Die Klimakommunikation gehört zu den wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. Wie wird über den Klimawandel berichtet?
Klimakommunikation im Fernsehen: Studie zeigt große Lücken
Wen erreichen Medien tatsächlich? Und welche Rolle spielt das Fernsehen noch in einer digitalen Welt mit Social Media, Streaming und Online-Portalen?
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie zur Klimakommunikation im deutschen Fernsehen liefert dazu neue Erkenntnisse. Forschende mehrerer Universitäten sowie eines Fraunhofer-Instituts haben untersucht, wie häufig Klimathemen im TV vorkommen, in welchen Formaten darüber gesprochen wird und welche Zuschauergruppen tatsächlich erreicht werden.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Fernsehen ist weiterhin ein wichtiges Medium für Klimakommunikation, erreicht aber vor allem Menschen, die sich ohnehin schon für das Thema interessieren. Skeptische oder wenig interessierte Gruppen kommen deutlich seltener mit Klimainhalten in Kontakt.
In diesem Artikel erfährst du verständlich erklärt, was genau untersucht wurde, warum die Ergebnisse relevant sind, welche Folgen das für die öffentliche Debatte hat und wo die Grenzen der Klimakommunikation liegen.
Was bedeutet Klimakommunikation überhaupt?
Der Begriff Klimakommunikation beschreibt alle Formen der öffentlichen Kommunikation über den Klimawandel, seine Ursachen, Folgen und mögliche Lösungen.
Dazu gehören unter anderem:
- Nachrichtenberichte über Klimapolitik
- Dokumentationen über Umwelt und Natur
- Talkshows mit Expertinnen und Experten
- Unterhaltungssendungen mit Umweltbezug
- Beiträge in sozialen Medien
- Schulbildung und Wissenschaftskommunikation
Ziel der Klimakommunikation ist es, Wissen zu vermitteln, Zusammenhänge zu erklären und gesellschaftliche Diskussionen zu ermöglichen. Gleichzeitig soll sie helfen, politische Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.
- Klimawandel betrifft Umwelt, Wirtschaft und Gesundheit
- Politische Maßnahmen brauchen gesellschaftliche Zustimmung
- Fehlinformation kann Entscheidungen beeinflussen
- Medien prägen öffentliche Meinung stark
Neue Studie zur Klimakommunikation im deutschen Fernsehen
Eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung hat analysiert, wie Klimakommunikation im deutschen Fernsehen tatsächlich stattfindet.
Beteiligt waren Forschende von:
- Ludwig-Maximilians-Universität München
- Universität Hamburg
- Freie Universität Berlin
- Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie
- Weizenbaum-Institut
Die Ergebnisse wurden in der internationalen Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht, einer der wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen im Bereich Klimaforschung.
Die Studie gilt als besonders aussagekräftig, weil sie große Datenmengen analysiert und klassische Medien mit modernen KI-Methoden ausgewertet hat.
Was genau wurde untersucht?
Analyse von über 23.000 Stunden Fernsehen
Untersucht wurde das Programm von 20 öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern in Deutschland.
Der Zeitraum lag zwischen September und November 2022.
Insgesamt wurden ausgewertet:
- 23.478 Stunden Fernsehprogramm
- rund 1,8 Millionen Sendeminuten
- 20 TV-Sender
- 1.445 befragte Zuschauerinnen und Zuschauer
Damit gehört die Studie zu den größten Untersuchungen zur Klimakommunikation im Fernsehen weltweit.
KI-Analyse von Bild, Ton und Text
Besonders neu war der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Auswertung der Inhalte.
Die Forschenden nutzten unter anderem:
- automatische Spracherkennung
- Textanalyse
- Gesichtserkennung
- Keyword-Analyse
- Inhaltsklassifikation
Dadurch konnten sehr große Datenmengen objektiv ausgewertet werden, ohne dass jede Sendung einzeln von Menschen angesehen werden musste.
