Die Ernährungssicherheit in Afrika steht unter Druck. Dürren, unregelmäßige Regenzeiten, Überschwemmungen und steigende Temperaturen erschweren vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Arbeit. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern schnell. Immer mehr Menschen müssen mit Lebensmitteln versorgt werden, während die Ernten in manchen Regionen unsicherer werden.
Klimaintelligente Landwirtschaft in Afrika: Mehr Ernährungssicherheit durch neue Anbaumethoden
Genau hier setzt die klimaintelligente Landwirtschaft an. Sie soll landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen und gleichzeitig dafür sorgen, dass ausreichend Lebensmittel produziert werden. Eine aktuelle Untersuchung des Leibniz Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, kurz IAMO, zeigt, dass klimaintelligente Anbaumethoden die Ernährungsunsicherheit in mehreren afrikanischen Ländern deutlich senken können.
Die Studie untersuchte 287 landwirtschaftliche Haushalte im Senegal, in Ägypten und in Marokko. Dabei wurde geprüft, welche Maßnahmen besonders wirksam sind und welche Faktoren darüber entscheiden, ob Landwirte solche Methoden überhaupt anwenden.
Das IAMO hat untersucht, wie klimaintelligente Landwirtschaft die Ernährungssicherheit in Afrika beeinflusst. Dafür wurden landwirtschaftliche Betriebe in Senegal, Ägypten und Marokko analysiert.
Viele Regionen Afrikas sind stark vom Klimawandel betroffen. Wenn Ernten ausfallen, steigen Hunger, Armut und wirtschaftliche Probleme. Klimaintelligente Landwirtschaft kann helfen, diese Risiken zu verringern.
Warum die Ernährungssicherheit in Afrika gefährdet ist
In vielen afrikanischen Staaten ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor. Millionen Menschen leben direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. Gleichzeitig hängt ein großer Teil der Produktion vom Regen ab. Fällt der Regen aus oder kommt er zur falschen Zeit, sinken die Erträge deutlich.
Der Klimawandel verschärft diese Probleme zusätzlich. In zahlreichen Regionen treten heute häufiger folgende Entwicklungen auf:
- Längere Dürreperioden
- Unvorhersehbare Regenzeiten
- Häufigere Starkregen und Überschwemmungen
- Höhere Durchschnittstemperaturen
- Bodenerosion und Verlust fruchtbarer Flächen
- Mehr Schädlinge und Pflanzenkrankheiten
Diese Veränderungen führen dazu, dass Ernten schlechter ausfallen oder teilweise ganz verloren gehen. Für viele Familien bedeutet das nicht nur weniger Einkommen, sondern oft auch weniger Nahrung.
Warum besonders kleine Betriebe betroffen sind
Vor allem kleine landwirtschaftliche Betriebe leiden unter den Folgen des Klimawandels. Viele Familien verfügen nur über wenige Hektar Land und besitzen kaum finanzielle Reserven. Fällt eine Ernte aus, gibt es häufig keine Rücklagen, um Saatgut, Dünger oder Lebensmittel nachzukaufen.
Außerdem fehlen in vielen Regionen:
- Moderne Bewässerungssysteme
- Zugang zu Krediten
- Versicherungen gegen Ernteausfälle
- Beratung durch Agrarfachleute
- Geeignete Infrastruktur
Dadurch wird es für kleine Betriebe besonders schwierig, auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren.
Was bedeutet klimaintelligente Landwirtschaft?
Klimaintelligente Landwirtschaft wird international häufig als Climate Smart Agriculture bezeichnet. Gemeint sind landwirtschaftliche Methoden, die drei Ziele gleichzeitig verfolgen:
- Die Erträge sollen verbessert oder stabilisiert werden.
- Die Landwirtschaft soll widerstandsfähiger gegen den Klimawandel werden.
- Die Umweltbelastung soll möglichst gering bleiben.
