Warum fehlt Spielraum für mehr Artenschutz?

Landwirte, private Waldbesitzer und Forstleute sind mehrheitlich bereit, die Biodiversität zu fördern. Viele setzen bereits entsprechende Maßnahmen um. Häufig scheitert ein stärkerer Artenschutz jedoch an hohen Kosten, starren Förderbedingungen, komplizierten Anträgen, umfangreicher Dokumentation und fehlenden betrieblichen Ressourcen. Das Kernproblem ist daher weniger die Motivation als der begrenzte praktische und wirtschaftliche Handlungsspielraum.

Inhaltsverzeichnis

Warum fehlt Landwirten und Forstleuten Spielraum für mehr Artenschutz?

Warum fehlt Spielraum für mehr Artenschutz?
Warum fehlt Spielraum für mehr Artenschutz?

Meldung: Eine wissenschaftliche Untersuchung mit mehr als 1.000 Befragten zeigt ein hohes Biodiversitätsbewusstsein in der deutschen Land und Forstwirtschaft.

Bedeutung: Die Ergebnisse widersprechen der pauschalen Annahme, dass mangelnder Wille das wichtigste Hindernis für mehr Artenschutz auf bewirtschafteten Flächen sei.

Einordnung: Besonders wichtig sind die Erkenntnisse für Politik, Behörden, Naturschutzorganisationen, landwirtschaftliche Betriebe, Waldbesitzer und alle Stellen, die Förderprogramme entwickeln oder umsetzen.

Was zeigt die Studie zum Artenschutz in Land und Forstwirtschaft?

Landwirtschaftliche Flächen und Wälder prägen einen sehr großen Teil Deutschlands. Rund 80 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt. Dadurch haben die Menschen, die diese Flächen bewirtschaften, einen erheblichen Einfluss auf Lebensräume, Böden, Gewässer, Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere.

Ein Forschungsteam unter Leitung des Instituts für sozial ökologische Forschung, kurz ISOE, hat deshalb untersucht, wie Landwirte, private Waldbesitzer und Forstleute über biologische Vielfalt denken. Im Mittelpunkt standen nicht nur Wissen und allgemeine Einstellungen. Die Forschenden wollten auch erfahren, wie hoch die persönliche Handlungsbereitschaft ist und welche Hindernisse konkrete Naturschutzmaßnahmen erschweren.

Für die Untersuchung wurden von Mai bis September 2022 insgesamt 1.005 Personen standardisiert befragt. Darunter waren 502 Landwirte sowie 503 private Waldbesitzer und Forstleute. Die Auswahl berücksichtigte unterschiedliche Betriebsgrößen, Eigentumsformen und Arten der Bewirtschaftung. Die ausführliche Auswertung wurde 2026 im Fachjournal International Journal of Agricultural Sustainability veröffentlicht.

Ergebnis Landwirtschaft Forstwirtschaft Bedeutung
Hohes Problembewusstsein 67 Prozent 83 Prozent Der Biodiversitätsverlust wird mehrheitlich als ernstes Problem erkannt.
Persönliches Verantwortungsgefühl 85 Prozent 81 Prozent Die meisten Befragten sehen sich selbst in einer aktiven Rolle.
Bereits Maßnahmen umgesetzt 92 Prozent 92 Prozent Artenschutz ist in vielen Betrieben bereits praktische Realität.
Gefühl der Überforderung 24 Prozent 45 Prozent Ein Teil der Befragten empfindet die Anforderungen als belastend.
Frust über zugeschriebene Ursachenverantwortung 87 Prozent Keine vergleichbare Angabe Pauschale Schuldzuweisungen können die Zusammenarbeit erschweren.

Die Zahlen machen deutlich, dass die Diskussion über Artenschutz differenzierter geführt werden muss. Die große Mehrheit der Befragten erkennt das Problem und fühlt sich persönlich mitverantwortlich. Ebenso bemerkenswert ist, dass jeweils 92 Prozent bereits mindestens eine Maßnahme zum Schutz der Biodiversität im eigenen Betrieb umgesetzt hatten.

