Bleibt der Cannabiskonsum nach der Teillegalisierung stabil?

Die neue Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zeigt: Der Cannabiskonsum unter Jugendlichen in Deutschland hat sich nach der Teillegalisierung nicht sprunghaft erhöht. Besonders bei den 12- bis 17-Jährigen blieben viele Werte stabil. Gleichzeitig steigt bei jungen Erwachsenen die subjektive Verfügbarkeit von Cannabis deutlich an. Die Studie liefert damit wichtige Fakten für die gesellschaftliche und politische Debatte rund um Cannabis in Deutschland.

Bleibt der Cannabiskonsum nach der Teillegalisierung stabil?

Bleibt der Cannabiskonsum nach der Teillegalisierung stabil?
Bleibt der Cannabiskonsum nach der Teillegalisierung stabil?
Faktenbox zur BIÖG-Studie 2025

  • 7.001 Befragte im Alter von 12 bis 25 Jahren
  • Befragungszeitraum: April bis Juli 2025
  • Vergleich zwischen 2023 und 2025
  • Keine signifikante Explosion des Jugendkonsums
  • Subjektive Verfügbarkeit von Cannabis gestiegen
  • Langfristige Trends wichtiger als kurzfristige Effekte

Die wichtigsten Ergebnisse der Cannabis-Studie 2025 im Überblick

Bereich 2023 2025 Entwicklung
12- bis 17-Jährige mit Konsum ähnlich ähnlich stabil
Männliche Jugendliche mit Konsum leicht rückläufig 7,2 % Rückgang seit 2019
Weibliche Jugendliche mit Konsum ähnlich 4,6 % stabil
18- bis 25-jährige Männer mit Konsum 26,9 % 31,6 % Anstieg
Subjektive Verfügbarkeit Cannabis 31,4 % 39,2 % deutlicher Anstieg
Problematischer Konsum Jugendliche ähnlich 10,7 % stabil
Problematischer Konsum junge Erwachsene ähnlich 13,2 % stabil
Bleibt der Cannabiskonsum nach der Teillegalisierung stabil?
Bleibt der Cannabiskonsum nach der Teillegalisierung stabil?

Was untersucht die BIÖG-Studie überhaupt?

Die sogenannte Drogenaffinitätsstudie gehört zu den wichtigsten Langzeituntersuchungen Deutschlands im Bereich Sucht, Drogen und Konsumverhalten junger Menschen. Bereits seit 1973 werden Jugendliche und junge Erwachsene regelmäßig zu ihrem Konsumverhalten befragt.

2025 erfolgte die erste große Erhebung nach Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes. Dadurch entstand erstmals die Möglichkeit, Entwicklungen direkt vor und nach der Teillegalisierung miteinander zu vergleichen.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Methodik gilt als wissenschaftlich etabliert und repräsentativ.

  • Telefoninterviews mit CATI-System
  • Deutschlandweite Zufallsstichprobe
  • Festnetz- und Mobiltelefonbefragung
  • 7.001 Teilnehmer
  • Alter zwischen 12 und 25 Jahren

Dadurch liefert die Untersuchung ein relativ realistisches Bild des Konsumverhaltens junger Menschen in Deutschland.

Hat die Cannabis-Teillegalisierung den Jugendkonsum erhöht?

Genau diese Frage stand im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rund um das Konsumcannabisgesetz. Kritiker warnten über Jahre vor einem massiven Anstieg des Konsums unter Jugendlichen.

Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch ein differenzierteres Bild.

Bei den 12- bis 17-Jährigen konnten laut BIÖG keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Weder beim Angebot von Cannabis noch bei der subjektiven Verfügbarkeit oder beim Konsum im Freundeskreis gab es sprunghafte Veränderungen.

Das ist politisch und gesellschaftlich äußerst relevant.

Denn viele Gegner der Teillegalisierung argumentierten, dass bereits die Entkriminalisierung automatisch zu einer starken Zunahme des Jugendkonsums führen würde. Genau dafür liefern die aktuellen Daten bislang keine eindeutigen Hinweise.

Einordnung

Die Studie widerlegt nicht alle Risiken von Cannabis. Sie zeigt aber deutlich, dass die befürchtete sofortige Konsumexplosion unter Jugendlichen bisher ausgeblieben ist.

Warum steigt der Cannabiskonsum bei jungen Männern trotzdem?

Interessant ist der Blick auf die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen.

Hier zeigt sich bei jungen Männern ein signifikanter Anstieg der sogenannten 12-Monats-Prävalenz. Konkret stieg der Anteil von 26,9 % im Jahr 2023 auf 31,6 % im Jahr 2025.

