Dürreperioden setzen Hummeln massiv unter Druck. Eine aktuelle Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigt, dass Trockenheit die Entwicklung von Hummelvölkern deutlich verschlechtert. Kolonien bleiben kleiner, produzieren weniger Nachwuchs und bringen kaum neue Königinnen hervor. Dadurch geraten nicht nur einzelne Hummelarten in Gefahr, sondern langfristig auch die Bestäubung vieler Wild und Nutzpflanzen.
Warum gefährdet Dürre das Überleben von Hummeln?
| Untersuchungsergebnis | Dürrejahr 2022 | Normaljahr 2024 |
|---|---|---|
| Durchschnittliches Koloniegewicht | ca. 14 Gramm | ca. 140 Gramm |
| Kolonien mit Nachwuchs | 45 Prozent | 91 Prozent |
| Durchschnittliche Zahl neuer Königinnen | 0,4 | 13,5 |
| Bestäubungsleistung | stark reduziert | deutlich höher |
Die Forschungsergebnisse stammen vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die Studie untersucht die Auswirkungen des extrem trockenen Jahres 2022 im Vergleich zum klimatisch deutlich ausgeglicheneren Jahr 2024. Im Fokus stand dabei die Ackerhummel, eine wichtige Bestäuberart in Deutschland.
Die Untersuchung zeigt erstmals klar, dass Dürren die Fortpflanzung von Hummeln massiv beeinträchtigen können. Das betrifft nicht nur die Tiere selbst, sondern auch Landwirtschaft, Biodiversität und die Versorgung vieler Pflanzen mit Bestäubungsleistungen.
Was genau haben die Forschenden untersucht?
Das Forschungsteam analysierte die Entwicklung von Hummelvölkern an insgesamt 25 Standorten in Unter und Oberfranken. Verglichen wurden zwei sehr unterschiedliche Jahre:
- 2022 als ausgeprägtes Dürrejahr
- 2024 als klimatisch durchschnittliches Jahr
Die Wissenschaftler beobachteten unter anderem:
- Gewicht der Kolonien
- Lebensdauer der Völker
- Anzahl der produzierten Königinnen
- Anzahl der produzierten Männchen
- Einfluss von zusätzlichem Zuckerwasser
- Verfügbarkeit von Nahrung
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“ veröffentlicht. Die wissenschaftliche Originalpublikation ist hier abrufbar:
https://doi.org/10.1098/rspb.2025.3056
Warum ist die Ackerhummel besonders interessant?
Die Forschenden konzentrierten sich nicht auf die häufig untersuchte Dunkle Erdhummel, sondern auf die Ackerhummel. Diese Art besitzt einige Besonderheiten, die sie besonders empfindlich gegenüber Dürre machen.
Was sind sogenannte Pocket-Maker?
Die Ackerhummel gehört zu den langrüsseligen Hummelarten und wird als „Pocket-Maker“ bezeichnet. Das bedeutet:
- Sie lagert Pollen in speziellen Taschen im Nest
- Die Larven versorgen sich selbst aus diesen Vorräten
- Die Tiere sind stärker auf ausreichend Pollen angewiesen
Fehlt durch Trockenheit das Blütenangebot, geraten diese Hummeln schnell unter Druck. Andere Arten können ihre Larven direkter versorgen und reagieren teilweise robuster.
In Bayern gehören rund 82 Prozent der gefährdeten Hummelarten zu den langrüsseligen Arten. Die Ackerhummel gilt daher als wichtiger Indikator für die Stabilität von Ökosystemen und die Gesundheit der Biodiversität.
Wie stark schwächt Dürre Hummelvölker?
Die Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsjahren waren enorm. Besonders deutlich wurde dies beim Gewicht der Kolonien.
Warum ist das Koloniegewicht so wichtig?
Das maximale Gewicht einer Kolonie gilt in der Ökologie als wichtiger Fitnessindikator. Ein schweres Volk bedeutet:
- mehr Arbeiterinnen
- höhere Sammelleistung
- bessere Nahrungssuche
- stärkere Bestäubung
- größere Überlebenschancen
Kleine und schwache Völker können dagegen weniger Blüten besuchen und damit weniger Pflanzen bestäuben.
Wie drastisch waren die Unterschiede?
Die Studie zeigt extreme Unterschiede:
- Ungefütterte Völker erreichten im Dürrejahr durchschnittlich nur etwa 14 Gramm
- Im Normaljahr lagen die Kolonien bei rund 140 Gramm
- Das entspricht einem Unterschied von über 900 Prozent
Die Zahlen verdeutlichen, wie massiv Trockenheit das Wachstum von Hummelstaaten beeinträchtigen kann.
Hilft zusätzliche Fütterung gegen die Folgen der Dürre?
Die Forschenden testeten zusätzlich, ob Zuckerwasser die Situation verbessern kann. Tatsächlich zeigte sich ein positiver Effekt, allerdings nur begrenzt.
Was brachte das Zuckerwasser?
