Regulierte Cannabisabgabe (SCRIPT-Studie): Senkt sie Konsumrisiken?

Die Zwischenergebnisse der Schweizer SCRIPT-Studie sprechen dafür, dass eine regulierte Cannabisabgabe den Wechsel zu potenziell risikoärmeren Konsumformen fördern kann, ohne die Konsumhäufigkeit zu erhöhen. Besonders geschätzt werden geprüfte Produkte, transparente Inhaltsstoffangaben, professionelle Beratung und der legale Zugang ohne Kontakt zum illegalen Markt. Für abschließende Aussagen müssen jedoch die weiteren Studienergebnisse abgewartet werden.

Kann eine regulierte Cannabisabgabe Konsumrisiken senken?

Regulierte Cannabisabgabe (SCRIPT-Studie): Senkt sie Konsumrisiken?
Regulierte Cannabisabgabe (SCRIPT-Studie): Senkt sie Konsumrisiken?
Bereich Zwischenergebnis der SCRIPT-Studie Mögliche Bedeutung
Konsumhäufigkeit Keine erkennbare Zunahme, leichte Abwärtstendenzen Ein regulierter Zugang führt nicht automatisch zu mehr Konsum
Konsumform Hinweise auf einen Wechsel zu Vaporisation oder oraler Einnahme Beratung kann die Risikominimierung unterstützen
Produktqualität Konstante Qualität und transparente Inhaltsstoffe werden positiv bewertet Geprüfte Produkte schaffen mehr Sicherheit
Beratung 71 Prozent geben Informationen in ihrem Umfeld weiter Wissen zur Risikominimierung kann sich über die Verkaufsstellen hinaus verbreiten
Preisgestaltung Preise trotz simuliertem Steueraufschlag weitgehend akzeptiert Steuern könnten Beratung und Prävention finanzieren

Faktenbox: Die SCRIPT-Studie

  • Studienorte sind Bern, Biel und Luzern.
  • Beteiligt sind insgesamt 1.177 erwachsene Personen.
  • 777 Teilnehmende kommen aus Bern, 261 aus Luzern und 139 aus Biel.
  • Die Abgabe erfolgt in neun ausgewählten Apotheken.
  • Untersucht werden Verkauf, Beratung, Konsumverhalten und gesundheitliche Auswirkungen.
  • Die bisherigen Resultate beziehen sich auf die ersten sechs Monate.
  • Der Bezug der Studienprodukte ist bis Oktober 2028 vorgesehen.
  • Die gesamte Studie soll bis Ende 2029 fortgeführt werden.

Was untersucht die regulierte Cannabisabgabe in der Schweiz?

SCRIPT steht für „The Safer Cannabis Research In Pharmacies randomized controlled Trial“. Dahinter steht eine wissenschaftlich begleitete Pilotstudie zum regulierten und nicht gewinnorientierten Verkauf von Cannabis für den Eigengebrauch. Die Universitäten Bern und Luzern führen das Projekt unabhängig durch. Bewilligt wurde es von den zuständigen Ethikkommissionen und dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit.

Teilnehmen dürfen ausschließlich volljährige Personen, die bereits vor ihrer Aufnahme regelmäßig Cannabis konsumiert haben. Die Untersuchung sagt deshalb nichts darüber aus, ob ein regulierter Verkauf bei Menschen ohne vorherige Konsumerfahrung den Einstieg fördern oder verhindern würde.

Die Teilnehmenden können speziell für die Studie hergestellte Cannabisblüten, Cannabisharz und THC haltige E Flüssigkeiten kaufen. Die Abgabe erfolgt in fünf Apotheken in Bern, drei in Luzern und einer in Biel. Geschultes Personal informiert dort unter anderem über Dosierung, Konsumformen und Möglichkeiten der Risikominimierung.

Regulierte Cannabisabgabe (SCRIPT-Studie): Senkt sie Konsumrisiken?
Regulierte Cannabisabgabe (SCRIPT-Studie): Senkt sie Konsumrisiken?

Führt ein legaler Zugang zu häufigerem Cannabiskonsum?

Eine häufig geäußerte Sorge lautet, dass ein legaler Zugang zwangsläufig zu einem höheren Konsum führt. Die ersten SCRIPT Daten bestätigen diese Annahme für die untersuchte Gruppe nicht. Nach Angaben des Forschungsteams blieb die Konsumhäufigkeit weitgehend stabil. Teilweise waren sogar leichte Abwärtstendenzen erkennbar.

Dieses Ergebnis sollte trotzdem vorsichtig interpretiert werden. Es handelt sich um Zwischenergebnisse nach sechs Monaten und nicht um die endgültige Auswertung der gesamten Studie. Außerdem nehmen ausschließlich Erwachsene mit bereits bestehendem regelmäßigem Konsum teil. Eine Übertragung auf die Gesamtbevölkerung oder auf Jugendliche ist daher nicht ohne Weiteres möglich.

Relevant ist dennoch, dass der Wechsel vom illegalen Markt in ein kontrolliertes Abgabesystem offenbar nicht automatisch mit einem Mehrkonsum verbunden war. Genau diese Frage spielt bei politischen Debatten über eine regulierte Cannabisabgabe eine zentrale Rolle.

