Nutzhanf gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Während Hanf in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer häufig zuerst mit berauschendem Cannabis verbunden wird, zeigt sich gerade im Lebensmittelbereich, wie vielseitig die Pflanze tatsächlich eingesetzt werden kann. Hanfsamen, Hanföl und daraus entwickelte Lebensmittel sind längst mehr als Produkte für eine kleine Nische. Doch damit Nutzhanf dauerhaft im Alltag ankommt, braucht es neben guten Produkten vor allem Aufklärung, verlässliche Rohstoffe und funktionierende Wertschöpfungsketten.
Carsten Hänsel, Co-Founder von Hanfhuette.com
Nutzhanf gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Während Hanf in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer häufig zuerst mit berauschendem Cannabis verbunden wird, zeigt sich gerade im Lebensmittelbereich, wie vielseitig die Pflanze tatsächlich eingesetzt werden kann. Hanfsamen, Hanföl und daraus entwickelte Lebensmittel sind längst mehr als Produkte für eine kleine Nische. Doch damit Nutzhanf dauerhaft im Alltag ankommt, braucht es neben guten Produkten vor allem Aufklärung, verlässliche Rohstoffe und funktionierende Wertschöpfungsketten.
Genau hier setzt Hanfhuette.com an. Hinter dem Unternehmen stehen Carsten Hänsel und seine Frau Janina, die sich seit 2017 intensiv mit Nutzhanf beschäftigen. Aus ersten Erfahrungen mit der Pflanze, der Mitgliedschaft in der Genossenschaft Agronaro und einem erfolgreichen Test mit Hanfspezialitäten auf einem Weihnachtsmarkt entwickelte sich schließlich die Idee für einen eigenen Onlineshop. Im Oktober 2021 ging Hanfhuette.com an den Start. Heute versteht sich das Unternehmen nicht mehr ausschließlich als Händler, sondern zunehmend als Spezialist und Rohstofflieferant für Nutzhanf-Lebensmittel.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die enge Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Agronaro. Sie bildet wesentliche Teile der Wertschöpfungskette von der Züchtung und dem Saatgut über den Anbau und die Ernte bis zur Verarbeitung des Rohstoffs ab. Hanfhuette.com entwickelt daraus gemeinsam mit verschiedenen Partnern Lebensmittel und weitere Produkte. Diese Verbindung ermöglicht kurze Kommunikationswege, nachvollziehbare Herkunft und einen direkten Austausch zwischen den Beteiligten.
Im Interview spricht Carsten Hänsel, Co-Founder von Hanfhuette.com, darüber, wie aus einer einfachen Holzhütte auf einem Weihnachtsmarkt schließlich Hanfhuette.com entstand, warum für ihn bei Hanflebensmitteln Qualität und Geschmack an erster Stelle stehen und weshalb er überzeugt ist: „Hanf ist das neue Chia.“
Außerdem geht es um die Vorteile genossenschaftlicher Strukturen, die Herausforderungen für Nutzhanf in Deutschland, Bürokratie und fehlende Verarbeitungskapazitäten sowie die nach wie vor verbreitete Gleichsetzung von Nutzhanf mit berauschendem Cannabis. Carsten erklärt, warum Probieren manchmal mehr bewirken kann als lange Aufklärungsarbeit und welche Produkte sich besonders gut eignen, um Menschen erstmals mit Nutzhanf in Kontakt zu bringen.
Auch die Zukunft spielt eine wichtige Rolle. Hanfhuette.com möchte sich bundesweit stärker als Rohstofflieferant für Bäckereien und Lebensmittelhersteller etablieren und gleichzeitig den eigenen Genussbereich weiterentwickeln. Gemeinsam mit Agronaro soll hochwertiger europäischer Nutzhanf stärker als Lebensmittelrohstoff im Markt etabliert werden.
