Kann Hanf Radioaktivität aus Böden entfernen?

Ja, Hanf kann radioaktive Stoffe und Schwermetalle aus belasteten Böden aufnehmen. Genau deshalb wird die Pflanze seit Jahrzehnten in der sogenannten Phytoremediation eingesetzt. Besonders nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl rückte Hanf in den Fokus der Forschung. Die Pflanze nimmt Schadstoffe wie Cäsium-137 oder Strontium-90 über ihre Wurzeln auf und kann so helfen, kontaminierte Flächen schrittweise zu entlasten. Allerdings ist die geerntete Pflanze danach nicht mehr für Lebensmittel oder CBD-Produkte geeignet.

Kann Hanf Radioaktivität aus Böden entfernen?

Kann Hanf Radioaktivität aus Böden entfernen?
Kann Hanf Radioaktivität aus Böden entfernen?
Schadstoff Kann Hanf aufnehmen? Wo lagert sich der Stoff an? Geeignete spätere Nutzung der Pflanze
Cäsium-137 Ja Vor allem in Stängeln und Blättern Baumaterialien, Industriefasern
Strontium-90 Ja Vor allem in Wurzeln und Biomasse Verbrennung oder industrielle Nutzung
Cadmium Sehr gut Vor allem in den Wurzeln Industriehanf, keine Lebensmittel
Blei Gut Wurzeln und Pflanzenfasern Textilien, Dämmstoffe
Nickel und Chrom Ja Wurzeln und Stängel Baustoffe oder kontrollierte Entsorgung
Faktenbox:

  • Hanf gehört zu den effektivsten Pflanzen für die Bodensanierung.
  • Die Pflanze wächst schnell und bildet tiefe Wurzeln.
  • Besonders bekannt wurde Hanf nach dem Atomunfall von Tschernobyl.
  • Belasteter Hanf darf nicht als Lebensmittel, CBD-Produkt oder Kosmetik genutzt werden.

Was bedeutet Phytoremediation überhaupt?

Der Begriff Phytoremediation beschreibt die Reinigung von belasteten Böden durch Pflanzen. Das Wort setzt sich aus den griechischen Begriffen für „Pflanze“ und „Wiederherstellung“ zusammen. Vereinfacht gesagt nutzen Wissenschaftler bestimmte Pflanzen, um Giftstoffe aus dem Boden aufzunehmen.

Je nach Pflanze und Schadstoff gibt es unterschiedliche Methoden:

  • Aufnahme von Schwermetallen über die Wurzeln
  • Bindung radioaktiver Stoffe im Pflanzengewebe
  • Stabilisierung kontaminierter Böden
  • Verbesserung der Bodenstruktur

Hanf ist für diese Aufgabe besonders interessant, weil die Pflanze:

  • sehr schnell wächst
  • eine hohe Biomasse produziert
  • tiefe und kräftige Wurzeln besitzt
  • auch auf schlechten Böden überleben kann
  • vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Schadstoffen ist

Warum wurde Hanf nach Tschernobyl eingesetzt?

Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 waren riesige Gebiete in der heutigen Ukraine und in Belarus radioaktiv belastet. Besonders problematisch waren Stoffe wie:

  • Plutonium
  • Strontium-90
  • Cäsium-137
  • Blei

Bereits Anfang der 1990er Jahre baten die damaligen sowjetischen Behörden die Internationale Atomenergiebehörde um Hilfe. Wissenschaftler untersuchten die Region rund um den zerstörten Reaktor und fanden in Böden, Pflanzen und Tiergeweben hohe Mengen radioaktiver Stoffe.

Die erste Idee war nicht sofort Hanf. Zunächst experimentierten die Forscher mit anderen Pflanzen.

Pflanze Geeignet gegen Ergebnis
Kohl Chrom, Nickel, Kupfer, Blei Mäßig erfolgreich
Mais Blei Teilweise erfolgreich
Sonnenblumen Strontium-90, Cäsium-137 Begrenzt wirksam
Hanf Cäsium, Strontium, Blei, Cadmium Sehr wirksam

Erst ab 1998 begann der gezielte Anbau von Hanf in der Region. Der Wissenschaftler Slavik Dushenkov, der an den Projekten beteiligt war, bezeichnete Hanf damals als die effizienteste Pflanze für die Phytoremediation.

