Die deutsche CBD-Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Auf den anfänglichen Boom folgte eine Phase der Konsolidierung, in der sich nur wenige Unternehmen dauerhaft am Markt behaupten konnten. Gleichzeitig stehen Hersteller und Händler weiterhin vor regulatorischen Herausforderungen, Einschränkungen im Online-Marketing und einem zunehmend intensiven Wettbewerb.
Hendrik Brettschneider: Erfahrung aus fast zehn Jahren CBD-Branche
Einer, der diese Entwicklung von Beginn an miterlebt und aktiv mitgestaltet hat, ist Hendrik Brettschneider. Seit fast zehn Jahren ist er in der CBD- und Cannabisbranche tätig. Heute verantwortet er bei der Thankyoujane GmbH die Weiterentwicklung verschiedener Geschäftsbereiche mit einem besonderen Fokus auf den Apothekenvertrieb und den CBD-Onlineshop der Marke Cantura. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit E-Commerce, Performance-Marketing und weiteren Projekten im Gesundheits- und Wellnessbereich.
Im Interview spricht Hendrik Brettschneider über seinen Einstieg in die Branche, die Unterschiede zwischen Onlinehandel und Apothekenvertrieb, die aktuellen Herausforderungen für CBD-Unternehmen sowie die Chancen, die er für den deutschen Markt in den kommenden Jahren sieht. Außerdem erklärt er, warum Transparenz für ihn oberste Priorität hat, weshalb starke Partnerschaften entscheidend sind und welche Zukunft er sich für Hanf, CBD und die gesamte Cannabisbranche in Deutschland wünscht.
Interview mit Hendrik Brettschneider Corporate Development, Thankyoujane GmbH
Hallo Hendrik, bitte stelle dich und deine Tätigkeitsbereiche kurz vor.
In der Thankyoujane GmbH, zu der auch die Marke Cantura gehört, verantworte ich das Project Development. Das heißt: Ich kümmere mich um neue Geschäftsfelder genauso wie um die, die bereits bestehen und weiter professionalisiert werden müssen, und begleite als rechte Hand unseres CEOs alle Prozesse im laufenden Betrieb. Mein Schwerpunkt liegt dabei klar im Apothekenvertrieb und unserem CBD Öl Shop – ich sorge dafür, dass unsere hochwertigen Gesundheitsprodukte dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden, bei den richtigen Menschen. Daneben widme ich mich kleineren E-Commerce-Projekten sowie meinen eigenen Marketing- und Vertriebsagenturen.
Wie bist du in die CBD- und Cannabisbranche eingestiegen?
Eingestiegen bin ich vor fast zehn Jahren, mitten im damaligen CBD-Boom und, ehrlich gesagt, ohne wirkliche Ahnung vom Geschäft. Mein damaliger Arbeitgeber war eigentlich eine SEO-Agentur, die Webseiten im Bereich Affiliate-Marketing entwickelt hat. Über den Aufbau eines Multi-Brand-Shops und später einer eigenen Marke haben wir uns dort die ersten Sporen verdient. Diese Erfahrungen sind heute die Basis für das, was wir bei Thankyoujane und Cantura machen – hier heben wir alles auf ein professionelleres Level. Zwischendurch durften wir auch erste eigene Gründungsschritte gehen, unter anderem mit einem Cannabis-Aufklärungsportal, das es inzwischen allerdings nicht mehr gibt.
Was hat dich motiviert, dich auf E-Commerce und Apothekenvertrieb zu spezialisieren?
Meine Motivation war von Anfang an, CBD-Produkte an die richtigen Menschen zu bringen. Dafür muss man als CBD-Shop seriös auftreten: faire Preise, volle Transparenz bei den Inhaltsstoffen. Gleichzeitig habe ich früh gelernt, mit welchen Restriktionen die Branche zu kämpfen hat – viele CBD-Shops können bis heute kein PayPal nutzen, und auf Amazon dürfen CBD-Produkte gar nicht erst verkauft werden. Das Apothekengeschäft war für mich dagegen schon immer ein Steckenpferd: Hier gibt es eine klare, fachlich fundierte Ansprache, der Apotheker kann die Gesundheitsprodukte kompetent an den Kunden verkaufen. Genau das macht diesen Vertriebsweg für mich besonders reizvoll.
