Wie stark können Städte und Gemeinden das Klima schützen, wenn sie den Verkehr vor Ort verändern? Genau diese Frage hat eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung untersucht. Im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg wurden mehrere kommunale Verkehrsmaßnahmen wissenschaftlich ausgewertet. Im Mittelpunkt standen Schnellbusse, höhere Gebühren für Bewohnerparken und kostenloses Parken für Elektroautos.
Klimawirkung kommunaler Verkehrsmaßnahmen: Was Städte wirklich bewirken können
Die Ergebnisse zeigen: Bereits einzelne Maßnahmen können messbar dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu senken. Noch größer wird der Effekt, wenn Kommunen mehrere Instrumente gleichzeitig einsetzen. Für Städte ist das besonders relevant, denn der Verkehr gehört zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine moderne, klimafreundliche Mobilität.
Im Folgenden erfährst du, welche Maßnahmen untersucht wurden, wie groß ihre Wirkung ist, wo ihre Grenzen liegen und warum viele Kommunen in Deutschland künftig ähnliche Wege gehen könnten.
Warum kommunale Verkehrsmaßnahmen immer wichtiger werden
Baden-Württemberg verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Der Verkehr im Land soll bis 2040 klimaneutral werden. Bereits bis 2030 sollen die Emissionen im Verkehrssektor im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent sinken. Ohne Veränderungen in Städten und Gemeinden wird dieses Ziel jedoch kaum erreichbar sein.
Vor allem im urbanen Raum entstehen viele Emissionen durch den motorisierten Individualverkehr. Täglich fahren Millionen Menschen mit dem Auto zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit. Viele Kommunen suchen deshalb nach Wegen, um den Autoverkehr zu reduzieren oder klimafreundlicher zu gestalten.
- Rund ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen stammt aus dem Verkehrssektor.
- Ein großer Teil dieser Emissionen entsteht in Städten und Ballungsräumen.
- Kommunen können Parkregeln, ÖPNV-Angebote und Verkehrsflächen selbst beeinflussen.
- Schon kleine Veränderungen können den Alltag vieler Menschen verändern.
Die Fraunhofer-Forschenden haben daher untersucht, welche tatsächlichen Effekte bestimmte Maßnahmen nach ihrer Einführung hatten. Dabei ging es nicht um theoretische Modellrechnungen, sondern um reale Entwicklungen in Freiburg, Stuttgart, Tübingen und Landau.
Was genau untersucht wurde
Die Untersuchung konzentrierte sich auf drei kommunale Verkehrsmaßnahmen:
- Einführung einer Schnellbuslinie in Freiburg
- Kostenloses Parken für Elektroautos in Stuttgart
- Höhere Gebühren für Bewohnerparken in Tübingen und Dauerparken in Landau
Für jede Maßnahme wurde geprüft, ob sie tatsächlich zu weniger CO2-Ausstoß führt. Dazu wurden Daten über Fahrzeugbestand, Fahrverhalten, Parknutzung und Verkehrsaufkommen ausgewertet.
Schnellbusse in Freiburg: Weniger Stau, weniger CO2
Im Dezember 2022 führte Freiburg die Schnellbuslinie 37 ein. Sie verbindet mehrere Umlandgemeinden mit der Stadt und dem Bahnnetz. Die Linie fährt vor allem morgens und nachmittags, also zu den klassischen Pendelzeiten.
Der Vorteil der Schnellbuslinie liegt darin, dass sie schneller ist als herkömmliche Busverbindungen. Fahrgäste müssen seltener umsteigen und kommen direkter an ihr Ziel. Gerade für Pendler ist das oft entscheidend.
Warum Schnellbusse attraktiv sind
Viele Menschen nutzen ihr Auto nicht, weil sie unbedingt fahren möchten, sondern weil Bus und Bahn oft umständlich oder langsam sind. Wenn der öffentliche Nahverkehr komfortabler wird, steigt die Bereitschaft zum Umstieg.
Die Untersuchung zeigte, dass etwa ein Drittel der Fahrgäste grundsätzlich Zugriff auf ein Auto gehabt hätte. Trotzdem entschieden sie sich bewusst für den Bus. Gründe dafür waren:
- Kürzere Reisezeiten
- Weniger Umstiege
- Mehr Komfort im Alltag
- Keine Parkplatzsuche in der Stadt
- 157 Tonnen CO2 werden pro Jahr durch weniger Autofahrten eingespart.