Durch zusätzliche Kohlenhydrate konnten die Hummelvölker im Dürrejahr deutlich an Gewicht zulegen. Trotzdem blieb der Abstand zu normalen klimatischen Bedingungen enorm.
Das Problem liegt vor allem beim Pollenangebot.
Warum reicht Zuckerwasser nicht aus?
Zuckerwasser ersetzt hauptsächlich Nektar und liefert Energie. Für die Entwicklung der Larven benötigen Hummeln jedoch vor allem Proteine aus Pollen.
Fehlt dieser Pollen, entstehen gravierende Probleme:
- schlechtere Larvenentwicklung
- weniger Nachwuchs
- weniger Königinnen
- schwächere Kolonien
- geringere Überlebenschancen
Die Forschenden identifizierten den Pollenmangel daher als entscheidenden Engpass während der Dürre.
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Warum sind neue Königinnen für Hummeln überlebenswichtig?
Besonders alarmierend war die Entwicklung bei den neuen Königinnen.
Nur junge Königinnen überstehen den Winter und gründen im nächsten Jahr neue Hummelstaaten. Ohne sie kann eine Population langfristig nicht überleben.
Wie stark sank die Zahl der Königinnen?
Die Unterschiede zwischen Dürre und Normaljahr waren enorm:
| Messwert | Dürrejahr | Normaljahr |
|---|---|---|
| Kolonien mit Nachwuchs | 45 Prozent | 91 Prozent |
| Neue Königinnen pro Volk | 0,4 | 13,5 |
Das bedeutet:
- Im Dürrejahr produzierten viele Kolonien praktisch keinen weiblichen Nachwuchs
- Die Population kann dadurch im Folgejahr massiv einbrechen
- Lokales Aussterben wird wahrscheinlicher
Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern vieler Wild und Nutzpflanzen. Schwächere Hummelpopulationen können langfristig Ernteerträge, Artenvielfalt und die Stabilität von Ökosystemen beeinträchtigen.
Welche Folgen hat die Dürre für die Bestäubung?
Hummeln spielen eine zentrale Rolle in vielen Ökosystemen. Sie bestäuben:
- Wildpflanzen
- Obstpflanzen
- Gemüse
- landwirtschaftliche Kulturen
- Pflanzen in naturnahen Lebensräumen
Wenn Hummelvölker kleiner werden, sinkt automatisch die Zahl der Blütenbesuche.
Welche Pflanzen profitieren besonders von Hummeln?
Hummeln sind besonders wichtige Bestäuber für:
- Tomaten
- Beeren
- Klee
- Ackerbohnen
- Wildblumen
Viele Pflanzen sind auf die kräftige Vibrationsbestäubung von Hummeln spezialisiert. Andere Insekten können diese Leistung oft nicht vollständig ersetzen.
Warum nehmen Dürren durch den Klimawandel zu?
Die Studie reiht sich in eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen ein, die zeigen, wie stark der Klimawandel Ökosysteme verändert.
Steigende Temperaturen führen unter anderem zu:
- häufigeren Hitzeperioden
- längeren Trockenzeiten
- niedrigeren Bodenfeuchten
- Veränderungen bei Blühzeiten
- schlechterem Nahrungsangebot für Insekten
Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten:
- Dürre
- Lebensraumverlust
- Pestizide
- Monokulturen
- Versiegelung von Flächen
Warum reichen selbst hochwertige Lebensräume oft nicht aus?
Die Forschenden weisen darauf hin, dass sogar ökologisch wertvolle Gebiete während extremer Dürrephasen an ihre Grenzen stoßen.
Selbst Kalkmagerrasen, die als artenreiche Lebensräume gelten, boten den Hummeln während der Trockenheit keinen ausreichenden Schutz.
Was passiert in trockenen Landschaften?
Während langer Trockenperioden treten mehrere Probleme gleichzeitig auf:
- Pflanzen blühen kürzer
- Blüten produzieren weniger Nektar
- Pollenmengen sinken
- Böden trocknen aus
- Wasser fehlt
Dadurch verschlechtert sich das gesamte Nahrungsnetz für Bestäuber.
Welche Maßnahmen könnten Hummeln besser schützen?
Die Forschenden fordern gezielte Maßnahmen in der Landschaftsplanung und im Naturschutz.
Welche Lösungen nennt die Studie?
- Mehr schattenspendende Bäume in offenen Landschaften
- Wiederherstellung von Feuchtgebieten
- Besseres Wasserrückhaltevermögen im Boden
- Anpflanzung trockenresistenter Blühpflanzen
- Stabile Nahrungsangebote im Sommer
Diese Maßnahmen sollen die Widerstandsfähigkeit von Bestäubern gegenüber Extremwetter stärken.
Warum sind sommerblühende Pflanzen so wichtig?
Gerade im Hochsommer entstehen während Dürren große Versorgungslücken. Viele Pflanzen vertrocknen frühzeitig oder produzieren kaum noch Blüten.
Trockenresistente Arten können helfen:
- Nahrung länger bereitzustellen
- Pollenversorgung zu stabilisieren
- Bestäuberpopulationen zu erhalten
Was bedeutet die Studie für Landwirtschaft und Ernährung?
