Fichtenschadholz muss nicht automatisch verbrannt oder als minderwertiger Rohstoff abgeschrieben werden. Untersuchungen des Fraunhofer WKI und seiner Forschungspartner zeigen, dass abgestorbene, stehend gelagerte Fichten bis zu zwei Jahre für geklebte Vollholzprodukte geeignet sein können. Selbst nach längerer Lagerung kommt eine stoffliche Nutzung für OSB, Spanplatten, MDF und weitere Holzwerkstoffe infrage.
Wie lässt sich Fichtenschadholz trotz Borkenkäfer sinnvoll nutzen?
Der Klimawandel verändert nicht nur unsere Wälder, sondern stellt auch die Forstwirtschaft und die holzverarbeitende Industrie vor neue Aufgaben. Trockenheit, Hitze, Stürme und die dadurch begünstigte Vermehrung von Schadinsekten führen dazu, dass große Mengen sogenanntes Kalamitätsholz anfallen. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Fichte und dem Borkenkäfer.
Eine entscheidende Frage lautet deshalb: Wie lange kann abgestorbenes Fichtenschadholz im Wald stehen, bevor es für hochwertige Produkte nicht mehr geeignet ist? Genau damit hat sich ein Forschungsprojekt unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, beschäftigt. Die Ergebnisse sind für Waldbesitzer, Sägewerke, Holzwerkstoffhersteller, Bauwirtschaft und Kreislaufwirtschaft gleichermaßen interessant. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
| Lagerungsdauer und Zustand | Mögliche Nutzung | Einordnung |
|---|---|---|
| Bis etwa 2 Jahre stehend gelagert | Geklebte Vollholzprodukte | Nach entsprechender Prüfung und Sortierung weiterhin hochwertig nutzbar |
| Bis mindestens etwa 4 Jahre | OSB, Spanplatten und MDF | Herstellung laut Projektergebnissen ohne größere Qualitätseinbußen möglich |
| Länger oder stärker degradiert | Je nach Holzqualität weitere stoffliche Nutzung prüfen | Individuelle Bewertung und Sortierung erforderlich |
| Stark beeinträchtigtes Material | Energetische Nutzung als nachgelagerte Option | Stoffliche Verwertung sollte nach Möglichkeit vorher geprüft werden |
Faktenbox: Fichtenschadholz
Meldung: Forschende haben untersucht, wie lange durch Borkenkäfer abgestorbene Fichten trotz stehender oder anderer Lagerung noch stofflich genutzt werden können.
Bedeutung: Ein erheblicher Teil des Holzes könnte länger als Rohstoff erhalten bleiben, statt frühzeitig energetisch verwertet zu werden.
Einordnung: Besonders relevant sind die Ergebnisse für Waldbesitzer, Forstbetriebe, Sägewerke, Holzwerkstoffhersteller, Bauwirtschaft und Unternehmen der zirkulären Bioökonomie.
Warum entsteht derzeit so viel Fichtenschadholz?
Fichtenbestände reagieren empfindlich auf bestimmte Folgen heißer und trockener Witterungsperioden. Wassermangel kann die Vitalität der Bäume beeinträchtigen. Gleichzeitig können günstige Bedingungen für Borkenkäfer dazu führen, dass sich deren Populationen stark vermehren.
Treffen mehrere Belastungen zusammen, können großflächige Waldschäden entstehen. Solche Ereignisse werden in der Forstwirtschaft als Kalamitäten bezeichnet. Das dabei anfallende Holz wird entsprechend häufig Kalamitätsholz genannt.
Das Problem besteht nicht allein darin, dass große Mengen Fichten absterben. Für die Forstwirtschaft entsteht gleichzeitig eine enorme logistische Herausforderung. Wenn innerhalb relativ kurzer Zeit sehr große Holzmengen anfallen, können sie nicht zwangsläufig sofort gefällt, transportiert, gelagert und verarbeitet werden.
Ein Teil der abgestorbenen Bäume bleibt deshalb zunächst als sogenannter Dürrständer im Wald stehen. Genau daraus ergibt sich die praktische Frage, wie schnell die Holzqualität während dieser Zeit tatsächlich abnimmt.
Was passiert mit einer abgestorbenen Fichte im Wald?
Ein abgestorbener Baum verändert sich mit zunehmender Zeit. Die Prozesse sind komplex und hängen unter anderem vom Standort, von den Witterungsverhältnissen, vom Ausgangszustand des Baumes und vom Befall mit Pilzen oder Insekten ab.
Zu den relevanten Veränderungen gehören:
- Trocknung des Holzes
- möglicher weiterer Insektenbefall
- Pilzbefall
- Veränderungen der Holzstruktur
- Veränderungen mechanischer Eigenschaften
- zunehmende Rissbildung
- Veränderungen der Verarbeitbarkeit
Entscheidend ist allerdings, dass ein abgestorbener Baum nicht automatisch von einem Tag auf den anderen technisch wertlos wird. Zwischen dem biologischen Absterben eines Baumes und dem Verlust seiner Eignung als industrieller Rohstoff können erhebliche Zeiträume liegen.
