Warum trocknen die Kontinente weltweit aus?

Die Kontinente trocknen aus, weil steigende Temperaturen die Verdunstung verstärken, Gletscher und Schneereserven schwinden und Menschen vielerorts mehr Grundwasser entnehmen, als sich neu bilden kann. Der WMO-Bericht zu den Weltwasserressourcen 2025 zeigt zugleich ein zweites Problem: Der Wasserkreislauf wird unberechenbarer und schwankt immer häufiger zwischen Dürre, Wassermangel und zerstörerischen Überschwemmungen.

Inhaltsverzeichnis

Warum trocknen die Kontinente weltweit aus?

Warum trocknen die Kontinente weltweit aus?
Warum trocknen die Kontinente weltweit aus?

Der weltweite Wasserkreislauf gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Das geht aus dem aktuellen Bericht „State of Global Water Resources 2025“ der World Meteorological Organization hervor. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie gehörte 2025 bei den globalen Abflussmengen der Flüsse zu den trockensten Jahren seit 1991. Gleichzeitig verloren die Gletscher weltweit erneut Hunderte Milliarden Tonnen Eis.

Die Entwicklung bedeutet jedoch nicht, dass das Wasser von der Erde verschwindet. Es verändert vielmehr seinen Aufenthaltsort, seine Verfügbarkeit und den Zeitpunkt, zu dem es gebraucht wird. Wasser, das früher über längere Zeit in Böden, Gletschern, Schnee, Seen oder Grundwasserspeichern gebunden war, gelangt zunehmend schneller in die Atmosphäre und in die Ozeane. Dadurch fehlt es regional für Menschen, Landwirtschaft und Ökosysteme.

Bereich Zentrale Erkenntnis für 2025 Warum ist das relevant?
Flüsse Auf 36 Prozent der weltweiten Einzugsgebietsfläche lagen die Abflüsse unter dem langjährigen Normalwert Weniger Wasser steht für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Energieerzeugung und Natur zur Verfügung
Grundwasser Fast zwei Drittel der ausgewerteten Messstellen zeigten Werte außerhalb der historischen Normalspanne, mit einer deutlichen Verschiebung in Richtung Defizit Grundwasser kann trockene Jahre immer schlechter ausgleichen
Wasserspeicherung an Land Seit der Mitte der 2010er Jahre ist ein anhaltender Rückgang erkennbar Die natürlichen Wasserreserven der Kontinente werden kleiner
Gletscher Die Gletscher verloren 2025 rund 408 Gigatonnen Masse Kurzfristig steigt das Risiko von Fluten, langfristig fehlt Schmelzwasser
Extreme Ereignisse Asien und Afrika waren besonders stark von wasserbezogenen Katastrophen betroffen Gerade in gefährdeten Regionen fehlen häufig Messdaten, Warnsysteme und widerstandsfähige Infrastruktur
Wassertemperatur Der Bericht berücksichtigt erstmals umfassender die Temperatur von Gewässern Warmes Wasser belastet Ökosysteme, Wasserqualität und Sauerstoffversorgung

Faktenbox: Meldung, Bedeutung und Einordnung

Meldung: Der WMO-Bericht 2025 dokumentiert ungewöhnlich geringe Abflüsse vieler Flüsse, anhaltende Grundwasserdefizite, sinkende Wasserspeicherung auf den Kontinenten und einen erneuten weltweiten Gletscherschwund.

Bedeutung: Die langsam reagierenden Wasserreserven können Trockenperioden immer schlechter abfedern. Gleichzeitig nehmen extreme Niederschläge und Überschwemmungen nicht automatisch ab.

Einordnung: Die Ergebnisse sind für Wasserversorger, Landwirtschaft, Kommunen, Katastrophenschutz, Energieunternehmen, Politik und alle Menschen wichtig, die von regionalen Wasserressourcen abhängig sind.

Was zeigt der WMO-Bericht zu den Weltwasserressourcen 2025?

