Kleine Felder können Vögeln auf dem Acker helfen, wenn unterschiedliche Kulturen, Blühstreifen und eine angepasste Bewirtschaftung zusammenkommen. In einem dreijährigen Landschaftsexperiment in Brandenburg wurden auf der vielfältig gestalteten Fläche deutlich mehr Vogelbeobachtungen je Hektar erfasst als auf benachbarten großen Vergleichsfeldern. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei der Feldlerche. Die Studie misst allerdings die Nutzung der Flächen, nicht den langfristigen Bestand der Vögel.
Wie helfen kleine Felder den Vögeln auf dem Acker?
Was passiert, wenn ein großer Ackerschlag wie ein Mosaik bewirtschaftet wird? Dieser Frage ging ein Forschungsteam um Jenny Kröcher vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) nach. Seine Ergebnisse erschienen 2026 in der Fachzeitschrift Landscape Ecology. Untersucht wurde das Landschaftslabor patchCROP in Brandenburg. Dort wachsen verschiedene Kulturen auf kleinen Teilflächen nebeneinander. Einige Bereiche wurden außerdem mit geringerem Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und mit Blühstreifen bewirtschaftet.
| Frage | Beobachtung | Einordnung |
|---|---|---|
| Wie häufig wurden Vögel beobachtet? | Auf der untersuchten patchCROP-Fläche gab es 20,0 Beobachtungen je Hektar. Auf den drei Vergleichsfeldern waren es 11,9, 12,1 und 8,8. | Die kleinteilige Fläche wurde häufiger genutzt. Die Werte sind Beobachtungen je Hektar, keine Zahl unterschiedlicher Vögel. |
| Wie viele Arten kamen vor? | Auf der patchCROP-Fläche wurden 33 Arten registriert, auf zwei Vergleichsfeldern jeweils 30 und auf dem dritten 12. | Die Artenzahl allein erklärt den Unterschied zwischen den Flächen nicht vollständig. |
| Welche Faktoren waren besonders auffällig? | Geringerer Pflanzenschutzmitteleinsatz und mehr Wildkräuter standen mit häufigeren Vogelbeobachtungen in Zusammenhang. | Die Kombination von Gestaltung und Bewirtschaftung war wichtiger als die einzelne angebaute Kulturart. |
| Welche Art prägte die Ergebnisse? | Rund 70 Prozent aller Beobachtungen entfielen auf Feldlerchen. | Die Gesamtergebnisse spiegeln besonders stark die Nutzung durch diese Art wider. |
Faktenbox: Meldung, Bedeutung, Einordnung
Meldung: Im Brandenburger patchCROP-Experiment wurden Vögel auf kleinteilig und vielfältig bewirtschafteten Flächen häufiger beobachtet als auf benachbarten großen Feldern.
Bedeutung: Artenförderung kann auch innerhalb der produktiv genutzten Ackerfläche ansetzen. Vor allem Strukturvielfalt und eine angepasste Bewirtschaftung erscheinen relevant.
Für wen wichtig? Für landwirtschaftliche Betriebe, Naturschutz, Agrarforschung und alle, die Maßnahmen für Vögel in der Agrarlandschaft bewerten.
Was wurde im Landschaftslabor patchCROP untersucht?
patchCROP ist ein Versuch auf einer rund 70 Hektar großen Ackerfläche in Ostbrandenburg. Innerhalb dieser Fläche richteten die Forschenden 30 quadratische Teilflächen ein. Jede misst etwa 72 mal 72 Meter und umfasst ungefähr einen halben Hektar. Die Teilflächen liegen in Bereichen mit unterschiedlichem Ertragspotenzial. Auf ihnen werden unter anderem Getreide, Raps, Mais, Sonnenblumen, Sojabohnen und Lupinen in Fruchtfolgen angebaut.
Ein Patch ist hier schlicht ein kleiner Abschnitt innerhalb eines größeren Feldes. Entscheidend ist das räumliche Nebeneinander: Für einen Vogel liegen verschiedene Pflanzenbestände und Vegetationsstrukturen näher beieinander, als es auf einem großen, einheitlich bestellten Schlag meist der Fall ist. Hinzu kommen Unterschiede in der Pflege. Manche Teilflächen wurden nach betriebsüblicher Praxis bewirtschaftet, auf anderen richtete sich der Pflanzenschutz stärker nach dem tatsächlich festgestellten Befall. In einer Variante ergänzten mehrjährige Blühstreifen das System.