Die Ergebnisse betreffen nicht nur Naturschutz, sondern auch Landwirtschaft und Ernährungssicherheit.
Warum sind Bestäuber wirtschaftlich wichtig?
Viele Kulturpflanzen profitieren direkt von Insektenbestäubung. Dazu zählen:
- Obstsorten
- Beeren
- Gemüsearten
- Ölsaaten
- Futterpflanzen
Fällt die Bestäubung schwächer aus, können folgende Probleme entstehen:
- geringere Erträge
- schlechtere Fruchtqualität
- höhere Produktionskosten
- Rückgang der Artenvielfalt
Bestäuber wie Hummeln leisten einen wichtigen Beitrag für funktionierende Ökosysteme und die Lebensmittelproduktion. Der Schutz dieser Insekten betrifft deshalb langfristig auch Preise, Versorgungssicherheit und Artenvielfalt.
Wie können Privatpersonen Hummeln unterstützen?
Auch kleine Maßnahmen können helfen, Hummeln besser durch trockene Sommer zu bringen.
Welche Pflanzen helfen Hummeln besonders?
- Lavendel
- Wiesen-Salbei
- Natternkopf
- Wilde Malve
- Kleearten
- Flockenblumen
- Disteln
Was kann man zusätzlich tun?
- Wasserstellen für Insekten bereitstellen
- Weniger versiegeln
- Blühflächen anlegen
- Keine Pestizide verwenden
- Wilde Gartenecken zulassen
Welche Rolle spielen Hummeln für die Biodiversität?
Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern in Mitteleuropa. Viele Pflanzenarten sind direkt oder indirekt auf sie angewiesen.
Gehen Hummelpopulationen zurück, kann dies weitreichende Folgen haben:
- Rückgang bestimmter Pflanzenarten
- Verlust von Nahrung für andere Tiere
- Schwächung ganzer Ökosysteme
- geringere genetische Vielfalt
Die Studie macht deutlich, wie empfindlich selbst widerstandsfähig wirkende Insekten auf Klimastress reagieren.
Was sagen die Forschenden selbst?
Erstautor Hanno Korten beschreibt die Ergebnisse als besonders bedeutend, weil erstmals ein direkter negativer Effekt von Dürren auf die Fortpflanzung von Hummeln nachgewiesen werden konnte.
Ingolf Steffan-Dewenter betont zusätzlich, dass das reine Überleben eines Volkes im Sommer langfristig nicht ausreicht. Entscheidend sei die Produktion neuer Königinnen für die nächste Generation.
Welche Grenzen hat die Studie?
Wie jede wissenschaftliche Untersuchung besitzt auch diese Studie gewisse Einschränkungen.
Welche Punkte sollte man beachten?
- Untersucht wurde hauptsächlich eine Hummelart
- Die Daten stammen aus bestimmten Regionen Bayerns
- Andere Arten könnten unterschiedlich reagieren
- Langfristige Entwicklungen müssen weiter erforscht werden
Trotzdem liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise darauf, wie stark Extremwetterereignisse Bestäuber beeinflussen können.
FAQ: Häufige Fragen zu Dürre und Hummeln
Warum leiden Hummeln unter Dürre?
Dürre reduziert das Angebot an Blüten, Nektar und Pollen. Dadurch fehlt den Hummeln Nahrung und wichtige Energie für die Entwicklung ihrer Kolonien.
Warum ist Pollen für Hummeln so wichtig?
Pollen liefert Proteine für die Entwicklung der Larven. Ohne ausreichend Pollen können weniger gesunde Nachkommen entstehen.
Was passiert ohne neue Königinnen?
Nur junge Königinnen überleben den Winter und gründen neue Staaten. Fehlen sie, kann die Population im Folgejahr stark zurückgehen.
Kann Zuckerwasser Hummeln retten?
Zuckerwasser liefert Energie, ersetzt aber keinen Pollen. Es kann daher nur begrenzt helfen.
Welche Rolle spielen Hummeln in der Landwirtschaft?
Hummeln bestäuben viele Nutzpflanzen und tragen damit zur Lebensmittelproduktion und Artenvielfalt bei.
Fazit: Warum ist die Dürre für Hummeln ein ernstes Warnsignal?
Die Studie der Universität Würzburg zeigt eindrucksvoll, wie empfindlich Hummeln auf extreme Trockenheit reagieren. Besonders problematisch ist der massive Rückgang neuer Königinnen, weil dadurch ganze Populationen gefährdet werden können.
Die Ergebnisse betreffen nicht nur einzelne Insektenarten, sondern auch Landwirtschaft, Biodiversität und stabile Ökosysteme. Ohne gezielte Schutzmaßnahmen könnten häufigere Dürreperioden die Bestäubungsleistung langfristig deutlich schwächen.
Mehr naturnahe Lebensräume, widerstandsfähige Blühpflanzen und ein besseres Wassermanagement könnten helfen, Hummeln und andere Bestäuber künftig besser vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news869166 und https://doi.org/10.1098/rspb.2025.3056
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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