- Die eingesetzten Dieselbusse verursachen etwa 103 Tonnen CO2.
- Unterm Strich spart die Linie rund 54 Tonnen CO2 jährlich.
- Das entspricht 8,1 Kilogramm CO2 pro Einwohner im Einzugsgebiet.
Wie groß wäre der Effekt mit Elektrobussen?
Ein wichtiger Punkt der Studie: Der positive Klimaeffekt könnte deutlich größer sein, wenn statt Dieselbussen Elektrobusse eingesetzt würden. Laut Fraunhofer würde sich die Klimawirkung etwa verdreifachen.
Das zeigt, dass nicht nur die Verkehrsverlagerung wichtig ist, sondern auch die Technik der Fahrzeuge selbst. Ein moderner Bus ersetzt zwar viele Autofahrten, verursacht aber weiterhin Emissionen, wenn er mit Diesel betrieben wird.
Für wen ist die Maßnahme besonders relevant?
Die Einführung von Schnellbuslinien ist vor allem für Städte interessant, die viele Pendler aus dem Umland haben. Besonders dort, wo Bahnhöfe oder Industriegebiete schlecht angebunden sind, kann ein Schnellbus eine echte Alternative zum Auto werden.
Auch kleinere Städte könnten von diesem Modell profitieren. Die Voraussetzungen sind:
- Hohe Pendlerzahlen
- Lange Staus im Berufsverkehr
- Unattraktive bestehende Busverbindungen
Kostenloses Parken für E Autos in Stuttgart
Stuttgart führte bereits 2012 kostenloses Parken für Elektroautos ein. Ziel war es, mehr Menschen zum Umstieg vom Verbrenner auf ein elektrisches Fahrzeug zu bewegen. Die Regelung galt bis Ende 2022.
Auf den ersten Blick wirkt kostenloses Parken wie ein kleines Detail. Tatsächlich kann es jedoch die Entscheidung beeinflussen, welches Auto jemand kauft. Wer regelmäßig in die Innenstadt fährt, spart durch kostenfreies Parken jedes Jahr viel Geld.
Wie stark beeinflusst kostenloses Parken die Kaufentscheidung?
Die Forschenden kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Elektroautos in Stuttgart dürfte direkt auf diese Regelung zurückzuführen sein.
Zwischen 2018 und 2022 kamen laut Untersuchung zusätzlich in den Fahrzeugbestand:
- Bis zu 15.460 reine Elektroautos
- Etwa 10.160 Plug in Hybride
Besonders bemerkenswert: Rund ein Drittel aller rein elektrischen Fahrzeuge in Stuttgart wurde dem kostenlosen Parken zugerechnet.
- Bis zu 25.620 zusätzliche Elektrofahrzeuge und Plug in Hybride
- 63.000 Tonnen eingespartes CO2 zwischen 2018 und 2022
- 5,8 Kilogramm weniger CO2 pro Einwohner und Jahr
- In Stuttgart lag der Anteil von Elektroautos bei 8 Prozent, fast doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt.
Warum die Maßnahme inzwischen beendet wurde
Ende 2022 lief die Regelung in Stuttgart aus. Der Grund: Elektroautos waren inzwischen deutlich stärker verbreitet. Die Stadt sah keinen Bedarf mehr, diesen zusätzlichen Anreiz dauerhaft aufrechtzuerhalten.
Außerdem stellte sich die Frage nach der Fairness. Denn wer kein Elektroauto besitzt, musste weiterhin reguläre Parkgebühren zahlen. Gerade Menschen mit geringem Einkommen können sich oft kein neues E Auto leisten und profitieren deshalb nicht von solchen Regelungen.
Die rechtliche Einordnung
Kommunen dürfen Parkgebühren unterschiedlich gestalten, solange sie sachlich begründet sind. Elektroautos können deshalb zeitweise günstiger oder kostenlos parken. Die rechtliche Grundlage dafür findet sich im Straßenverkehrsrecht und in kommunalen Satzungen.
Wichtig ist jedoch, dass eine solche Regelung zeitlich begrenzt und nachvollziehbar begründet wird. Andernfalls könnte der Vorwurf entstehen, bestimmte Fahrzeughalter ungerecht zu bevorzugen.
Wo liegen die Grenzen der Maßnahme?