Zum Vergleich erfasste das Forschungsteam Vögel auf drei benachbarten, großflächiger und weniger vielfältig bewirtschafteten Feldern. Die Kartierung lief von September 2020 bis August 2023. Ein Ornithologe hielt fest, wo Vögel zu sehen oder zu hören waren. Berücksichtigt wurden unter anderem Tiere, die Nahrung suchten, ruhten oder durch Gesang ein Revier anzeigten. Vögel, die lediglich über die Fläche hinwegflogen, gingen nicht in die Auswertung der Flächennutzung ein.
Warum wurden die Beobachtungen je Hektar verglichen?
Die untersuchten Feldabschnitte waren unterschiedlich groß. Eine bloße Gesamtzahl der Sichtungen würde deshalb ein größeres Feld bevorzugen: Dort gibt es schon aufgrund der Fläche mehr Gelegenheiten für eine Beobachtung. Die Forschenden berechneten darum Beobachtungen je Hektar. Auf der ausgewerteten patchCROP-Fläche lag dieser Wert bei 20,0. Die drei Referenzfelder erreichten 11,9, 12,1 beziehungsweise 8,8.
Die oft genannte Aussage, die vielfältige Fläche sei ungefähr 70 Prozent häufiger von Vögeln aufgesucht worden, beschreibt einen Vergleich mit Referenzwerten. Die einzelnen Vergleichsfelder unterscheiden sich jedoch. Für die Einordnung sind die konkreten Werte je Hektar aussagekräftiger als eine einzelne gerundete Prozentzahl. Außerdem kann derselbe Vogel bei mehreren Begehungen erneut beobachtet worden sein.
Warum können kleine Felder für Vögel interessant sein?
Vögel brauchen je nach Art und Jahreszeit unterschiedliche Bedingungen. Ein Bereich eignet sich zur Nahrungssuche, ein anderer bietet freie Sicht oder Deckung. Während eine Kultur noch niedrig wächst, kann die benachbarte bereits dichter sein. Auch nach der Ernte verändert sich das Angebot. Kleine Felder schaffen deshalb eine größere Auswahl auf engem Raum.
Das bedeutet nicht, dass jede kleinere Parzelle automatisch mehr Vögel anzieht. Ein kleinteiliges Feld, auf dem überall dieselben Bedingungen herrschen, bietet nur begrenzt zusätzliche Vielfalt. Im patchCROP-Experiment kamen mehrere Eigenschaften zusammen:
- verschiedene Kulturpflanzen auf benachbarten Teilflächen,
- unterschiedliche Entwicklungsstadien und Vegetationsstrukturen,
- Bereiche mit geringerem Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel,
- mehr Wildkräuter auf bestimmten Flächen,
- mehrjährige Blühstreifen als ergänzende Landschaftselemente.
Die Auswertung zeigte keinen klaren zusätzlichen Effekt einer einzelnen Kulturart. Ob an einer bestimmten Stelle beispielsweise Hafer oder Sonnenblumen standen, erklärte das Muster der Vogelbeobachtungen weniger gut als die Struktur der Flächen und ihre Bewirtschaftung. Für die Praxis ist das ein wichtiger Unterschied: Eine bloße Liste angebauter Pflanzen sagt noch wenig darüber aus, welche Bedingungen ein Vogel vor Ort tatsächlich findet.
Welche Rolle spielen Wildkräuter und Pflanzenschutz?
Mehr Wildkräuter und geringerer Pflanzenschutzmitteleinsatz waren in der Studie positiv mit dem Vorkommen von Vögeln verbunden. Wildkräuter können die Vegetation auflockern und unterschiedliche Strukturen schaffen. Je nach Art und Zeitpunkt können sie zudem mit Nahrungsangeboten für Insekten und Vögel zusammenhängen. Die Studie hat das Nahrungsangebot jedoch nicht zeitgleich und detailliert genug erfasst, um diesen Weg als konkrete Ursache nachzuweisen.
Ebenso wäre es zu einfach, aus dem Ergebnis ein pauschales Verbot jeder Pflanzenschutzmaßnahme abzuleiten. Im Versuch wurden unterschiedliche Strategien unter landwirtschaftlichen Bedingungen verglichen. Bei den angepassten Varianten orientierten sich Entscheidungen am beobachteten Befall und an Prognosen. Bei einigen Sommerkulturen ersetzten mechanische Verfahren chemische Behandlungen ganz oder teilweise. Welche Kombination für einen Betrieb funktioniert, hängt unter anderem von Kultur, Unkrautdruck, Technik und Standort ab.
Faktenbox: Was bedeutet der Befund genau?
