Der Klimawandel wirkt sich nicht auf alle Kulturpflanzen gleich aus. Weizen reagiert besonders empfindlich auf Hitze und Trockenheit und kann dadurch Ertrag verlieren. Bei Äpfeln können wärmere Bedingungen derzeit regional noch Vorteile bringen, etwa durch veränderte Frostbedingungen. Gleichzeitig sind Äpfel auf Insektenbestäubung angewiesen. Deshalb entscheidet künftig nicht nur das Klima über die Ernte, sondern auch die Entwicklung der Bestäuber.
Warum reagieren Äpfel anders auf den Klimawandel als Weizen?
| Kulturpflanze | Bestäubung | Wichtige Klimafaktoren | Mögliche Entwicklung |
|---|---|---|---|
| Weizen | weitgehend unabhängig von Insekten | Hitze, Trockenheit, Bodenfeuchte | Erträge können bei Überschreiten des Klimaoptimums sinken |
| Apfel | stark von Insekten abhängig | Temperatur, Spätfrost, Trockenheit, Bestäuberaktivität | regional derzeit teilweise günstige Entwicklung, langfristig zusätzliche Risiken |
| Kirsche | stark von Insekten abhängig | Temperatur, Frost, Blütezeit, Bestäubung | ähnlich komplexe Reaktion wie andere Obstgehölze |
| Raps | teilweise bis deutlich von Insektenbestäubung abhängig | Hitze, Trockenheit, Blütenentwicklung, Bestäuber | Klima und Bestäubungsleistung wirken gemeinsam auf den Ertrag |
Faktenbox: Was ist passiert?
Forschende der Technischen Universität München haben Ertragsdaten wichtiger Kulturpflanzen aus einem Zeitraum von 35 Jahren untersucht. Dabei verglichen sie zwei klimatisch unterschiedliche Regionen Bayerns und berücksichtigten zusätzlich, wie stark die jeweiligen Pflanzen von Insektenbestäubung abhängig sind. Das Ergebnis zeigt, dass Klimawandel, landwirtschaftlicher Fortschritt und Bestäubung gemeinsam betrachtet werden müssen, wenn zukünftige Erträge abgeschätzt werden sollen.
Was zeigt die neue Studie über Klimawandel und Landwirtschaft?
Wenn über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft gesprochen wird, stehen häufig Hitze, Trockenheit und Wassermangel im Mittelpunkt. Das ist grundsätzlich richtig, greift aber zu kurz. Pflanzen unterscheiden sich erheblich darin, wie sie auf Temperatur, Niederschlag und Bodenfeuchtigkeit reagieren. Zusätzlich spielt die Art der Fortpflanzung eine entscheidende Rolle.
Genau hier setzt die Untersuchung von Paula Prucker, Johannes Kollmann und Sara Diana Leonhardt von der Technischen Universität München an. Die Studie mit dem Titel Pollinator Dependency and Regional Climate Affect Crop Yield Development Under Climate Change erschien 2026 in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution.
Die Originalpublikation findest Du hier:
https://doi.org/10.1002/ece3.73751
Die Forschenden analysierten Ertragsdaten aus den Jahren 1985 bis 2019. Untersucht wurden landwirtschaftliche Kulturen in zwei klimatisch unterschiedlichen bayerischen Regionen. Unterfranken repräsentierte dabei eine vergleichsweise warme und trockene Region, während Oberbayern kühlere und feuchtere Bedingungen aufweist.
Dieser Vergleich ist besonders interessant, weil sich dadurch teilweise abschätzen lässt, wie sich heutige kühlere Anbaugebiete unter zukünftig wärmeren Bedingungen entwickeln könnten.
Warum reagieren Äpfel anders auf den Klimawandel als Weizen?
Der entscheidende Unterschied liegt nicht allein in der Pflanzenart. Auch die Bestäubungsbiologie spielt eine wichtige Rolle.