- KI-gestützte Inhaltsanalyse
- sehr große Datenmenge
- Kombination aus Medienanalyse und Zuschauerbefragung
- vergleichbar mit internationalen Studien
Wie häufig kommt Klimakommunikation im Fernsehen vor?
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Klimathemen zwar regelmäßig vorkommen, aber nicht zu den dominierenden Themen gehören.
Im Vergleich mit anderen Themen lag der Klimawandel nur auf Platz vier der Aufmerksamkeit.
Häufiger berichtet wurde über:
- soziale Fragen
- Krieg und internationale Konflikte
- Wirtschaft und Inflation
Das zeigt, dass Klimakommunikation stark von aktuellen Krisen überlagert wird.
Polykrise beeinflusst Medienagenda
Der Untersuchungszeitraum fiel in eine Phase mit mehreren gleichzeitigen Krisen.
- Krieg in Europa
- Energiekrise
- Inflation
- soziale Spannungen
Solche Situationen führen dazu, dass Medien kurzfristige Probleme stärker behandeln als langfristige Themen wie den Klimawandel.
Klimakommunikation findet vor allem in Nachrichten statt
Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Verteilung der Klimaberichterstattung auf verschiedene TV-Formate.
Etwa 80 Prozent der Klimakommunikation findet in Informationsformaten statt.
Dazu gehören:
- Nachrichten
- Magazinsendungen
- Dokumentationen
- Talkshows
Nur etwa 20 Prozent der Inhalte kommen in Unterhaltungssendungen vor.
Das ist wichtig, weil unterschiedliche Zuschauer unterschiedliche Formate sehen.
- Informationsformate erreichen politisch interessierte Zuschauer
- Unterhaltung erreicht breiteres Publikum
- Klimathemen sind selten Teil von Unterhaltung
- dadurch entsteht eine Reichweitenlücke
Wer wird durch Klimakommunikation erreicht?
Die Zuschauerbefragung zeigt ein klares Muster.
Menschen, die sich ohnehin für Umwelt und Politik interessieren, sehen häufiger Sendungen mit Klimabezug.
Menschen mit skeptischer oder distanzierter Haltung sehen diese Formate deutlich seltener.
Die Studie nennt dieses Problem Reichweiten-Asymmetrie.
Was bedeutet Reichweiten-Asymmetrie?
Reichweiten-Asymmetrie bedeutet, dass Informationen vor allem diejenigen erreichen, die bereits interessiert sind.
Dadurch wird bestehendes Wissen verstärkt, aber neue Zielgruppen werden kaum erreicht.
Für die Klimakommunikation ist das problematisch, weil gesellschaftliche Veränderungen nur funktionieren, wenn viele Menschen beteiligt sind.
Warum Fernsehen trotzdem wichtig bleibt
Trotz Internet und Social Media bleibt Fernsehen ein sehr wichtiges Medium.
Viele Menschen nutzen TV regelmäßig, besonders ältere Zuschauer.
Fernsehen hat außerdem Eigenschaften, die für Klimakommunikation wichtig sind.
- große Reichweite
- hohes Vertrauen
- professionelle Redaktion
- klare Regeln für Journalismus
Im Vergleich zu sozialen Medien ist die Gefahr von Desinformation im Fernsehen geringer.
Unterschied zu Social Media
Soziale Medien können Diskussionen beschleunigen, führen aber oft zu Polarisierung.
Fernsehen kann dagegen eher zur Verständigung beitragen.
Deshalb sehen viele Forschende klassische Medien als wichtigen Bestandteil demokratischer Kommunikation.
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Darstellung von gesellschaftlichen Gruppen im Fernsehen
Die Studie hat auch untersucht, welche Personen im Fernsehen sichtbar sind.
Das Ergebnis zeigt eine deutliche Ungleichverteilung.
Nur etwa ein Drittel der erfassten Gesichter waren weiblich.
Eine geringe Vielfalt kann die Wirkung der Klimakommunikation einschränken.
Menschen fühlen sich eher angesprochen, wenn sie sich selbst repräsentiert sehen.
- mehr Identifikation mit Themen
- größere gesellschaftliche Akzeptanz
- breitere Perspektiven
- stärkere demokratische Diskussion
Welche Rolle hat das duale Rundfunksystem?