„Ein Großteil der damaligen Gründer hat aber aus persönlichen Gründen aufgehört – durch Burnout oder Cashflow-Probleme.“ – Hendrik Brettschneider
Worauf legst du bei deiner täglichen Arbeit besonderen Wert?
Darauf, dass alles korrekt, genau und ehrlich abläuft. Mir ist wichtig, dass am Ende der Kunde zufrieden ist und wir ganzheitlich arbeiten – nicht nur einzelne Prozesse optimieren, sondern das große Ganze im Blick haben. Verbesserung im kleinsten Detail ist für mich jeden Tag neu ein Ziel.
Welche Ziele verfolgst du in den kommenden Jahren?
Ich möchte Cantura auf das nächste Level heben und unseren Investoren gerecht werden. Wir zählen aktuell zu den führenden CBD-Marken in Deutschland – und haben noch einiges vor. Daneben bleibt mein Fokus auf kleineren E-Commerce-Projekten und meinen Marketing- und Vertriebsagenturen bestehen.
Du arbeitest an der Schnittstelle zwischen CBD-E-Commerce, Apothekenvertrieb und Cannabis Social Clubs. Was macht diese Kombination besonders spannend?
Dass ich zwei völlig unterschiedliche Vertriebslogiken gleichzeitig erlebe. Im E-Commerce habe ich direkten Kontakt zum Kunden und klare KPIs, im Apothekenvertrieb dagegen einen Direktvertrieb, bei dem mir das unmittelbare Kundenfeedback fehlt. Das ist der größte Unterschied – am Ende verkaufen wir aber über beide Wege dieselben Produkte an dieselben Zielgruppen.
Welche Unterschiede bestehen aus deiner Sicht zwischen dem Onlinehandel und dem Vertrieb über Apotheken?
Online ist das Geschäft deutlich volatiler. Hier hängt fast alles an Adspend, Customer Acquisition Costs und der Werbung im Hintergrund. In der Apotheke sieht das anders aus: Es gibt viele Stammkunden und eine klare, persönliche Ansprache – und dafür braucht es kaum Marketingbudget, wenn man es clever macht.
Durch deine Erfahrung im Performance Marketing und SEO kennst du auch die digitale Seite der Branche. Welche Herausforderungen haben Cannabisunternehmen heute beim Online-Marketing?
Die größte Herausforderung sind ganz klar die Restriktionen der großen Plattformen. Wer in diesem volatilen Umfeld keine Erfahrung mitbringt, scheitert im Cannabisbereich sehr schnell. Dabei geht es uns nie darum, Grauzonen auszunutzen oder Regeln zu umgehen – im Gegenteil, unser Ziel ist maximale Transparenz. Zusätzlich ist der Wettbewerb im Online-Marketing mittlerweile extrem hart umkämpft.
Seit fast zehn Jahren bist du im CBD-Markt aktiv und hast Aufklärungsplattformen sowie Vereine mit aufgebaut. Wie hat sich die Branche in dieser Zeit verändert?
Früher konnten viele Unternehmen noch sehr gutes Geld verdienen, sobald sie den richtigen Skalierungseffekt erzielt hatten. Ein Großteil der damaligen Gründer hat aber aus persönlichen Gründen aufgehört – durch Burnout oder Cashflow-Probleme. Der Markt hat sich seitdem sortiert, und nur die stärksten Player sind übrig geblieben. Heute gibt es in Deutschland eine kleine, aber sehr eng vernetzte Szene. Und auch hier gilt: Nur wer einen klaren Plan hat, gewinnt am Ende.
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Welche regulatorischen Herausforderungen beschäftigen Unternehmen derzeit am stärksten?
Aus meiner Sicht ganz klar die uneinheitliche Behördenpraxis. Je nach Bundesland wird völlig unterschiedlich über rechtlich korrekt angemeldete Produkte entschieden – ein Zustand, der zwar der Natur der Sache entspricht, aber alles andere als optimal ist. Eine einheitliche, bundesweite Regelung für CBD würde vieles deutlich vereinfachen und dafür sorgen, dass auch Drogerieketten, Zahlungsanbieter oder Marketingdienstleister leichter mitziehen.