Weizen ist für seine Ertragsbildung nicht auf den Besuch von Bienen, Hummeln, Schwebfliegen oder anderen Bestäubern angewiesen. Bei Äpfeln sieht die Situation grundlegend anders aus. Für einen guten Fruchtansatz benötigen Apfelblüten eine ausreichende Bestäubung. Damit kommt neben Temperatur, Wasser und Boden ein weiterer biologischer Faktor hinzu.
Vereinfacht gesagt hängt die Weizenernte hauptsächlich davon ab, wie gut die Pflanze selbst mit ihren Umweltbedingungen zurechtkommt. Beim Apfel müssen dagegen mehrere Komponenten gleichzeitig funktionieren:
- Der Baum muss gesund wachsen.
- Die Blüten müssen sich zum geeigneten Zeitpunkt entwickeln.
- Die Blüten dürfen nicht durch ungünstige Witterung geschädigt werden.
- Geeignete Bestäuber müssen vorhanden sein.
- Die Bestäuber müssen während der Blüte aktiv sein.
- Temperatur und Wetter müssen eine erfolgreiche Bestäubung ermöglichen.
- Nach der Befruchtung müssen sich die Früchte erfolgreich entwickeln können.
Dadurch entsteht ein komplexes Zusammenspiel zwischen Klima, Pflanze und Tierwelt.
Warum kann der Klimawandel Weizen besonders stark treffen?
Weizen besitzt einen Temperaturbereich, innerhalb dessen Wachstum und Kornbildung besonders gut funktionieren. Steigen die Temperaturen über dieses Optimum hinaus, können verschiedene Prozesse beeinträchtigt werden.
Besonders problematisch ist die Kombination aus hohen Temperaturen und Trockenheit. Trockene Böden reduzieren die Wasserverfügbarkeit. Gleichzeitig steigt bei hohen Temperaturen der Wasserbedarf der Pflanzen.
Hitze kann außerdem die Kornfüllungsphase verkürzen. Dabei handelt es sich um die Zeit, in der die Pflanze Reservestoffe in das Korn einlagert. Wird diese Entwicklungsphase durch hohe Temperaturen beschleunigt, bleibt weniger Zeit für die Bildung großer und schwerer Körner.
Das kann sich unmittelbar auf den Ertrag auswirken.
Welche Folgen können Hitze und Trockenheit für Weizen haben?
- verkürzte Entwicklungsphasen
- geringere Bodenfeuchtigkeit
- stärkerer Wasserstress
- kleinere Körner
- geringeres Tausendkorngewicht
- schlechtere Kornfüllung
- stärkere Ertragsschwankungen
Entscheidend ist dabei nicht nur die durchschnittliche Temperatur eines Jahres. Auch der Zeitpunkt extremer Hitze spielt eine Rolle. Eine Hitzeperiode während einer empfindlichen Entwicklungsphase kann deutlich größere Auswirkungen haben als dieselbe Temperatur zu einem weniger kritischen Zeitpunkt.
Faktenbox: Warum ist das relevant?
Landwirtschaftliche Klimarisiken lassen sich nicht allein anhand von Jahresmitteltemperaturen beurteilen. Entscheidend sind unter anderem Pflanzenart, Entwicklungsstadium, Bodenfeuchte, regionale Bedingungen und Bestäubungsabhängigkeit. Eine Kultur kann deshalb auf dieselbe Erwärmung völlig anders reagieren als eine andere.
Warum können Äpfel derzeit teilweise von höheren Temperaturen profitieren?
Bei Obstbäumen ist die Situation komplizierter. Wärmere Bedingungen sind nicht automatisch negativ. In bestimmten Regionen und innerhalb eines begrenzten Temperaturbereichs können sie sogar Vorteile bringen.
Eine mögliche Erklärung betrifft Spätfröste. Blüten sind empfindlich gegenüber Frost. Werden geöffnete oder sich entwickelnde Blüten durch niedrige Temperaturen geschädigt, kann der spätere Fruchtansatz erheblich reduziert werden.