Was bedeutet Biodiversitätsbewusstsein?

Biodiversität umfasst mehr als die Zahl seltener Tier und Pflanzenarten. Der Begriff bezeichnet die Vielfalt des Lebens auf mehreren Ebenen. Dazu gehören die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, die Vielfalt unterschiedlicher Arten und die Vielfalt von Lebensräumen und Ökosystemen.

Die Forschenden entwickelten für die Untersuchung ein eigenes Konzept des Biodiversitätsbewusstseins. Dieses orientiert sich an der Umweltbewusstseinsforschung und verbindet drei Komponenten miteinander.

Welche Rolle spielt die kognitive Komponente?

Die kognitive Komponente beschreibt die grundsätzliche Einschätzung des Problems. Dabei geht es beispielsweise um die Zustimmung zur Aussage, dass der menschengemachte Biodiversitätsverlust tatsächlich stattfindet und ernst genommen werden muss.

Es handelt sich nicht nur um eine Wissensabfrage. Eine Person kann viele Fakten über Arten und Lebensräume kennen und trotzdem die gesellschaftliche Bedeutung des Biodiversitätsverlustes gering einschätzen. Entscheidend ist daher auch, wie Informationen bewertet und in das eigene Weltbild eingeordnet werden.

Warum fehlt Spielraum für mehr Artenschutz?
Warum fehlt Spielraum für mehr Artenschutz?

Warum sind Gefühle und Werte wichtig?

Die affektive Komponente erfasst Gefühle, persönliche Werte und emotionale Reaktionen. Berührt es jemanden, wenn Lebensräume verschwinden? Wird der Rückgang von Insekten, Feldvögeln oder alten Waldarten als Verlust wahrgenommen? Oder besteht der Eindruck, die öffentliche Debatte übertreibe das Problem?

Emotionen können die Bereitschaft fördern, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig können dauernde Schuldzuweisungen, widersprüchliche Anforderungen oder unerreichbar wirkende Ziele Frust erzeugen. Gerade bei Landwirten ist dieser Punkt relevant. Laut den veröffentlichten Ergebnissen sind 87 Prozent darüber frustriert, dass ihnen die Verantwortung für die Ursachen des Biodiversitätsverlustes zugeschrieben wird.

Was beschreibt die konative Komponente?

Die konative Komponente bezeichnet die Bereitschaft zum Handeln. Sie erfasst, ob Menschen ihr Verhalten verändern, Naturschutzmaßnahmen unterstützen oder selbst im Betrieb umsetzen möchten.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Problembewusstsein führt nicht automatisch zu praktischem Verhalten. Zwischen der Einsicht und der Umsetzung liegen wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Bedingungen. Wer auf einer Fläche Einkommen erwirtschaften muss, kann Entscheidungen nicht ausschließlich nach ökologischen Kriterien treffen.

Faktenbox: Die drei Bestandteile des Biodiversitätsbewusstseins

  • Kognitiv: Wird der menschengemachte Verlust der biologischen Vielfalt als reales Problem anerkannt?
  • Affektiv: Welche Gefühle, Werte und persönlichen Beziehungen bestehen gegenüber Natur und Artenvielfalt?
  • Konativ: Wie groß ist die Bereitschaft, das eigene Handeln zu verändern und konkrete Maßnahmen umzusetzen?

Warum reicht Wissen über Artenvielfalt nicht aus?

Informationen sind eine wichtige Grundlage. Ein Landwirt muss beispielsweise wissen, wann eine Mahd besonders viele Insekten gefährdet. Ein Waldbesitzer benötigt Kenntnisse über standortgerechte Baumarten, Totholz, natürliche Verjüngung und den Schutz alter Habitatbäume. Dieses Wissen allein beseitigt aber keine finanziellen Risiken und schafft keine zusätzliche Arbeitszeit.