Phytoremediation - die Hanfpflanze und Radioaktivität
Phytoremediation – die Hanfpflanze und Radioaktivität

Wie nimmt Hanf radioaktive Stoffe und Schwermetalle auf?

Die Wurzeln der Hanfpflanze nehmen Wasser und Nährstoffe aus dem Boden auf. Dabei gelangen jedoch nicht nur Mineralstoffe in die Pflanze, sondern auch schädliche Stoffe.

Radioaktive Elemente wie Strontium-90 oder Cäsium-137 ähneln chemisch wichtigen Pflanzennährstoffen:

  • Strontium ähnelt Calcium
  • Cäsium ähnelt Kalium

Dadurch „verwechselt“ die Pflanze diese Stoffe mit normalen Nährstoffen und transportiert sie in Wurzeln, Stängel und Blätter.

Bei Hanf ist dieser Effekt besonders stark ausgeprägt. Gleichzeitig verträgt die Pflanze hohe Belastungen besser als viele andere Pflanzenarten.

Faktenbox: Warum eignet sich Hanf besonders gut?

  • Wurzeltiefe oft mehr als 2 Meter
  • Hohe Widerstandskraft gegen Schadstoffe
  • Kurze Wachstumszeit von wenigen Monaten
  • Große Pflanzenmasse pro Hektar
  • Kann mehrfach hintereinander angebaut werden

Welche wissenschaftlichen Studien belegen die Wirkung?

In den vergangenen Jahrzehnten untersuchten zahlreiche Studien, wie gut Hanf verschiedene Schadstoffe aufnehmen kann.

Was zeigte die italienische Studie von 2003?

Eine italienische Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Plant and Soil“, analysierte die Aufnahme von:

  • Cadmium
  • Nickel
  • Chrom

Die Forscher stellten fest, dass Hanf große Mengen dieser Stoffe aufnehmen kann, ohne selbst massive Schäden zu erleiden. Besonders bemerkenswert war, dass die Struktur der Pflanze weitgehend stabil blieb.

Normalerweise führen hohe Konzentrationen von Schwermetallen dazu, dass Pflanzen:

  • langsamer wachsen
  • ihre Blätter verlieren
  • absterben

Hanf zeigte dagegen eine überraschend hohe Widerstandsfähigkeit.

Welche Erkenntnisse brachte die deutsche Studie von 2005?

Eine deutsche Studie, veröffentlicht in „Biologia Plantarum“, untersuchte die Wirkung von Cadmium auf Hanf.

Die Forscher fanden heraus:

  • Die Wurzeln vertrugen bis zu 800 mg Cadmium pro Kilogramm Boden.
  • Blätter und Stängel reagierten deutlich empfindlicher.
  • Bereits ab 60 bis 100 mg/kg zeigten oberirdische Pflanzenteile Schäden.

Außerdem zeigte die Untersuchung, dass der pH-Wert des Bodens entscheidend ist. In sauren Böden werden Schwermetalle leichter aufgenommen. In alkalischen Böden sinkt die Aufnahme häufig deutlich.

Welche Rolle spielt Zink?

Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2010 verglich verschiedene Pflanzen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Zink aus belasteten Böden aufzunehmen.

Hanf schnitt dabei sehr gut ab und gehörte zusammen mit Sonnenblumen zu den besten getesteten Pflanzen.


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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber

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Kann gentechnisch veränderter Hanf noch besser reinigen?

Forscher beschäftigen sich inzwischen auch mit der Frage, ob Hanf durch gezielte Züchtung oder Gentechnik noch leistungsfähiger werden kann.

Pakistanische Wissenschaftler identifizierten 2015 mehrere Gene, die offenbar dafür verantwortlich sind, dass Hanf Schadstoffe besonders gut aufnehmen und gleichzeitig überleben kann.

