Mehr Totholz, kleine Lichtungen und eine unordentlichere Waldstruktur können die Artenvielfalt deutlich erhöhen. Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, dass besonders Vögel und Fledermäuse von strukturreichen Wäldern profitieren. Solche Wälder bieten mehr Nahrung, Nistplätze und Rückzugsorte und gelten zudem als widerstandsfähiger gegenüber Klimawandel, Trockenheit und Schädlingsbefall.
Warum fördern Totholz und Waldlücken die Artenvielfalt?
| Maßnahme im Wald | Auswirkung auf Tiere | Nutzen für den Wald |
|---|---|---|
| Totholz liegen lassen | Mehr Spechte, Insekten und Fledermäuse | Mehr Lebensräume und höhere Stabilität |
| Lücken im Blätterdach schaffen | Mehr Vogelarten und Jagdräume für Fledermäuse | Bessere Strukturvielfalt |
| Mehr natürliche Unordnung | Mehr funktionelle Vielfalt | Höhere Widerstandskraft gegen Klimastress |
| Alte Bäume erhalten | Mehr Brutplätze und Verstecke | Langfristig stabileres Ökosystem |
Über viele Jahrzehnte wurden Wälder in Europa vor allem nach wirtschaftlichen Kriterien bewirtschaftet. Gerade in Deutschland entstanden dadurch häufig sehr gleichförmige Wälder mit ähnlichen Baumarten, geraden Reihen und wenig natürlicher Dynamik. Alte Bäume, umgestürzte Stämme oder kleine Lichtungen galten oft als Zeichen mangelnder Pflege.
Heute zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass genau diese scheinbare Unordnung enorm wichtig für die Artenvielfalt ist. Eine aktuelle Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg kommt zu dem Ergebnis, dass strukturreiche Wälder deutlich mehr Lebensraum für Tiere bieten. Besonders Fledermäuse und Vögel reagieren positiv auf mehr Totholz und natürliche Lücken im Wald.
Die wissenschaftliche Veröffentlichung erschien im Fachjournal Current Biology und ist hier abrufbar: https://doi.org/10.1016/j.cub.2026.04.058
Forschende aus Deutschland untersuchten über mehrere Jahre, wie sich künstlich geschaffene Waldlücken und Totholz auf Vögel und Fledermäuse auswirken.
Warum ist das relevant?
Die Ergebnisse zeigen, dass selbst monotone Wirtschaftswälder wieder deutlich artenreicher werden können.
Für wen ist das wichtig?
Die Erkenntnisse betreffen Forstwirtschaft, Naturschutz, Waldbesucher und alle Menschen, die sich für klimaresistente Wälder interessieren.
Warum sind monotone Wälder problematisch?
Viele Wälder in Europa wurden über Jahrhunderte gezielt für die Holzproduktion optimiert. Dabei standen oft wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Ziel war ein möglichst effizienter Wald mit gut planbarer Holznutzung.
Dadurch entstanden häufig:
- gleichaltrige Baumbestände
- wenige Baumarten
- kaum alte oder abgestorbene Bäume
- wenig Lichtungen
- geringe Strukturvielfalt
Solche Wälder wirken auf den ersten Blick ordentlich und gesund. Ökologisch betrachtet fehlt ihnen jedoch oft die Vielfalt. Viele Tierarten finden dort weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten oder geschützte Rückzugsorte.
Besonders problematisch wird dies in Zeiten des Klimawandels. Gleichförmige Wälder reagieren empfindlicher auf:
- Trockenheit
- Stürme
- Schädlingsbefall
- Hitzeperioden
- Waldbrände
Ein vielfältiger Wald kann Belastungen dagegen oft besser ausgleichen.
Warum sind Totholz und Waldlücken so wichtig?
Totholz ist keineswegs nutzlos. Im Gegenteil: Abgestorbene Bäume zählen zu den wichtigsten Lebensräumen im Wald.