Die Forschenden fanden einen räumlichen Zusammenhang: Vögel wurden in bestimmten, weniger intensiv bewirtschafteten und stärker strukturierten Bereichen häufiger beobachtet. Daraus lässt sich ableiten, welche Flächen sie im Untersuchungszeitraum bevorzugt nutzten. Ob dort langfristig mehr Jungvögel aufwachsen oder die Bestände insgesamt zunehmen, wurde mit dieser Auswertung nicht belegt.
Warum ist die Feldlerche für die Ergebnisse besonders wichtig?
Die Feldlerche ist ein typischer Vogel offener Agrarlandschaften. Im untersuchten Gebiet dominierte sie die Erfassungen deutlich: Etwa sieben von zehn Beobachtungen entfielen auf diese Art. Die Schafstelze folgte mit rund zehn Prozent. Wer die Gesamtergebnisse liest, sollte diese Verteilung im Kopf behalten. Eine positive Entwicklung der gesamten Beobachtungszahl bedeutet nicht, dass jede registrierte Vogelart im gleichen Maß reagierte.
Feldlerchen wurden insbesondere in Bereichen mit geringerem Pflanzenschutzmitteleinsatz und stärkerem Wildkrautbewuchs häufiger erfasst. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass eine abwechslungsreichere Vegetation geeignete Orte für Nahrungssuche, Aufenthalt und möglicherweise das Brutgeschehen bieten kann. Einen gemessenen Bruterfolg liefert die Untersuchung damit aber noch nicht.
Auch der Aufbau der Beobachtung beeinflusst, welche Arten besonders sichtbar werden. Die Forschenden konzentrierten sich auf Bereiche innerhalb der Felder und hielten Abstand zu äußeren Feldrändern. Das passt zur Fragestellung, weil sie die Bewirtschaftung im Feld untersuchen wollten. Gleichzeitig begünstigt eine solche Erfassung Arten, die offene Ackerflächen nutzen. Arten mit enger Bindung an Hecken oder andere Randstrukturen treten in dieser Perspektive weniger hervor.
Die Artenliste zeigt zudem, dass Vergleichsfelder nicht für alle Vögel schlechter waren. Einige Arten wurden dort häufiger oder ausschließlich beobachtet. Die Studie beschreibt also kein allgemein gültiges Lieblingsfeld für sämtliche Vogelarten. Sie zeigt vor allem, dass das untersuchte Mosaik für viele Beobachtungen im Ackerinneren und besonders für Feldlerchen attraktiv war.
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Wie konnten die Forschenden die Vogelbeobachtungen auswerten?
Ein Landschaftsexperiment lässt sich schwer wie ein Versuch im Labor aufbauen. Felder unterscheiden sich in Boden, Lage, Umgebung und Nutzungsgeschichte. Man kann sie nicht beliebig oft unter identischen Bedingungen wiederholen. Das patchCROP-Feld und seine Nachbarflächen bilden deshalb keinen Satz vollständig unabhängiger, austauschbarer Wiederholungen.
Das Forschungsteam nutzte eine räumliche Punktmusteranalyse, abgekürzt SPPA nach dem englischen Begriff Spatial Point Pattern Analysis. Dabei ist jede geeignete Vogelbeobachtung ein Punkt auf der Karte. Die Methode fragt, ob die Punkte zufällig über das Gebiet verteilt sind oder ob sie sich an bestimmten Stellen häufen. Anschließend prüft sie, welche erfassten Eigenschaften dieser Stellen mit dem Muster zusammenhängen.
Vereinfacht kannst Du Dir zwei Karten übereinander vorstellen. Auf der ersten stehen die Vogelbeobachtungen. Die zweite zeigt unter anderem Teilflächen, Vegetation und Bewirtschaftung. Die statistische Auswertung sucht nach Beziehungen zwischen beiden Karten. So lässt sich beispielsweise prüfen, ob Beobachtungen in Bereichen mit mehr Wildkräutern oder geringerem Pflanzenschutzmitteleinsatz gehäuft auftreten.
Diese Methode ist für Untersuchungen auf echten landwirtschaftlichen Flächen nützlich. Sie löst aber nicht jedes Problem des Versuchsaufbaus. Eine räumliche Beziehung ist noch kein Beweis dafür, dass ein einzelner Faktor allein die beobachtete Wirkung verursacht hat. Gerade in einem Mosaik aus vielen Maßnahmen beeinflussen sich Gestaltung, Vegetation und Bewirtschaftung gegenseitig.
Wo liegen die wissenschaftlichen Grenzen der Studie?
Die Autorinnen und Autoren benennen mehrere Punkte, die bei der Interpretation wichtig sind:
- Ein Standort: Das Experiment fand in einer bestimmten Agrarlandschaft Brandenburgs statt. Ergebnisse für andere Böden, Regionen und Betriebsformen müssen zusätzlich geprüft werden.