Das folgende Interview gibt damit nicht nur einen Einblick in die Geschichte von Hanfhuette.com, sondern zeigt auch, welches Potenzial Carsten Hänsel in Nutzhanf für Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und eine europäische Hanfwirtschaft sieht – und warum die Pflanze seiner Ansicht nach irgendwann so selbstverständlich in unseren Küchen stehen könnte wie Sonnenblumenkerne, Leinsamen oder Chiasamen.
Interview mit Carsten Hänsel, Co-Founder von Hanfhuette.com
Bitte stellt euch und Hanfhuette.com sowie die Genossenschaft Agronaro kurz vor.
Ich bin Carsten Hänsel und Co-Founder von Hanfhuette.com. Gegründet habe ich Hanfhuette.com gemeinsam mit meiner Frau Janina. Mit Nutzhanf beschäftige ich mich seit 2017, Hanfhuette.com selbst gibt es seit Oktober 2021. Wir verstehen uns heute nicht mehr nur als Onlineshop, sondern als Spezialist für Nutzhanf-Lebensmittel und Rohstoffe.
Bereits seit 2017 sind wir Mitglied der Genossenschaft Agronaro. Dort wird Nutzhanf angebaut und vom Saatgut über die Ernte bis zur Verarbeitung begleitet. Für uns ist diese Verbindung besonders wertvoll, weil wir dadurch sehr nah am Rohstoff sind und wissen, woher unser Hanf kommt und wie er verarbeitet wurde.
Seit wann beschäftigt ihr euch mit Nutzhanf und wie entstand die Idee zu eurem Unternehmen?
Meine Beschäftigung mit Nutzhanf begann 2017. Über Gespräche mit Mitgliedern von Agronaro entstand damals zunächst die Idee, in Nutzhanf zu investieren. Je intensiver ich mich mit der Pflanze beschäftigt habe, desto spannender wurde das Thema.
Später haben wir Hanfspezialitäten von Hanfleben Freunden und Verwandten zum Probieren gegeben. Auf dem Weihnachtsmarkt in Gera folgte dann ein kleiner Testlauf: In einer Holzhütte verkauften wir einige Hanfprodukte zum Schlemmen und Genießen. Diese Hütte nannten wir schlicht „Hanfhütte“.
Die Resonanz war so gut, dass daraus die Idee entstand, diese Spezialitäten einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Der Name für den Onlineshop lag damit eigentlich schon auf der Hand: Hanfhütte – hanfhuette.com. Im Oktober 2021 ging der Shop an den Start. Zu unseren ersten eigenen Produkten gehörten die Rinderhanfsalami und unser Hanf Glühi.
Was hat euch persönlich dazu motiviert, euch beruflich dem Hanf zu widmen?
Mich fasziniert vor allem die unglaubliche Vielseitigkeit dieser Pflanze. Vieles von dem Wissen über Hanf war früher schon vorhanden und ist irgendwann verloren gegangen oder zumindest stark in den Hintergrund gerückt. Heute kommen wir an einen Punkt, an dem wir dieses Wissen wieder sehr gut gebrauchen können.
Mich begeistert außerdem, wie viele unterschiedliche Menschen man durch dieses Thema kennenlernt – aus Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Forschung oder Handel. Alle beschäftigen sich mit derselben Pflanze und trotzdem aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Das macht die Arbeit sehr spannend und erfüllend.
Sehr schnell wurde mir auch klar, wie wenig viele Menschen über Nutzhanf wissen. Deshalb gehört Aufklärung heute ganz selbstverständlich zu unserer täglichen Arbeit. Und obwohl wir uns schon viele Jahre mit Hanf beschäftigen, entdecken wir immer wieder neue Produkte, Ideen und Anwendungsmöglichkeiten. Gleichzeitig merken wir, dass die Akzeptanz stetig wächst.
Ich sage deshalb gern: Hanf ist das neue Chia.
Worauf legt ihr bei euren Produkten und eurer Arbeit besonderen Wert?
An erster Stelle steht für uns Qualität. Ein Produkt kann noch so außergewöhnlich sein – wenn die Qualität nicht stimmt, hilft die beste Idee nichts.