Ein Betrieb kann von einer Maßnahme überzeugt sein und sie trotzdem nicht umsetzen. Das geschieht beispielsweise, wenn dafür ertragreiche Flächen aufgegeben werden müssten, die Förderung den Einnahmeverlust nicht ausgleicht oder die Bedingungen über mehrere Jahre nicht zuverlässig planbar sind.

Auch die Kommunikation spielt eine Rolle. Reine Appelle können wirkungslos bleiben, wenn die angesprochenen Menschen längst vom Ziel überzeugt sind. Im ungünstigsten Fall verstärken sie das Gefühl, dass praktische Erfahrungen und wirtschaftliche Realitäten nicht ernst genommen werden.

Erfolgreiche Kommunikation über Biodiversität sollte deshalb vier Ebenen verbinden:

  • verständliche und glaubwürdige Informationen
  • eine respektvolle Ansprache ohne pauschale Schuldzuweisung
  • konkrete und praxistaugliche Handlungsmöglichkeiten
  • verlässliche wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen

Welche Hindernisse bremsen den Artenschutz in der Landwirtschaft?

Die Untersuchung zeigt mehrere Barrieren, die besonders häufig genannt wurden. Unter den Landwirten, die bereits Naturschutzmaßnahmen umsetzen, bezeichneten 84 Prozent hohe Kosten für Flächen und Pachten als Problem. Gerade in Regionen mit hohen Pachtpreisen muss jeder Hektar zur Finanzierung des Betriebes beitragen.

Weitere 83 Prozent kritisierten die mangelnde Flexibilität der Vorgaben. Eine Maßnahme kann auf dem Papier sinnvoll erscheinen, aber nicht zu jedem Standort, jedem Boden, jeder Kultur oder jedem Wetterverlauf passen. Starre Termine können beispielsweise verhindern, dass auf Trockenheit, Starkregen oder eine ungewöhnlich frühe Entwicklung von Pflanzen angemessen reagiert wird.

Für 82 Prozent war außerdem der Aufwand für Messung und Dokumentation ein Hindernis. Nachweise sind grundsätzlich notwendig, wenn öffentliche Gelder eingesetzt werden. Werden die Anforderungen jedoch zu kompliziert, nimmt die Verwaltung einen unverhältnismäßig großen Teil der verfügbaren Zeit ein.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ein landwirtschaftlicher Betrieb möchte einen Blühstreifen anlegen. Dafür muss eine geeignete Fläche ausgewählt, Saatgut gekauft und die Maßnahme in den Betriebsablauf integriert werden. Zugleich müssen Förderbedingungen geprüft, Fristen eingehalten und Nachweise dokumentiert werden.

Verändert sich die Witterung, kann eine starre Vorgabe problematisch werden. Eine Aussaat zum vorgeschriebenen Zeitpunkt bringt unter Umständen keinen ökologischen Nutzen, wenn der Boden zu trocken ist. Darf der Landwirt nicht flexibel reagieren, entsteht eine Fläche, die zwar formal den Vorgaben entspricht, aber ihr eigentliches Naturschutzziel verfehlt.

Ähnliche Konflikte können bei Brachen, Ackerrandstreifen, extensiver Grünlandnutzung, später Mahd und dem Verzicht auf bestimmte Pflanzenschutzmittel entstehen. Der ökologische Nutzen hängt stark vom Standort und von der fachgerechten Umsetzung ab.

Welche Maßnahmen können auf Agrarflächen helfen?

Je nach Region, Betrieb und Produktionsweise kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage:

  • Blühflächen und mehrjährige Blühstreifen
  • breite und strukturreiche Feldränder
  • Hecken, Gehölzinseln und Säume
  • kleine Gewässer und Feuchtbereiche
  • reduzierte Bodenbearbeitung an geeigneten Standorten
  • vielfältigere Fruchtfolgen
  • spätere oder gestaffelte Mahd
  • Schutz von Brutflächen und Rückzugsräumen
  • weniger intensive Bewirtschaftung ausgewählter Teilflächen
  • gezielter und reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Nicht jede Maßnahme passt zu jedem Betrieb. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist deshalb, Landwirte bei der Auswahl einzubeziehen und ihre Kenntnisse über Böden, Wetter, Wasserhaushalt und örtliche Artenvorkommen zu nutzen.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Welche Hürden bestehen beim Artenschutz im Wald?

