Eine neue Studie des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung zeigt, dass vielfältige Anbausysteme landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegen Klimawandel und Marktschwankungen machen können. Besonders Streifenanbau, kleinere Feldstrukturen und abwechslungsreiche Fruchtfolgen helfen dabei, Risiken zu verteilen, Erträge zu stabilisieren und wirtschaftliche Verluste zu reduzieren.
Wie kann vielfältiger Ackerbau die Landwirtschaft widerstandsfähiger machen?
Die wissenschaftlichen Ergebnisse basieren auf Modellrechnungen für Ackerbaubetriebe in Brandenburg und zeigen, dass Monokulturen langfristig deutlich anfälliger gegenüber Dürre, Preisverfall und extremen Wetterbedingungen sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass politische Förderinstrumente eine wichtige Rolle spielen könnten, um nachhaltigere Anbausysteme wirtschaftlich attraktiver zu machen. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
Welche Vorteile bietet vielfältiger Ackerbau?
| Strategie | Vorteile | Herausforderungen |
|---|---|---|
| Vielfältige Fruchtfolgen | Geringeres Risiko bei Ernteausfällen, bessere Bodengesundheit | Mehr Planung notwendig |
| Parzellierung | Stärkste Risikoreduktion, stabilere Einkommen | Komplexere Bewirtschaftung |
| Streifenanbau | Mehr Artenvielfalt, bessere Risikoverteilung | Höherer Arbeitsaufwand |
| Integration von Sojabohnen | Mehr Vielfalt, geringere Abhängigkeit von einzelnen Kulturen | Neue Vermarktungswege nötig |
Warum steht die Landwirtschaft zunehmend unter Druck?
Die moderne Landwirtschaft steht vor mehreren Problemen gleichzeitig. Einerseits nehmen extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel zu. Andererseits schwanken Preise für Agrarprodukte und Betriebsmittel immer stärker. Diese Kombination erhöht den wirtschaftlichen Druck auf landwirtschaftliche Betriebe erheblich.
Vor allem Regionen mit trockenen Böden und geringer Niederschlagsmenge sind betroffen. Genau deshalb untersuchten die Forschenden des ZALF Betriebe in Brandenburg, genauer gesagt in den Landkreisen Märkisch Oderland und Oder Spree. Diese Region zählt zu den trockensten Gegenden Deutschlands.
Neue Modellrechnungen zeigen, dass vielfältige Anbausysteme wirtschaftliche Risiken deutlich reduzieren können.
Vielfalt auf dem Feld könnte künftig helfen, Landwirtschaft besser gegen Klimawandel und Marktkrisen abzusichern.
Die Ergebnisse sind besonders relevant für Landwirte, Agrarpolitik, Klimaforschung und die zukünftige Ernährungssicherheit.
Welche Diversifizierungsstrategien wurden untersucht?
Die Forschenden analysierten drei unterschiedliche Strategien, um landwirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger zu machen. Dabei stand besonders die Integration von Sojabohnen in bestehende Anbausysteme im Fokus.
1. Vielfältige Fruchtfolgen
Hier wechseln die angebauten Kulturen regelmäßig über mehrere Jahre hinweg. Dadurch wird verhindert, dass Böden einseitig belastet werden. Gleichzeitig verteilt sich das Risiko besser.
Wenn etwa eine Kultur unter Trockenheit leidet, kann eine andere Pflanze bessere Erträge liefern. Dadurch stabilisieren sich Einkommen und Ernten.
2. Parzellierung kleinerer Feldflächen
Bei dieser Strategie werden große Felder in kleinere Teilflächen unterteilt. Unterschiedliche Kulturen wachsen auf benachbarten Flächen. Dadurch sinkt das Risiko, dass komplette Felder gleichzeitig von Wetterextremen betroffen sind.
Die Studie zeigt, dass diese Methode das wirtschaftliche Risiko besonders stark senken konnte. Teilweise reduzierte sich das Verlustrisiko um mehr als 200 Euro pro Hektar.
3. Streifenanbau
Beim Streifenanbau wachsen verschiedene Kulturen nebeneinander in schmalen Streifen. Die Streifen waren in der Studie 12 Meter breit und orientierten sich an der Arbeitsbreite typischer Landmaschinen.
Dadurch benötigen Betriebe keine zusätzliche Spezialtechnik. Gleichzeitig entstehen ökologische Vorteile, etwa mehr Lebensräume für Insekten und andere Tierarten.
Warum sind Monokulturen problematisch?