Auf dieser Grundlage entstanden Überlegungen, Hanfpflanzen gezielt zu verändern, damit sie:

  • mehr Schadstoffe aufnehmen
  • schneller wachsen
  • radioaktive Stoffe stärker binden
  • besser mit extrem belasteten Böden umgehen können

Ab 2017 griffen Forscher in den USA diese Idee auf. Unter anderem arbeitete die University of Virginia an entsprechenden Projekten. Auch das Unternehmen Phytotech, das in der Nähe von Tschernobyl tätig ist, forscht an genetisch verbesserten Hanfsorten.

Welche Vorteile hätte gentechnisch veränderter Hanf?

  • Schnellere Reinigung belasteter Flächen
  • Höhere Aufnahme von Strontium und Cäsium
  • Bessere Widerstandskraft gegen extreme Belastung
  • Weniger Zeit und geringere Kosten

Welche Kritik gibt es?

Gentechnisch veränderter Hanf ist umstritten. Kritiker befürchten, dass veränderte Pflanzen in die Umwelt gelangen könnten. Außerdem ist unklar, wie sich solche Pflanzen langfristig auf Ökosysteme auswirken.

Deshalb werden entsprechende Projekte bislang fast ausschließlich unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt.

Was passiert mit dem belasteten Hanf nach der Ernte?

Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Denn die aufgenommenen Schadstoffe verschwinden nicht einfach. Sie befinden sich nach der Ernte in der Pflanze selbst.

Studien aus China und Rumänien zeigten, dass Hanf die aufgenommenen Schwermetalle später teilweise wieder freisetzen kann. Besonders deutlich wurde dies bei Cadmium.

Deshalb darf belasteter Hanf keinesfalls verwendet werden für:

  • Lebensmittel
  • CBD-Öle
  • Kosmetik
  • Futtermittel
  • Raucherzeugnisse
Wichtiger Hinweis:

Hanf aus belasteten Böden eignet sich niemals für medizinisches Cannabis, Nahrungsergänzungsmittel oder CBD-Produkte. Selbst geringe Rückstände von Schwermetallen können gesundheitlich problematisch sein.

Welche Nutzungsmöglichkeiten bleiben trotzdem?

Die geernteten Pflanzen können unter bestimmten Bedingungen noch industriell verwendet werden. Dazu gehören:

  • Baumaterialien wie Hanfbeton oder Dämmstoffe
  • Industriefasern für Textilien
  • Papier
  • Biokraftstoffe

Oft wird die kontaminierte Biomasse auch kontrolliert verbrannt. Dabei müssen die Schadstoffe anschließend sicher entsorgt werden.

Phytoremediationsfähigkeit von Hanf
Phytoremediationsfähigkeit von Hanf

Wo könnte Hanf heute noch zur Bodensanierung eingesetzt werden?

Die Nutzung von Hanf zur Phytoremediation beschränkt sich längst nicht mehr auf Tschernobyl.

Auch in anderen Regionen gibt es belastete Flächen, zum Beispiel:

  • ehemalige Industriegebiete
  • stillgelegte Bergwerke
  • Flächen rund um alte Fabriken
  • Militärgelände
  • Gebiete nach Überschwemmungen oder Bränden

In Deutschland könnten insbesondere ehemalige Industrieflächen in Frage kommen. Viele Böden sind dort mit:

  • Blei
  • Cadmium
  • Zink
  • Chrom
  • Arsen

belastet.

Einige Experten sehen in Industriehanf deshalb eine interessante Möglichkeit, Brachflächen wieder nutzbar zu machen.

Kann Hanf auch gegen PFAS oder andere moderne Schadstoffe helfen?

Aktuell untersuchen Forscher, ob Hanf nicht nur radioaktive Stoffe und Schwermetalle, sondern auch sogenannte Ewigkeitschemikalien aufnehmen kann. Dazu zählen PFAS, die unter anderem in Löschschaum, Verpackungen und Outdoor-Beschichtungen vorkommen.

