Der Meeresspiegel steigt nicht nur durch den Klimawandel. In vielen Küstenregionen sinkt gleichzeitig das Land ab. Dadurch wirkt der Anstieg des Wassers deutlich stärker. Forschende der Technischen Universität München zeigen, dass Menschen in dicht besiedelten Küstengebieten oft einen doppelt bis dreifach höheren relativen Meeresspiegelanstieg erleben als der globale Durchschnitt. Besonders betroffen sind große Städte mit intensiver Grundwasserentnahme und starkem Wachstum.
Warum steigt der Meeresspiegel durch absinkendes Land immer schneller?
| Region/Land | Relativer Meeresspiegelanstieg | Besondere Ursache |
|---|---|---|
| Jakarta | bis zu 42 mm pro Jahr lokal | extreme Grundwasserentnahme |
| Bangkok | ca. 8,5 mm pro Jahr | Subsidenz und Stadtwachstum |
| Lagos | ca. 6,7 mm pro Jahr | Bodenabsenkung und Küstenbelastung |
| Alexandria | ca. 4 mm pro Jahr | Sedimentverdichtung |
| Niederlande | ca. 4 bis 5 mm pro Jahr | Küstenlage und Bodensenkung |
| Schweden/Finnland | teilweise sinkender Meeresspiegel | Hebung des Landes nach Eiszeit |
Forschende der Technischen Universität München und der Tulane University zeigen, dass absinkendes Land den Meeresspiegelanstieg in vielen Küstenregionen drastisch verstärkt.
Bedeutung:
Der Klimawandel allein erklärt viele Überflutungsrisiken nicht mehr vollständig. Menschliche Eingriffe in den Untergrund verschärfen die Situation zusätzlich.
Einordnung:
Die Ergebnisse sind besonders wichtig für Küstenstädte, Stadtplaner, Wasserbehörden, Infrastrukturbetreiber und Millionen Menschen in gefährdeten Regionen.
Was bedeutet relativer Meeresspiegelanstieg?
Wenn vom Meeresspiegelanstieg gesprochen wird, denken viele Menschen automatisch an schmelzende Gletscher oder wärmeres Wasser in den Ozeanen. Tatsächlich gibt es aber zwei verschiedene Betrachtungsweisen.
Was ist der absolute Meeresspiegelanstieg?
Der absolute Meeresspiegelanstieg beschreibt den tatsächlichen Anstieg der Ozeane weltweit. Ursachen dafür sind vor allem:
- Schmelzende Gletscher
- Schmelzendes Polareis
- Wärmeausdehnung des Meerwassers
- Klimawandelbedingte Veränderungen im Wasserkreislauf
Aktuell liegt dieser globale Wert laut verschiedenen Messungen bei etwa 3,15 Millimetern pro Jahr.
Was ist der relative Meeresspiegelanstieg?
Der relative Meeresspiegelanstieg beschreibt dagegen die Veränderung aus Sicht der Küstenbewohner. Wenn sich das Land zusätzlich absenkt, steigt der Meeresspiegel relativ gesehen deutlich schneller.
Genau hier setzt die neue Studie der Forschenden an. Sie zeigt, dass viele dicht besiedelte Küstenregionen durchschnittlich rund 6 Millimeter relativen Meeresspiegelanstieg pro Jahr erleben. Das ist etwa dreimal so viel wie der küstengewichtete globale Durchschnitt.
Warum sinkt Land überhaupt ab?
Das Absinken von Landmassen wird in der Wissenschaft als Subsidenz bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein geologisches und oft menschengemachtes Problem.
Welche Ursachen hat Subsidenz?
Die Studie nennt mehrere wichtige Gründe.
- Übermäßige Entnahme von Grundwasser
- Öl und Gasförderung
- Verdichtung weicher Sedimente
- Schwere Gebäude und Infrastruktur
- Geologische Prozesse
- Tektonische Bewegungen
Vor allem die Entnahme großer Mengen Grundwasser gilt in vielen Küstenstädten als Hauptursache.
Warum ist Grundwasser so wichtig für den Untergrund?
Grundwasser wirkt im Boden stabilisierend. Wird es über Jahrzehnte hinweg stark abgepumpt, verliert der Untergrund an Stabilität. Das Material verdichtet sich und das Land sinkt langsam ab.
Besonders problematisch ist das in:
- Megastädten
- Delta Regionen
- Industriegebieten
- Schnell wachsenden Ballungsräumen
Dort steigt der Wasserbedarf kontinuierlich.
Welche Städte sind besonders betroffen?
Die Forschenden identifizierten zahlreiche sogenannte Subsidenz Hotspots.
Warum gilt Jakarta als Extremfall?
Die indonesische Hauptstadt Jakarta gehört zu den weltweit am stärksten betroffenen Regionen.
Im Durchschnitt sinkt die Stadt um etwa 13,7 Millimeter pro Jahr ab. In manchen Stadtteilen wurden sogar Werte von bis zu 42 Millimetern jährlich gemessen.