Welche Produkte werden am häufigsten gekauft?

Mit einem Anteil von 65 Prozent bleiben Cannabisblüten das mit Abstand meistverkaufte Produkt. An zweiter Stelle folgen E Liquids mit 21 Prozent. Das zeigt, dass traditionelle inhalative Konsumformen weiterhin dominieren. Gleichzeitig bietet die Produktauswahl eine Möglichkeit, über Alternativen zum Rauchen zu informieren.

Vaporisieren und orale Einnahme können bestimmte Risiken der Verbrennung vermeiden. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Konsumformen risikofrei sind. Insbesondere THC haltige Produkte können akute Nebenwirkungen hervorrufen und unter anderem Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden beeinträchtigen. Auch Dosierungsfehler bleiben möglich.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Wie unterstützt die Beratung eine risikoärmere Nutzung?

Ein wichtiges Merkmal der SCRIPT-Studie ist die Verbindung von Verkauf und persönlicher Beratung. Das Apothekenpersonal verkauft nicht nur Produkte, sondern vermittelt auch Informationen über Inhaltsstoffe, Wirkstoffgehalte und einen möglichst verantwortungsvollen Umgang.

Nach den Zwischenergebnissen gaben 71 Prozent der Teilnehmenden an, Informationen zur Risikominimierung aus den Apotheken in ihrem persönlichen Umfeld weiterzugeben. Die Beratung erreicht damit möglicherweise mehr Menschen als nur die unmittelbar eingeschriebenen Studienteilnehmenden.

In der Praxis kann das beispielsweise bedeuten, dass Konsumierende erfahren, warum Cannabis nicht zusammen mit Tabak geraucht werden sollte, welche Besonderheiten bei oral aufgenommenen Produkten gelten oder weshalb nach dem Konsum kein Fahrzeug geführt werden darf. Auch Hinweise zu Konsumpausen und problematischen Konsummustern können leichter vermittelt werden, wenn ein vertrauensvoller Kontakt besteht.

Faktenbox: Risikominimierung bedeutet nicht Risikofreiheit

Eine regulierte Cannabisabgabe kann Risiken durch verunreinigte Produkte, unbekannte Wirkstoffgehalte und fehlende Informationen reduzieren. Die gesundheitlichen Risiken von Cannabis verschwinden dadurch jedoch nicht. Entscheidend bleiben unter anderem Alter, Konsumhäufigkeit, THC Gehalt, Konsumform, individuelle Veranlagung und mögliche Vorerkrankungen.

Warum wird der Verkauf in Apotheken positiv bewertet?

Viele Teilnehmende beschreiben den Erwerb in der Apotheke als unkompliziert und professionell. Positiv hervorgehoben werden die gleichbleibende Produktqualität, der geregelte Einkaufsrahmen und die transparente Kennzeichnung der Inhaltsstoffe. Zudem entfällt der Kontakt zum illegalen Markt.

Auch das befragte Apothekenpersonal bewertet seine Beteiligung überwiegend positiv. Der Kontakt mit der neuen Kundengruppe werde als angenehm wahrgenommen. Aus begleitenden Interviews geht allerdings hervor, dass sich Beschäftigte teilweise mehr praktische Schulungen zu Vaporizern und E Liquids wünschen. Auch der Dokumentationsaufwand stellt eine Herausforderung dar.

Problematisch daran ist, dass Apotheken nicht automatisch für jede Form der Cannabisabgabe die ideale Verkaufsstelle sein müssen. Sie bieten zwar fachliche Kompetenz und etablierte Kontrollstrukturen, sind aber zugleich Teil der medizinischen Versorgung. Bei einem Genussmittel für Erwachsene muss deshalb diskutiert werden, ob spezialisierte Fachgeschäfte, Apotheken oder unterschiedliche Modelle sinnvoller sind.

Welche Rolle spielen Preis und Cannabissteuer?

Die Preise der Studienprodukte orientieren sich am illegalen Markt, enthalten jedoch eine simulierte Steuer. Dadurch liegen sie etwas über dessen durchschnittlichem Preisniveau. Die Einnahmen aus diesem Aufschlag finanzieren unter anderem die Beratung in den Apotheken.

Die weitgehend konstanten Verkaufszahlen lassen darauf schließen, dass viele Teilnehmende diesen Mehrpreis akzeptieren. Menschen unter 25 Jahren reagierten auf höhere Preise allerdings kritischer als ältere Teilnehmende. Eine gezielte Besteuerung könnte den Konsum hochpotenter oder besonders günstiger Produkte begrenzen. Wird die Belastung zu hoch, besteht jedoch das Risiko, dass ein Teil der Nachfrage auf dem illegalen Markt verbleibt.

Eine funktionierende Regulierung benötigt deshalb ein ausgewogenes Verhältnis. Legale Produkte müssen preislich konkurrenzfähig bleiben, während Steuern genügend Mittel für Prävention, Beratung, Forschung und Jugendschutz bereitstellen sollten.