Unter bestimmten klimatischen Bedingungen können veränderte Frostmuster daher zunächst günstig wirken. Die TUM Studie zeigt, dass stark bestäuberabhängige Kulturen bei wärmeren und trockeneren Bedingungen teilweise höhere Erträge aufwiesen. Als mögliche Ursachen diskutieren die Forschenden unter anderem Veränderungen bei Spätfrösten sowie Verschiebungen innerhalb der Bestäubergemeinschaften.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Äpfel generell Gewinner des Klimawandels sind.
Vielmehr handelt es sich um eine Momentaufnahme innerhalb eines fortschreitenden Veränderungsprozesses. Wird das klimatische Optimum der Obstkulturen überschritten, können die bisherigen Vorteile verschwinden.
Warum könnte aus einem Vorteil später ein Nachteil werden?
Pflanzen besitzen keine unbegrenzte Toleranz gegenüber steigenden Temperaturen. Ein zunächst günstiger Temperaturanstieg kann deshalb irgendwann in Stress umschlagen.
Bei bestäuberabhängigen Kulturen kommt ein zweites Problem hinzu. Nicht nur die Pflanze reagiert auf das Klima. Auch die Insekten, die für ihre Bestäubung benötigt werden, reagieren auf Hitze, Trockenheit und veränderte Jahreszeiten.
Damit entsteht möglicherweise ein sogenannter Doppelstress.
Was bedeutet Doppelstress für Äpfel und andere Obstkulturen?
Auf der einen Seite kann die Pflanze selbst unter ungünstigen Klimabedingungen leiden. Hitze und Wassermangel können Wachstum, Blütenbildung und Fruchtentwicklung beeinträchtigen.
Auf der anderen Seite können sich gleichzeitig die Populationen, Aktivitätszeiten und Artenzusammensetzungen der Bestäuber verändern.
Selbst wenn ein Apfelbaum eine große Zahl gesunder Blüten bildet, entsteht daraus nicht automatisch eine entsprechende Menge Früchte. Fehlen geeignete Bestäuber oder sind diese während der Blüte kaum aktiv, kann die Bestäubungsleistung sinken.
Welche Rolle spielen Bienen, Hummeln und andere Bestäuber?
Bei Bestäubung denken viele Menschen zuerst an die Honigbiene. Landwirtschaftliche Bestäubungsleistungen werden jedoch von einer Vielzahl unterschiedlicher Insekten erbracht.
Dazu gehören unter anderem:
- Honigbienen
- Hummeln
- verschiedene Wildbienenarten
- Schwebfliegen
- andere Fliegenarten
- Schmetterlinge
- weitere blütenbesuchende Insekten
Diese Arten reagieren nicht identisch auf klimatische Veränderungen. Einige Arten tolerieren höhere Temperaturen besser, während andere stärker auf Hitze oder Trockenheit reagieren.
Genau deshalb ist eine vielfältige Bestäubergemeinschaft für die Landwirtschaft interessant. Je mehr funktionell unterschiedliche Arten vorhanden sind, desto größer kann die Wahrscheinlichkeit sein, dass auch unter veränderten Bedingungen ausreichend Bestäubungsleistung verfügbar bleibt.
Eine artenarme Bestäubergemeinschaft kann dagegen anfälliger gegenüber Umweltveränderungen sein.
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Was bedeutet der Klimawandel für Bestäuber?
Steigende Temperaturen verändern Lebensräume und Aktivitätszeiten vieler Insekten. Gleichzeitig wirken weitere Faktoren wie intensive Landnutzung, Lebensraumverlust, Nahrungsangebot und Pflanzenschutz auf Bestäuberpopulationen ein.
Der Klimawandel kommt deshalb häufig nicht als einzelner Stressfaktor hinzu, sondern verstärkt bereits bestehende Belastungen.
Besonders wichtig ist die zeitliche Abstimmung zwischen Pflanzen und Bestäubern. Pflanzen orientieren sich bei ihrer Entwicklung unter anderem an Temperatur und Tageslänge. Auch Insekten reagieren auf Umweltbedingungen. Verschieben sich diese Prozesse unterschiedlich stark, können zeitliche Unterschiede entstehen.