Der jährlich veröffentlichte Bericht der World Meteorological Organization liefert eine wissenschaftlich gestützte Bestandsaufnahme des globalen Wasserkreislaufs. Er betrachtet nicht nur Niederschlag und Flüsse, sondern unter anderem auch Grundwasser, Bodenfeuchte, Verdunstung, Seen, Stauseen, Schnee, Gletscher und die gesamte Wasserspeicherung auf den Landflächen.

Die WMO kombiniert dafür verschiedene Arten von Informationen:

  • Messwerte nationaler meteorologischer und hydrologischer Dienste
  • Satellitenbeobachtungen der Erdoberfläche und der Wasserverteilung
  • Ergebnisse globaler hydrologischer Modelle
  • Daten zu Grundwasserständen, Seen und Stauseen
  • Beobachtungen von Schnee, Eis und Gletschern
  • Informationen über Dürren, Überschwemmungen und andere Extremereignisse

Der Bericht für 2025 ist umfassender als frühere Ausgaben. Seit dem Beginn der Berichtsreihe wurde die Zahl der betrachteten hydrologischen Variablen von drei auf 15 erweitert. Die WMO weist allerdings weiterhin auf erhebliche Datenlücken hin. Besonders problematisch ist, dass ausgerechnet Afrika und Teile Asiens hydrologisch vergleichsweise schlecht erfasst sind, obwohl dort viele schwere wasserbezogene Katastrophen auftreten.

Federführend an den wissenschaftlichen Grundlagen beteiligt sind auch Forschende aus Deutschland. Prof. Dr. Robert Reinecke und seine Arbeitsgruppe am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz steuern Modellergebnisse, Grundwasserdaten und methodische Arbeiten bei. Weitere Beiträge kommen von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Global Runoff Data Centre in Koblenz.

Welche Rolle spielen Modelle und Satellitendaten?

Globale Wassermodelle bilden Flüsse, Böden, Grundwasserspeicher, Verdunstung und weitere Bestandteile des Wasserkreislaufs rechnerisch ab. Für die Bewertung der Flussabflüsse im Jahr 2025 verwendete die WMO Simulationen von 13 globalen hydrologischen Modellsystemen, die mit beobachteten Wetterdaten angetrieben wurden.

Solche Modelle sind keine exakte Abbildung jedes einzelnen Brunnens oder Baches. Sie helfen aber, große räumliche Zusammenhänge zu erkennen und Regionen miteinander zu vergleichen. Satelliten ergänzen diese Informationen. Mit Hilfe der Satellitengravimetrie lassen sich beispielsweise Veränderungen der gesamten terrestrischen Wasserspeicherung erfassen. Dazu zählen Wasser im Untergrund, in Böden, Flüssen, Seen, Stauseen, Schnee und Eis.

Warum trocknen die Kontinente weltweit aus?
Warum trocknen die Kontinente weltweit aus?

Warum führen die Flüsse weltweit weniger Wasser?

2025 war nach Angaben der WMO eines der trockensten Jahre für den globalen Flussabfluss seit mindestens 35 Jahren. Auf 36 Prozent der weltweiten Einzugsgebietsfläche lagen die Abflüsse unter dem Durchschnitt des Vergleichszeitraums von 1991 bis 2020.

Bereits seit sieben Jahren befindet sich nur eine Minderheit der untersuchten Flussgebiete im normalen Bereich. Der Anteil der Einzugsgebiete mit normalen Abflussverhältnissen lag in diesem Zeitraum zwischen 34 und 38 Prozent. Im langjährigen Vergleich waren es durchschnittlich etwa 46 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass alle Flüsse gleichzeitig austrocknen. Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Unterdurchschnittliche bis stark unterdurchschnittliche Abflüsse traten 2025 unter anderem in großen Teilen Nordamerikas, in den südamerikanischen Becken des Río de la Plata und des Rio São Francisco, in osteuropäischen Flussgebieten, im Nahen Osten und in Zentralasien auf.