Monokulturen gelten seit Jahren als problematisch. Werden über längere Zeit dieselben Pflanzen angebaut, entstehen mehrere Risiken gleichzeitig:
- Höhere Anfälligkeit für Schädlinge
- Größere Risiken bei Dürre oder Starkregen
- Stärkere Abhängigkeit von einzelnen Marktpreisen
- Belastung der Böden
- Rückgang der Artenvielfalt
Gerade bei stark spezialisierten Betrieben können einzelne Krisen massive wirtschaftliche Schäden verursachen.
Die Studie zeigt deutlich, dass vielfältige Anbausysteme Risiken wesentlich besser verteilen können. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Ackerbau aus?
Der Klimawandel verändert die Bedingungen für landwirtschaftliche Betriebe weltweit. Besonders problematisch sind:
- Längere Trockenperioden
- Starkregenereignisse
- Hitzeperioden
- Spätfröste
- Wasserknappheit
Diese Entwicklungen erschweren eine stabile Planung. Viele Betriebe stehen dadurch vor der Frage, wie sie langfristig wirtschaftlich bleiben können.
Vielfältige Kulturen reagieren unterschiedlich auf Wetterbedingungen. Genau darin liegt einer der größten Vorteile diversifizierter Anbausysteme.
Welche Rolle spielen Marktpreise?
Ein besonders interessanter Aspekt der Studie betrifft die Marktrisiken. Viele frühere Untersuchungen konzentrierten sich hauptsächlich auf Wetter und Klima. Die neue Studie berücksichtigt zusätzlich schwankende Preise auf dem Weltmarkt.
Das betrifft unter anderem:
- Getreidepreise
- Düngemittelpreise
- Transportkosten
- Energiepreise
- Globale Lieferketten
Wenn ein Betrieb ausschließlich auf wenige Kulturen setzt, kann ein Preisverfall massive Auswirkungen haben. Vielfältige Kulturen verteilen dagegen auch das ökonomische Risiko besser.
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Warum gelten Sojabohnen als interessante Ergänzung?
In der Studie spielten Sojabohnen eine wichtige Rolle. Hülsenfrüchte wie Soja bieten mehrere Vorteile:
- Verbesserung der Bodenqualität
- Stickstoffbindung im Boden
- Mehr Vielfalt im Anbausystem
- Alternative Einkommensquelle
- Geringere Abhängigkeit von Getreidepreisen
Gerade im Kontext des Klimawandels könnten Hülsenfrüchte künftig eine größere Rolle im europäischen Ackerbau spielen.
Welche Nachteile hat der Streifenanbau?
Trotz der Vorteile bringt der Streifenanbau auch Herausforderungen mit sich.
Höherer Arbeitsaufwand
Landmaschinen müssen häufiger wenden und können nicht so effizient arbeiten wie auf großen einheitlichen Flächen.
Mehr Feldränder
Durch kleinere Strukturen entstehen zusätzliche Randbereiche, die weniger effizient bewirtschaftet werden können.
Wirtschaftliche Grenzen
Ohne zusätzliche Förderung kann der Streifenanbau wirtschaftlich schwieriger sein.
Deshalb testeten die Forschenden in ihrer Modellrechnung eine neue Förderidee.
Wie könnte eine neue Agrarförderung aussehen?
Die Studie schlägt vor, kleinere Feldstrukturen gezielt finanziell zu fördern. Konkret wurde eine Prämie getestet, die sich an der Länge der Feldränder orientiert.
Die Modellrechnung zeigte:
- 1,50 Euro Förderung pro 100 Meter Feldrand
- Stabile Einkommen trotz höherem Aufwand
- Geringeres wirtschaftliches Risiko
- Förderung ökologischer Vielfalt
Die Forschenden argumentieren, dass solche Programme sogar kostenneutral für öffentliche Haushalte gestaltet werden könnten.
Warum ist Artenvielfalt in der Landwirtschaft wichtig?
Artenvielfalt ist weit mehr als nur Naturschutz. Sie beeinflusst direkt die Stabilität landwirtschaftlicher Systeme.
Mehr Vielfalt kann helfen bei:
- Bestäubung
- Natürlicher Schädlingskontrolle
- Bodenschutz
- Wasserhaushalt
- Klimaanpassung
Gerade kleinere Feldstrukturen und Streifenanbau schaffen zusätzliche Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tierarten.
Welche Rolle spielt die Politik?
Die Studie macht deutlich, dass politische Rahmenbedingungen entscheidend sind. Viele nachhaltige Anbausysteme benötigen zunächst Investitionen oder organisatorische Veränderungen.