Direkt danach kommt der Geschmack. Wir möchten Hanf nicht nur deshalb verkaufen, weil er interessant oder besonders ist. Ein Lebensmittel muss vor allem schmecken und Lust darauf machen, es wieder zu essen.
Der dritte Punkt ist für uns die Zusammenarbeit mit kleineren Herstellern und Manufakturen. Viele unserer Produkte entstehen gemeinsam mit Partnern, mit denen ein persönlicher Austausch möglich ist. Dadurch können wir Ideen ausprobieren, Produkte weiterentwickeln und gemeinsam etwas schaffen, das nicht einfach nur aus einem anonymen Produktionsprozess kommt.
„Hanf ist das neue Chia.“
Welche Ziele verfolgt ihr mit Hanfhuette.com und Agronaro in den kommenden Jahren?
Für Hanfhuette.com möchten wir vor allem zwei Bereiche weiterentwickeln. Zum einen wollen wir uns bundesweit als zuverlässiger Rohstofflieferant etablieren, insbesondere für Bäckereien und andere Lebensmittelhersteller. Zum anderen bleibt unser eigener Genussbereich mit dem Onlineshop ein fester Bestandteil unserer Strategie.
Für mich stehen diese beiden Bereiche auch gar nicht im Widerspruch. Wenn eine Bäckerei mit unseren Hanfsamen ein gutes Brot oder Brötchen entwickelt, ist das schließlich genauso Genuss wie eines unserer eigenen Produkte.
Gemeinsam mit Agronaro möchten wir dazu beitragen, hochwertigen europäischen Nutzhanf als Lebensmittelrohstoff stärker im Markt zu etablieren. Unser Ziel ist, Nutzhanf aus der Nische herauszuholen und dafür zuverlässige Strukturen vom Anbau bis zum Lebensmittel zu nutzen.
Ihr begleitet den gesamten Weg vom Saatgut bis zum fertigen Produkt selbst. Welche Vorteile bietet diese vollständige Wertschöpfungskette für Qualität, Transparenz und Nachhaltigkeit?
Ganz korrekt muss man hier unterscheiden: Agronaro bildet den Weg von der Züchtung und dem Saatgut über Anbau und Ernte bis zur Verarbeitung des Rohstoffs ab. Wir von Hanfhuette entwickeln daraus anschließend gemeinsam mit verschiedenen Partnern unsere Lebensmittel und Produkte.
Gerade diese enge Verbindung ist für uns ein großer Vorteil. Wir wissen, woher unser Rohstoff kommt, wie er angebaut und verarbeitet wurde und haben direkte Ansprechpartner. Das schafft Transparenz und gibt uns Sicherheit bei Qualität und Verfügbarkeit.
Auch unter Nachhaltigkeitsaspekten ist eine solche europäische Wertschöpfung interessant: nachvollziehbare und vergleichsweise kurze Wege, die Einbindung von Hanf in landwirtschaftliche Fruchtfolgen und eine Pflanze, die sich sehr vielseitig nutzen lässt.
Wichtig ist uns dabei, nicht mit Nachhaltigkeitsversprechen zu arbeiten, die wir nicht belegen können. Wir möchten lieber transparent sagen, was wir tatsächlich wissen und nachvollziehen können.
Warum habt ihr euch für eine Genossenschaft als Organisationsform entschieden und welche Vorteile bringt dieses Modell mit sich?
Wir selbst haben Agronaro nicht gegründet, sondern uns ganz bewusst entschieden, Mitglied dieser Genossenschaft zu werden. Der erste Kontakt entstand über Freunde, die bereits Mitglieder waren. Schließlich haben wir selbst Genossenschaftsanteile erworben.
Was mir an diesem Modell besonders gefällt, ist die Mitbestimmung. Jedes Mitglied hat eine Stimme und kann sich einbringen. Genau das ist für mich der genossenschaftliche Gedanke: Es geht nicht nur darum, Kapital zur Verfügung zu stellen, sondern gemeinsam Verantwortung zu tragen und mitentscheiden zu können.