Die bisherigen Ergebnisse sind gemischt. Es gibt Hinweise darauf, dass Hanf einige dieser Stoffe binden kann. Allerdings ist die Forschung noch nicht weit genug, um sichere Aussagen zu treffen.

Welche Vorteile und Nachteile hat Phytoremediation mit Hanf?

Vorteile Nachteile
Natürliche Methode ohne Chemikalien Dauert oft mehrere Jahre
Vergleichsweise geringe Kosten Nicht jeder Schadstoff wird gleich gut aufgenommen
Verbessert oft zusätzlich die Bodenqualität Belastete Pflanzen müssen entsorgt werden
Kann große Flächen behandeln Nicht geeignet für Lebensmittelproduktion
Hanf wächst schnell und robust Stark abhängig vom Boden und pH-Wert

Wie ist die rechtliche Lage bei Hanf zur Bodensanierung?

In Deutschland ist der Anbau von Nutzhanf grundsätzlich erlaubt, wenn zugelassene Sorten verwendet werden und die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Bei Hanf zur Phytoremediation gelten jedoch zusätzliche Anforderungen:

  • Der Anbau muss dokumentiert werden.
  • Die spätere Nutzung der Pflanzen ist eingeschränkt.
  • Belastete Biomasse darf nicht in den normalen Handel gelangen.
  • Teilweise sind Genehmigungen der Umweltbehörden erforderlich.

Besonders wichtig ist die klare Trennung zwischen Industriehanf zur Bodensanierung und Hanf für Lebensmittel oder CBD-Produkte.

Ist Hanf die beste Pflanze gegen Radioaktivität?

Hanf zählt zu den vielversprechendsten Pflanzen für die Bodensanierung, aber er ist nicht immer automatisch die beste Lösung. Je nach Schadstoff können andere Pflanzen besser geeignet sein.

Schadstoff Beste bekannte Pflanze
Blei Mais oder Hanf
Cadmium Hanf
Cäsium-137 Hanf oder Sonnenblume
Strontium-90 Hanf
Nickel Hanf

In vielen Fällen werden deshalb verschiedene Pflanzen kombiniert. Dadurch lässt sich ein Boden oft besser und schneller reinigen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Hanf und Radioaktivität

Kann man Hanf aus radioaktiven Gebieten rauchen?

Nein. Hanf aus belasteten Böden kann radioaktive Stoffe und Schwermetalle enthalten und ist daher gesundheitlich gefährlich.

Kann aus solchen Pflanzen CBD hergestellt werden?

Nein. CBD-Produkte aus belastetem Hanf wären potenziell gefährlich und dürften nicht verkauft werden.

Wie lange dauert die Reinigung eines Bodens mit Hanf?

Das hängt von der Belastung ab. Häufig sind mehrere Jahre und zahlreiche Erntezyklen nötig.

Warum wurde Hanf in Tschernobyl genutzt?

Weil Hanf radioaktive Stoffe wie Cäsium-137 und Strontium-90 besonders gut aufnehmen kann und gleichzeitig robust bleibt.

Ist Phytoremediation günstiger als andere Methoden?

Oft ja. Die Methode ist deutlich günstiger als das vollständige Abtragen und Entsorgen belasteter Böden.

Fazit: Kann Hanf radioaktive Böden wirklich reinigen?

Hanf kann tatsächlich dabei helfen, radioaktive Stoffe und Schwermetalle aus belasteten Böden zu entfernen. Besonders nach Tschernobyl zeigte sich, dass die Pflanze Schadstoffe wie Cäsium-137, Strontium-90 oder Cadmium erstaunlich effektiv aufnehmen kann.

Die Methode hat jedoch klare Grenzen. Sie funktioniert nicht über Nacht und die belasteten Pflanzen dürfen anschließend nicht für Lebensmittel, CBD oder medizinisches Cannabis verwendet werden.

Trotzdem gilt Hanf bis heute als eine der interessantesten Pflanzen für die Bodensanierung. Gerade bei alten Industrieflächen oder radioaktiv belasteten Gebieten könnte die Hanfpflanze künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


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