prozesse dort relativ ungestört beobachten lassen. Die Erkenntnisse können helfen, Risiken in stärker besiedelten Gebirgsregionen besser zu verstehen.
Praxisbeispiel: In einem Alpental kann eine instabile Felswand oberhalb eines Gletschers ein Risiko darstellen, obwohl sie jahrelang unbeweglich erscheint. Taut der Permafrost in den Klüften, kann ein vergleichsweise kurzer Impuls wie ein Erdbeben, intensiver Regen oder eine starke Wärmeperiode den Hang mobilisieren. Für den Katastrophenschutz reicht es deshalb nicht, nur die Wahrscheinlichkeit des ersten Auslösers zu bewerten.
Lässt sich der Einfluss des Klimawandels eindeutig beweisen?
Bei einem einzelnen Felssturz ist es schwierig, den exakten Anteil des Klimawandels zweifelsfrei zu bestimmen. Natürliche Hänge können auch ohne globale Erwärmung versagen. Gesteinsart, Neigung, Klüfte, Wasser, frühere Erdbeben und vulkanische Prozesse beeinflussen ebenfalls die Stabilität.
Die Forschenden formulieren ihre Schlussfolgerung deshalb entsprechend vorsichtig. Die Permafrostdegradation dürfte zur zunehmenden Instabilität beigetragen haben. Sie wird als plausibler zusätzlicher Faktor interpretiert, nicht als alleinige Ursache.
Für diese Einordnung sprechen mehrere Punkte:
- Die Region wird seit langer Zeit von Erdbeben erschüttert.
- Vergleichbare Felslawinen sind in jahrzehntelangen Satellitendaten nicht erkennbar.
- Der betroffene Hang liegt in einer Permafrostregion.
- Die Arktis hat sich langfristig stark erwärmt.
- Der Verlust von Eis in Felsklüften kann die Stabilität nachweislich verringern.
- Das Erdbeben lieferte einen klar identifizierbaren unmittelbaren Auslöser.
Seriöse Einordnung bedeutet daher: Das Erdbeben löste die Felslawine aus. Die klimatisch bedingte Erwärmung des Permafrosts könnte den Hang zuvor anfälliger gemacht haben.
Welche Regionen könnten ebenfalls betroffen sein?
Die Erkenntnisse reichen über Jan Mayen hinaus. Vergleichbare Kombinationen aus steilem Gelände, Permafrost, Gletschern und geologischen Auslösern gibt es in vielen Teilen der Welt.
Dazu zählen insbesondere:
- arktische Inseln und Küstengebirge
- Grönland und Teile Alaskas
- Gebirgsregionen Skandinaviens
- die europäischen Alpen
- der Himalaya und das tibetische Hochland
- die Anden
- weitere vergletscherte Hochgebirge
Das konkrete Risiko unterscheidet sich jedoch stark. Nicht jeder tauende Permafrosthang wird einstürzen und nicht jedes Erdbeben verursacht eine Felslawine. Entscheidend sind lokale Bedingungen wie Hangneigung, Gesteinsstruktur, Eismenge, Temperaturentwicklung und mögliche Gefahrenbereiche unterhalb des Hanges.
Wie kann die Überwachung gefährdeter Hänge verbessert werden?
Die Studie zeigt, wie wichtig die Verknüpfung unterschiedlicher Beobachtungssysteme ist. Eine wirksame Überwachung sollte nicht erst beginnen, wenn ein Felssturz bereits stattgefunden hat.
Welche Maßnahmen sind sinnvoll?
- Temperaturen im Fels messen: Bohrlochmessungen können zeigen, wie tief die Erwärmung in einen Hang vorgedrungen ist.
- Risse beobachten: Sensoren erfassen, ob sich Klüfte vergrößern oder Felsblöcke bewegen.
- Satelliten regelmäßig auswerten: Radarverfahren können selbst kleine Oberflächenbewegungen sichtbar machen.
- Seismische Stationen vernetzen: Sie registrieren Erdbeben und kleinere Bruchvorgänge im Gestein.
- Infraschall einbeziehen: Große Lawinen und Abbrüche lassen sich auch aus größerer Entfernung erkennen.
- Gefahrenkarten aktualisieren: Historische Ereignisse allein reichen unter veränderten Klimabedingungen nicht aus.
- Kaskaden modellieren: Planungen sollten mögliche Folgeereignisse wie Flutwellen und Geröllströme berücksichtigen.
Besonders wichtig ist eine regelmäßige Neubewertung. Ein Hang, der vor 30 Jahren als stabil galt, muss unter heutigen Temperaturbedingungen nicht dieselbe Sicherheitsreserve besitzen.
Welche Grenzen hat die Studie?
Die Untersuchung liefert ein detailliertes Bild des Ereignisses, kann aber nicht jede offene Frage beantworten. Direkte Langzeitmessungen der Temperaturen und Eisverhältnisse innerhalb des abgebrochenen Hanges wären besonders wertvoll. In abgelegenen Polarregionen stehen solche Messreihen jedoch häufig nur eingeschränkt zur Verfügung.
Auch die Abwesenheit eines vergleichbaren Felssturzes in Satellitenbildern bedeutet nicht, dass es vor Beginn der Satellitenbeobachtung niemals ähnliche Ereignisse gab. Geologische Spuren können durch Gletscherbewegungen, Schnee oder Erosion verändert worden sein.
Die Ergebnisse sollten deshalb als gut begründete wissenschaftliche Einordnung verstanden werden. Sie zeigen einen plausiblen Mechanismus und dokumentieren eine konkrete Kettenreaktion. Für allgemeingültige Risikomodelle sind zusätzliche Untersuchungen an weiteren Standorten erforderlich.