Es geht also nicht nur darum, mehr Lebensmittel zu produzieren. Vielmehr sollen Anbaumethoden genutzt werden, die langfristig funktionieren und auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen tragfähig bleiben.
Klimaintelligente Landwirtschaft umfasst Methoden, die Erträge sichern, Ressourcen schonen und Landwirten helfen, sich besser an den Klimawandel anzupassen.
Welche klimaintelligenten Anbaumethoden untersucht wurden
Die IAMO Studie analysierte acht unterschiedliche Maßnahmen. Sie unterscheiden sich zwar je nach Land und Region, verfolgen aber alle das gleiche Ziel: Ernten sichern und Risiken reduzieren.
1. Verbesserte Bewässerung
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist eine moderne und effiziente Bewässerung. In vielen Regionen geht viel Wasser verloren, weil Felder nur unzureichend bewässert werden. Tröpfchenbewässerung oder gezielte Wasserspeicherung können den Wasserverbrauch deutlich senken.
Vor allem in Ägypten und Marokko spielt dies eine große Rolle, da Wasser dort knapp ist.
2. Nutzung robuster Pflanzensorten
Bestimmte Sorten von Mais, Hirse oder Weizen kommen besser mit Trockenheit oder Hitze zurecht. Wenn Landwirte solche Sorten einsetzen, sinkt das Risiko eines kompletten Ernteausfalls.
3. Fruchtwechsel
Beim Fruchtwechsel werden auf einem Feld nicht jedes Jahr die gleichen Pflanzen angebaut. Dadurch bleibt der Boden fruchtbarer und Schädlinge breiten sich weniger stark aus.
4. Mulchen und Bodenschutz
Beim Mulchen wird der Boden mit Pflanzenresten oder Stroh bedeckt. Dadurch bleibt mehr Feuchtigkeit im Boden erhalten. Gleichzeitig wird der Boden vor Erosion geschützt.
5. Agroforstwirtschaft
Hier werden Bäume und landwirtschaftliche Kulturen miteinander kombiniert. Bäume spenden Schatten, schützen den Boden und verbessern langfristig die Fruchtbarkeit.
6. Organische Düngung
Statt ausschließlich chemischen Dünger einzusetzen, nutzen viele Betriebe Kompost oder Mist. Dadurch verbessert sich die Bodenqualität dauerhaft.
7. Regenwasserspeicherung
In einigen Regionen wird Regenwasser in Becken oder Tanks gesammelt, um es später für die Bewässerung zu verwenden. Das hilft besonders in Trockenzeiten.
8. Kombination mehrerer Methoden
Die besten Ergebnisse entstehen häufig dann, wenn mehrere klimaintelligente Maßnahmen gleichzeitig genutzt werden. Ein Betrieb, der robuste Pflanzensorten, effiziente Bewässerung und Bodenschutz kombiniert, ist deutlich besser gegen Klimarisiken abgesichert.
Welche Ergebnisse die Studie zeigt
Die Untersuchung des IAMO kommt zu einem klaren Ergebnis: Betriebe, die klimaintelligente Landwirtschaft einsetzen, leiden seltener unter Ernährungsunsicherheit. Die Familien haben häufiger ausreichend Nahrung zur Verfügung und können Ernteausfälle besser ausgleichen.
Besonders positiv wirkte sich aus, wenn mehrere Methoden gleichzeitig genutzt wurden. Die Studie zeigt außerdem, dass der Nutzen mit der Zeit steigt. Viele Maßnahmen wirken nicht sofort, sondern verbessern die Situation schrittweise über mehrere Jahre.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick
- Klimaintelligente Landwirtschaft senkt das Risiko von Hunger.
- Mehrere kombinierte Maßnahmen wirken stärker als einzelne Methoden.
- Kleine Betriebe profitieren besonders.
- Die Erträge werden stabiler.
- Die Betriebe sind besser gegen Dürren und Wetterextreme geschützt.
