Hundertfüßer und Doppelfüßer gehören zu den wichtigsten Bodenbewohnern Deutschlands. Die neue Rote Liste zeigt jedoch, dass zahlreiche Arten bedroht, extrem selten oder sogar vom Aussterben gefährdet sind. Besonders problematisch sind Lebensraumverlust, Klimawandel, Trockenheit und die Zerschneidung natürlicher Lebensräume. Obwohl viele Arten aktuell noch als ungefährdet gelten, steht die Biodiversität unserer Böden zunehmend unter Druck.
Rote Liste: Sind Hundertfüßer und Doppelfüßer bedroht?
| Kategorie | Anzahl der Taxa | Anteil |
|---|---|---|
| Ungefährdet | 127 | 69,8 % |
| Bestandsgefährdet | 21 | 11,5 % |
| Vom Aussterben bedroht | 4 | 2,2 % |
| Stark gefährdet | 9 | 4,9 % |
| Gefährdet | 7 | 3,8 % |
| Extrem selten | 20 | 11,0 % |
| Ausgestorben oder verschollen | 1 | 0,5 % |
Warum sind Hundertfüßer und Doppelfüßer so wichtig?
Viele Menschen bemerken sie kaum. Dabei gehören Hundertfüßer und Doppelfüßer zu den wichtigsten Organismen in unseren Böden. Sie leben unter Laub, Steinen, Totholz oder tief im Erdreich und übernehmen dort zentrale Aufgaben für das ökologische Gleichgewicht.
Während Hundertfüßer überwiegend räuberisch leben und kleine Bodentiere jagen, wirken Doppelfüßer vor allem als Zersetzer organischer Materialien. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass natürliche Stoffkreisläufe funktionieren.
- Zersetzen abgestorbene Pflanzenreste
- Verbessern die Bodenstruktur
- Fördern die Humusbildung
- Unterstützen Nährstoffkreisläufe
- Regulieren andere Kleintierpopulationen
- Sind wichtige Bestandteile funktionierender Ökosysteme
Was zeigt die neue Rote Liste?
Das Bundesamt für Naturschutz und das Rote Liste Zentrum haben eine umfassende Neubewertung der in Deutschland vorkommenden Hundertfüßer und Doppelfüßer veröffentlicht. Insgesamt wurden 182 etablierte einheimische Arten und Unterarten untersucht.
Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild. Einerseits gelten viele Arten noch als ungefährdet. Andererseits stehen zahlreiche Arten inzwischen unter Druck.
Welche Arten gelten als besonders gefährdet?
Besonders kritisch ist die Lage bei Arten mit sehr speziellen Lebensraumansprüchen. Dazu gehört beispielsweise der Meeres Hundertfüßer Strigamia maritima, der erst vor kurzem wieder in Deutschland entdeckt wurde und nun als vom Aussterben bedroht gilt.
Auch viele feuchtigkeitsliebende Arten leiden zunehmend unter Trockenheit und Hitzeperioden.
Warum verschlechtert sich die Situation vieler Arten?
Die Ursachen sind vielfältig:
- Zerstörung natürlicher Lebensräume
- Zerschneidung von Landschaften
- Intensive Landwirtschaft
- Bodenverdichtung
- Klimawandel
- Trockenheit und Extremwetter
- Verlust von Totholz und Laubschichten
Viele dieser Tiere sind nur eingeschränkt mobil. Können sie ihren Lebensraum nicht verlassen oder neue Gebiete erreichen, geraten Populationen schnell in Gefahr.
Warum reagieren Bodenorganismen besonders empfindlich?
Bodenlebewesen sind eng an bestimmte Umweltbedingungen gebunden. Schon kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben.
Ein trockener Sommer, eine versiegelte Fläche oder intensive Bodenbearbeitung reichen oft aus, um empfindliche Populationen dauerhaft zu schädigen.
Vor allem Arten, die auf feuchte Wälder oder strukturreiche Böden angewiesen sind, leiden stark unter dem Klimawandel.
Wenn Bodenorganismen verschwinden, verlieren Böden wichtige ökologische Funktionen. Das betrifft nicht nur Wälder, sondern auch Landwirtschaft, Wasserhaushalt und Klimaschutz.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Der Klimawandel wirkt sich direkt auf Böden und deren Bewohner aus. Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen verändern die Bedingungen im Erdreich massiv.