Das Problem entsteht vor allem durch:
- Massive Grundwasserentnahme
- Schnelles Bevölkerungswachstum
- Schwere Bebauung
- Unzureichende Wasserversorgung
Die Folgen sind bereits heute sichtbar. Straßen stehen häufiger unter Wasser und Überschwemmungen nehmen zu.
Welche weiteren Städte sind betroffen?
| Stadt | Subsidenz pro Jahr | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Jakarta | 13,7 mm | teilweise bis 42 mm lokal |
| Tianjin | 13,5 mm | Industrialisierung und Wasserverbrauch |
| Bangkok | 8,5 mm | Delta Lage |
| Lagos | 6,7 mm | schnelles Städtewachstum |
| Alexandria | 4 mm | Küstenerosion und Sedimente |
Welche Länder erleben besonders starke Auswirkungen?
Laut Studie gehören folgende Staaten zu den besonders betroffenen Regionen:
- Thailand
- Bangladesch
- Nigeria
- Ägypten
- China
- Indonesien
Dort erleben Menschen durchschnittlich 7 bis 10 Millimeter relativen Meeresspiegelanstieg pro Jahr.
Auch Länder wie die USA, Italien und die Niederlande weisen erhöhte Werte auf.
Warum sind dicht besiedelte Küstenregionen so gefährlich?
Mehr als eine halbe Milliarde Menschen leben weltweit in niedrig gelegenen Küstenzonen. Viele dieser Regionen sind wirtschaftlich besonders wichtig.
Welche Risiken entstehen?
- Häufigere Überflutungen
- Stärkere Sturmfluten
- Schäden an Gebäuden
- Gefährdung von Straßen und Häfen
- Versalzung von Böden
- Verlust von Trinkwasser
- Steigende Versicherungskosten
Vor allem arme Regionen sind oft schlecht vorbereitet.
Die Studie zeigt, dass menschliche Eingriffe wie Grundwasserförderung den Meeresspiegelanstieg lokal massiv verstärken.
Bedeutung:
Viele Küstenstädte unterschätzen bisher den Einfluss der Landsenkung auf ihre Hochwasserrisiken.
Einordnung:
Das Thema betrifft nicht nur Entwicklungsländer. Auch europäische Regionen und Teile der USA sind betroffen.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Der Klimawandel bleibt ein zentraler Treiber des steigenden Meeresspiegels. Die neue Studie macht aber deutlich, dass lokale Faktoren oft genauso wichtig sind.
Warum verstärken sich beide Effekte gegenseitig?
Wenn der Meeresspiegel steigt und gleichzeitig das Land absinkt, addieren sich die Auswirkungen.
Dadurch:
- erreichen Sturmfluten höhere Pegel
- werden Küsten schneller überflutet
- steigt die Belastung für Deiche
- nehmen wirtschaftliche Schäden zu
Besonders gefährlich wird das in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.
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Warum hebt sich das Land in manchen Ländern?
Interessanterweise gibt es auch Regionen, in denen sich das Land hebt.
Warum steigt das Land in Schweden und Finnland?
In Skandinavien wirkt noch immer ein Effekt der letzten Eiszeit nach.
Während der Eiszeit drückten riesige Eismassen das Land nach unten. Nach dem Abschmelzen hebt sich die Erdkruste langsam wieder an.
Dieser Prozess wird als postglaziale Landhebung bezeichnet.
In einigen Regionen ist die Hebung sogar stärker als der Meeresspiegelanstieg. Dort sinkt der relative Meeresspiegel aus Sicht der Küstenbewohner.
Wie kann Grundwassermanagement helfen?
Die Forschenden sehen im besseren Umgang mit Grundwasser eine der wichtigsten Gegenmaßnahmen.
Warum ist Regulierung entscheidend?
Wenn weniger Grundwasser entnommen wird, stabilisiert sich der Untergrund häufig wieder.
Mögliche Maßnahmen:
- Begrenzung der Wasserförderung
- Alternative Wasserversorgung
- Wassersparmaßnahmen
- Künstliche Wiederauffüllung von Aquiferen
- Bessere Stadtplanung
Was sind Aquifere?
Aquifere sind unterirdische Gesteins oder Sedimentschichten, die Wasser speichern können. Sie dienen weltweit als wichtige Trinkwasserquelle.
Werden sie überlastet, können sie dauerhaft beschädigt werden.
Welche Städte zeigen erfolgreiche Lösungen?
Die Studie nennt Tokio und Houston als positive Beispiele.
Wie konnte Tokio die Bodensenkung reduzieren?
Tokio litt zeitweise unter extremen Absenkungen von mehr als 10 Zentimetern pro Jahr.
Die japanische Regierung reagierte mit:
- strenger Regulierung der Grundwasserentnahme
- neuen Wasserversorgungssystemen
- staatlichen Eingriffen
- kontinuierlicher Überwachung
Dadurch gingen die Absenkungen später deutlich zurück.
Warum gilt Houston als Vorbild?
In der Region Harris Galveston in Texas wurde bereits 1975 der Harris Galveston Subsidence District gegründet.
Die Behörde kontrolliert:
- Grundwasserförderung
- Wassernutzung
- Alternative Wasserquellen
- Wassersparmaßnahmen
Das zeigt, dass politische Entscheidungen tatsächlich Wirkung entfalten können.