Überdurchschnittliche Wassermengen wurden dagegen in Südostasien, Teilen Südasiens und im Norden Südamerikas beobachtet. Auch in Afrika zeigte sich ein gemischtes Bild. Während unter anderem die Einzugsgebiete von Senegal, Niger, Limpopo und Tschadsee hohe Abflüsse verzeichneten, führten Nil, Kongo und Sambesi deutlich weniger Wasser als üblich.

Warum kann es gleichzeitig Dürren und Überschwemmungen geben?

Trockenheit und Überschwemmungen sind keine Gegensätze, die sich gegenseitig ausschließen. Sie können in derselben Region innerhalb weniger Monate oder sogar Wochen auftreten. Ein ausgetrockneter Boden nimmt intensiven Niederschlag häufig schlechter auf. Das Wasser fließt dann schnell über die Oberfläche ab, anstatt langsam in den Boden einzusickern und das Grundwasser aufzufüllen.

Ein einzelnes Starkregenereignis kann deshalb Überschwemmungen verursachen, ohne eine langjährige Dürre zu beenden. Entscheidend sind nicht nur die Niederschlagsmenge, sondern auch:

  • die zeitliche Verteilung des Regens
  • die Aufnahmefähigkeit des Bodens
  • die vorhandene Vegetation
  • der Zustand von Flüssen und Auen
  • die Versiegelung der Landschaft
  • die Tiefe und Neubildungsrate des Grundwassers

Genau diese stärkeren Schwankungen beschreibt die WMO als einen zunehmend unberechenbaren Wasserkreislauf. Manche Regionen erhalten zu wenig Wasser über lange Zeiträume, während andere in kurzer Zeit deutlich mehr Niederschlag bekommen, als Böden, Flüsse und Infrastruktur aufnehmen können.

Wie stark gehen die Wasserspeicher der Kontinente zurück?

Die terrestrische Wasserspeicherung umfasst das gesamte Süßwasser, das auf und unter den Landflächen gespeichert ist. Dazu gehören Grundwasser, Bodenfeuchte, Flüsse, Seen, Stauseen, Vegetation, Schnee und Eis. Diese Speicher wirken wie ein Vorrat, der trockene Monate oder Jahre überbrücken kann.

Nach dem WMO-Bericht zeigt die terrestrische Wasserspeicherung seit etwa 2014 bis 2016 einen anhaltenden negativen Trend. Gleichzeitig wird die Fläche größer, auf der unterdurchschnittliche Werte gemessen werden.

Zwischen 2021 und 2025 traten wiederkehrende Defizite unter anderem in folgenden Regionen auf:

  • im Südwesten der Vereinigten Staaten
  • in Patagonien und den subtropischen Anden
  • im Quellgebiet von Ganges und Indus
  • in Nordafrika
  • im Nahen Osten
  • in Zentralasien
  • im Osten Chinas

Es gibt jedoch auch regionale Gegenentwicklungen. In Teilen der Sahelzone, in Gebieten südlich der Sahara und auf dem tibetischen Hochland wurden über mehrere Jahre positive Abweichungen beobachtet. Zentralafrika und das südliche Afrika wiesen 2025 in einigen Regionen besonders hohe Speicherwerte auf. Solche Zunahmen ändern jedoch nichts am negativen globalen Trend.

Faktenbox: Was bedeutet terrestrische Wasserspeicherung?

Die terrestrische Wasserspeicherung beschreibt die gesamte Wassermenge auf den Landflächen. Sie berücksichtigt nicht nur sichtbare Gewässer, sondern auch Bodenwasser, Grundwasser, Schnee, Eis und Wasser in Pflanzen. Sinkt dieser Gesamtwert über längere Zeit, verliert ein Kontinent einen Teil seines verfügbaren Süßwasservorrats.

Warum ist der Rückgang mehr als ein vorübergehendes Problem?

Flüsse und Bodenfeuchte können sich nach ergiebigen Niederschlägen vergleichsweise schnell verändern. Grundwasser, Gletscher und größere Schneereserven reagieren dagegen langsam. Sie bauen sich über Jahre, Jahrzehnte oder noch längere Zeiträume auf.

