Auch Polen plant Cannabis-Entkriminalisierung

In Polen ist das Thema Cannabis seit Jahren Gegenstand politischer und gesellschaftlicher Debatten. Immer wieder tauchen Initiativen auf, die eine Entkriminalisierung oder gar Legalisierung des Besitzes kleiner Mengen Marihuana fordern.

Ein neuer Anlauf zur Entkriminalisierung von Cannabis

Auch Polen plant Cannabis-Entkriminalisierung
Auch Polen plant Cannabis-Entkriminalisierung

Jetzt steht ein neuer Gesetzentwurf zur Diskussion, der bereits im September 2025 in das polnische Parlament eingebracht werden soll. Ziel ist es, den Besitz geringer Mengen Cannabis zu entkriminalisieren und damit Polizei, Justiz und Gefängnisse zu entlasten.

Als Hanffreund und Cannabisblogger verfolge ich diese Entwicklungen mit großem Interesse – nicht nur, weil sie Polen betreffen, sondern weil sie ein weiteres Beispiel dafür sind, wie sich Europa langsam, aber stetig in Richtung einer realistischeren Drogenpolitik bewegt.

Was sieht der neue Gesetzentwurf vor?

Fokus auf Entkriminalisierung, nicht Legalisierung

Zunächst eines ganz klar: Es geht in dem aktuellen Vorschlag nicht um eine vollständige Legalisierung von Cannabis. Ziel ist es vielmehr, die strafrechtliche Verfolgung von Menschen einzustellen, die geringe Mengen Marihuana für den Eigenbedarf mit sich führen. Der Begriff dafür lautet „Depenalisierung“. Das heißt: Besitz bleibt weiterhin formell verboten, aber es drohen keine strafrechtlichen Konsequenzen mehr.

Wer steht hinter dem Gesetzesvorschlag?

Der Entwurf wurde von einer Gruppe polnischer Abgeordneter vorbereitet, die sich parteiübergreifend mit der Frage der Entkriminalisierung beschäftigen. Hauptverantwortlich für die Koordination sind Klaudia Jachira von der Bürgerkoalition (KO) und Ryszard Petru von der Bewegung „Polska 2050“. Beide gehören einem parlamentarischen Arbeitskreis an, der sich konkret mit der Entkriminalisierung von Cannabis beschäftigt.

Laut dem Abgeordneten Marcin Józefaciuk (ebenfalls KO) ist der Entwurf weitgehend fertig. Einzelheiten wie die maximal zulässige Menge an Cannabis oder die Anzahl der erlaubten Pflanzen könnten sich noch ändern – abhängig von weiteren Gesprächen mit Koalitionspartnern und anderen Fraktionen.

Die politischen Herausforderungen

Breite Zustimmung notwendig

Wie in vielen anderen Ländern ist auch in Polen die Entkriminalisierung von Cannabis ein politisch heikles Thema. Um das Gesetz durchzubringen, müssen mindestens 231 Abgeordnete im Parlament zustimmen. Das erscheint zum aktuellen Zeitpunkt alles andere als sicher. Während progressive Kräfte innerhalb der Regierungskoalition offen dafür sind, könnte es vor allem von konservativer Seite – insbesondere von der nationalkonservativen PiS-Partei – massiven Widerstand geben.

Ein Koalitionsabgeordneter der jüngeren Generation bringt es auf den Punkt: „Niemand redet hier von Legalisierung, sondern von Entkriminalisierung. Trotzdem wird es ideologische Vorbehalte geben – auch in unseren eigenen Reihen.“

Finanzielle und gesellschaftliche Argumente

Die Befürworter des Gesetzes setzen vor allem auf rationale Argumente. Die Entkriminalisierung würde den Justizapparat entlasten, Prozesse vermeiden und Gefängnisse von Bagatelldelikten befreien. All das spart Geld – und Ressourcen, die anderswo dringender gebraucht werden.

Ein weiterer Punkt: Die aktuelle Regelung sorgt für massive Ungleichbehandlung. Zwei Staatsanwälte können beim selben Fall zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen kommen – der eine sieht eine geringe Schuld, der andere leitet ein Strafverfahren ein. Diese Willkür ist aus Sicht vieler Politiker und Beobachter nicht mehr zeitgemäß.

Vergleich mit anderen europäischen Ländern

Der Blick nach Westen

Viele Politiker, die sich für die Entkriminalisierung einsetzen, verweisen auf Entwicklungen in anderen europäischen Ländern. In Deutschland ist Cannabis seit April 2024 teilweise legal – Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm besitzen und zuhause bis zu drei Pflanzen anbauen. In Tschechien ist der Besitz geringer Mengen schon länger entkriminalisiert. Auch Länder wie Spanien, Portugal oder Luxemburg haben deutlich liberalere Regelungen als Polen.