In und an Totholz leben:
- Insekten
- Pilze
- Moose
- Fledermäuse
- Spechte
- Käferarten
- Kleinsäuger
Viele Tierarten sind direkt auf morsches Holz angewiesen. Spechte hacken Bruthöhlen hinein, Fledermäuse nutzen Spalten als Versteck und zahlreiche Insekten entwickeln sich im verrottenden Holz.
Auch Waldlücken spielen eine wichtige Rolle. Dort gelangt mehr Sonnenlicht auf den Boden. Dadurch entstehen:
- mehr Pflanzenwachstum
- mehr Blüten
- mehr Insekten
- abwechslungsreiche Mikroklimata
Genau diese Vielfalt zieht wiederum weitere Tierarten an.
Der Begriff Strukturvielfalt beschreibt unterschiedliche Elemente im Wald, etwa:
- verschiedene Baumhöhen
- alte und junge Bäume
- Totholz
- Lichtungen
- dichte und offene Bereiche
- natürliche Übergänge
Je vielfältiger diese Strukturen sind, desto mehr Tier und Pflanzenarten können dort leben.
Wie verlief die Studie in Deutschland?
Die Forschenden untersuchten insgesamt 234 Waldflächen in sechs Regionen Deutschlands. Jede Fläche hatte eine Größe von 50 mal 50 Metern.
Die Untersuchungsorte lagen:
- bei Lübeck
- im Saarland
- im Forst der Universität Würzburg
- bei Passau
- im Nationalpark Hunsrück Hochwald
- im Nationalpark Bayerischer Wald
Auf einigen Flächen wurden gezielt Waldlücken geschaffen. Andere Flächen erhielten zusätzlich Totholz wie Baumstämme oder Baumstümpfe.
Danach beobachteten die Forschenden über vier bis sieben Jahre hinweg, wie sich die Artenvielfalt entwickelte.
Wie wurden Fledermäuse und Vögel untersucht?
Die Wissenschaftler setzten auf ein akustisches Monitoring. Dabei kamen automatische Rekorder zum Einsatz, die über mehrere Monate hinweg Tierlaute aufzeichneten.
Diese Methode hat mehrere Vorteile:
- keine Störung der Tiere
- langfristige Beobachtung möglich
- große Datenmengen
- Erfassung nachtaktiver Arten
Insgesamt identifizierten die Forschenden:
- 17 Fledermausarten
- 72 Vogelarten
Gerade Fledermäuse lassen sich über ihre Ultraschallrufe sehr gut bestimmen.
Warum reagieren Fledermäuse anders als Vögel?
Die Studie zeigt besonders interessante Unterschiede zwischen beiden Tiergruppen.
Warum profitieren Vögel von lokalen Veränderungen?
Vögel leben häufig in festen Revieren. Sie benötigen dort:
- Nahrung
- Nistplätze
- Schutz
- geeignete Brutbedingungen
Wenn ein Waldstück mehr Totholz und unterschiedliche Strukturen bietet, können sich dort mehr Vogelarten dauerhaft ansiedeln.
Besonders Spechtarten profitieren stark von alten und morschen Bäumen.
Warum benötigen Fledermäuse unterschiedliche Waldbereiche?
Fledermäuse verhalten sich anders. Sie legen oft große Strecken zurück und nutzen verschiedene Bereiche gleichzeitig.
Sie benötigen:
- dichte Waldabschnitte
- offene Jagdräume
- helle Flugkorridore
- ruhige Rückzugsorte
Gerade die Mischung aus unterschiedlichen Strukturen macht einen Wald für Fledermäuse attraktiv.
Die Forschenden beschreiben Fledermäuse deshalb bildlich als „Pendler“, während Vögel eher „Heimwerker“ seien.
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Welche Tierarten tauchten neu auf?
Besonders spannend war die Beobachtung, dass in strukturreicheren Wäldern neue Arten auftauchten.
Bei den Fledermäusen kamen durchschnittlich zwei zusätzliche Arten hinzu. Das klingt zunächst wenig. Da es in Deutschland insgesamt jedoch nur etwa 25 Fledermausarten gibt, ist dieser Effekt durchaus bemerkenswert.