Diese langsam reagierenden Speicher funktionieren wie ein Wasserkonto. In trockenen Jahren gleichen sie einen Teil des fehlenden Niederschlags aus. Werden die Reserven jedoch dauerhaft beansprucht, ohne dass genügend Wasser nachkommt, sinkt ihre Fähigkeit, zukünftige Trockenperioden abzufedern.

Ein nasses Jahr kann deshalb eine langfristige Wasserkrise abschwächen, aber nicht zwangsläufig beenden. Besonders tiefe Grundwasserspeicher benötigen häufig viele niederschlagsreiche Perioden, um sich zu erholen.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Warum verschärft der Grundwasserverbrauch die Austrocknung?

Grundwasser gehört weltweit zu den wichtigsten Quellen für Trinkwasser, Bewässerung und industrielle Nutzung. Es entsteht, wenn Niederschlag in den Boden eindringt und bis in wasserführende Gesteins oder Sedimentschichten gelangt. Dieser Vorgang wird als Grundwasserneubildung bezeichnet.

Problematisch wird es, wenn Menschen dauerhaft mehr Grundwasser fördern, als durch Niederschläge neu gebildet wird. In vielen landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen wird Wasser aus tiefen Speichern an die Oberfläche gepumpt. Ein Teil verdunstet bei der Bewässerung, ein anderer Teil fließt über Flüsse letztlich in die Meere. Das Wasser bleibt zwar Bestandteil des globalen Kreislaufs, steht im ursprünglichen Grundwasserspeicher aber nicht mehr zur Verfügung.

Für 2025 meldet die WMO, dass fast zwei Drittel der untersuchten Grundwassermessstellen außerhalb der historischen Normalspanne lagen. Gegenüber dem Vorjahr verschob sich das Verhältnis weiter in Richtung Defizit.

Anhaltend niedrige Grundwasserstände wurden zwischen 2022 und 2025 unter anderem in Teilen Amerikas, Europas, des Nahen Ostens, Indiens, des südlichen Afrikas und Australiens festgestellt. Besonders deutliche mehrjährige Defizite zeigten sich in Mittel und Osteuropa, im Zentrum der Vereinigten Staaten, in Teilen Mexikos, in Chile, Brasilien, Südafrika, Nordwestindien und im Süden Australiens.

Welche Folgen hat sinkendes Grundwasser in Küstenregionen?

Sinkt der Grundwasserspiegel in Küstennähe, kann Salzwasser leichter in unterirdische Süßwasservorkommen eindringen. Dieser Vorgang wird Salzwasserintrusion genannt. Eine Versalzung kann Brunnen für die Trinkwasserversorgung und Bewässerung unbrauchbar machen.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung unter Beteiligung der Universität Mainz wertete Daten von rund 480.000 Brunnen aus. Mehr als 20 Prozent der untersuchten Küstengebiete zeigten zwischen 1990 und 2024 deutliche Veränderungen des Grundwasserspiegels. Besonders gefährdet sind trockene Regionen, deren Bevölkerung stark vom Grundwasser abhängig ist.

Der steigende Meeresspiegel verstärkt das Problem. Treffen sinkende Grundwasserstände und ein höherer Meeresspiegel zusammen, erhöht sich der Druck auf die verbleibenden Süßwasservorräte. Weitere Informationen dazu bietet die Johannes Gutenberg-Universität Mainz in ihrer Veröffentlichung über bedrohtes Trinkwasser in Küstennähe.

Welche Rolle spielt der Klimawandel beim Wasserverlust?

Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Gleichzeitig nimmt bei höheren Temperaturen die Verdunstung über Böden, Pflanzen, Seen und Stauseen zu. Dadurch kann eine Region Wasser verlieren, selbst wenn sich die jährliche Niederschlagssumme zunächst nur wenig verändert.