Besonders relevant sind die Ergebnisse für kleine landwirtschaftliche Betriebe, politische Entscheidungsträger, Hilfsorganisationen und internationale Entwicklungsprogramme.
Warum viele Landwirte klimaintelligente Landwirtschaft trotzdem nicht nutzen
Obwohl die Vorteile deutlich sind, werden klimaintelligente Methoden in vielen Regionen noch immer zu wenig eingesetzt. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Hohe Anfangskosten
Bewässerungssysteme, Saatgut oder Speichertanks kosten Geld. Viele kleine Betriebe können sich diese Investitionen nicht leisten.
Fehlendes Wissen
Viele Landwirte wissen nicht genau, welche Methoden für ihre Region geeignet sind. Häufig fehlen Beratungsangebote oder Schulungen.
Unsicherheit und Risiko
Wenn eine Familie ohnehin nur wenig Einkommen hat, ist das Risiko groß, neue Methoden auszuprobieren. Viele Betriebe bleiben deshalb lieber bei den bekannten Verfahren.
Auch kulturelle und regionale Unterschiede spielen eine Rolle. Nicht jede Maßnahme eignet sich überall gleichermaßen. Eine Methode, die in Marokko gut funktioniert, kann im Senegal weniger erfolgreich sein.
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Welche politischen Maßnahmen jetzt nötig sind
Die Studie macht deutlich, dass klimaintelligente Landwirtschaft allein nicht ausreicht. Damit mehr Betriebe solche Methoden anwenden, sind politische Unterstützung und gezielte Förderprogramme notwendig.
Finanzielle Unterstützung
Viele Landwirte benötigen Kredite, Zuschüsse oder Förderprogramme, um in neue Technik investieren zu können. Besonders wichtig sind:
- Günstige Mikrokredite
- Förderung moderner Bewässerungssysteme
- Subventionen für klimaresistentes Saatgut
- Versicherungen gegen Ernteausfälle
Ausbildung und Beratung
Landwirte brauchen Zugang zu Informationen. Staatliche Stellen, Universitäten und Hilfsorganisationen könnten Schulungen anbieten und praktische Beispiele zeigen.
Ausbau der Infrastruktur
In vielen Regionen fehlen Straßen, Speicheranlagen oder funktionierende Wassersysteme. Ohne Infrastruktur lassen sich viele klimaintelligente Maßnahmen kaum umsetzen.
Praxisbeispiele aus Senegal, Ägypten und Marokko
Senegal: Mehr Sicherheit durch wassersparende Methoden
Im Senegal leiden viele Regionen unter langen Trockenzeiten. Dort zeigen sich besonders gute Ergebnisse bei der Regenwasserspeicherung und beim Mulchen. Felder trocknen weniger schnell aus und die Erträge bleiben stabiler.
Ägypten: Effiziente Bewässerung spart Wasser
In Ägypten ist Wasser eine knappe Ressource. Moderne Tröpfchenbewässerung kann den Wasserverbrauch deutlich senken. Gleichzeitig lassen sich die Erträge verbessern, weil die Pflanzen gleichmäßiger mit Wasser versorgt werden.
Marokko: Kombination mehrerer Methoden besonders erfolgreich
In Marokko zeigte sich, dass vor allem die Kombination verschiedener Maßnahmen funktioniert. Betriebe, die auf robuste Pflanzensorten, Fruchtwechsel und effiziente Bewässerung setzen, sind deutlich widerstandsfähiger gegen Klimarisiken.
Ein kleiner Familienbetrieb in Marokko kann seine Ernte deutlich stabilisieren, wenn er trockenheitsresistente Sorten mit Tröpfchenbewässerung kombiniert. Selbst in Jahren mit wenig Regen bleibt genug Ertrag für die eigene Versorgung und den Verkauf übrig.