Auch wenn Elektroautos lokal deutlich weniger Emissionen verursachen, lösen sie nicht alle Verkehrsprobleme. Sie benötigen weiterhin Parkplätze, verursachen Staus und beanspruchen öffentliche Flächen.
Deshalb sehen viele Fachleute kostenloses Parken für E Autos eher als Übergangslösung. Langfristig sollte das Ziel sein, insgesamt weniger Autos in den Innenstädten zu haben.
Medizinisch betrachtet hat die Maßnahme dennoch Vorteile. Weniger Verbrenner bedeuten:
- Weniger Stickoxide
- Weniger Feinstaub aus Abgasen
- Bessere Luftqualität
- Geringere Gesundheitsbelastung für Menschen mit Atemwegserkrankungen
Die Grenzen bleiben jedoch sichtbar, weil auch Elektroautos Feinstaub durch Reifenabrieb verursachen.
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Bewohnerparken: Warum höhere Gebühren das Verhalten verändern
Ein besonders interessantes Ergebnis liefert die Untersuchung zum Bewohnerparken. Seit 2021 dürfen Städte in Baden-Württemberg die Gebühren für Bewohnerparkausweise selbst festlegen. Viele Kommunen nutzten diese Möglichkeit und erhöhten die Preise deutlich.
Vorher lag die Obergrenze bundesweit bei lediglich 30,70 Euro pro Jahr. Das entspricht nur wenigen Euro pro Monat und deckt die tatsächlichen Kosten für öffentliche Parkflächen kaum ab.
Tübingen entschied sich deshalb für deutlich höhere Gebühren. Je nach Fahrzeuggröße, Antrieb und Einkommen kostete ein Bewohnerparkausweis durchschnittlich 126 Euro pro Jahr.
Was in Tübingen passiert ist
Die höheren Parkgebühren hatten spürbare Auswirkungen. Im Untersuchungsgebiet sank die Zahl der Fahrzeuge um 2,6 Prozent. Das entspricht 275 Autos weniger.
Viele Menschen entschieden sich offenbar dazu:
- Auf ein Zweitauto zu verzichten
- Häufiger Bus oder Bahn zu nutzen
- Kurze Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen
- Öfter zu Fuß zu gehen
- 2,6 Prozent weniger Fahrzeuge im Untersuchungsgebiet
- 275 Autos weniger
- 12,4 Kilogramm CO2 Einsparung pro Einwohner und Jahr
- Weniger Parkdruck in Wohngebieten
Das Beispiel Landau: Gebühren für Dauerparker
Auch Landau in Rheinland-Pfalz wurde untersucht. Dort standen nicht Bewohnerparkausweise im Mittelpunkt, sondern Gebühren für Dauerparker. Diese betrafen unter anderem Pendler und Gewerbetreibende.
Die Wirkung war ähnlich wie in Tübingen. Die Fahrzeugzahl sank um 2,2 Prozent beziehungsweise 148 Fahrzeuge.
Besonders bemerkenswert war die CO2-Einsparung: Pro Einwohner wurden jährlich 18,4 Kilogramm CO2 eingespart. Damit schnitt Landau sogar besser ab als Tübingen.
Warum höhere Parkgebühren wirken
Viele Menschen betrachten kostenloses oder sehr günstiges Parken als selbstverständlich. Tatsächlich verursacht ein Auto im öffentlichen Raum jedoch hohe Kosten. Straßen, Parkflächen und Verkehrslenkung müssen von den Kommunen finanziert werden.
Wenn Parken teurer wird, verändert sich das Verhalten. Vor allem Menschen, die ihr Auto nur selten benötigen, hinterfragen den Besitz eher.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Wer für ein Zweitauto jährlich Parkgebühren, Versicherung, Steuer und Kraftstoff zahlen muss, erkennt oft, dass sich ein Carsharing Angebot oder ein Deutschlandticket finanziell eher lohnt.
Vor und Nachteile höherer Parkgebühren
Vorteile
- Weniger Autos in Wohngebieten
- Mehr Platz auf öffentlichen Straßen
- Weniger CO2 und bessere Luftqualität
- Zusätzliche Einnahmen für Kommunen
- Anreiz für Bus, Bahn und Fahrrad
Nachteile
- Höhere Kosten für Autofahrer
- Besonders belastend für Menschen ohne gute ÖPNV Anbindung
- Politisch oft umstritten
- Kann soziale Ungleichheiten verstärken
Deshalb empfehlen viele Experten, höhere Parkgebühren immer mit besseren Alternativen zu verbinden. Wer das Auto stehen lassen soll, braucht einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr.