Was passiert bei Hitze und Dürre?
Viele Hundertfüßer und Doppelfüßer benötigen dauerhaft feuchte Bedingungen. Trocknet der Boden aus, verlieren sie ihre Lebensgrundlage.
Besonders problematisch:
- Laubschichten trocknen schneller aus
- Humus verliert Feuchtigkeit
- Mikroorganismen verändern sich
- Nahrungsgrundlagen verschwinden
- Populationen können sich schlechter erholen
Auch Extremwetterereignisse wie Starkregen oder lange Hitzephasen destabilisieren empfindliche Ökosysteme.
Warum sind strukturreiche Lebensräume entscheidend?
Strukturreiche Lebensräume bieten Schutz, Nahrung und Rückzugsorte. Genau diese Vielfalt geht jedoch vielerorts verloren.
Besonders wichtig sind:
- Totholz
- Laubschichten
- Moosreiche Böden
- Feuchte Waldgebiete
- Naturnahe Wiesen
- Ungestörte Waldränder
Die Expertinnen und Experten der Roten Liste empfehlen deshalb den Erhalt und die bessere Vernetzung solcher Lebensräume.
Warum sind Verbindungskorridore wichtig?
Viele Populationen leben isoliert voneinander. Verbindungskorridore helfen Tieren dabei, neue Lebensräume zu erreichen und genetischen Austausch zu ermöglichen.
Fehlen solche Verbindungen, steigt das Risiko lokaler Aussterbeereignisse.
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Warum ist die neue Datengrundlage so bedeutend?
Im Vergleich zur vorherigen Bewertung aus dem Jahr 2016 steht heute deutlich mehr Wissen zur Verfügung. Dadurch konnten viele Arten genauer bewertet werden.
Das führte allerdings nicht nur zu besseren Nachrichten.
Wie haben sich die Einstufungen verändert?
- 10 Arten wurden günstiger eingestuft
- 20 Arten mussten schlechter bewertet werden
- Die Gefährdung vieler Arten wurde deutlicher sichtbar
Die neue Datengrundlage zeigt, dass die biologische Vielfalt unter unseren Füßen stärker bedroht ist als lange angenommen.
Die neue Rote Liste dokumentiert erstmals detailliert die Gefährdung zahlreicher Hundertfüßer und Doppelfüßer in Deutschland.
Bedeutung:
Die Ergebnisse zeigen, dass auch unscheinbare Bodenorganismen massiv unter Umweltveränderungen leiden.
Einordnung:
Relevant ist das Thema für Naturschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Politik und Klimaforschung.
Warum trägt Deutschland besondere Verantwortung?
Deutschland hat für mehrere Arten eine besondere internationale Verantwortung. Einige Doppelfüßer Arten kommen weltweit nur hierzulande vor.
Vier endemische Taxa besitzen ihren Verbreitungsschwerpunkt im Schwarzwald.
Was bedeutet „endemisch“?
Endemische Arten kommen ausschließlich in einer bestimmten Region vor. Sterben sie dort aus, verschwinden sie weltweit.
Dadurch steigt die Verantwortung für Schutzmaßnahmen erheblich.
Welche Bedeutung haben Rote Listen generell?
Rote Listen gehören zu den wichtigsten Instrumenten des Naturschutzes. Sie zeigen, wie sich Artenbestände entwickeln und wo dringender Handlungsbedarf besteht.
Gleichzeitig dienen sie als wissenschaftliche Grundlage für Schutzprogramme und politische Entscheidungen.
Warum gelten Rote Listen als Frühwarnsystem?
Die Listen machen sichtbar, welche Auswirkungen menschliches Handeln auf die Natur hat.
Sie helfen dabei:
- Artenrückgänge früh zu erkennen
- Schutzmaßnahmen zu entwickeln
- Gefährdete Lebensräume zu identifizieren
- Biodiversität langfristig zu sichern
Wer erstellt die Roten Listen?
Die bundesweiten Roten Listen werden vom Bundesamt für Naturschutz herausgegeben und vom Rote Liste Zentrum koordiniert.