Wenn nur das eingesetzte Kapital darüber entscheiden würde, wer wie viel Einfluss hat, könnte man schließlich auch Aktionär einer Aktiengesellschaft werden. Eine Genossenschaft lebt für mich gerade davon, dass die Mitglieder Teil des Ganzen sind.
Hinzu kommt der persönliche Kontakt. Trotz der Größe der Genossenschaft wird der Austausch mit den Mitgliedern gepflegt. Für uns ist daraus über die Jahre nicht nur eine geschäftliche Zusammenarbeit entstanden, sondern teilweise auch Freundschaft.
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Viele Menschen verbinden Hanf noch immer hauptsächlich mit Cannabis. Wie gelingt es euch, Vorurteile abzubauen und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Nutzhanf bekannter zu machen?
Die häufigste Frage, die ich an unserem Stand höre, ist tatsächlich: „Werde ich high, wenn ich eure Produkte esse?“ Meine Antwort ist dann meistens ganz schlicht: „Nein.“ Und erstaunlich oft kommt zurück: „Schade!“ Damit ist das Eis normalerweise schon gebrochen.
Ich gehe mit solchen Vorurteilen lieber mit Humor um, anstatt jemanden mit einem langen Vortrag überzeugen zu wollen. Häufig lassen wir die Menschen einfach erst einmal probieren – zum Beispiel unsere Rinderhanfsalami oder die Rinderknacker mit Hanfsamen. Auch bei unserer Schokolade erleben wir es immer wieder: Erst ist Skepsis da, dann wird probiert und plötzlich heißt es: „Das hätte ich jetzt nicht erwartet.“
Genuss ist für uns deshalb eine der besten Möglichkeiten, Vorurteile abzubauen. Wenn ein Produkt schmeckt, entsteht echtes Interesse – und dann kann man darüber sprechen, was Nutzhanf eigentlich ist und welche Möglichkeiten diese Pflanze bietet.
Dabei möchte ich Cannabis auch gar nicht schlechtreden. Mir geht es vielmehr darum zu zeigen:
Hanf ist sehr viel mehr als das, woran die meisten Menschen beim Wort Cannabis zuerst denken.
Welche Herausforderungen begegnen euch beim Anbau und der Verarbeitung von Nutzhanf in Deutschland und was müsste sich aus eurer Sicht verbessern?
Unser eigener Hanfrohstoff wird über Agronaro in Tschechien angebaut. Trotzdem erleben wir im deutschen Markt einige Herausforderungen sehr deutlich.
Ein großes Thema ist nach wie vor die Bürokratie. Nutzhanf wird teilweise noch immer zu schnell mit berauschendem Cannabis in einen Topf geworfen. Aufklärung ist deshalb nicht nur bei Verbrauchern notwendig, sondern manchmal auch bei Behörden. Gerade bei Lebensmitteln und der Verwendung verschiedener Pflanzenteile gibt es weiterhin Unsicherheiten. Wir haben dabei glücklicherweise einen sehr guten und konstruktiven Austausch mit den zuständigen Behörden.
Ein weiteres Thema sind fehlende Verarbeitungskapazitäten. Es reicht nicht, Hanf anzubauen – anschließend braucht man auch die Infrastruktur, um ihn wirtschaftlich sinnvoll aufzubereiten und weiterzuverarbeiten.
Ich wünsche mir deshalb klarere politische Rahmenbedingungen, weniger unnötige Bürokratie und vor allem eine konsequentere Unterscheidung zwischen Nutzhanf und berauschendem Cannabis. Wenn Nutzhanf als normale landwirtschaftliche Kulturpflanze wachsen soll, braucht die Branche Planungssicherheit.
„Hanf ist sehr viel mehr als das, woran die meisten Menschen beim Wort Cannabis zuerst denken.“
Welche eurer Hanfprodukte eignen sich besonders gut für Menschen, die bisher noch keine Erfahrungen mit Nutzhanf gemacht haben, und warum?