Was bedeutet die SCRIPT-Studie für das Cannabisproduktegesetz?

Die Ergebnisse erscheinen zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt. In der Schweiz wird über ein Bundesgesetz über Cannabisprodukte beraten. Das geplante Cannabisproduktegesetz soll einen gesundheitsorientierten Rahmen für Herstellung, Verkauf, Besteuerung und Kontrolle schaffen.

Die bisherigen Erfahrungen aus Bern, Biel und Luzern liefern Hinweise darauf, wie ein solches Modell praktisch funktionieren könnte. Dazu gehören nachvollziehbare Qualitätsstandards, geschultes Verkaufspersonal, klare Produktinformationen, ein Mindestalter und eine Preisgestaltung, die den illegalen Markt nicht unnötig stärkt.

Die Zwischenergebnisse sind jedoch kein abschließender Beweis für den Erfolg jeder denkbaren Legalisierung. Untersucht wird eine klar begrenzte Gruppe in einem wissenschaftlich kontrollierten Umfeld. Ein landesweites System müsste zusätzlich Werbung, Produktionsmengen, Onlinehandel, Verkehrssicherheit und den Schutz junger Menschen regeln.

Was bedeutet das aus deutscher Sicht?

Aus deutscher Sicht bedeutet das, dass die bisherige Teillegalisierung nicht das Ende der politischen Entwicklung sein sollte. Erwachsene können Cannabis zwar privat anbauen oder unter bestimmten Voraussetzungen über Anbauvereinigungen beziehen, ein flächendeckender regulierter Fachhandel existiert jedoch nicht. Viele Konsumierende sind deshalb weiterhin auf Eigenanbau, Clubs oder den illegalen Markt angewiesen.

Die Schweizer Ergebnisse zeigen, welchen zusätzlichen Nutzen kontrollierte Verkaufsstellen bieten könnten. Dazu zählen geprüfte Wirkstoffgehalte, nachvollziehbare Herkunft, sachkundige Beratung und ein direkter Zugang zu Informationen über Konsumrisiken. Cannabisclubs können einen Teil dieser Aufgaben übernehmen. Ein breiteres reguliertes Modell könnte jedoch auch Erwachsene erreichen, die keinem Verein beitreten oder selbst anbauen möchten.

Für eine vollständige Legalisierung von Cannabis weltweit sprechen aus meiner Sicht vor allem die Möglichkeit zur Qualitätskontrolle, die Schwächung illegaler Märkte und ein ehrlicherer Umgang mit bestehenden Konsumrealitäten. Eine Legalisierung sollte dabei nicht mit uneingeschränkter Vermarktung verwechselt werden. Sinnvoll wäre eine Regulierung, die Erwachsenen einen legalen Zugang ermöglicht und gleichzeitig Werbung, Jugendschutz, Produktsicherheit und Prävention konsequent regelt.

Welche Fragen bleiben noch offen?

  • Bleiben Konsumhäufigkeit und Konsummenge auch langfristig stabil?
  • Welche Konsumformen setzen sich über mehrere Jahre durch?
  • Wie wirken sich unterschiedliche Preise und Steuermodelle aus?
  • Welche Beratungsangebote werden tatsächlich genutzt?
  • Wie stark kann der illegale Markt dauerhaft zurückgedrängt werden?
  • Welche Abgabestellen verbinden gute Erreichbarkeit mit wirksamem Jugendschutz?

Die Verlängerung der SCRIPT-Studie ermöglicht es, diese Entwicklungen länger zu beobachten. Der Kauf von Studienprodukten soll bis Oktober 2028 möglich sein. Die wissenschaftliche Auswertung läuft nach Angaben der Studienseite bis Ende 2029 weiter.

Wie lautet das vorläufige Fazit?

Die SCRIPT-Studie liefert ein wichtiges Signal für die internationale Cannabisdebatte. Eine regulierte Cannabisabgabe über Apotheken führte in der untersuchten Gruppe bislang nicht zu einer höheren Konsumhäufigkeit. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf besser informierte Entscheidungen und einen Wechsel zu potenziell risikoärmeren Konsumformen.

Besonders überzeugend erscheint die Kombination aus kontrollierten Produkten, transparenter Kennzeichnung und persönlicher Beratung. Die Resultate sprechen damit für eine gesundheitspolitisch ausgerichtete Regulierung statt für eine Fortsetzung unkontrollierter illegaler Märkte. Da bislang nur Zwischenergebnisse vorliegen, bleibt eine nüchterne Bewertung dennoch notwendig.

Weitere Einzelheiten findest du in der Medienmitteilung der Universität Bern zur SCRIPT-Studie und auf der offiziellen Website der SCRIPT-Studie.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Cannabis kann gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen verursachen. Bei gesundheitlichen Beschwerden, psychischen Vorerkrankungen oder Fragen zu Wechselwirkungen solltest du ärztlichen Rat einholen.

Quellen / Infos: https://mediarelations.unibe.ch/medienmitteilungen/2026/medienmitteilungen_2026/cannabis_studie_regulierte_abgabe_beguenstigt_risikoaermeren_konsum/index_ger.html


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


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