Genau diese Zeitspanne ist wirtschaftlich und ökologisch interessant.
Was haben die Forschenden bei Fichtenschadholz untersucht?
Das Forschungsprojekt konzentrierte sich auf Fichten, die infolge eines Borkenkäferbefalls abgestorben waren. Dabei sollte geklärt werden, wie sich unterschiedliche Lagerungsformen und Lagerungszeiten auf die spätere stoffliche Nutzung auswirken.
Untersucht wurde unter anderem Holz von Fichten, die weiterhin stehend im Wald verblieben waren. Zusätzlich betrachteten die Forschenden weitere Lagerungsvarianten. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob das Material trotz zunehmender Degradation noch für Vollholzprodukte oder Holzwerkstoffe eingesetzt werden kann. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Woher stammte das untersuchte Holz?
Für die Untersuchungen wurden zwei besonders von Waldschäden betroffene Regionen ausgewählt. Die Proben stammten aus Kalamitätsflächen im Nationalpark Harz sowie im Sauerland.
Dort entnahmen die Forschenden geschädigte beziehungsweise abgestorbene Fichten mit unterschiedlichen Absterbezeitpunkten und Standzeiten. Dadurch ließ sich untersuchen, wie der Degradationsfortschritt des Holzes mit zunehmender Zeit voranschreitet.
Ergänzend fanden Untersuchungen mit trockengelagertem Kalamitätsfichtenholz unterschiedlicher Lagerungsdauer statt. :contentReference[oaicite:2]{index=2}
Welche Holzprodukte wurden aus dem Schadholz hergestellt?
Besonders interessant ist, dass die Forschenden nicht lediglich kleine Holzproben im Labor untersuchten. Aus dem Material wurden konkrete Produkte beziehungsweise produktnahe Prüfkörper hergestellt und anschließend bewertet.
Dazu gehörten beispielsweise:
- Bretter
- Bohlen
- Kanthölzer
- Brettsperrholz, kurz BSP
- Brettschichtholz, kurz BSH
- OSB
- Spanplatten
- mitteldichte Faserplatten, kurz MDF
Damit deckten die Untersuchungen verschiedene Bereiche der Holzverarbeitung ab, von klassischem Schnittholz über geklebte konstruktive Produkte bis zu industriell gefertigten Holzwerkstoffen.
Wie wurde die Qualität geprüft?
Die Bewertung beschränkte sich nicht auf das äußere Erscheinungsbild. Zum Untersuchungsprogramm gehörten visuelle und maschinelle Sortierverfahren sowie Prüfungen wichtiger mechanischer Eigenschaften und der Verklebungsqualität.
Untersucht wurden unter anderem Biege- und Zugeigenschaften sowie Blockscher- und Delaminierungseigenschaften. Für Holzwerkstoffe analysierten die Forschenden beispielsweise Holzfeuchte, Rohdichte, Dickenquellung, Biegefestigkeit und Querzugfestigkeit. Die Bewertung orientierte sich an einschlägigen Produkt- und CE-Normen. :contentReference[oaicite:3]{index=3}
Faktenbox: Was bedeutet Kaskadennutzung?
Bei einer Kaskadennutzung wird ein Rohstoff möglichst lange stofflich genutzt. Holz kann beispielsweise zunächst als Bau- oder Werkstoff dienen. Später können daraus weitere Produkte entstehen. Eine energetische Verwertung kann am Ende der Nutzungskette stehen. Ziel ist es, den Rohstoff möglichst effizient einzusetzen und seine Wertschöpfung möglichst lange zu erhalten.
Wie lange kann stehendes Fichtenschadholz für Vollholzprodukte genutzt werden?
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts betrifft geklebte Vollholzprodukte. Nach Angaben der Forschenden lässt sich das untersuchte Fichtenschadholz bis zu einer Stehendlagerungsdauer von zwei Jahren für solche Anwendungen verarbeiten.
Das bedeutet nicht, dass jedes zwei Jahre abgestorbene Stück Fichtenholz automatisch für jedes Bauprodukt geeignet ist. Sortierung, Qualitätskontrolle und die Einhaltung der jeweiligen technischen Anforderungen bleiben notwendig.
Die Untersuchung zeigt jedoch, dass die reine Standzeit eines abgestorbenen Baumes kein ausreichender Grund ist, den Rohstoff grundsätzlich als ungeeignet einzustufen.
Für die Praxis kann das erhebliche Konsequenzen haben. Bei großen Kalamitäten entsteht mehr zeitlicher Spielraum, um Holzmengen sinnvoll zu koordinieren und einer möglichst hochwertigen Nutzung zuzuführen.
Kann älteres Fichtenschadholz noch zu OSB, MDF und Spanplatten verarbeitet werden?