Deutschland hat ein duales Rundfunksystem.
Das bedeutet, es gibt:
- öffentlich-rechtliche Sender
- private Sender
Beide haben unterschiedliche Aufgaben.
Öffentlich-rechtliche Sender
- Informationsauftrag
- Bildungsauftrag
- gesellschaftliche Verantwortung
Private Sender
- stärkere Orientierung an Einschaltquoten
- mehr Unterhaltung
- weniger politische Inhalte
Die Studie stellt die Frage, ob langfristige Themen wie Klimawandel ausreichend behandelt werden, wenn kurzfristige Krisen dominieren.
Was müsste sich bei der Klimakommunikation ändern?
Die Forschenden sehen mehrere Möglichkeiten, die Klimakommunikation zu verbessern.
Mehr Storytelling statt nur Nachrichten
Themen erreichen mehr Menschen, wenn sie emotional erzählt werden.
Beispiele:
- Serien mit Umweltbezug
- Reportagen mit persönlichen Geschichten
- Dokumentationen mit Alltagsperspektiven
Mehr Vielfalt der Perspektiven
Klimakommunikation sollte unterschiedliche Lebensrealitäten zeigen.
- Stadt und Land
- verschiedene Altersgruppen
- verschiedene soziale Schichten
Mehr Inhalte außerhalb von Nachrichten
Unterhaltung kann helfen, neue Zielgruppen zu erreichen.
Rechtliche Einordnung der Klimakommunikation
Medien haben in Deutschland eine besondere Rolle.
Das Grundgesetz schützt die Pressefreiheit.
Gleichzeitig haben öffentlich-rechtliche Sender einen Auftrag zur Information der Bevölkerung.
Dazu gehört auch die Berichterstattung über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel.
Eine gesetzliche Pflicht zur bestimmten Meinung gibt es jedoch nicht.
Journalismus muss unabhängig bleiben.
Grenzen der Klimakommunikation
Auch gute Kommunikation kann nicht alle Probleme lösen.
Es gibt mehrere Grenzen.
- Menschen wählen Medien nach Interesse
- Politische Einstellungen beeinflussen Wahrnehmung
- Emotionen spielen große Rolle
- Komplexe Themen sind schwer zu erklären
Deshalb kann Klimakommunikation informieren, aber nicht automatisch Verhalten ändern.
Für wen sind die Ergebnisse wichtig?
Die Studie ist relevant für mehrere Gruppen.
- Journalisten
- Politik
- Wissenschaft
- Medienunternehmen
- Bildungseinrichtungen
- Öffentlichkeit
Alle profitieren davon zu wissen, wie Klimakommunikation tatsächlich funktioniert.
Bedeutung für die Zukunft der Klimadebatte
Die Ergebnisse zeigen, dass Medien weiterhin entscheidend sind.
Ohne funktionierende Klimakommunikation ist es schwer, gesellschaftliche Lösungen zu finden.
Gleichzeitig reicht klassische Berichterstattung allein nicht aus.
Neue Formate und neue Wege sind notwendig.
Zusammenfassung
Die Studie zur Klimakommunikation im deutschen Fernsehen zeigt, dass TV weiterhin ein wichtiges Medium für die öffentliche Diskussion über den Klimawandel ist.
Klimathemen kommen regelmäßig vor, werden aber vor allem in Nachrichtenformaten behandelt und erreichen hauptsächlich bereits interessierte Zuschauer.
Um die gesellschaftliche Wirkung zu stärken, braucht es vielfältigere Darstellungen, neue Formate und eine breitere Ansprache verschiedener Zielgruppen.
Fernsehen kann zur Verständigung beitragen, hat aber Grenzen. Deshalb wird die Zukunft der Klimakommunikation wahrscheinlich in einer Kombination aus Fernsehen, Online-Medien und neuen Erzählformen liegen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news867765
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Autor und Bild: Chad Gregor Paul Thiele
Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der News bzw. Pressemeldung