Neu auftauchende Arten waren unter anderem:
- Nordfledermaus
- Zweifarbfledermaus
Diese Arten bevorzugen normalerweise eher offene Landschaften und meiden monotone Waldgebiete.
Welche Vogelarten profitierten besonders?
Vor allem sogenannte Totholzspezialisten reagierten positiv auf die neuen Strukturen.
Dazu zählen verschiedene Spechtarten, die auf abgestorbene Bäume angewiesen sind.
Die Forschenden beobachteten außerdem eine steigende funktionelle Vielfalt. Das bedeutet:
- mehr unterschiedliche Lebensweisen
- mehr ökologische Funktionen
- stabilere Nahrungsketten
- bessere Anpassungsfähigkeit
Warum ist Artenvielfalt für den Wald so wichtig?
Ein artenreicher Wald ist deutlich widerstandsfähiger. Verschiedene Tier und Pflanzenarten übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Ökosystem.
Vögel und Fledermäuse helfen beispielsweise bei der natürlichen Schädlingskontrolle.
Viele Fledermäuse fressen große Mengen Insekten. Auch zahlreiche Vogelarten reduzieren Schadinsekten im Wald.
Dadurch können sie indirekt:
- Wälder schützen
- Schädlingsausbreitung begrenzen
- das ökologische Gleichgewicht stabilisieren
Gleichzeitig fördern vielfältige Wälder:
- Wasserspeicherung
- Bodenschutz
- Kohlenstoffbindung
- Kühlung der Umgebung
Warum ist Totholz heute noch umstritten?
In der klassischen Forstwirtschaft galt Totholz lange als Problem. Viele Menschen verbinden abgestorbene Bäume mit:
- mangelnder Pflege
- Schädlingen
- Waldkrankheiten
- Verlusten bei der Holznutzung
Tatsächlich kann zu viel geschädigtes Holz in bestimmten Situationen Risiken erhöhen. Beispielsweise bei massivem Borkenkäferbefall.
Die aktuelle Forschung zeigt jedoch klar, dass ein gewisser Anteil an Totholz ökologisch sehr wertvoll ist.
Entscheidend ist ein ausgewogenes Management.
Die Studie bedeutet nicht, dass Wirtschaftswälder komplett sich selbst überlassen werden sollen. Vielmehr geht es um gezielte Maßnahmen:
- kleine Lichtungen schaffen
- einzelne tote Bäume erhalten
- mehr Strukturvielfalt zulassen
- natürliche Prozesse stärker integrieren
Dadurch können wirtschaftliche Nutzung und Naturschutz besser kombiniert werden.
Welche Bedeutung hat die Studie für den Klimawandel?
Der Klimawandel setzt Wälder zunehmend unter Stress. Hitzewellen, Trockenheit und Extremwetter nehmen zu.
Monotone Wälder reagieren darauf oft besonders empfindlich.
Strukturreiche Wälder besitzen dagegen viele Vorteile:
- bessere Wasserspeicherung
- mehr Schattenbereiche
- höhere ökologische Stabilität
- mehr Anpassungsmöglichkeiten
Außerdem können vielfältige Wälder besser mit Störungen umgehen. Wenn eine Baumart ausfällt, übernehmen andere Arten wichtige Funktionen.
Welche Rolle spielen Nationalparks?
Nationalparks zeigen seit Jahren, wie wertvoll natürliche Waldentwicklung sein kann.
Besonders im Nationalpark Bayerischer Wald entstanden nach Stürmen und Borkenkäferbefall zahlreiche neue Lebensräume.
Während viele abgestorbene Flächen zunächst kritisch betrachtet wurden, entwickelte sich dort langfristig eine enorme Artenvielfalt.
Die aktuelle Studie bestätigt diese Beobachtungen wissenschaftlich.
Wie könnte die Forstwirtschaft künftig reagieren?