- Keine unabhängigen Wiederholungen: Es gab ein komplexes Landschaftsexperiment mit benachbarten Referenzflächen, aber keine Vielzahl identisch angelegter Versuchslandschaften.
- Starker Einfluss der Feldlerche: Weil diese Art den Großteil der Beobachtungen stellte, prägt sie die statistischen Gesamtergebnisse erheblich.
- Unvollständige Erklärung kleiner Unterschiede: Feinere Unterschiede innerhalb einzelner Teilflächen und das jeweils verfügbare Nahrungsangebot konnten nicht vollständig berücksichtigt werden.
- Flächennutzung statt Bestandsentwicklung: Beobachtungen zeigen, wo Vögel während der Erfassung waren. Sie belegen für sich genommen weder höhere Überlebensraten noch mehr erfolgreiche Bruten.
Diese Einschränkungen entwerten den Befund nicht. Sie machen ihn präziser. Für die untersuchte Landschaft spricht vieles dafür, dass das kleinteilige System günstige Bedingungen für die beobachtete Nutzung schuf. Wie stark einzelne Maßnahmen an anderen Standorten wirken, bleibt eine Aufgabe für weitere Forschung.
Was können landwirtschaftliche Betriebe daraus lernen?
Die Studie liefert kein fertiges Anbaurezept für jeden Hof. Sie bietet jedoch eine Richtung für die Planung: Wer Vögel auf Ackerflächen fördern möchte, sollte das ganze Feld betrachten. Ein Blühstreifen kann wertvoll sein. Seine Wirkung hängt aber auch davon ab, was direkt daneben wächst, wie dicht die Vegetation ist und wie die angrenzenden Flächen bewirtschaftet werden.
Ein praxisnahes Vorgehen könnte so aussehen:
- Ausgangslage erfassen: Welche Kulturen, offenen Bodenstellen, Wildkräuter und vorhandenen Strukturen gibt es auf und um den Schlag?
- Maßnahmen räumlich kombinieren: Prüfen, ob unterschiedliche Kulturen, Teilflächen und geeignete Blühbereiche sinnvoll angeordnet werden können.
- Bewirtschaftung anpassen: Pflanzenschutzentscheidungen am tatsächlichen Bedarf ausrichten und geeignete nicht chemische Verfahren prüfen.
- Auswirkungen beobachten: Vogelbeobachtungen und betriebliche Kennzahlen über mehrere Jahre erfassen, statt nur eine Saison zu bewerten.
Ein Beispiel: Ein Betrieb teilt einen großen Schlag gedanklich in Abschnitte mit unterschiedlichem Ertragspotenzial. Statt jede Stelle gleich zu behandeln, prüft er, welche Kultur dort gut wächst und wo eine angepasste Pflege möglich ist. Ein Blühbereich wird so platziert, dass er zum übrigen Feldaufbau passt. Ob dieses Konzept wirtschaftlich und ökologisch trägt, muss der Betrieb anhand seiner eigenen Daten beurteilen. Die Studie kann bei dieser Planung helfen, ersetzt aber keine Beratung zum konkreten Standort.
Welche Vorteile und Schwierigkeiten hat ein Feldmosaik?
| Möglicher Vorteil | Praktische Schwierigkeit |
|---|---|
| Mehr unterschiedliche Strukturen innerhalb des Ackers | Planung, Aussaat, Pflege und Ernte werden komplexer. |
| Bewirtschaftung kann stärker an einzelne Standorte angepasst werden | Große Maschinen arbeiten auf kleinen Teilflächen oft weniger effizient. |
| Naturschutzmaßnahmen lassen sich in die Nutzung integrieren | Erträge, Kosten und Arbeitszeit müssen über mehrere Jahre bewertet werden. |
| Unterschiedliche Kulturen können die Landschaft abwechslungsreicher machen | Nicht jede Vogelart benötigt dieselben Bedingungen. |
Besonders die Technik bleibt eine Hürde. Übliche große Landmaschinen sind für kleine, unterschiedlich bestellte Teilflächen nicht immer geeignet. Autonome Feldroboter und präzisere digitale Planung könnten solche Systeme künftig leichter bewirtschaftbar machen. Ob und wann sich das für viele Betriebe rechnet, ist damit noch nicht entschieden.
Welche rechtliche und wirtschaftliche Einordnung ist wichtig?