Welche Chancen siehst du für CBD-Produkte im deutschsprachigen Markt in den kommenden Jahren?
Es wird für CBD in den kommenden Jahren nur bergauf gehen – aber nicht mehr so wie im ursprünglichen Boom, sondern mit einem klaren Plan und im besten Fall mit weniger regulatorischen Hürden. Davon gehe ich fest aus.
Welches Missverständnis über CBD oder Cannabis würdest du gerne aus der Welt schaffen?
Am liebsten würde ich Produkte mit synthetischen Cannabinoiden wie HHC oder THCP komplett aus dem Markt verbannen. Die haben mit CBD und mit Cannabis eigentlich nichts zu tun und werden trotzdem oft in einen Topf geworfen. Ich stehe klar auf der Seite von CBD – ich bin selbst kein Cannabis-Konsument.
Welchen Rat gibst du Unternehmern, die in die Cannabisbranche einsteigen möchten?
Einen konkreten Geheimtipp habe ich nicht – aber eine klare Empfehlung: Sucht euch starke Partner. In dieser Branche kommt niemand allein weit.
„Am liebsten würde ich Produkte mit synthetischen Cannabinoiden wie HHC oder THCP komplett aus dem Markt verbannen.“ – Hendrik Brettschneider
An welchen Projekten arbeitest du aktuell und worauf dürfen sich Interessierte freuen?
Bei Cantura arbeiten wir weiter daran, den CBD-Markt größer zu machen, als er aktuell ist. Wir sehen, dass durch Insolvenzen von Marktbegleitern gerade neue Chancen entstehen – und die wollen wir konsequent nutzen. Nebenberuflich widme ich mich außerdem ein paar kleineren, bewusst schlank gehaltenen Projekten im Gesundheits- und Wellnessbereich, etwa wo man Vitalpilze kaufen kann, Elektrolyte, ByJane dem Gesundheitsshop – schließlich ist meine Zeit bei Cantura ziemlich eingebunden.
Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft von Cannabis, Hanf und der gesamten Cannabisbranche in Deutschland?
Ich wünsche mir, dass Cannabis fest in der Nahrungsergänzung ankommt – dass viele Menschen, ganz ohne Heilversprechen, einen gesundheitlichen Vorteil davon haben und Hanf ganz selbstverständlich in ihre tägliche Ernährung einbauen können.
Fazit
Das Interview mit Hendrik Brettschneider zeigt eindrucksvoll, wie sich die CBD-Branche in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Nach dem ersten Boom stehen heute Professionalität, Transparenz und nachhaltige Geschäftsmodelle im Mittelpunkt. Gleichzeitig machen regulatorische Unsicherheiten und die Einschränkungen im Online-Marketing deutlich, dass die Branche weiterhin vor großen Herausforderungen steht.
Mit seiner langjährigen Erfahrung im E-Commerce, Apothekenvertrieb und Performance-Marketing gibt Hendrik Brettschneider spannende Einblicke in die tägliche Arbeit eines Unternehmens, das den deutschen CBD-Markt aktiv mitgestaltet. Seine Einschätzungen zu Markttrends, Digitalisierung und den zukünftigen Chancen für Hanf- und CBD-Produkte zeigen, dass das Potenzial der Branche noch längst nicht ausgeschöpft ist.
Ich bedanke mich herzlich bei Hendrik Brettschneider für das offene Gespräch und die interessanten Einblicke. Ich wünschee ihm und dem gesamten Team von Thankyoujane und Cantura weiterhin viel Erfolg für die kommenden Projekte und freue mich darauf, die weitere Entwicklung des Unternehmens und der deutschen Cannabisbranche zu verfolgen.
Quellen / Infos / Fotos: Hendrik Brettschneider – Corporate Development, Thankyoujane GmbH
Redaktioneller Hinweis: Die in diesem Interview geäußerten Meinungen, Einschätzungen und Aussagen stammen ausschließlich vom Interviewpartner und spiegeln nicht zwangsläufig die Auffassung der Redaktion von Metaller.de wider. Das Interview dient der Information und dem Austausch unterschiedlicher Sichtweisen innerhalb der Cannabis-, Hanf- und CBD-Branche.
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Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