Die Autoren der Studie betonen jedoch einen wichtigen Punkt:

Dieser Trend begann nicht erst mit der Teillegalisierung.

Vielmehr steigt der Konsum junger Männer bereits seit 2008 relativ kontinuierlich an. Die Reform könnte diesen Trend möglicherweise begleitet haben, sie gilt laut Studienautoren aber nicht automatisch als alleinige Ursache.

Welche Faktoren könnten zusätzlich eine Rolle spielen?

  • gesellschaftliche Normalisierung von Cannabis
  • Social Media und Popkultur
  • leichtere Informationsbeschaffung
  • größere Offenheit beim Umgang mit Konsum
  • sinkende Stigmatisierung
  • verbesserte Qualitätskontrolle durch legale Strukturen

Die Debatte ist deshalb deutlich komplexer als einfache Aussagen wie „Legalisierung führt automatisch zu mehr Konsum“.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Warum ist die subjektive Verfügbarkeit von Cannabis gestiegen?

Ein besonders spannender Aspekt der Studie betrifft die subjektive Verfügbarkeit.

Immer mehr junge Erwachsene geben an, innerhalb von 24 Stunden sehr leicht an Cannabis gelangen zu können.

Der Wert stieg von 31,4 % auf 39,2 %.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Cannabis plötzlich neu verfügbar geworden ist.

Viele Experten gehen vielmehr davon aus, dass Cannabis bereits vor der Reform in großen Mengen vorhanden war. Der Schwarzmarkt funktionierte über Jahrzehnte relativ stabil.

Die Teillegalisierung könnte allerdings dazu geführt haben, dass Menschen offener über Cannabis sprechen und den Zugang subjektiv anders wahrnehmen.

Welche Rolle spielt der Schwarzmarkt weiterhin?

Genau hier liegt eine der wichtigsten politischen Fragen der kommenden Jahre.

Das erklärte Ziel der Reform war unter anderem:

  • Jugendschutz verbessern
  • Schwarzmarkt schwächen
  • Qualitätskontrolle ermöglichen
  • Verbraucherschutz stärken
  • Polizei und Justiz entlasten

Viele Experten argumentieren jedoch, dass die bisherige Teillegalisierung noch nicht weit genug geht, um den illegalen Markt wirklich massiv zu verdrängen.

Besonders begrenzte Abgabemöglichkeiten und hohe bürokratische Hürden könnten dazu führen, dass viele Konsumenten weiterhin auf illegale Quellen zurückgreifen.

Wie gefährlich ist problematischer Cannabiskonsum?

Die Studie macht auch deutlich, dass problematischer Konsum weiterhin ernst genommen werden muss.

Etwa jeder neunte konsumierende Jugendliche und jeder achte konsumierende junge Erwachsene erfüllt Kriterien eines problematischen Konsumverhaltens.

Das bedeutet nicht automatisch eine Abhängigkeit. Es zeigt aber, dass ein Teil der Konsumenten riskante Muster entwickelt.

Welche Risiken nennen Wissenschaftler?

  • psychische Belastungen
  • Beeinträchtigung der Konzentration
  • schlechtere schulische Leistungen
  • Probleme im Alltag
  • erhöhtes Risiko bei frühem Dauerkonsum

Besonders bei Jugendlichen gilt das Gehirn noch als empfindlich gegenüber psychoaktiven Substanzen.

Deshalb bleibt Präventionsarbeit laut BIÖG weiterhin entscheidend.

Wichtiger Hinweis

Die Studie zeigt keine generelle Entwarnung. Sie zeigt lediglich, dass die Teillegalisierung bislang nicht automatisch zu einer massiven Verschärfung der Lage geführt hat.

Warum ist die Studie politisch so brisant?

Die Diskussion um Cannabis wird in Deutschland weiterhin extrem emotional geführt.

Während Befürworter auf Entkriminalisierung, Jugendschutz und Schwarzmarktbekämpfung verweisen, warnen Gegner vor Gesundheitsrisiken und gesellschaftlichen Folgen.

Die BIÖG-Daten liefern nun erstmals eine faktenbasierte Momentaufnahme nach Inkrafttreten der Reform.

Was bedeutet das für die politische Debatte?