Es stellt sich daher die Frage, ob Polen sich weiterhin einer international sichtbaren Veränderung verschließt – oder ob man sich an den europäischen Nachbarn orientiert.

Medizinische Aspekte und gesellschaftliche Relevanz

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist auch die medizinische Perspektive. Immer mehr Studien belegen, dass Cannabis bei zahlreichen Erkrankungen helfen kann – etwa bei chronischen Schmerzen, Epilepsie, Multipler Sklerose oder Angststörungen. In Polen ist medizinisches Cannabis zwar grundsätzlich erlaubt, die bürokratischen Hürden für Patienten sind jedoch hoch.

Zudem ist es eine gesellschaftliche Frage: Sollen junge Menschen, die vielleicht einmal in ihrem Leben einen Joint rauchen, für den Rest ihres Lebens einen Eintrag im Strafregister riskieren? Viele Abgeordnete – insbesondere der jüngeren Generation – sagen ganz klar: Nein.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber

Polizeiarbeit und Schutz vor Drogenhandel

Klare Abgrenzung zwischen Konsumierenden und Dealern

Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte häufig genannt wird, ist der Umgang der Polizei mit Cannabis. Kritiker befürchten, dass durch die Entkriminalisierung die Strafverfolgung von Dealern erschwert werden könnte. Die Befürworter des Gesetzes machen hingegen klar: Es gehe ausschließlich um den Besitz geringer Mengen für den Eigenbedarf. Drogenhandel und organisierte Kriminalität sollen weiterhin streng verfolgt werden.

Rafał Komarewicz von „Polska 2050“ betont: „Wir brauchen klare gesetzliche Regelungen, um Willkür zu vermeiden. Die Polizei soll sich auf echte Kriminalität konzentrieren – nicht auf Menschen, die kleine Mengen Marihuana bei sich haben.“

Rechtssicherheit schaffen

Auch aus Sicht von Jurist:innen ist eine Entkriminalisierung sinnvoll. Momentan herrscht große Unsicherheit darüber, ab wann der Besitz als strafbar gilt und wie er geahndet wird. Einheitliche Regeln könnten hier Klarheit schaffen – und gleichzeitig dazu beitragen, dass die Justiz nicht mit Bagatellen überlastet wird.

Gesellschaftlicher Wandel und öffentlicher Diskurs

Ein Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik?

Die Debatte um Cannabis in Polen ist Teil eines größeren gesellschaftlichen Wandels. Immer mehr Länder verabschieden sich von einer repressiven Drogenpolitik und setzen stattdessen auf Aufklärung, Prävention und differenzierte Regulierung. Polen steht an einem Scheideweg: Weiterhin auf Kriminalisierung setzen – oder mutig neue Wege gehen?

Dabei ist es wichtig, sachlich zu bleiben. Die Entkriminalisierung von Cannabis bedeutet nicht, dass jeder Jugendliche künftig unkontrolliert konsumieren kann. Es bedeutet lediglich, dass der Staat Konsumierende nicht mehr wie Kriminelle behandelt.

Die Rolle von Aufklärung und Prävention

Eine moderne Drogenpolitik setzt nicht auf Verbote, sondern auf Wissen. Es braucht umfassende Aufklärung über Risiken, Wirkstoffe, Konsumformen und Prävention – idealerweise schon in der Schule. Länder wie Portugal haben gezeigt, dass eine entkriminalisierte Politik nicht zu mehr Konsum führt, sondern zu mehr Verantwortung und weniger Problemen.

Fazit: Polen steht vor einer historischen Chance

Als Hanffreund und Blogger sehe ich in der aktuellen Entwicklung eine historische Chance für Polen. Die Entkriminalisierung kleiner Mengen Marihuana wäre ein wichtiger Schritt zu mehr Gerechtigkeit, Effizienz und gesellschaftlichem Realismus. Es ist kein Freifahrtschein für unkontrollierten Konsum – sondern ein Signal für eine zeitgemäße, rationale und menschliche Politik.

Ob das Gesetz am Ende eine Mehrheit im Parlament findet, bleibt offen. Doch allein die Diskussion zeigt: Das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und genau da gehört es auch hin.

Quelle / Infos: https://www.rmf24.pl/fakty/polska/news-depenalizacja-marihuany-jeszcze-w-tym-roku-projekt-jest-juz-,nId,8000776#google_vignette

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Autor und Bild: Canna-Chad Gregor Paul Thiele

Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der News bzw. Pressemeldung



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