Eine Kultur könnte beispielsweise früher blühen, während bestimmte Bestäuber zu diesem Zeitpunkt noch nicht in ausreichender Zahl aktiv sind. Umgekehrt können Bestäuber aktiv sein, wenn geeignete Blütenressourcen fehlen.
Solche Veränderungen müssen nicht überall auftreten und unterscheiden sich zwischen Arten und Regionen. Sie zeigen aber, warum zukünftige Ertragsmodelle biologische Wechselwirkungen stärker berücksichtigen sollten.
Was haben die Forschenden über 35 Jahre beobachtet?
Ein zunächst überraschendes Ergebnis der Studie lautet, dass die landwirtschaftlichen Erträge über den Untersuchungszeitraum insgesamt gestiegen sind. Das galt über die unterschiedlichen Kategorien der Bestäuberabhängigkeit hinweg.
Die Forschenden führen diese Entwicklung unter anderem auf technischen und landwirtschaftlichen Fortschritt zurück.
Dazu zählen beispielsweise:
- verbesserte Pflanzensorten
- Fortschritte bei der Pflanzenzüchtung
- präzisere landwirtschaftliche Verfahren
- verbessertes Bodenmanagement
- optimierte Pflanzenernährung
- modernere Maschinen
- bessere Überwachung von Pflanzenbeständen
- effizienteres Management von Krankheiten und Schädlingen
Technischer Fortschritt kann negative Klimaeffekte also teilweise überlagern. Das ist für die Interpretation langfristiger Ertragsstatistiken ausgesprochen wichtig.
Steigende Erträge bedeuten deshalb nicht automatisch, dass der Klimawandel keine negativen Auswirkungen hat. Es kann vielmehr bedeuten, dass Fortschritte bei Züchtung und Bewirtschaftung die klimatischen Nachteile bisher kompensiert haben.
Warum könnte diese Kompensation an Grenzen stoßen?
Technische Verbesserungen können biologische und physikalische Grenzen nicht beliebig verschieben. Wenn Pflanzen regelmäßig außerhalb ihrer optimalen Temperaturbereiche wachsen müssen oder Wasser während entscheidender Entwicklungsphasen fehlt, wird eine weitere Steigerung der Produktivität zunehmend schwieriger.
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass sich die bisherige Entwicklung bei einigen Kulturen künftig umkehren könnte.
Das wäre besonders problematisch, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten, beispielsweise:
- Hitze
- Dürre
- geringe Bodenfeuchtigkeit
- ungünstige Blütebedingungen
- Veränderungen bei Bestäubern
- neue Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob landwirtschaftliche Erträge bisher gestiegen sind. Viel wichtiger ist, ob sich dieser Trend unter fortschreitender Erwärmung aufrechterhalten lässt.
Faktenbox: Für wen ist die Studie wichtig?
Die Ergebnisse sind für Landwirtschaft, Obstbau, Pflanzenzüchtung, Naturschutz und Agrarpolitik relevant. Sie zeigen, dass Klimaanpassung nicht ausschließlich aus hitzetoleranten Pflanzensorten oder zusätzlicher Bewässerung bestehen kann. Bei bestäuberabhängigen Kulturen muss gleichzeitig die ökologische Infrastruktur berücksichtigt werden, die eine zuverlässige Bestäubung ermöglicht.
Warum ist Biodiversität eine Form landwirtschaftlicher Risikovorsorge?
Artenvielfalt wird häufig hauptsächlich als Naturschutzthema betrachtet. Für die Landwirtschaft besitzt Biodiversität jedoch eine sehr praktische Bedeutung.
Eine vielfältige Landschaft kann unterschiedliche Bestäuberarten unterstützen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich Flugzeiten, Temperaturtoleranzen, Nahrungssuche und bevorzugter Pflanzen.
Dadurch entsteht eine Art ökologische Risikostreuung.