Auch private Waldbesitzer und Forstleute berichten über erhebliche praktische Probleme. Mit 84 Prozent stand bei ihnen der Aufwand für die Beantragung von Fördermitteln an erster Stelle. Förderangebote können nur wirken, wenn die vorgesehenen Zielgruppen sie verstehen, beantragen und rechtssicher umsetzen können.

Weitere 77 Prozent nannten mangelnde Flexibilität als Hürde. Wälder entwickeln sich über Jahrzehnte. Gleichzeitig verändern Stürme, Trockenheit, Hitze, Schädlinge und Waldbrände die Ausgangslage innerhalb kurzer Zeit. Maßnahmen müssen deshalb sowohl langfristig verlässlich als auch anpassungsfähig sein.

Für 76 Prozent war der erforderliche Zeitaufwand problematisch. Zudem gaben 72 Prozent an, häufig nicht über ausreichende Ressourcen für wirksame Maßnahmen gegen den Biodiversitätsverlust zu verfügen.

Warum ist Naturschutz im Wald besonders langfristig?

In der Landwirtschaft können manche Entscheidungen jährlich angepasst werden. Im Wald wirken viele Eingriffe dagegen über Generationen. Welche Baumarten heute gepflanzt oder durch Naturverjüngung gefördert werden, beeinflusst die Waldstruktur noch in vielen Jahrzehnten.

Auch der Schutz alter Bäume erfordert langfristige Planung. Ein Habitatbaum kann Höhlen, Rindenspalten und abgestorbene Bereiche bieten, die von Vögeln, Fledermäusen, Pilzen, Käfern und anderen Organismen genutzt werden. Wird ein solcher Baum nicht wirtschaftlich verwertet, entsteht für den Eigentümer ein finanzieller Verzicht. Soll diese Leistung gesellschaftlich gewünscht sein, braucht es einen angemessenen und verlässlichen Ausgleich.

Welche Maßnahmen fördern Biodiversität im Wald?

Zu den möglichen Maßnahmen gehören:

  • Erhalt alter und ökologisch wertvoller Bäume
  • Belassen von stehendem und liegendem Totholz
  • Förderung standortgerechter Mischwälder
  • Schutz von Waldmooren, Quellen und Bachläufen
  • Erhalt lichter Waldstrukturen an geeigneten Standorten
  • Ausweisung kleiner Flächen mit natürlicher Entwicklung
  • schonende Holzernte mit Rücksicht auf Böden und Brutzeiten
  • Vernetzung verschiedener Lebensräume
  • Begrenzung von Schäden durch zu hohe Wildbestände

Auch hier gilt, dass Zielkonflikte berücksichtigt werden müssen. Totholz ist ökologisch wertvoll, kann aber je nach Baumart und Situation auch mit Waldschutzfragen verbunden sein. Natürliche Verjüngung kann durch starken Wildverbiss verhindert werden. Eine pauschale Vorgabe wird diesen unterschiedlichen Bedingungen selten gerecht.

Faktenbox: Die wichtigsten Umsetzungsbarrieren

Landwirtschaft:

  • 84 Prozent nennen hohe Flächenkosten und Pachten.
  • 83 Prozent kritisieren mangelnde Flexibilität.
  • 82 Prozent sehen Messung und Dokumentation als Belastung.

Forstwirtschaft:

  • 84 Prozent nennen den Aufwand für Förderanträge.
  • 77 Prozent kritisieren mangelnde Flexibilität.
  • 76 Prozent nennen den hohen Zeitaufwand.
  • 72 Prozent berichten über unzureichende Ressourcen.

Sind Landwirte und Forstleute tatsächlich Agenten des Wandels?