Der Klimawandel beeinflusst den Wasserkreislauf auf mehreren Ebenen:

  1. Höhere Temperaturen steigern die Verdunstung. Böden trocknen schneller aus und Pflanzen benötigen mehr Wasser.
  2. Niederschläge verändern sich. Regen fällt regional unregelmäßiger und teilweise konzentrierter.
  3. Schnee schmilzt früher. Wasser steht dadurch nicht unbedingt zu der Jahreszeit zur Verfügung, in der Landwirtschaft und Ökosysteme es benötigen.
  4. Gletscher verlieren Masse. Zunächst kann mehr Schmelzwasser entstehen, langfristig wird der natürliche Speicher jedoch kleiner.
  5. Extreme Ereignisse werden begünstigt. Längere Trockenperioden und intensive Niederschläge können häufiger oder schwerer ausfallen.

Der menschliche Grundwasserverbrauch wirkt zusätzlich. Klimawandel und Übernutzung verstärken sich deshalb gegenseitig. Trockenere Bedingungen erhöhen den Bewässerungsbedarf. Mehr Bewässerung führt wiederum zu höheren Grundwasserentnahmen.

Wie viel Eis haben die Gletscher 2025 verloren?

Im hydrologischen Jahr 2025 verloren die Gletscher weltweit rund 408 Gigatonnen Masse. Die Unsicherheit dieser Schätzung liegt bei etwa 132 Gigatonnen. Der Verlust entspricht einem Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg von ungefähr 1,1 Millimetern.

2025 war das vierte Jahr in Folge, in dem alle großen vergletscherten Regionen zusammen einen Nettoverlust verzeichneten. Für den Zeitraum von 2023 bis 2025 summierte sich der globale Gletscherverlust auf rund 1.400 Gigatonnen Wasser. Nach Angaben der WMO entspricht das ungefähr 560 Millionen olympischen Schwimmbecken oder etwa einem Drittel der weltweiten jährlichen Süßwasserentnahme.

Besonders negative Entwicklungen zeigten sich unter anderem in Zentralasien, im westlichen Südasien, in der russischen Arktis, auf Island sowie im Westen Kanadas und der Vereinigten Staaten.

Warum kann Gletscherschmelze erst zu mehr und später zu weniger Wasser führen?

Schmilzt ein Gletscher stärker, nimmt sein Abfluss zunächst zu. Regionen unterhalb des Gletschers können vorübergehend mehr Wasser erhalten. Dieser Effekt darf aber nicht mit einer langfristig besseren Versorgung verwechselt werden.

Irgendwann wird der Gletscher so klein, dass trotz hoher Schmelzrate weniger Wasser abfließt. Der Zeitpunkt des höchsten Abflusses wird als „Peak Water“ bezeichnet. Einige Gebiete mit kleineren Gletschern, darunter Teile Mitteleuropas, des Kaukasus sowie des westlichen Kanadas und der USA, könnten diesen Punkt bereits erreicht haben.

Danach sinkt der verlässliche sommerliche Schmelzwasserbeitrag. Das kann Trinkwasserversorgung, Bewässerung und Stromerzeugung treffen. Zugleich erhöhen instabile Gletscher, Gletscherseen und abbrechende Eismassen kurzfristig das Risiko gefährlicher Flutwellen.

Warum sind höhere Wassertemperaturen problematisch?

Der aktuelle WMO-Bericht erweitert die Beobachtung des Wasserkreislaufs um Daten zur Wassertemperatur. Wärmere Flüsse und Seen können sowohl die Wasserqualität als auch die ökologischen Bedingungen verändern.

Mit steigender Temperatur kann Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen. Für Fische und andere Wasserorganismen entsteht dadurch zusätzlicher Stress. Gleichzeitig können sich Algen und bestimmte Mikroorganismen unter günstigen Bedingungen stärker vermehren.