Fällt eine Bestäuberart aufgrund ungünstiger Bedingungen zeitweise aus, können andere Arten möglicherweise einen Teil ihrer Funktion übernehmen. Eine solche funktionelle Vielfalt kann die Widerstandsfähigkeit eines Agrarökosystems erhöhen.
Welche Maßnahmen können Bestäuber unterstützen?
Die Forschenden nennen verschiedene Ansätze, die sich in eine umfassendere Klimaanpassungsstrategie integrieren lassen.
- Blühflächen schaffen: Sie können zusätzliche Nahrungsquellen für Bestäuber bereitstellen.
- Hecken erhalten und neu anlegen: Strukturreiche Landschaftselemente bieten Nahrung, Schutz und teilweise Nistmöglichkeiten.
- Fruchtfolgen vielfältiger gestalten: Unterschiedliche Kulturen können die zeitliche Verfügbarkeit von Blütenressourcen verbessern.
- Pflanzenschutz gezielt einsetzen: Eine Reduzierung unnötiger Belastungen kann Bestäuber und andere nützliche Organismen schützen.
- Lebensräume miteinander verbinden: Vernetzte Strukturen erleichtern Insekten die Bewegung zwischen Nahrungsquellen und Nistplätzen.
- Regionale Bedingungen berücksichtigen: Maßnahmen sollten an Landschaft, Klima und vorhandene Bestäubergemeinschaften angepasst werden.
Warum reichen Blühstreifen allein nicht aus?
Blühflächen sind sinnvoll, lösen das Problem aber nicht automatisch. Bestäuber benötigen mehr als Blüten.
Viele Wildbienen brauchen geeignete Nistplätze. Andere Arten benötigen bestimmte Bodenstrukturen, Totholz, Pflanzenstängel oder andere Kleinstrukturen. Hinzu kommt, dass ein Blütenangebot möglichst über längere Zeiträume verfügbar sein sollte.
Eine kurzfristig blühende Fläche kann während einiger Wochen sehr wertvoll sein. Für stabile Populationen ist jedoch eine Landschaft erforderlich, die Nahrung und Lebensräume über den gesamten Lebenszyklus der Tiere bereitstellt.
Die Klimaanpassung der Landwirtschaft muss deshalb stärker auf Landschaftsebene gedacht werden.
Was zeigt eine weitere Studie zur Bestäubungsleistung?
Ergänzend zur langfristigen Ertragsanalyse untersuchten Paula Prucker und weitere Forschende, wie Trockenstress, höhere Temperaturen und unterschiedliche Bestäuber die Fruchtentwicklung bei Erdbeeren beeinflussen.
Die entsprechende Studie wurde 2026 in Basic and Applied Ecology veröffentlicht:
https://doi.org/10.1016/j.baae.2026.07.004
Die Forschenden kombinierten Feldversuche und Klimakammerexperimente. Dabei wurden Erdbeerpflanzen unter unterschiedlichen Temperaturbedingungen untersucht und unter anderem verschiedenen Bestäubergruppen ausgesetzt.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Trockenstress, Temperatur und Bestäubung sein kann. Unter simulierten zukünftigen Temperaturbedingungen führte vorheriger Trockenstress zu leichteren Früchten. Gleichzeitig spielten artspezifische Reaktionen der Bestäuber auf die veränderten Bedingungen eine Rolle.
Damit bestätigt sich ein zentraler Punkt: Für bestäuberabhängige Kulturen reicht es nicht aus, ausschließlich die Reaktion der Pflanze auf das Klima zu untersuchen.
Welche Vorteile können wärmere Bedingungen kurzfristig haben?
Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht in jeder Region und für jede Kultur sofort negativ. Wärmere Bedingungen können in bislang kühleren Gebieten beispielsweise die Vegetationsperiode verlängern oder bestimmte Frostgefahren verändern.
Bei Obstkulturen kann dies zeitweise zu günstigeren Produktionsbedingungen beitragen.