Die Forschenden sprechen von einem „Mut zur Lücke“. Gemeint ist eine modernere Waldwirtschaft, die stärker auf ökologische Vielfalt setzt.
Welche Maßnahmen wären sinnvoll?
- Totholz häufiger im Wald belassen
- kleine Lichtungen zulassen
- mehr Mischwälder fördern
- alte Bäume länger erhalten
- natürliche Prozesse stärker akzeptieren
Viele dieser Maßnahmen lassen sich bereits mit vergleichsweise geringem Aufwand umsetzen.
Gibt es auch wirtschaftliche Nachteile?
Kurzfristig kann der Verzicht auf die vollständige Nutzung von Holz wirtschaftliche Einbußen bedeuten.
Wenn Totholz im Wald bleibt, steht dieses Holz nicht mehr als Rohstoff zur Verfügung.
Langfristig könnte sich die höhere Stabilität der Wälder jedoch wirtschaftlich auszahlen.
Denn stabile Wälder verursachen oft:
- weniger Schäden
- geringere Wiederaufforstungskosten
- weniger Schädlingsprobleme
- mehr Klimaschutzleistungen
Welche Bedeutung hat die funktionelle Vielfalt?
Die Studie hebt besonders die sogenannte funktionelle Vielfalt hervor.
Dabei geht es nicht nur um die Anzahl der Arten, sondern um ihre unterschiedlichen Aufgaben im Ökosystem.
Ein Wald mit vielen verschiedenen Funktionen gilt als besonders robust.
Beispiele:
- Spechte schaffen Höhlen für andere Tiere
- Fledermäuse regulieren Insektenpopulationen
- Insekten zersetzen Totholz
- Pilze recyceln Nährstoffe
Je vielfältiger diese Rollen verteilt sind, desto stabiler bleibt das gesamte System.
FAQ: Häufige Fragen zu Totholz und Artenvielfalt
Warum ist Totholz wichtig?
Totholz bietet Lebensraum für zahlreiche Tier und Pflanzenarten. Viele Insekten, Vögel und Fledermäuse sind darauf angewiesen.
Schadet Totholz dem Wald?
Nicht grundsätzlich. Ein gewisser Anteil an Totholz erhöht die Artenvielfalt und verbessert die ökologische Stabilität.
Warum helfen Waldlücken?
Lichtungen schaffen unterschiedliche Lebensräume und fördern Pflanzen, Insekten und jagende Fledermäuse.
Wie viele Arten wurden untersucht?
Die Forschenden identifizierten 17 Fledermausarten und 72 Vogelarten.
Wo wurde die Studie durchgeführt?
Die Untersuchung fand in sechs Regionen Deutschlands statt, darunter der Bayerische Wald und der Nationalpark Hunsrück Hochwald.
Warum sind strukturreiche Wälder klimastabiler?
Vielfältige Wälder reagieren flexibler auf Hitze, Trockenheit und Störungen.
Fazit: Warum brauchen Wälder mehr natürliche Vielfalt?
Die aktuelle Studie aus Deutschland zeigt deutlich, dass mehr Strukturvielfalt im Wald zahlreiche Vorteile bringt. Totholz, alte Bäume und kleine Lichtungen schaffen wichtige Lebensräume für Vögel, Fledermäuse und viele weitere Arten.
Besonders interessant ist, dass schon vergleichsweise kleine Eingriffe große Auswirkungen haben können. Selbst monotone Wirtschaftswälder lassen sich ökologisch aufwerten.
Gleichzeitig wird deutlich, dass natürliche Unordnung kein Zeichen schlechter Waldpflege ist. Vielmehr kann genau diese Vielfalt helfen, Wälder widerstandsfähiger gegen Klimawandel, Schädlinge und Extremwetter zu machen.
Die Ergebnisse liefern damit wichtige Impulse für moderne Waldwirtschaft und Naturschutz in Deutschland.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news872385 und https://doi.org/10.1016/j.cub.2026.04.058
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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