Mögliche Folgen erhöhter Wassertemperaturen sind:

  • geringere Sauerstoffkonzentrationen
  • Belastungen für kälteangepasste Tierarten
  • Veränderungen der Artenzusammensetzung
  • häufigere oder intensivere Algenblüten
  • höherer Aufwand bei der Trinkwasseraufbereitung
  • Einschränkungen für Kraftwerke und Industrieanlagen, die Kühlwasser benötigen

Eine erhöhte Wassertemperatur ist nicht automatisch gesundheitsschädlich. Entscheidend sind das Gewässer, die Belastung mit Nährstoffen oder Keimen und die vorgesehene Nutzung. Aussagen über die gesundheitliche Eignung von Trink oder Badegewässern können deshalb nur auf Grundlage konkreter Messungen getroffen werden.

Welche Regionen sind von Wasserextremen besonders betroffen?

Asien und Afrika gehören laut WMO zu den am stärksten von wasserbezogenen Extremereignissen betroffenen Regionen. Zusammen entfiel in den vergangenen fünf Jahren mindestens die Hälfte der dokumentierten Ereignisse und mehr als 80 Prozent der gemeldeten Todesfälle auf diese beiden Kontinente.

Zwischen 2021 und 2025 litten unter anderem das Amazonasgebiet, das La Plata Becken, der Nahe Osten und das größere Horn von Afrika unter wiederkehrenden Dürren. Schwere Überschwemmungen trafen wiederholt Westafrika, Zentralafrika und Südostasien.

In Süd und Südostasien führten tropische Wirbelstürme und intensive Monsunniederschläge 2025 zu schweren Katastrophen. Nach Angaben der WMO wurden in den betroffenen Staaten zusammen bis zu 3.600 Todesfälle gemeldet. In mehreren afrikanischen Ländern wiederholten sich große Überschwemmungen über zwei oder drei aufeinanderfolgende Jahre.

Die Schäden betreffen weit mehr als unmittelbar überflutete Gebäude. Wasserextreme können Ernten vernichten, Verkehrswege unterbrechen, Stromversorgung gefährden, Trinkwasser verunreinigen und die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Länder beeinträchtigen.

Was bedeutet der WMO-Bericht für Deutschland und Europa?

Auch Deutschland kann sich nicht auf eine dauerhaft sichere Wasserverfügbarkeit verlassen. Zwar verfügt das Land grundsätzlich über erhebliche Wasserressourcen, doch ihre räumliche und zeitliche Verteilung verändert sich.

Mehrere trockene Sommer können Grundwasserstände, Bodenfeuchte und Flusspegel deutlich reduzieren. Einzelne niederschlagsreiche Monate reichen nicht immer aus, um tiefe Speicher wieder aufzufüllen. Starkregen hilft häufig weniger als lang anhaltender, mäßiger Niederschlag, weil ein großer Teil schnell oberflächlich abfließt.

Für Deutschland sind unter anderem folgende Bereiche relevant:

  • regionale Trinkwasserversorgung
  • Bewässerung in der Landwirtschaft
  • Waldgesundheit und Waldbrandrisiko
  • Niedrigwasser in Flüssen
  • Binnenschifffahrt und Lieferketten
  • Kühlwasserversorgung für Kraftwerke und Industrie
  • Schutz von Mooren, Auen und Feuchtgebieten
  • kommunaler Hochwasser und Starkregenschutz

Welche rechtliche Bedeutung hat die Wasserknappheit?

Wasser darf auch bei zunehmender Knappheit nicht beliebig entnommen werden. In Deutschland regeln das Wasserhaushaltsgesetz und die Wassergesetze der Bundesländer, unter welchen Voraussetzungen Oberflächenwasser und Grundwasser genutzt werden dürfen. Größere Entnahmen benötigen in der Regel eine behördliche Erlaubnis oder Bewilligung.

Kommunen und Behörden können während ausgeprägter Trockenperioden zusätzliche Einschränkungen anordnen. Diese können beispielsweise die Entnahme aus Flüssen, das Bewässern von Flächen oder das Befüllen privater Pools betreffen. Welche Regel gilt, hängt vom jeweiligen Bundesland, Landkreis und konkreten Gewässer ab.

Der WMO-Bericht selbst schafft keine neuen gesetzlichen Pflichten. Er liefert jedoch eine wissenschaftliche Grundlage, auf der Staaten, Regionen und Kommunen ihre Wasserplanung, Genehmigungspraxis und Vorsorge anpassen können.