Förderprogramme könnten Landwirten dabei helfen:
- Neue Techniken einzuführen
- Arbeitsaufwand auszugleichen
- Risiken bei Umstellungen zu reduzieren
- Mehr Vielfalt wirtschaftlich attraktiv zu machen
Auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU spielt dabei eine wichtige Rolle.
Wie wurden die Ergebnisse berechnet?
Die Forschenden arbeiteten mit dem bioökonomischen Modell MODAM. Dieses Simulationsmodell analysiert verschiedene Kombinationen aus:
- Wetterdaten
- Ertragsschwankungen
- Preisänderungen
- Anbausystemen
- Düngemittelpreisen
Insgesamt wurden Entwicklungen über einen Zeitraum von 30 Jahren simuliert.
Dadurch konnten die Forschenden langfristige Risiken und Chancen realistischer bewerten.
Welche Grenzen hat die Studie?
Trotz der umfangreichen Modellrechnungen weisen die Forschenden auch auf Einschränkungen hin.
- Extreme Wetterereignisse wurden nur begrenzt berücksichtigt
- Zusätzlicher Arbeitsaufwand wurde nicht vollständig analysiert
- Tierhaltung floss nicht in die Berechnungen ein
- Biogasanlagen wurden nicht berücksichtigt
- Praktische Umsetzungsprobleme bleiben offen
Deshalb sind weitere Untersuchungen notwendig.
Warum ist das Thema auch gesellschaftlich relevant?
Die globale Bevölkerung wächst weiter. Gleichzeitig nehmen Klimarisiken zu. Dadurch wird die Frage immer wichtiger, wie Landwirtschaft langfristig stabil und produktiv bleiben kann.
Vielfältige Anbausysteme könnten helfen:
- Ernten stabiler zu machen
- Versorgungssicherheit zu verbessern
- Umweltschäden zu reduzieren
- Artenvielfalt zu fördern
- Landwirtschaft widerstandsfähiger zu gestalten
Gerade in Europa gewinnt die Diskussion über nachhaltige Landwirtschaft deshalb zunehmend an Bedeutung.
Welche technischen Lösungen könnten künftig helfen?
Die Forschenden sehen Potenzial in neuen Technologien. Besonders automatisierte Maschinen könnten kleinere Feldstrukturen wirtschaftlicher machen.
Dazu gehören:
- Autonome Landmaschinen
- Digitale Präzisionslandwirtschaft
- Sensorik
- KI gestützte Datenauswertung
- Automatische Bewässerungssysteme
Dadurch könnten vielfältige Anbausysteme in Zukunft einfacher und effizienter bewirtschaftet werden.
FAQ: Häufige Fragen zur widerstandsfähigen Landwirtschaft
Was bedeutet Diversifizierung im Ackerbau?
Diversifizierung bedeutet, verschiedene Kulturen und Anbausysteme zu kombinieren, um Risiken besser zu verteilen.
Warum sind vielfältige Kulturen besser?
Unterschiedliche Pflanzen reagieren verschieden auf Wetter, Krankheiten und Marktpreise. Dadurch sinkt das Gesamtrisiko.
Was ist Streifenanbau?
Beim Streifenanbau wachsen verschiedene Kulturen nebeneinander in schmalen Streifen auf demselben Feld.
Welche Vorteile haben kleinere Felder?
Kleinere Feldstrukturen können Klima und Produktionsrisiken besser verteilen und fördern zusätzlich die Artenvielfalt.
Welche Rolle spielt Soja?
Sojabohnen bringen mehr Vielfalt in Fruchtfolgen und können wirtschaftliche Risiken reduzieren.
Welche Quellen und weiterführenden Informationen gibt es?
Weitere Informationen zur Studie findest du beim Leibniz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung:
ZALF Pressemitteilung zur Studie
Die wissenschaftliche Veröffentlichung wurde Open Access unter der Lizenz:
CC BY 4.0
veröffentlicht.
Fazit: Vielfalt könnte zum Schlüssel der Landwirtschaft werden
Die Studie des ZALF zeigt deutlich, dass vielfältige Anbausysteme erhebliche Vorteile für Landwirtschaft und Umwelt bieten können. Besonders kleinere Feldstrukturen, abwechslungsreiche Fruchtfolgen und Streifenanbau helfen dabei, Risiken besser zu verteilen.
Gleichzeitig wird klar, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht allein von einzelnen Betrieben umgesetzt werden kann. Politische Förderung, technische Innovationen und neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle.
Langfristig könnte eine vielfältigere Landwirtschaft dazu beitragen, Ernten zu stabilisieren, die Artenvielfalt zu stärken und die Ernährungssicherheit trotz Klimawandel besser zu sichern.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news873208 und https://doi.org/10.1016/j.agsy.2026.104677
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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