Welche Vorteile klimaintelligente Landwirtschaft bietet
- Höhere und stabilere Erträge
- Bessere Ernährungssicherheit
- Weniger Risiko durch Dürren und Starkregen
- Schonender Umgang mit Wasser und Boden
- Mehr Einkommen für landwirtschaftliche Betriebe
- Langfristig geringere Umweltbelastung
Welche Nachteile und Grenzen es gibt
Trotz vieler Vorteile gibt es auch Grenzen. Klimaintelligente Landwirtschaft ist keine schnelle Lösung für alle Probleme.
Hohe Investitionen
Viele Methoden sind teuer und setzen Technik oder neue Infrastruktur voraus.
Erfolge zeigen sich oft erst später
Manche Maßnahmen wirken erst nach mehreren Jahren. Gerade kleine Betriebe brauchen aber oft schnelle Ergebnisse.
Nicht jede Methode passt überall
Die klimatischen Bedingungen unterscheiden sich stark. Deshalb muss immer geprüft werden, welche Maßnahmen vor Ort sinnvoll sind.
Grenzen durch den Klimawandel
Wenn Dürren und Extremwetter weiter zunehmen, stoßen selbst moderne Methoden irgendwann an ihre Grenzen. Klimaintelligente Landwirtschaft kann die Folgen des Klimawandels abschwächen, aber nicht vollständig verhindern.
Rechtliche Einordnung und internationale Ziele
Klimaintelligente Landwirtschaft ist kein eigenes Gesetz. Vielmehr handelt es sich um einen politischen und wissenschaftlichen Ansatz, der von internationalen Organisationen wie der Welternährungsorganisation FAO, der Weltbank und den Vereinten Nationen unterstützt wird.
Besonders wichtig ist der Zusammenhang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Die klimaintelligente Landwirtschaft soll dazu beitragen, mehrere Ziele zu erreichen:
- Kein Hunger
- Nachhaltige Landwirtschaft
- Klimaschutz
- Schutz natürlicher Ressourcen
Viele afrikanische Staaten haben inzwischen Programme entwickelt, um klimaintelligente Landwirtschaft zu fördern. In einigen Ländern gibt es bereits staatliche Zuschüsse oder Pilotprojekte.
Warum das Thema auch für Europa wichtig ist
Die Ernährungssicherheit in Afrika betrifft nicht nur die afrikanischen Staaten selbst. Wenn Ernten ausfallen und Lebensmittel knapp werden, entstehen oft wirtschaftliche und soziale Probleme. Diese können sich auch auf Europa auswirken.
Mögliche Folgen sind:
- Steigende Lebensmittelpreise
- Mehr politische Instabilität
- Wachsende Migrationsbewegungen
- Höhere Belastung internationaler Hilfsprogramme
Deshalb investieren auch europäische Staaten und internationale Organisationen zunehmend in Projekte zur klimaintelligenten Landwirtschaft.
Zusammenfassung: Klimaintelligente Landwirtschaft kann Hunger verringern
Die aktuelle IAMO Studie zeigt deutlich, dass klimaintelligente Landwirtschaft ein wirksamer Weg sein kann, um die Ernährungssicherheit in Afrika zu verbessern. Besonders kleine landwirtschaftliche Betriebe profitieren von Methoden wie wassersparender Bewässerung, robusten Pflanzensorten, Fruchtwechsel und Bodenschutz.
Die Ergebnisse machen aber auch deutlich, dass Landwirte Unterstützung brauchen. Ohne Förderprogramme, Schulungen und bessere Infrastruktur werden viele Betriebe die nötigen Maßnahmen nicht umsetzen können.
Klimaintelligente Landwirtschaft ist daher keine einfache Patentlösung. Sie ist aber ein wichtiger Baustein, um Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen und langfristig mehr Menschen zuverlässig mit Lebensmitteln zu versorgen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news868472 und https://www.iamo.de/fileadmin/documents/IAMOPolicyBrief49_en.pdf
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Autor und Bild: Chad Gregor Paul Thiele
Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der News bzw. Pressemeldung