Die Veröffentlichung ist eine ökologische Untersuchung. Aus ihren Ergebnissen folgt keine neue Pflicht, Felder zu verkleinern oder eine bestimmte Kulturkombination anzubauen. Wer Maßnahmen auf dem eigenen Betrieb umsetzen will, muss die jeweils geltenden Vorgaben zu Pflanzenschutz, Flächennutzung und möglichen Fördermaßnahmen für den konkreten Betrieb prüfen. Die Studie ersetzt diese Prüfung nicht.
Ebenso offen ist die wirtschaftliche Bilanz im größeren Maßstab. Mehr Teilflächen bedeuten zusätzliche Entscheidungen, Arbeitsgänge und Koordination. Dem können Vorteile durch standortangepasste Bewirtschaftung gegenüberstehen. Ob Erträge, Betriebskosten und Nutzen für die Biodiversität zusammenpassen, lässt sich nur mit längerfristigen Daten beurteilen. Genau hier liegt eine wichtige nächste Forschungsfrage.
Für den Naturschutz ist außerdem entscheidend, welche Arten gefördert werden sollen. Eine Feldlerche stellt andere Ansprüche als ein Vogel, der Hecken oder Gehölze nutzt. Ein durchdachtes Konzept für eine Agrarlandschaft wird daher offene Ackerbereiche, Feldränder und weitere Lebensräume gemeinsam betrachten. Das patchCROP-Ergebnis ist ein Baustein für diese Planung.
Faktenbox: Was bleibt offen?
Weitere Untersuchungen sollten zeigen, ob die häufigere Nutzung kleinteiliger Felder auch zu mehr erfolgreichen Bruten und stabileren Vogelbeständen führt. Zusätzlich braucht es Daten aus anderen Regionen sowie verlässliche Berechnungen zu Erträgen, Arbeitsaufwand und Kosten. Erst dann lässt sich beurteilen, wie gut sich das System in größerem Umfang umsetzen lässt.
Welche Fragen zur Studie werden häufig gestellt?
Sind kleine Felder grundsätzlich besser für alle Vogelarten?
Nein. Die Studie fand auf der untersuchten Mosaikfläche insgesamt mehr Beobachtungen je Hektar, doch einzelne Arten kamen auf den Vergleichsfeldern häufiger vor. Welche Gestaltung nützt, hängt von den Ansprüchen der jeweiligen Art und der umgebenden Landschaft ab.
Bedeutet „70 Prozent häufiger“, dass es 70 Prozent mehr Vögel gab?
Nein. Erfasst wurden Beobachtungen der Flächennutzung. Ein Vogel konnte während des Untersuchungszeitraums mehrfach registriert werden. Für einen genauen Vergleich sind die Werte je Hektar und die Unterschiede zwischen den drei Referenzfeldern wichtig.
Reicht es aus, unterschiedliche Kulturen nebeneinander anzubauen?
Die Ergebnisse sprechen dagegen, allein auf die Anzahl der Kulturarten zu schauen. In der statistischen Auswertung waren Struktur und Bewirtschaftungsintensität aussagekräftiger als die einzelne Kulturart. Das Zusammenspiel der Maßnahmen zählt.
Wurde bewiesen, dass dort mehr Feldlerchen brüten?
Die Feldlerche wurde häufig beobachtet, besonders in bestimmten extensiver bewirtschafteten Bereichen. Die Untersuchung misst damit vor allem Aufenthaltsmuster und Lebensraumnutzung. Ein nachweislich höherer Bruterfolg lässt sich daraus allein nicht ableiten.
Was ist das Fazit zu kleinen Feldern und Vögeln?
Das patchCROP-Experiment zeigt, welches Potenzial in einem vielfältig gestalteten Acker steckt. Auf der untersuchten Fläche wurden Vögel häufiger je Hektar beobachtet als auf benachbarten großen Vergleichsfeldern. Besonders für die Feldlerche waren Bereiche mit mehr Struktur, geringerem Pflanzenschutzmitteleinsatz und mehr Wildkräutern interessant. Für die landwirtschaftliche Praxis liegt die zentrale Erkenntnis im Zusammenspiel von Feldaufteilung und Bewirtschaftung. Ob daraus langfristig stabilere Vogelbestände entstehen und wie wirtschaftlich solche Systeme sind, müssen weitere Studien klären.
Originalpublikation: Kröcher, J. und weitere, „From points to patterns: effects of small-scale diversification of arable land use on bird habitat use“, Landscape Ecology 41, Artikel 148 (2026). https://doi.org/10.1007/s10980-026-02435-7
Weitere Informationen: Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) erforscht die ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft. Informationen zum Versuch bietet auch die Projektseite von patchCROP.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news878180 und https://doi.org/10.1007/s10980-026-02435-7
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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