Zu möglichen Vorteilen gehören:
- regional günstigere Temperaturbedingungen
- veränderte Frostwahrscheinlichkeiten
- längere Vegetationsperioden
- mögliche Verschiebungen hin zu geeigneten Bestäubergemeinschaften
Diese Vorteile dürfen jedoch nicht linear in die Zukunft fortgeschrieben werden.
Welche Nachteile drohen bei weiterer Erwärmung?
Je weiter die Temperaturen steigen, desto wahrscheinlicher wird es, dass bisher günstige Bedingungen ihr Optimum überschreiten.
Dann können mögliche Nachteile dominieren:
- zunehmender Wasserstress
- häufigere Hitzeperioden
- Schäden an Blüten und Früchten
- veränderte Entwicklungszeiten
- höherer Bewässerungsbedarf
- Veränderungen bei Bestäuberpopulationen
- zeitliche Entkopplung von Blüte und Bestäuberaktivität
- stärkere Schwankungen zwischen einzelnen Erntejahren
Gerade die zunehmende Schwankungsbreite ist für landwirtschaftliche Betriebe problematisch. Ein durchschnittlich akzeptabler Ertrag hilft wirtschaftlich nur begrenzt, wenn sich sehr gute und extrem schlechte Jahre abwechseln.
Was bedeutet die Studie für die Landwirtschaft in Deutschland?
Aus deutscher Sicht bedeutet das, dass Klimaanpassung regional und kulturspezifisch geplant werden muss. Es gibt keine einheitliche Strategie, die für Weizen, Raps, Äpfel, Kirschen und andere Nutzpflanzen gleichermaßen funktioniert.
Bei Getreide können trockenheitsverträgliche Sorten, angepasste Aussaattermine, Bodenwassermanagement und geeignete Fruchtfolgen eine wichtige Rolle spielen. Im Obstbau kommen Bestäubungsmanagement, Landschaftsstrukturen und die Förderung vielfältiger Bestäubergemeinschaften hinzu.
Gleichzeitig zeigt der Vergleich zwischen Unterfranken und Oberbayern, wie stark regionale Unterschiede berücksichtigt werden müssen. Eine Maßnahme, die in einer kühleren und niederschlagsreicheren Region sinnvoll ist, muss unter warmen und trockenen Bedingungen nicht dieselbe Wirkung entfalten.
Was bedeutet das für zukünftige Ertragsprognosen?
Ertragsmodelle sollten künftig stärker berücksichtigen, wie abhängig eine Kultur von Bestäubern ist. Ein Modell, das ausschließlich Temperatur, Niederschlag und Bodenfeuchtigkeit einbezieht, kann bei Obst und anderen insektenbestäubten Kulturen wichtige biologische Zusammenhänge übersehen.
Für realistischere Prognosen müssen verschiedene Ebenen miteinander verknüpft werden:
- Klimaentwicklung
- Boden und Wasserhaushalt
- Pflanzenphysiologie
- Sorteneigenschaften
- landwirtschaftliche Technik
- Bestäuberpopulationen
- Artenvielfalt
- Landschaftsstruktur
Das macht Prognosen komplizierter, aber gleichzeitig aussagekräftiger.
Welche Grenzen hat die Untersuchung?
Die Ergebnisse sollten nicht so interpretiert werden, dass alle Äpfel grundsätzlich von steigenden Temperaturen profitieren oder dass Weizen überall zwangsläufig Ertrag verliert.
Die Forschenden selbst weisen darauf hin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Landwirtschaftliche Erträge werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst, die sich über mehrere Jahrzehnte gleichzeitig verändert haben.
Dazu gehören beispielsweise Züchtungsfortschritte, Düngung, Pflanzenschutz, Bodenbearbeitung, Betriebsstrukturen und technische Innovationen.
Außerdem unterscheiden sich Bestäuberpopulationen lokal erheblich. Aussagen aus Unterfranken und Oberbayern lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jede europäische Agrarregion übertragen.