Ich würde tatsächlich über den Geschmack einsteigen. Unsere Rinderhanfsalami ist dafür ein gutes Beispiel: Sie besteht aus 100 Prozent Rind und die Hanfsamen bringen einen zusätzlichen nussigen Charakter hinein. Bei Verkostungen ist sie sehr häufig eines der Produkte, mit denen wir auch Skeptiker überzeugen.
Sehr zugänglich sind auch unsere Hanfperlen. Da trifft hochwertige Schokolade auf den nussigen Geschmack von Hanfsamen – eine Kombination, bei der viele Menschen zunächst gar nicht merken, dass sie gerade ein Hanfprodukt probieren.
Wer Hanf lieber pur kennenlernen möchte, kann mit Hanföl beginnen. Es hat einen charakteristischen nussigen Geschmack und lässt sich unkompliziert in der Küche verwenden.
Und auch unsere Getränke können ein guter Einstieg sein, insbesondere weil wir dabei Wert darauf legen, dass sie nicht übermäßig süß sind.
Wichtig ist mir vor allem:
Einfach erst einmal probieren. Man muss nicht mit einer theoretischen Abhandlung über Hanf anfangen.
Wo seht ihr das größte Potenzial von Nutzhanf für Landwirtschaft, Ernährung und Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren?
In der Landwirtschaft sehe ich großes Potenzial in der Vielseitigkeit der Pflanze und in der Integration in Fruchtfolgen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an nachhaltigen und vielseitig nutzbaren Rohstoffen.
Für die Ernährung sind Hanfsamen besonders spannend. Sie sind eine interessante pflanzliche Proteinquelle und lassen sich sehr unkompliziert in ganz normalen Lebensmitteln einsetzen – im Brot, im Müsli, über Salat oder in vielen anderen Gerichten.
Deshalb sage ich gern:
Hanf ist das neue Chia. Ich glaube, dass Hanfsamen irgendwann genauso selbstverständlich in vielen Küchen stehen können wie Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Kürbiskerne oder Chiasamen. Gerade auch für Menschen, die beispielsweise Nüsse nicht gut vertragen, können Hanfsamen kulinarisch eine interessante Alternative sein.
Und beim Thema Nachhaltigkeit liegt die große Stärke für mich darin, wie vielseitig Hanf genutzt werden kann. Frühere Generationen wussten das bereits. Vieles davon entdecken wir heute neu.
Welches Missverständnis über Nutzhanf begegnet euch am häufigsten und würdet ihr gerne aus der Welt schaffen?
Das häufigste Missverständnis steckt eigentlich schon im ersten Gedanken vieler Menschen:
Hanf? Ach, Cannabis.
Dabei wird übersehen, dass Nutzhanf nicht automatisch etwas mit einer berauschenden Wirkung zu tun hat. Viele Menschen wissen gar nicht, wie unterschiedlich Hanfsorten genutzt werden können und dass Hanf seit sehr langer Zeit auch als Nutz- und Lebensmittelpflanze verwendet wird.
Genau diese automatische Gleichsetzung möchten wir gern aufbrechen. Nicht indem wir Cannabis schlechtreden, sondern indem wir zeigen, dass Hanf deutlich mehr ist als das Thema Rausch.
Wenn irgendwann niemand mehr bei einem Hanfbrot oder Hanfsamenprodukt als Erstes fragt, ob man davon high wird, haben wir schon viel erreicht.
Welchen Rat würdet ihr Menschen geben, die sich erstmals intensiver mit Nutzhanf beschäftigen möchten?
Mein Rat wäre:
Einfach neugierig sein und ausprobieren.
Man muss nicht sofort alles über Hanf wissen. Ich würde beispielsweise mit geschälten Hanfsamen beginnen: kurz in der Pfanne anrösten, über einen Salat streuen und erst einmal den nussigen Geschmack genießen.
Und dann vielleicht zehn Minuten investieren und sich informieren: Was kann Nutzhanf eigentlich? Wo wird er eingesetzt? Was ist der Unterschied zu berauschendem Cannabis?