Besonders bemerkenswert ist der hohe Anteil ehrenamtlicher Arbeit. Viele Expertinnen und Experten investieren unzählige Stunden in Datenerhebung, Forschung und Auswertung.
Welche Aufgabe hat das Rote Liste Zentrum?
Das Rote Liste Zentrum unterstützt Fachleute organisatorisch und wissenschaftlich. Dazu gehören:
- Koordination der Projekte
- Fachliche Begleitung
- Organisation von Arbeitstreffen
- Unterstützung bei Datenauswertung
- Bereitstellung wissenschaftlicher Grundlagen
Das Zentrum wird durch das Bundesumweltministerium gefördert.
Wie können Hundertfüßer und Doppelfüßer geschützt werden?
Ein wirksamer Schutz beginnt bei gesunden Böden und naturnahen Lebensräumen.
Welche Maßnahmen helfen konkret?
- Wälder naturnäher bewirtschaften
- Totholz erhalten
- Bodenversiegelung reduzieren
- Biotopverbünde schaffen
- Feuchtgebiete schützen
- Laubschichten erhalten
- Monotone Landschaften vermeiden
Auch Privatpersonen können etwas beitragen, etwa durch naturnahe Gärten mit Laubbereichen und Totholzecken.
Warum werden Bodenorganismen oft unterschätzt?
Viele Menschen nehmen nur große oder auffällige Tiere wahr. Bodenorganismen bleiben dagegen meist unsichtbar.
Dabei bilden sie die Grundlage funktionierender Ökosysteme.
Ohne Zersetzer und Bodenräuber würden Stoffkreisläufe zusammenbrechen. Böden würden an Fruchtbarkeit verlieren und ganze Nahrungsketten beeinträchtigt werden.
Welche Folgen hätte ein weiterer Artenverlust?
Der Verlust von Bodenorganismen hätte weitreichende ökologische Folgen.
Mögliche Auswirkungen:
- Schlechtere Bodenqualität
- Weniger Humusbildung
- Rückgang biologischer Vielfalt
- Schwächere Kohlenstoffspeicherung
- Störungen im Nährstoffkreislauf
- Instabilere Ökosysteme
Langfristig betrifft das auch Landwirtschaft, Wälder und den Klimaschutz.
Welche Informationen und Quellen gibt es?
Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, findet umfangreiche Informationen beim Bundesamt für Naturschutz und beim Rote Liste Zentrum.
- Pressehintergrund zur Roten Liste der Hundertfüßer und Doppelfüßer
- Rote Liste der Hundertfüßer und Doppelfüßer als Buch
- Rote Listen der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands
- Download der Roten Liste und Daten zu wirbellosen Tieren
FAQ: Häufige Fragen zur Roten Liste der Hundertfüßer und Doppelfüßer
Sind Hundertfüßer gefährlich?
Die meisten in Deutschland vorkommenden Hundertfüßer sind für Menschen ungefährlich. Sie leben versteckt und meiden den Kontakt.
Warum sind Doppelfüßer wichtig?
Doppelfüßer helfen beim Abbau organischer Materialien und fördern gesunde Böden.
Wie viele Arten sind bedroht?
42 der 182 bewerteten Taxa gelten als ausgestorben, gefährdet oder extrem selten.
Welche Hauptursachen bedrohen die Arten?
Lebensraumverlust, Klimawandel, Trockenheit und die Zerschneidung natürlicher Lebensräume gelten als wichtigste Ursachen.
Warum sind Böden für den Naturschutz so wichtig?
Böden speichern Wasser und Kohlenstoff, liefern Nährstoffe und bilden die Grundlage vieler Ökosysteme.
Fazit: Warum die neue Rote Liste ein Warnsignal ist
Die neue Rote Liste der Hundertfüßer und Doppelfüßer zeigt deutlich, dass selbst unscheinbare Bodenorganismen zunehmend unter Druck geraten. Obwohl viele Arten aktuell noch als ungefährdet gelten, verschlechtert sich die Situation zahlreicher spezialisierter Arten spürbar.
Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig gesunde Böden, strukturreiche Lebensräume und konsequenter Naturschutz sind. Der Schutz der Biodiversität beginnt nicht erst bei großen Säugetieren oder Wäldern, sondern direkt unter unseren Füßen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news870857 und https://www.bfn.de/hintergrundinformationen
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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