Welche Maßnahmen können die Wasserkrise begrenzen?

Es gibt keine einzelne Maßnahme, die alle Probleme des globalen Wasserkreislaufs löst. Erfolgreiches Wassermanagement muss Klimaschutz, Anpassung, Verbrauch, Landwirtschaft, Stadtplanung und Naturschutz miteinander verbinden.

Welche Schritte sind besonders wichtig?

  1. Grundwasserentnahmen überwachen: Fördermengen müssen mit der langfristigen Neubildung verglichen werden.
  2. Wasser effizienter bewässern: Angepasste Kulturen, Bodenpflege und präzisere Bewässerung können Verluste verringern.
  3. Flächen entsiegeln: Regenwasser soll möglichst vor Ort versickern können.
  4. Auen und Moore schützen: Natürliche Landschaften halten Wasser zurück und puffern Extreme.
  5. Leitungsverluste reduzieren: Undichte Netze verschwenden aufbereitetes Trinkwasser.
  6. Frühwarnsysteme ausbauen: Verlässliche Daten können Schäden durch Dürre und Hochwasser begrenzen.
  7. Grenzüberschreitend zusammenarbeiten: Flüsse und Grundwasservorkommen enden nicht an Staatsgrenzen.
  8. Treibhausgasemissionen senken: Ohne Klimaschutz steigen die langfristigen Risiken weiter.

Die vollständigen Daten, Karten und methodischen Erläuterungen enthält der aktuelle WMO-Bericht zu den Weltwasserressourcen 2025. Die offizielle Originalpublikation ist außerdem direkt über die World Meteorological Organization erreichbar.

Faktenbox: Was kann ein einzelner Haushalt tun?

  • Regenwasser für Gartenpflanzen sammeln, sofern örtlich erlaubt
  • Böden nicht unnötig versiegeln
  • Trockenheitsverträgliche Pflanzen auswählen
  • Leitungen und Armaturen auf Verluste prüfen
  • Gärten möglichst morgens oder abends bewässern
  • Regionale Einschränkungen bei Trockenheit beachten

Private Einsparungen lösen die globale Wasserkrise nicht allein. Sie können jedoch lokale Versorgungssysteme entlasten und das Bewusstsein für den Wert der Ressource stärken.

Welche Grenzen haben die Ergebnisse des Berichts?

Der WMO-Bericht ist eine umfangreiche wissenschaftliche Bestandsaufnahme, dennoch sind die Ergebnisse nicht für jeden Ort gleichermaßen präzise. Messnetze sind weltweit sehr unterschiedlich ausgebaut. Einige Regionen verfügen über lange, engmaschige Messreihen, während aus anderen Gebieten nur wenige Daten vorliegen.

Globale Modelle vereinfachen zudem lokale Verhältnisse. Sie können regionale Trends erkennen, ersetzen aber keine Untersuchung eines konkreten Brunnens, Flusses oder Wasserversorgungsgebiets. Auch ein globaler Rückgang bedeutet nicht zwangsläufig, dass jeder Ort im selben Maß betroffen ist.

Für medizinische oder gesundheitliche Bewertungen reicht der Bericht ebenfalls nicht aus. Ob Wasser als Trinkwasser geeignet ist, hängt von mikrobiologischen, chemischen und physikalischen Prüfungen ab. Farbe, Geruch, Temperatur oder ein hoher Wasserstand erlauben keine verlässliche Aussage über die gesundheitliche Unbedenklichkeit.

Welche Fragen zum Austrocknen der Kontinente sind besonders häufig?

Geht der Erde das Wasser aus?

Die gesamte Wassermenge der Erde verschwindet nicht. Problematisch ist, dass sich nutzbares Süßwasser räumlich und zeitlich verlagert. Mehr Wasser gelangt in die Atmosphäre oder in die Ozeane, während Grundwasser, Gletscher und andere Speicher auf den Kontinenten abnehmen.

Warum helfen Überschwemmungen nicht automatisch gegen Trockenheit?