Welche Maßnahme bringt am meisten?
Die untersuchten Verkehrsmaßnahmen wirken unterschiedlich stark. Welche am effektivsten ist, hängt stark von den örtlichen Bedingungen ab.
| Maßnahme | CO2 Einsparung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Schnellbus Freiburg | 54 Tonnen pro Jahr | Besonders wirksam bei vielen Pendlern |
| Kostenloses E Auto Parken Stuttgart | 63.000 Tonnen von 2018 bis 2022 | Starker Einfluss auf Kaufentscheidungen |
| Bewohnerparken Tübingen | 12,4 kg pro Einwohner und Jahr | Reduziert den Fahrzeugbestand |
| Dauerparken Landau | 18,4 kg pro Einwohner und Jahr | Sehr hohe Wirkung pro Einwohner |
Die wichtigste Erkenntnis lautet jedoch: Keine Maßnahme allein reicht aus. Wirklich große Effekte entstehen erst dann, wenn mehrere Instrumente kombiniert werden.
- Besserer Nahverkehr durch Schnellbusse und Bahn
- Höhere Parkgebühren für Dauerparker
- Temporäre Vorteile für Elektroautos
- Mehr Radwege und sichere Fußwege
- Investitionen in Carsharing und Ladeinfrastruktur
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Fraunhofer-Studie verwendet wissenschaftliche Methoden, um die Wirkung möglichst genau zu bestimmen. Besonders wichtig war der sogenannte Differenz-von-Differenz-Ansatz.
Dabei werden Städte oder Gebiete miteinander verglichen. So lässt sich besser erkennen, ob eine Veränderung tatsächlich auf die Maßnahme zurückgeht oder ob andere Faktoren eine Rolle gespielt haben.
Trotzdem gibt es Grenzen:
- Die Untersuchungszeiträume waren relativ kurz.
- Äußere Einflüsse wie Energiepreise oder Corona könnten Ergebnisse beeinflusst haben.
- Verkehrsverhalten verändert sich oft erst über mehrere Jahre.
Die Zahlen sind daher keine exakte Vorhersage für jede Stadt. Sie zeigen aber deutlich, in welche Richtung sich die Effekte entwickeln.
Was andere Städte daraus lernen können
Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Problemen: volle Straßen, Parkplatzmangel, schlechte Luft und hohe Emissionen. Die untersuchten Beispiele liefern konkrete Hinweise, welche Maßnahmen funktionieren können.
Besonders wichtig ist dabei, dass die Maßnahmen zur jeweiligen Stadt passen. Eine Großstadt wie Stuttgart benötigt andere Lösungen als eine kleinere Stadt oder ländliche Region.
Für Kommunen ergeben sich daraus drei zentrale Erkenntnisse:
- Der öffentliche Nahverkehr muss attraktiver werden.
- Parken im öffentlichen Raum sollte den tatsächlichen Wert der Fläche widerspiegeln.
- Elektromobilität kann helfen, sollte aber nicht die einzige Lösung sein.
Zusammenfassung: Klimawirkung kommunaler Verkehrsmaßnahmen ist messbar
Die Untersuchung des Fraunhofer ISI zeigt deutlich, dass kommunale Verkehrsmaßnahmen einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Schnellbusse reduzieren Autofahrten. Kostenloses Parken für E Autos fördert den Umstieg auf klimafreundlichere Fahrzeuge. Höhere Gebühren für Bewohnerparken und Dauerparken senken die Zahl der Autos in Städten.
Besonders erfolgreich sind Maßnahmen dann, wenn sie miteinander kombiniert werden. Städte können dadurch nicht nur Emissionen senken, sondern auch den öffentlichen Raum lebenswerter machen.
Gleichzeitig bleibt wichtig, die sozialen und praktischen Grenzen im Blick zu behalten. Nicht jede Maßnahme passt zu jeder Stadt und nicht jeder Mensch hat sofort eine Alternative zum Auto. Wer Klimaschutz im Verkehr erfolgreich umsetzen will, muss deshalb immer auch attraktive Alternativen schaffen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news868348 und https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/sustainability-innovation/2026/2026-03_klimawirkungen_schlussbericht_sustainability_innovation_02-2026.pdf
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Autor und Bild: Chad Gregor Paul Thiele
Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der News bzw. Pressemeldung