Die Ergebnisse könnten mehrere Auswirkungen haben:

  1. Die Forderung nach einer Rücknahme der Reform verliert an Argumentationskraft
  2. Prävention und Aufklärung rücken stärker in den Fokus
  3. Diskussionen über eine vollständige Legalisierung könnten zunehmen
  4. Der Umgang mit Cannabis wird zunehmend sachlicher bewertet

Besonders interessant ist dabei die internationale Perspektive.

Viele Länder beobachten sehr genau, wie sich die Cannabisreform in Deutschland entwickelt.

Welche Bedeutung hat die Studie für eine weltweite Legalisierung?

Für Befürworter einer globalen Cannabislegalisierung liefert die Untersuchung wichtige Argumente.

Denn eines der zentralen Gegenargumente vieler Regierungen lautet seit Jahrzehnten:

Eine Legalisierung führe automatisch zu massiv steigenden Konsumzahlen bei Jugendlichen.

Die aktuellen Zahlen aus Deutschland bestätigen dieses Szenario bislang nicht.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Cannabis harmlos ist.

Vielmehr könnte die Studie zeigen, dass Regulierung und kontrollierte Freigabe möglicherweise besser funktionieren als reine Verbote.

Warum könnten regulierte Märkte sinnvoller sein?

  • bessere Qualitätskontrollen
  • weniger Streckmittel
  • klarere Jugendschutzregeln
  • offenere Präventionsarbeit
  • Entlastung von Polizei und Gerichten
  • Steuereinnahmen statt Schwarzmarktgewinne

Viele internationale Experten sehen genau darin die langfristige Richtung moderner Cannabispolitik.

Welche Grenzen hat die BIÖG-Studie?

Trotz ihrer Bedeutung hat auch diese Untersuchung Einschränkungen.

Welche Schwächen gibt es?

  • Telefonbefragungen können ungenaue Angaben enthalten
  • Selbstberichte sind nicht immer vollständig ehrlich
  • Langfristige Effekte der Reform noch nicht sichtbar
  • Regionale Unterschiede nur begrenzt analysiert
  • soziale Faktoren schwer messbar

Außerdem wurde die Reform erst 2024 eingeführt. Viele Entwicklungen könnten sich erst in den kommenden Jahren klarer zeigen.

Was bedeutet die Studie für Eltern, Konsumenten und Politik?

Für Eltern

Die Ergebnisse zeigen, dass Aufklärung weiterhin wichtiger ist als Panik. Jugendliche brauchen sachliche Informationen statt Angstmache.

Für Konsumenten

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Cannabis steigt langsam weiter an. Gleichzeitig bleibt verantwortungsvoller Konsum entscheidend.

Für die Politik

Die Daten sprechen dafür, Reformen wissenschaftlich statt ideologisch zu bewerten.

FAQ zur BIÖG-Cannabis-Studie 2025

Ist der Cannabiskonsum bei Jugendlichen explodiert?

Nein. Laut Studie gab es bei den 12- bis 17-Jährigen keine signifikanten Veränderungen nach der Teillegalisierung.

Warum steigt der Konsum junger Männer?

Die Studie sieht hier einen langfristigen Trend seit 2008 und nicht ausschließlich einen Effekt der Reform.

Ist Cannabis jetzt leichter verfügbar?

Viele junge Erwachsene empfinden Cannabis als leichter verfügbar. Ob das tatsächlich an der Reform liegt, bleibt jedoch umstritten.

Bleibt problematischer Konsum ein Risiko?

Ja. Besonders bei jungen Menschen bleibt Prävention weiterhin wichtig.

Ist das ein Argument für vollständige Legalisierung?

Befürworter sehen darin Hinweise, dass kontrollierte Regulierung möglicherweise besser funktioniert als reine Verbote.

Fazit: Die Cannabis-Debatte wird sachlicher

Die neue BIÖG-Studie liefert eine der wichtigsten Datengrundlagen seit Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes.

Die Ergebnisse zeigen bislang keine dramatische Zunahme des Jugendkonsums. Gleichzeitig bleibt Cannabis ein Thema mit gesundheitlichen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen.

Besonders relevant ist die Erkenntnis, dass langfristige Trends oft wichtiger sind als kurzfristige politische Veränderungen.

Für die Zukunft dürfte deshalb weniger die Frage entscheidend sein, ob Cannabis existiert, sondern vielmehr, wie Gesellschaften verantwortungsvoll mit Cannabis umgehen.

Medizinischer Haftungsausschluss

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Cannabis kann gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen verursachen. Bei gesundheitlichen Fragen oder Problemen solltest du immer ärztlichen Rat einholen.

Quelle: BIÖG Drogenaffinitätsstudie 2025


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


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