Bei Starkregen fließt viel Wasser schnell ab. Trockene, verdichtete oder versiegelte Böden können es nicht vollständig aufnehmen. Für die Grundwasserneubildung ist länger anhaltender, gut versickernder Niederschlag meist hilfreicher als ein einzelnes Extremereignis.

Ist allein der Klimawandel verantwortlich?

Nein. Der Klimawandel ist ein zentraler Faktor, aber nicht die einzige Ursache. Hohe Grundwasserentnahmen, intensive Bewässerung, Flächenversiegelung, Entwaldung, Flussregulierung und der Verlust natürlicher Feuchtgebiete beeinflussen die Wasserverfügbarkeit ebenfalls.

Kann sich Grundwasser wieder erholen?

Grundsätzlich ja, wenn über längere Zeit mehr Wasser neu gebildet als entnommen wird. Wie schnell das geschieht, hängt von Niederschlag, Boden, Gestein, Tiefe des Speichers und Nutzung ab. Bei tiefen Grundwasservorkommen kann die Erholung Jahrzehnte dauern.

Warum ist Gletscherschmelze ein Problem, obwohl dadurch Wasser frei wird?

Das Schmelzwasser erhöht den Abfluss nur vorübergehend. Wird der Gletscher kleiner, nimmt seine Fähigkeit ab, Wasser über Winter und Jahre zu speichern. Nach dem Überschreiten von „Peak Water“ steht langfristig weniger Schmelzwasser zur Verfügung.

Wo gibt es weitere Informationen zur Wasserforschung?

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz erläutert in ihrem Beitrag „Wasserforschung mit internationaler Relevanz“, wie globale Modelle entwickelt werden und welchen Beitrag sie zur Bewertung von Grundwasser und Klimafolgen leisten.

Was ist die wichtigste Schlussfolgerung des WMO-Berichts?

Der WMO-Bericht 2025 zeigt, dass sich die globale Wasserkrise nicht nur in trockenen Flüssen oder einzelnen Dürren äußert. Betroffen sind die langfristigen Reserven der Kontinente. Grundwasser, Gletscher, Schnee, Böden und Oberflächengewässer bilden ein verbundenes System, dessen Puffer kleiner wird.

Gleichzeitig wird der Wasserkreislauf unbeständiger. Regionen können unter langjähriger Trockenheit leiden und dennoch von Starkregen oder Überschwemmungen getroffen werden. Genau diese Kombination stellt Wasserversorgung, Landwirtschaft, Städte und Katastrophenschutz vor neue Herausforderungen.

Die entscheidende Aufgabe besteht deshalb nicht nur darin, weniger Wasser zu verbrauchen. Wasser muss besser gespeichert, gerechter verteilt, zuverlässiger überwacht und konsequenter vor Verschmutzung geschützt werden. Hinzu kommen Klimaschutz und eine Landnutzung, die Niederschlag wieder stärker in Böden und Grundwasserspeicher gelangen lässt.

Wie lässt sich das Ergebnis kurz zusammenfassen?

Die Kontinente trocknen weltweit aus, weil sich Klimaerwärmung, stärkere Verdunstung, Gletscherschwund und menschliche Wasserentnahmen überlagern. 2025 gehörte zu den trockensten Jahren für den globalen Flussabfluss seit 1991. Rund 36 Prozent der weltweiten Einzugsgebietsfläche wiesen unterdurchschnittliche Abflüsse auf, während die Gletscher etwa 408 Gigatonnen Masse verloren.

Das Wasser ist nicht verschwunden, steht aber häufiger zur falschen Zeit, am falschen Ort oder in einer nicht nutzbaren Form zur Verfügung. Der WMO-Bericht macht damit deutlich, dass zuverlässige Messungen, ein vorsichtiger Umgang mit Grundwasser, natürliche Wasserspeicher, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und konsequenter Klimaschutz immer wichtiger werden.

Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news877524 und https://wmo.int/resources/publication-series/state-of-global-water-resources/2025


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


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