Die Studienautoren bezeichnen Landwirte und Forstleute als mögliche Agenten des Wandels. Gemeint sind Menschen oder Gruppen, die gesellschaftliche Veränderungen aktiv voranbringen können. Diese Rolle ergibt sich aus dem direkten Einfluss auf einen großen Teil der deutschen Landschaft.

Der Begriff bedeutet jedoch nicht, dass die Verantwortung allein auf die Bewirtschafter übertragen werden darf. Landwirtschaft und Forstwirtschaft arbeiten innerhalb politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Systeme. Preise für Lebensmittel und Holz, Pachtkosten, Förderregeln, Naturschutzrecht, Verbraucherentscheidungen und internationale Märkte beeinflussen den verfügbaren Handlungsspielraum.

Wer von landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Umweltleistungen erwartet, muss daher klären, wie diese Leistungen finanziert werden. Artenreiche Wiesen, Hecken, Totholz, Gewässerrandstreifen und ungenutzte Rückzugsflächen erbringen einen gesellschaftlichen Nutzen. Sie können gleichzeitig die unmittelbar vermarktbare Produktion eines Betriebes verringern.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass die Befragten keine einheitliche Gruppe bilden. Die Forschenden unterscheiden in der Landwirtschaft fünf und in der Forstwirtschaft vier Gruppen. Grundlage sind das Biodiversitätsbewusstsein, die Bewertung von Ökosystemleistungen, wahrgenommene Risiken und die Einschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten.

Welche Gruppen unterscheidet die Studie?

Die Gruppe der wenig Überzeugten macht 15 Prozent der Landwirtschaft und 10 Prozent der Forstwirtschaft aus. Bei ihr ist ein vergleichsweise geringes Biodiversitätsbewusstsein die zentrale Barriere. Hier können gute Informationen, sichtbare Praxisbeispiele und Beratung besonders wichtig sein.

Die Zurückhaltenden stellen 16 Prozent der Landwirtschaft und 44 Prozent der Forstwirtschaft. Sie erkennen den Nutzen biologischer Vielfalt, sehen aber zugleich mögliche Risiken und einen Mangel an Handlungsmöglichkeiten.

Die Vorsichtigen wurden nur in der Landwirtschaft identifiziert und bilden dort 10 Prozent. Sie sorgen sich besonders um mögliche Risiken, empfinden ihre Handlungsmöglichkeiten aber weniger stark als eingeschränkt.

Zu den Handlungsbereiten gehören 31 Prozent der Landwirtschaft und 28 Prozent der Forstwirtschaft. Bei ihnen ist nicht die Überzeugung das Problem. Sie sehen vielmehr zu wenige praktische Möglichkeiten, um ihre Bereitschaft in wirksame Maßnahmen zu übersetzen.

Die Überzeugten machen 26 Prozent der Landwirtschaft und 17 Prozent der Forstwirtschaft aus. Sie verfügen über ein hohes Biodiversitätsbewusstsein und bewerten weder mögliche Risiken noch fehlende Handlungsmöglichkeiten als entscheidende Barriere.

Gruppe Landwirtschaft Forstwirtschaft Passender Ansatz
Wenig Überzeugte 15 Prozent 10 Prozent Information, Beratung und nachvollziehbare Praxisbeispiele
Zurückhaltende 16 Prozent 44 Prozent Risiken verringern und Handlungsspielräume erweitern
Vorsichtige 10 Prozent Nicht ausgewiesen Risiken sachlich einordnen und fachlich begleiten
Handlungsbereite 31 Prozent 28 Prozent Bürokratie abbauen und konkrete Optionen anbieten
Überzeugte 26 Prozent 17 Prozent Engagement absichern und erfolgreiche Modelle verbreiten

Die Prozentwerte ergeben aufgrund von Rundungen und der wissenschaftlichen Gruppierung nicht zwingend exakt 100 Prozent. Entscheidend ist die grundsätzliche Erkenntnis: Unterschiedliche Ausgangslagen erfordern unterschiedliche Formen der Ansprache und Unterstützung.

Welche Rolle spielen Ökosystemleistungen?

