Im Juni 2025 richtete sich der Vorsitzende von LEAP Deutschland e.V., Hubert Wimber, in einem offenen Schreiben an den frisch ernannten Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Herrn Professor Dr. Hendrik Streeck.
LEAP fordert vom neuen Drogenbeauftragten Streeck eine evidenzbasierte Drogenpolitik
Gratulation an den neuen Amtsinhaber
Der ehemalige Polizeipräsident von Münster übermittelte im Namen des gesamten Vorstandes von LEAP Deutschland die Glückwünsche zur neuen Aufgabe und verband diese mit dem Wunsch nach einer konstruktiven Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit. Die Organisation hofft, den eingeschlagenen Dialog mit der Politik im Sinne einer fortschrittlichen und evidenzbasierten Drogenpolitik unter der neuen Leitung fortführen zu können.
LEAP Deutschland – Eine Organisation mit besonderer Perspektive
Hintergrund und Ziele der Vereinigung
LEAP Deutschland e.V. (Law Enforcement Against Prohibition) wurde 2015 als gemeinnütziger Verein gegründet und setzt sich vornehmlich aus aktuellen und ehemaligen Angehörigen von Strafverfolgungsbehörden, Juristen sowie weiteren Experten aus dem Bereich der Strafjustiz zusammen. Diese berufliche Herkunft verleiht der Organisation eine besondere Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, die Auswirkungen und Grenzen der derzeitigen Drogenpolitik sachlich zu bewerten.
Das zentrale Anliegen von LEAP Deutschland ist es, für eine wissenschaftlich fundierte und menschenrechtsorientierte Drogenpolitik einzutreten. Die Organisation kritisiert, dass die strafrechtliche Verfolgung von Drogenkonsumierenden dem erklärten Ziel des Gesundheitsschutzes diametral entgegensteht. LEAP fordert daher eine umfassende Reform der Drogenpolitik in Deutschland, die auf Prävention, Aufklärung, Entstigmatisierung und evidenzbasierte Maßnahmen setzt.
Kritik am bisherigen System der Repression
Im Schreiben an den neuen Drogenbeauftragten betont LEAP Deutschland den Konsens innerhalb der Fachöffentlichkeit über das Scheitern der auf Prohibition ausgerichteten Drogenpolitik. Besonders deutlich wird dies anhand der Wirkungslosigkeit der strafrechtlichen Abschreckung. Die angestrebte generalpräventive Wirkung der Strafverfolgung konnte – wie durch zahlreiche Studien und statistische Auswertungen belegt – nicht nachgewiesen werden.
Das Konsumcannabisgesetz als Meilenstein mit Verbesserungspotenzial
Wirkung des neuen Gesetzes auf die Kriminalstatistik
Ein Schritt in Richtung einer zeitgemäßen Drogenpolitik war nach Einschätzung von LEAP Deutschland das zum 1. April 2024 in Kraft getretene Konsumcannabisgesetz. Gemeinsam mit der Liberalisierung des medizinischen Cannabismarktes stellt dieses Gesetz einen bedeutenden Fortschritt dar, wenngleich es nach Auffassung des Vereins noch nicht ausreicht, um die tiefgreifenden strukturellen Probleme der bisherigen Drogenpolitik zu lösen.
Besonders hebt LEAP hervor, dass durch das neue Gesetz allein in den ersten neun Monaten nach Inkrafttreten über 110.000 polizeiliche Ermittlungsverfahren weniger eingeleitet wurden als im Vorjahr. Dieser Rückgang sei ein klarer Beleg dafür, dass entkriminalisierende Maßnahmen nicht nur den Justizapparat entlasten, sondern auch zur Vermeidung von Stigmatisierung beitragen. Jede vermiedene Strafanzeige bedeute auch ein Stück weit mehr Würde für die betroffenen Menschen.
Handlungsbedarf bei legaler Beschaffung
Trotz dieses Erfolges sieht LEAP Deutschland weiterhin großen Handlungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die Ausweitung legaler Zugangswege zu Cannabis. Solange der Schwarzmarkt durch Restriktionen in der legalen Versorgung aufrechterhalten wird, bleibt ein zentrales Ziel – nämlich die Eindämmung illegaler Strukturen – unerreicht. Aus kriminologischer wie auch aus gesundheitspolitischer Sicht sei es deshalb unerlässlich, den legalen Vertrieb von Cannabis für Erwachsene deutlich zu erweitern.
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Offene Gesprächsbereitschaft und Einladung zum Dialog
Positive Signale des neuen Beauftragten
LEAP Deutschland zeigt sich erfreut über die ersten öffentlichen Stellungnahmen von Professor Dr. Streeck, die eine sachliche und ideologiefreie Herangehensweise an das Thema Sucht und Drogenpolitik signalisieren. Die Ablehnung des sogenannten „mahnenden Zeigefingers“ und der Fokus auf wissenschaftlich begründete Maßnahmen bieten aus Sicht der Organisation eine solide Grundlage für einen offenen, respektvollen und zielführenden Dialog.
Einladung zu einem persönlichen Gespräch
Vor diesem Hintergrund regt LEAP Deutschland ein persönliches Gespräch mit dem neuen Drogenbeauftragten an, um sich über anstehende Reformen, gesetzliche Evaluierungen und konkrete Maßnahmen auszutauschen. Der Verein bekräftigt sein Interesse, seine umfassende Expertise aus der Strafverfolgungsperspektive in die politische Debatte einzubringen – mit dem Ziel, eine rationale und humane Drogenpolitik in Deutschland nachhaltig zu etablieren.
Fazit: Aufbruch zu einer neuen Drogenpolitik?
Der Brief von Hubert Wimber im Namen des LEAP-Vorstandes verdeutlicht die zentrale Rolle, die erfahrene Strafverfolger und Juristen bei der Gestaltung einer zeitgemäßen Drogenpolitik spielen können. Die Organisation fordert nicht weniger als einen Paradigmenwechsel – weg von Repression, hin zu einem Modell, das auf Aufklärung, Prävention und Gesundheitsschutz basiert.
Mit dem neuen Drogenbeauftragten sieht LEAP eine Chance auf neue Impulse und eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Politik und Praxis. Dabei geht es nicht um symbolische Schritte, sondern um strukturelle Veränderungen, die sowohl die Betroffenen entlasten als auch die Effizienz staatlicher Institutionen verbessern können. Der Rückgang von über 110.000 Ermittlungsverfahren zeigt exemplarisch, welches Potenzial in einem differenzierten und sachorientierten Umgang mit Drogen liegt.
Sollte es gelingen, die bisherige konstruktive Zusammenarbeit fortzusetzen, könnte dies einen entscheidenden Beitrag zur weiteren Entstigmatisierung von Drogenkonsum leisten – und damit auch zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit in Deutschland.
Quelle / Infos: https://leap-deutschland.de/brief-an-den-neuen-drogenbeauftragten/
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Autor und Bild: Canna-Chad Gregor Paul Thiele
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