Heute ist es so einfach wie nie, sich einen ersten Überblick zu verschaffen – ob über Fachinformationen, eine Suchmaschine oder auch KI. Wichtig finde ich nur, nicht alles ungeprüft zu übernehmen, sondern neugierig zu bleiben und sich aus verschiedenen Informationen eine eigene Meinung zu bilden.
Genau so war es bei uns selbst auch: Wir haben angefangen, ausprobiert, gelernt – und entdecken bis heute immer wieder etwas Neues.
Gibt es ein aktuelles Projekt oder eine Entwicklung, auf die ihr euch besonders freut und die ihr unseren Leserinnen und Lesern bereits verraten könnt?
Aktuell beschäftigt uns besonders der bundesweite Ausbau unseres Bäckereigeschäfts. Wir möchten für weitere Bäckereien ein zuverlässiger Lieferant für hochwertige Hanfsamen werden – unabhängig davon, ob sie bereits mit Hanf gearbeitet haben oder das Thema gerade erst entdecken.
Parallel wollen wir auch im Einzelhandel weiter wachsen. Mit unserer Präsenz bei Globus haben wir bereits einen wichtigen Schritt gemacht, auf dem wir aufbauen möchten.
Natürlich entwickeln wir auch unsere eigenen Produkte ständig weiter. Aktuell beschäftigen wir uns unter anderem mit Marmeladen und Gelees mit Hanf. Und was Weihnachten betrifft, verrate ich nur so viel:
Lasst euch überraschen.
Außerdem sind wir fast jede Woche auf Veranstaltungen oder Verkostungen unterwegs. Für uns gehört der direkte Kontakt zu den Menschen weiterhin ganz wesentlich dazu.
Unser Motto dabei könnte man eigentlich wieder auf einen Satz bringen:
Hanf ist das neue Chia – und wir möchten dazu beitragen, dass immer mehr Menschen und auch immer mehr Bäckereien das entdecken.
Was wünscht ihr euch persönlich für die Zukunft von Cannabis, Hanf und der gesamten Hanfbranche in Deutschland?
Ich wünsche mir vor allem, dass Nutzhanf gesellschaftlich und politisch irgendwann ganz selbstverständlich als das betrachtet wird, was er ist: eine vielseitige Kultur-, Rohstoff- und Lebensmittelpflanze.
Dazu gehören klarere rechtliche Rahmenbedingungen, weniger unnötige Bürokratie und eine deutlichere Unterscheidung zwischen Nutzhanf und berauschendem Cannabis. Gleichzeitig glaube ich, dass wir beim Thema Forschung bereits sehr viel Bewegung sehen.
Langfristig brauchen wir aus meiner Sicht keine rein deutsche, sondern eine europäische Strategie für Nutzhanf. Wenn Forschung und neue Anwendungen in den kommenden 15 oder 20 Jahren zunehmend alltagstauglich werden, müssen Anbau und Verarbeitung in Europa in der Lage sein, diesen Bedarf auch zu decken.
Cannabis selbst sehe ich grundsätzlich neutral. Wie bei vielen Dingen im Leben gilt für mich:
Die Dosis macht das Gift.
Mein Wunsch wäre, dass irgendwann niemand mehr beim Hanfbrot fragt, ob er davon high wird – und man auf dem Weihnachtsmarkt ganz selbstverständlich einen alkoholfreien Hanf Glühi bestellt, ohne sich zu fragen, ob man danach noch Auto fahren darf.
Wenn wir an diesem Punkt angekommen sind, dann ist Nutzhanf wirklich wieder im Alltag angekommen.
Vielen Dank, Carsten, dass du dir die Zeit für das Interview genommen und uns so ausführliche Einblicke in Hanfhuette.com, Agronaro und deine Sicht auf die Zukunft von Nutzhanf gegeben hast.