Ökosystemleistungen sind Leistungen, die funktionierende Natur für Menschen bereitstellt. Dazu zählen Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, sauberes Wasser, Klimaregulierung, natürliche Schädlingskontrolle, Erholung und die Bereitstellung nachwachsender Rohstoffe.

Die Studie stellt einen Zusammenhang zwischen der Wertschätzung solcher Leistungen und einem höheren Biodiversitätsbewusstsein fest. Wer den praktischen Nutzen vielfältiger Ökosysteme erkennt, bewertet ihren Schutz tendenziell positiver.

Für landwirtschaftliche Betriebe kann Biodiversität konkrete Vorteile haben. Blühende Strukturen unterstützen Bestäuber und andere nützliche Insekten. Hecken bremsen Wind, bieten Lebensräume und können den Boden vor Erosion schützen. Ein vielfältiges Bodenleben trägt zur Bodenstruktur und zum Nährstoffkreislauf bei.

Im Wald können verschiedene Baumarten und Strukturen Risiken verteilen. Ein vielfältiger Wald ist nicht automatisch gegen Trockenheit, Sturm oder Schädlinge geschützt. Struktur und Artenvielfalt können jedoch dazu beitragen, dass nicht alle Bestandteile eines Ökosystems gleichzeitig auf dieselbe Weise geschädigt werden.

Kann mehr Biodiversität auch betriebliche Risiken verursachen?

Die Untersuchung berücksichtigt ausdrücklich, dass Biodiversität nicht ausschließlich als Vorteil wahrgenommen wird. Manche Befragte verbinden sie auch mit Schädlingsdruck, Wildschäden, Krankheiten oder zusätzlichen Einschränkungen.

Diese Sorgen sollten nicht pauschal abgetan werden. Ein Lebensraum kann sowohl nützliche als auch unerwünschte Organismen fördern. Eine Hecke bietet beispielsweise Vögeln und Insekten Schutz, kann aber abhängig von Kultur und Standort auch als Rückzugsraum für bestimmte Schaderreger wahrgenommen werden.

Entscheidend ist eine fachliche Bewertung. Gute Beratung muss Nutzen, Risiken und örtliche Bedingungen gemeinsam betrachten. Erfolgreicher Artenschutz entsteht nicht durch die Behauptung, jede Maßnahme sei überall gleich sinnvoll.

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind wichtig?

Naturschutz in Land und Forstwirtschaft wird durch verschiedene Rechtsbereiche beeinflusst. Dazu gehören unter anderem das Naturschutzrecht, das Pflanzenschutzrecht, das Wasserrecht, das Forstrecht und die Regeln der europäischen sowie nationalen Agrarförderung.

Konkrete Verpflichtungen können sich je nach Bundesland, Schutzgebiet, Flächentyp, Förderprogramm und betrieblicher Situation unterscheiden. Auch freiwillig begonnene Maßnahmen können rechtliche Fragen auslösen. Beispielsweise kann sich die Bewertung einer Fläche verändern, wenn sich dort über längere Zeit wertvolle Lebensräume entwickeln.

Für Betriebe ist deshalb Rechtssicherheit entscheidend. Wer freiwillig Naturstrukturen schafft, sollte nicht befürchten müssen, dadurch später dauerhaft unvorhersehbare Bewirtschaftungsbeschränkungen auszulösen. Gleichzeitig müssen gesetzlich geschützte Arten und Lebensräume selbstverständlich berücksichtigt werden.

Rechtliche Einordnung: Die Studie beschreibt Einstellungen, Handlungsmöglichkeiten und Hemmnisse. Sie ersetzt keine rechtliche Prüfung eines einzelnen Betriebs. Welche Maßnahmen zulässig, verpflichtend oder förderfähig sind, hängt vom Standort, vom Bundesland, von Schutzgebieten und vom jeweiligen Förderprogramm ab.

Wie könnten Förderprogramme wirksamer werden?