Welche Folgen hat der steigende Meeresspiegel für Europa?
Auch Europa bleibt nicht verschont.
Warum sind die Niederlande besonders gefährdet?
Große Teile der Niederlande liegen bereits heute unter dem Meeresspiegel. Das Land investiert seit Jahrzehnten enorme Summen in:
- Deichbau
- Pumpensysteme
- Küstenschutz
- Wassermanagement
Steigt der relative Meeresspiegel weiter, steigen auch die Kosten für den Schutz der Bevölkerung.
Wie sieht die Lage in Deutschland aus?
Auch Deutschland muss sich langfristig mit steigenden Risiken beschäftigen.
Besonders betroffen könnten werden:
- Nordseeküste
- Ostseeküste
- Flussmündungen
- Niedrig gelegene Hafenregionen
Dazu kommen stärkere Sturmfluten und zunehmende Extremwetterereignisse.
Warum ist die Studie wissenschaftlich wichtig?
Die Untersuchung verbindet globale Meeresspiegelanalysen mit lokalen Landsenkungen. Genau diese Kombination fehlte bisher häufig in der öffentlichen Debatte.
Was macht die Forschung besonders?
- Fokus auf dicht besiedelte Küstenregionen
- Kombination aus Klimadaten und Landbewegungen
- Bevölkerungsgewichtete Berechnungen
- Praxisnahe Analyse realer Risiken
Die Studie macht deutlich, dass Küstenschutz nicht allein über Klimapolitik gelöst werden kann.
Welche Rolle spielen Städteplanung und Infrastruktur?
Moderne Megastädte üben enormen Druck auf den Untergrund aus.
Warum können schwere Gebäude problematisch werden?
In Regionen mit weichen Sedimenten kann das Gewicht großer Städte die Verdichtung des Bodens beschleunigen.
Besonders betroffen:
- Hochhäuser
- Industrieanlagen
- Verkehrsinfrastruktur
- Hafenanlagen
Das bedeutet nicht, dass Städte automatisch absinken. Aber schlechte Planung kann Risiken verstärken.
Die Forschenden sehen in lokalem Wassermanagement einen entscheidenden Hebel gegen die Bodensenkung.
Bedeutung:
Viele Risiken lassen sich zumindest teilweise verlangsamen oder begrenzen.
Einordnung:
Die Ergebnisse zeigen, dass Klimaanpassung und Stadtplanung künftig enger zusammenarbeiten müssen.
FAQ zum absinkenden Land und Meeresspiegelanstieg
Warum steigt der Meeresspiegel lokal schneller?
Weil in vielen Regionen zusätzlich das Land absinkt. Dadurch wirkt der Anstieg des Wassers stärker.
Was ist Subsidenz?
Subsidenz bezeichnet die langsame Absenkung des Bodens oder ganzer Landmassen.
Kann man Bodensenkungen stoppen?
Teilweise ja. Vor allem besseres Grundwassermanagement kann die Entwicklung verlangsamen.
Welche Städte sind besonders betroffen?
Vor allem Jakarta, Bangkok, Tianjin, Lagos und Alexandria gelten als problematische Regionen.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Der Klimawandel erhöht den Meeresspiegel weltweit. Lokale Bodensenkungen verstärken die Folgen zusätzlich.
Warum hebt sich das Land in Skandinavien?
Dort wirkt noch die Entlastung nach der letzten Eiszeit. Die Erdkruste hebt sich langsam an.
Wie wichtig sind die Erkenntnisse für die Zukunft?
Die Studie zeigt deutlich, dass Küstenschutz komplexer ist als lange angenommen. Es reicht nicht aus, nur den globalen Meeresspiegel zu beobachten.
Entscheidend ist auch:
- Wie sich der Untergrund verändert
- Wie Städte wachsen
- Wie Wasser genutzt wird
- Wie Infrastruktur geplant wird
Viele Risiken entstehen direkt vor Ort durch menschliche Eingriffe.
Zusammenfassung: Warum absinkendes Land ein unterschätztes Problem ist
Der Meeresspiegel steigt weltweit durch den Klimawandel. In vielen Küstenregionen kommt jedoch ein weiterer gefährlicher Faktor hinzu: das Absinken des Landes. Besonders die intensive Grundwasserentnahme verschärft die Risiken massiv.
Die neue Studie der Technischen Universität München und der Tulane University zeigt, dass Millionen Menschen dadurch deutlich stärker bedroht sind als bisher angenommen. Gleichzeitig macht die Forschung aber auch Hoffnung. Durch besseres Wassermanagement, moderne Stadtplanung und politische Maßnahmen lassen sich viele Probleme zumindest verlangsamen.
Originalpublikation: https://doi.org/10.1038/s41467-026-72293-z
Weitere Informationen zum Deutschen Geodätischen Forschungsinstitut: https://www.dgfi.tum.de/en/
TUM Pressemitteilung: https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/teils-dramatisch-hoeherer-meeresspiegel-durch-absinkendes-land
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news870949 und https://doi.org/10.1038/s41467-026-72293-z
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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