Was sagt die Originalpublikation aus?
Die Studie trägt den Titel Earthquake-triggered cascading hazards under Arctic amplification und wurde in den Proceedings of the National Academy of Sciences, kurz PNAS, veröffentlicht. Beteiligt waren Forschende des GEOMAR, des Geological Survey of Norway, des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung, der Universidade Federal do Rio Grande do Norte, der University of Bergen und von NORSAR.
Die Originalpublikation von Guilherme W. S. de Melo, Reginald L. Hermanns, Jacob M. Bendle, Ingo Grevemeyer, Simone Cesca, Aderson F. do Nascimento, Lars Ottemöller, Gökhan Aslan, Quentin Brissaud, Volker Oye und Heidrun Kopp beschreibt die Verbindung von Erdbeben, Permafrostdegradation, Felslawine und Gletscherreaktion auf Jan Mayen.
Weitere Angaben zum Ereignis, zu den beteiligten Institutionen und zu den verwendeten Messmethoden stellt das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel bereit.
Welche rechtliche und gesellschaftliche Bedeutung haben die Ergebnisse?
Die Studie führt nicht automatisch zu neuen gesetzlichen Vorgaben. Sie kann jedoch für Raumplanung, Infrastrukturprojekte und Katastrophenschutz relevant werden. Behörden und Betreiber technischer Anlagen müssen Risiken nach dem jeweils verfügbaren Wissensstand bewerten. In Permafrostgebieten kann dazu künftig stärker die langfristige klimatische Entwicklung gehören.
Betroffen sein können beispielsweise Straßen, Tunnel, Seilbahnen, Pipelines, Energieanlagen, Forschungsstationen und touristische Einrichtungen. Werden historische Gefahrenkarten nicht an neue Bedingungen angepasst, könnten sie die heutige Stabilität eines Hanges überschätzen.
Das bedeutet nicht, dass sämtliche Infrastruktur in kalten Regionen akut bedroht ist. Vielmehr sollte die Erwärmung als zusätzlicher Faktor in bestehende Risikoanalysen aufgenommen werden. Die Studie liefert dafür ein anschauliches Fallbeispiel.
Häufige Fragen zum Klimawandel und zu Erdbebenfolgen
Verursacht der Klimawandel mehr Erdbeben?
Die Studie auf Jan Mayen zeigt nicht, dass der Klimawandel das tektonische Erdbeben verursacht hat. Die globale Erwärmung kann jedoch die Stabilität von Hängen verändern und dadurch die oberirdischen Folgen eines Bebens verstärken.
Warum hält Eis einen Felsen zusammen?
Gefrorenes Wasser füllt Klüfte und kann benachbarte Gesteinsbereiche miteinander verbinden. Erwärmt sich der Fels und taut das Eis, geht ein Teil dieser bindenden Wirkung verloren.
Was ist eine kaskadierende Naturgefahr?
Damit ist eine Abfolge gemeint, bei der ein Ereignis weitere Gefahren auslöst. Auf Jan Mayen folgten auf das Erdbeben eine Felslawine, die Verschüttung eines Gletschers und ein Gletscherabbruch.
Kann eine Geröllschicht das Abschmelzen eines Gletschers beschleunigen?
Ja, wenn die Schicht dünn ist und viel Sonnenenergie aufnimmt. Eine sehr dicke Geröllschicht kann das Eis dagegen isolieren. Die tatsächliche Wirkung hängt von Mächtigkeit, Material und Verteilung ab.
Warum ist das Ereignis trotz der abgelegenen Lage wichtig?
Jan Mayen dient als natürliches Beispiel dafür, wie Erwärmung, Permafrost, Erdbeben und Gletscher zusammenwirken. Die Erkenntnisse können auf gefährdete und stärker besiedelte Hochgebirgsregionen übertragen werden.
Lassen sich solche Felsstürze vorhersagen?
Ein genauer Zeitpunkt lässt sich meist nicht zuverlässig bestimmen. Durch Temperaturmessungen, Satellitenradar, Bewegungssensoren und seismische Überwachung können Fachleute jedoch gefährliche Veränderungen erkennen und Wahrscheinlichkeiten besser bewerten.
Was bleibt als wichtigste Erkenntnis?
Das Erdbeben auf Jan Mayen zeigt, wie der Klimawandel bestehende Naturgefahren verändern kann. Nicht die tektonische Ursache des Bebens stand dabei unter klimatischem Einfluss, sondern wahrscheinlich die Empfindlichkeit des betroffenen Hanges.
Jahrzehntelange Erwärmung kann Permafrost in Felswänden schwächen. Trifft anschließend ein kräftiger Auslöser wie ein Erdbeben auf den destabilisierten Hang, kann daraus eine Kette weiterer Ereignisse entstehen. Auf Jan Mayen waren dies eine große Felslawine, die Bedeckung des Kjerulf-Gletschers mit Geröll und ein Kalbungsereignis am Weyprecht-Gletscher.
Für die Zukunft bedeutet das: Gefahrenkarten, Überwachungssysteme und Schutzkonzepte sollten nicht nur einzelne Risiken betrachten. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Klima, Untergrund, Gletschern und möglichen Auslösern. Gerade in der Arktis und in Hochgebirgen können sich Sicherheitsbedingungen schneller verändern, als historische Erfahrungen vermuten lassen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news876877 und https://doi.org/10.1073/pnas.2617210123
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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