Aus den Studienergebnissen lassen sich mehrere praktische Verbesserungen ableiten. Förderprogramme sollten nicht nur finanzielle Anreize bieten. Sie müssen auch einfach zugänglich, verständlich, flexibel und langfristig planbar sein.

  1. Anträge vereinfachen: Formulare, Nachweise und Zuständigkeiten sollten übersichtlich gestaltet werden.
  2. Beratung ausbauen: Betriebe brauchen erreichbare Ansprechpartner mit regionaler und fachlicher Kompetenz.
  3. Flexibilität ermöglichen: Wetter, Standort und betriebliche Bedingungen sollten bei Fristen und Maßnahmen berücksichtigt werden.
  4. Kosten vollständig betrachten: Neben direkten Ausgaben müssen Ertragsausfälle, Arbeitszeit und langfristige Bindungen berücksichtigt werden.
  5. Planungssicherheit schaffen: Förderbedingungen sollten nicht kurzfristig und unvorhersehbar geändert werden.
  6. Ergebnisse statt Formalitäten bewerten: Der tatsächliche ökologische Nutzen sollte stärker zählen als die rein schematische Erfüllung einzelner Vorgaben.
  7. Praktiker beteiligen: Landwirte und Forstleute sollten frühzeitig an der Entwicklung neuer Programme beteiligt werden.

Eine ergebnisorientierte Förderung kann allerdings anspruchsvoll sein. Ökologische Wirkungen sind nicht immer kurzfristig messbar und hängen teilweise von Wetter oder benachbarten Flächen ab. Deshalb braucht es realistische Indikatoren und eine faire Verteilung von Risiken.

Was sind die Stärken und Grenzen der Untersuchung?

Eine Stärke der Studie ist die große Zahl von mehr als 1.000 Befragten aus zwei zentralen Bereichen der Flächennutzung. Die Stichproben wurden nach unterschiedlichen Merkmalen geschichtet, damit verschiedene Betriebsformen abgebildet werden konnten.

Ebenso wichtig ist der mehrdimensionale Ansatz. Die Forschenden fragten nicht nur nach allgemeiner Zustimmung zum Naturschutz. Sie verbanden Einstellungen, Gefühle, Werte, Handlungsbereitschaft, wahrgenommene Vorteile, Risiken und praktische Barrieren.

Wie jede Befragung hat auch diese Untersuchung Grenzen. Antworten zeigen zunächst, was Menschen über ihre Einstellungen und ihr Verhalten angeben. Sie messen nicht automatisch den tatsächlichen ökologischen Zustand jeder bewirtschafteten Fläche. Auch die Angabe, bereits Naturschutzmaßnahmen umgesetzt zu haben, sagt allein noch nichts über Umfang, Dauer und messbare Wirkung der Maßnahmen aus.

Die Befragung fand 2022 statt. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Förderprogramme, Betriebskosten und politische Diskussionen können sich seitdem verändert haben. Die Veröffentlichung im internationalen Fachjournal im Jahr 2026 macht das entwickelte Konzept und die Ergebnisse nun einer breiteren wissenschaftlichen Debatte zugänglich.

Warum ist eine neue Zusammenarbeit beim Artenschutz nötig?

Die Untersuchung spricht für einen Perspektivwechsel. Wenn eine große Mehrheit bereits motiviert ist, bringen zusätzliche moralische Appelle nur begrenzten Nutzen. Wichtiger ist es, die Lücke zwischen Handlungsbereitschaft und tatsächlichen Möglichkeiten zu schließen.

Dafür müssen Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Naturschutz und Bewirtschafter enger zusammenarbeiten. Landwirte und Forstleute verfügen über wertvolles Wissen zu ihren Flächen. Sie erleben unmittelbar, wie sich Niederschläge, Trockenperioden, Bodenzustand, Schädlingsdruck und Artenvorkommen verändern.

Dieses Erfahrungswissen ersetzt keine wissenschaftliche Forschung. Umgekehrt kann wissenschaftliches Wissen die tägliche Beobachtung vor Ort nicht vollständig ersetzen. Beide Perspektiven ergänzen sich. Besonders tragfähig sind Maßnahmen, die ökologisch wirksam, betrieblich umsetzbar und wirtschaftlich abgesichert sind.