Die Stärke der Untersuchung liegt vielmehr darin, einen bislang häufig unterschätzten Zusammenhang sichtbar zu machen: Die Bestäuberabhängigkeit einer Kultur kann beeinflussen, wie ihre Ertragsentwicklung unter veränderten Klimabedingungen verläuft.
Welche Konsequenzen ergeben sich für die Klimaanpassung?
Aus den Ergebnissen lässt sich eine zentrale Konsequenz ableiten. Klimaanpassung in der Landwirtschaft sollte nicht ausschließlich technisch verstanden werden.
Neue Sorten, Präzisionslandwirtschaft, Bewässerung und modernes Bodenmanagement bleiben wichtig. Gleichzeitig müssen ökologische Funktionen erhalten werden.
Besonders bei Obst und anderen insektenbestäubten Kulturen gehört die Sicherung der Bestäubungsleistung unmittelbar zur landwirtschaftlichen Produktionssicherheit.
Naturschutz und Landwirtschaft stehen dabei nicht zwangsläufig im Gegensatz zueinander. Strukturreiche Landschaften, Hecken, Blühflächen und vielfältige Fruchtfolgen können sowohl ökologische als auch landwirtschaftliche Funktionen erfüllen.
Faktenbox: Die wichtigste Einordnung
Der Klimawandel verändert landwirtschaftliche Erträge nicht nach einem einfachen Muster. Während Weizen bereits unter zunehmender Hitze und Trockenheit leiden kann, können bestimmte Obstkulturen regional vorübergehend von veränderten Temperaturbedingungen profitieren. Bei Äpfeln und anderen bestäuberabhängigen Pflanzen entsteht jedoch ein zusätzliches Risiko: Verschlechtert sich die Bestäubungsleistung, kann auch eine klimatisch grundsätzlich geeignete Pflanze Ertrag verlieren.
Welche Fragen sind noch offen?
Die langfristige Entwicklung hängt von mehreren Faktoren ab, die derzeit noch nicht vollständig vorhergesagt werden können.
Besonders wichtig sind folgende Fragen:
- Wie schnell verschieben sich die klimatischen Optima einzelner Kulturpflanzen?
- Welche Bestäuberarten kommen besonders gut mit Hitze und Trockenheit zurecht?
- Wie verändern sich Bestäubergemeinschaften regional?
- Kann eine hohe Artenvielfalt Ausfälle einzelner Bestäuber kompensieren?
- Welche landwirtschaftlichen Maßnahmen stabilisieren Erträge am wirksamsten?
- Wann reichen technische Fortschritte nicht mehr aus, um Klimaschäden auszugleichen?
- Welche Pflanzensorten eignen sich für zukünftige regionale Klimabedingungen?
Gerade die Kombination aus langfristigen Ertragsdaten, Klimadaten und ökologischen Informationen dürfte künftig eine wichtige Grundlage für solche Antworten liefern.
FAQ: Klimawandel, Äpfel, Weizen und Bestäuber
Warum reagiert Weizen anders auf den Klimawandel als ein Apfelbaum?
Weizen ist weitgehend unabhängig von Insektenbestäubung. Seine Erträge werden deshalb vor allem durch Pflanzenphysiologie, Temperatur, Wasserverfügbarkeit, Boden und Bewirtschaftung bestimmt. Beim Apfel kommt die Bestäubungsleistung durch Insekten als zusätzlicher Faktor hinzu.
Profitieren Äpfel vom Klimawandel?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. In bestimmten Regionen können wärmere Bedingungen derzeit teilweise günstig sein. Dieser Effekt kann sich jedoch bei weiterer Erwärmung umkehren. Zusätzlich hängt der Ertrag von einer ausreichenden Bestäubung ab.
Warum ist Hitze für Weizen problematisch?
Hohe Temperaturen können Entwicklungsphasen beschleunigen und die Kornfüllung verkürzen. In Verbindung mit trockenen Böden kann dadurch der Ertrag sinken.
Warum sind Bestäuber für die Klimaanpassung wichtig?