Fazit: Nutzhanf braucht Aufklärung, Qualität und verlässliche Strukturen
Das Interview mit Carsten Hänsel zeigt sehr deutlich, dass Nutzhanf weit mehr ist als ein kurzfristiger Trend. Hinter Hanfhuette.com steht nicht nur die Idee, interessante Hanfprodukte zu verkaufen, sondern ein langfristiger Ansatz, Nutzhanf als Lebensmittelrohstoff stärker in den Alltag zu bringen und gleichzeitig Vorurteile gegenüber der Pflanze abzubauen.
Besonders spannend ist dabei die Verbindung zwischen Hanfhuette.com und der Genossenschaft Agronaro. Durch die enge Zusammenarbeit entlang wichtiger Teile der Wertschöpfungskette entsteht ein direkter Bezug zum Rohstoff. Herkunft, Verarbeitung und Qualität sind dadurch besser nachvollziehbar, und genau diese Transparenz kann für Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wichtig sein wie für Bäckereien, Lebensmittelhersteller und andere gewerbliche Abnehmer.
Gleichzeitig macht das Gespräch deutlich, dass die Nutzhanfbranche weiterhin vor einigen grundlegenden Herausforderungen steht. Bürokratische Hürden, Unsicherheiten bei Behörden, fehlende Verarbeitungskapazitäten und die häufige Gleichsetzung von Nutzhanf mit berauschendem Cannabis erschweren die Entwicklung des Marktes. Aus Sicht von Carsten Hänsel braucht es deshalb klarere Rahmenbedingungen und eine konsequentere Unterscheidung zwischen Nutzhanf und Cannabis mit berauschender Wirkung.
Ein zentraler Gedanke des Interviews ist jedoch, dass Aufklärung nicht immer kompliziert sein muss. Manchmal reicht es, Menschen ein gutes Produkt probieren zu lassen. Ob Hanfsalami, Hanfperlen, Hanföl oder andere Lebensmittel: Wenn Geschmack und Qualität überzeugen, verschwindet bei vielen Menschen die anfängliche Skepsis ganz von selbst. Erst danach entsteht häufig die Neugier, mehr über die Pflanze und ihre vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten zu erfahren.
„Hanf ist das neue Chia“ ist deshalb mehr als nur ein eingängiger Satz. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Hanfsamen langfristig genauso selbstverständlich in Küchen und Lebensmitteln verwendet werden könnten wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne oder Chiasamen. Gerade im Lebensmittelbereich besitzt Nutzhanf aus dieser Perspektive noch erhebliches Entwicklungspotenzial.
Für Hanfhuette.com geht es in den kommenden Jahren deshalb nicht nur um den Ausbau des eigenen Onlineshops. Ein wichtiger Schwerpunkt soll die Zusammenarbeit mit Bäckereien und anderen Lebensmittelherstellern werden. Ziel ist es, hochwertigen europäischen Nutzhanf als Rohstoff stärker im Markt zu etablieren und gleichzeitig neue Produkte und Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Das Interview zeigt damit exemplarisch, wie sich die Nutzhanfbranche weiterentwickeln könnte: weniger Klischees, mehr Wissen über die Pflanze, nachvollziehbare Wertschöpfungsketten, hochwertige Produkte und eine stärkere Verbindung zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Lebensmittelherstellung und Handel.
Wenn Nutzhanf irgendwann nicht mehr automatisch mit einer berauschenden Wirkung verbunden wird und Hanfsamen, Hanföl oder Hanflebensmittel ganz selbstverständlich im Supermarkt, in der Bäckerei und in der eigenen Küche zu finden sind, wäre ein wichtiger Schritt geschafft.
Und vielleicht behält Carsten Hänsel mit seinem Satz tatsächlich recht:
Hanf ist das neue Chia.
Quellen / Infos / Fotos: Carsten Hänsel, Hanfhuette.com
Redaktioneller Hinweis: Die in diesem Interview geäußerten Meinungen, Einschätzungen und Aussagen stammen ausschließlich vom Interviewpartner und spiegeln nicht zwangsläufig die Auffassung der Redaktion von Metaller.de wider. Das Interview dient der Information und dem Austausch unterschiedlicher Sichtweisen innerhalb der Cannabis-, Hanf- und CBD-Branche.
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Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