Wo findest du die Originalstudie und weitere Informationen?

Die wissenschaftliche Originalpublikation von Marion Mehring und weiteren Autoren trägt den Titel Farmers and foresters as agents of change for nature conservation in Germany: the role of biodiversity awareness. Sie erschien 2026 im International Journal of Agricultural Sustainability. Du findest sie unter https://doi.org/10.1080/14735903.2026.2709953.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt „Zielvorstellung Biodiversität“ stellen das Institut für sozial ökologische Forschung und die Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt bereit.

Welche Fragen bleiben nach der Studie offen?

Fehlt Landwirten und Forstleuten grundsätzlich die Motivation?

Nein. Die Befragung zeigt bei großen Teilen beider Gruppen ein hohes Problembewusstsein, ein starkes Verantwortungsgefühl und eine ausgeprägte Handlungsbereitschaft. Jeweils 92 Prozent gaben an, bereits Maßnahmen für die Biodiversität umgesetzt zu haben.

Warum werden trotzdem nicht mehr Maßnahmen umgesetzt?

Zu den wichtigsten Ursachen gehören Kosten, Pachtpreise, bürokratische Verfahren, fehlende Flexibilität, hoher Zeitaufwand und begrenzte Ressourcen. Motivation allein kann diese strukturellen Barrieren nicht ausgleichen.

Sind freiwillige Maßnahmen ausreichend?

Freiwillige Programme können viel bewirken, wenn sie attraktiv, verlässlich und fachlich sinnvoll gestaltet sind. Für den Schutz besonders gefährdeter Arten und Lebensräume bleiben jedoch auch gesetzliche Mindeststandards notwendig. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis aus Verpflichtungen, Beratung und fairer Förderung.

Ist jede Maßnahme für die Biodiversität automatisch sinnvoll?

Nein. Die Wirkung hängt von Standort, Ausgestaltung, Pflege, zeitlichem Verlauf und Vernetzung mit anderen Lebensräumen ab. Eine formal korrekt angelegte Maßnahme kann ökologisch wenig erreichen, wenn sie nicht zu den örtlichen Bedingungen passt.

Warum müssen Landwirte und Forstleute stärker beteiligt werden?

Sie kennen die örtlichen Bedingungen und tragen die praktische sowie wirtschaftliche Verantwortung für die Umsetzung. Ihre frühzeitige Beteiligung kann helfen, unwirksame Vorgaben zu vermeiden und die Akzeptanz sinnvoller Maßnahmen zu erhöhen.

Was ist das Fazit zum Artenschutz in Land und Forstwirtschaft?

Die Studie zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild als viele öffentliche Debatten. Landwirte, private Waldbesitzer und Forstleute sind nicht grundsätzlich Gegner des Artenschutzes. Große Teile dieser Gruppen erkennen den Biodiversitätsverlust als Problem an, fühlen sich persönlich verantwortlich und haben bereits Maßnahmen umgesetzt.

Die zentrale Herausforderung liegt zwischen Motivation und praktischer Umsetzung. Hohe Kosten, starre Vorgaben, komplizierte Förderanträge, umfangreiche Dokumentationspflichten und fehlende Ressourcen begrenzen den Handlungsspielraum. Pauschale Appelle oder Schuldzuweisungen lösen diese Probleme nicht.

Mehr Biodiversität auf Feldern, Wiesen und in Wäldern wird vor allem dann möglich, wenn Maßnahmen fachlich sinnvoll, flexibel, wirtschaftlich tragfähig und rechtlich verlässlich gestaltet werden. Werden Landwirte und Forstleute frühzeitig beteiligt und für gesellschaftlich gewünschte Leistungen angemessen unterstützt, können sie tatsächlich zu wichtigen Agenten des Wandels werden.

Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news876410 und ttps://doi.org/10.1080/14735903.2026.2709953


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen, News bzw. Pressemeldung

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