Viele landwirtschaftliche Kulturen benötigen Insekten für eine optimale Frucht oder Samenbildung. Wenn sich Bestäuberpopulationen durch Klimawandel und andere Umweltfaktoren verändern, kann dies unmittelbar die landwirtschaftliche Produktion beeinflussen.
Welche Pflanzen sind besonders auf Bestäuber angewiesen?
Viele Obstkulturen weisen eine hohe Abhängigkeit von Insektenbestäubung auf. Auch verschiedene Feldkulturen profitieren deutlich von Insekten. Der genaue Grad der Abhängigkeit unterscheidet sich jedoch zwischen Pflanzenarten und Sorten.
Können Blühflächen Ernten stabilisieren?
Blühflächen können Bestäubern zusätzliche Nahrungsressourcen bieten und sind deshalb ein sinnvoller Baustein. Sie sollten jedoch mit weiteren Maßnahmen wie Hecken, geeigneten Niststrukturen, vielfältigen Fruchtfolgen und einem angepassten Pflanzenschutz kombiniert werden.
Kann technischer Fortschritt Klimaschäden dauerhaft ausgleichen?
Technischer Fortschritt und Pflanzenzüchtung haben in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zur Steigerung landwirtschaftlicher Produktivität beigetragen. Ob damit auch bei stärkerer Erwärmung alle negativen Klimaeffekte kompensiert werden können, ist jedoch fraglich. Biologische und physikalische Grenzen lassen sich nicht unbegrenzt verschieben.
Fazit: Warum müssen Klima, Kulturpflanze und Bestäuber gemeinsam betrachtet werden?
Die Untersuchung der Technischen Universität München macht deutlich, warum einfache Aussagen über Gewinner und Verlierer des Klimawandels in der Landwirtschaft problematisch sind. Pflanzen reagieren unterschiedlich auf steigende Temperaturen, Trockenheit und veränderte Niederschläge. Zusätzlich entscheidet bei vielen Kulturen die Bestäubung über den tatsächlichen Ertrag.
Weizen zeigt, wie schnell hohe Temperaturen und Wassermangel die Ertragsbildung beeinträchtigen können. Äpfel und andere Obstkulturen können dagegen unter bestimmten regionalen Bedingungen zunächst von klimatischen Veränderungen profitieren. Dieser Vorteil ist jedoch keineswegs garantiert oder dauerhaft.
Mit fortschreitender Erwärmung können auch Obstbäume ihr klimatisches Optimum überschreiten. Gleichzeitig verändert sich die Gemeinschaft der Insekten, von denen ihre Bestäubung abhängt. Damit entsteht ein zusätzliches Risiko, das bei rein pflanzenbezogenen Klimaprognosen leicht unterschätzt wird.
Für eine widerstandsfähige Landwirtschaft reicht es deshalb nicht, ausschließlich hitzeverträgliche Sorten zu entwickeln oder Bewässerungssysteme auszubauen. Ebenso wichtig sind vielfältige Agrarlandschaften, stabile Bestäuberpopulationen und eine hohe funktionelle Biodiversität.
Die zentrale Botschaft lautet damit: Klimaanpassung in der Landwirtschaft ist gleichzeitig Pflanzenbau, Technologie und Ökologie. Je besser diese Bereiche miteinander verbunden werden, desto größer sind die Chancen, Erträge auch unter zunehmend schwierigen Klimabedingungen langfristig zu stabilisieren.
Originalpublikation:
Prucker, P., Kollmann, J. & Leonhardt, S. D. (2026): Pollinator Dependency and Regional Climate Affect Crop Yield Development Under Climate Change. Ecology and Evolution, 16(6), e73751.
https://doi.org/10.1002/ece3.73751
Weitere Informationen zur Bestäubungsleistung unter veränderten Klimabedingungen:
Prucker, P. et al. (2026): Yield-related costs of drought priming depend on climate and pollinators in an insect-pollinated crop. Basic and Applied Ecology, 94, 160 bis 169.
https://doi.org/10.1016/j.baae.2026.07.004
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news876072 und https://doi.org/10.1002/ece3.73751
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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