Hier zeigen die Projektergebnisse ein besonders großes Potenzial. Selbst wenn das Material für bestimmte Vollholzanwendungen nicht mehr optimal geeignet ist, kann eine weitere stoffliche Nutzung möglich sein.
Nach Angaben des Fraunhofer WKI konnte das untersuchte Material bei Lagerungszeiten von bis zu mindestens vier Jahren beispielsweise noch für OSB, Spanplatten und MDF eingesetzt werden, ohne dass größere Qualitätseinbußen festgestellt wurden. :contentReference[oaicite:4]{index=4}
Damit entsteht eine Art Nutzungshierarchie. Hochwertige Holzqualitäten können für anspruchsvollere Produkte eingesetzt werden. Mit fortschreitender Veränderung des Materials kommen andere Produktgruppen infrage.
Warum eignen sich Holzwerkstoffe besonders für eine solche Nutzung?
Bei Holzwerkstoffen wird der ursprüngliche Stamm in unterschiedlichem Umfang aufgeschlossen. Für Spanplatten werden beispielsweise Holzpartikel verwendet. OSB besteht aus länglichen, ausgerichteten Spänen. Bei MDF wird das Holz noch stärker zerfasert.
Dadurch gelten teilweise andere Anforderungen als bei einem massiven, tragenden Vollholzquerschnitt. Das eröffnet Möglichkeiten, Rohstoffe zu nutzen, die für bestimmte andere Anwendungen nicht mehr optimal wären.
Die Untersuchungen zeigen entsprechend, dass stehend gelagertes Fichtenkalamitätsholz grundsätzlich für OSB, Spanplatten, MDF und auch Dämmstoffe verwendet werden kann. :contentReference[oaicite:5]{index=5}
Welche Nachteile hat länger gelagertes Fichtenschadholz?
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass zwischen Frischholz und länger gelagertem Kalamitätsholz überhaupt keine Unterschiede bestehen.
Ein wichtiger Punkt betrifft die Verarbeitung. Nach den Projektergebnissen muss bei Schadholz im Vergleich zu Frischholz mit einem deutlich höheren Anteil an Feinpartikeln und Stäuben gerechnet werden.
Das kann Auswirkungen auf industrielle Prozesse haben. Unternehmen müssen beispielsweise ihre Aufbereitung, Absaugung und Materialführung berücksichtigen.
Weitere Herausforderungen können je nach Ausgangsmaterial sein:
- stärkere Streuung der Holzqualität
- zusätzlicher Sortieraufwand
- Risse und strukturelle Veränderungen
- Pilz- und Insektenschäden
- unterschiedliche Feuchtegrade
- erhöhter Aufwand bei Qualitätskontrollen
Deshalb ist die zentrale Botschaft nicht, dass jedes Schadholz uneingeschränkt verwendbar ist. Entscheidend ist vielmehr eine gezielte Bewertung, Sortierung und Zuordnung zum passenden Endprodukt.
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Warum ist die stoffliche Nutzung von Fichtenschadholz für die Kreislaufwirtschaft wichtig?
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, dessen nachhaltige Nutzung nicht allein davon abhängt, wie viel davon nachwächst. Ebenso entscheidend ist, wie effizient bereits vorhandenes Holz verwendet wird.
Wird ein grundsätzlich noch nutzbarer Stamm frühzeitig verbrannt, steht er anschließend nicht mehr als Werkstoff zur Verfügung. Bei einer längeren stofflichen Nutzung kann derselbe Rohstoff dagegen zunächst wirtschaftlichen Nutzen als Material entfalten.
Die Forschenden sprechen deshalb von Kaskadennutzung. Dieses Konzept ist ein wichtiger Bestandteil einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft.
Welche Vorteile kann eine längere stoffliche Nutzung haben?
- Vorhandene Holzressourcen werden effizienter genutzt.
- Kalamitätsholz erhält eine höhere wirtschaftliche Wertschöpfung.
- Die energetische Nutzung kann auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
- Waldbesitzer erhalten zusätzliche Vermarktungsoptionen.
- Holzwerkstoffhersteller können zusätzliche Rohstoffquellen erschließen.
- Die Nutzung regional verfügbarer Rohstoffe kann gestärkt werden.
Hinzu kommt die Klimaschutzdimension von Holzprodukten. Kohlenstoff, den ein Baum während seines Wachstums aufgenommen hat, bleibt während der Nutzungsdauer eines Holzproduktes zunächst im Material gebunden. Wie groß der konkrete Klimavorteil ist, hängt allerdings immer vom jeweiligen Produkt, seiner Lebensdauer, der Verarbeitung, Transportwegen und davon ab, welche Materialien oder Energieträger tatsächlich ersetzt werden.
Warum sollte Fichtenschadholz nicht vorschnell verbrannt werden?
Die energetische Nutzung von Holz ist grundsätzlich eine mögliche Verwertungsoption. Die Frage ist jedoch, an welcher Stelle der Nutzungskette sie sinnvoll eingesetzt wird.
Wenn ein Rohstoff technisch noch für langlebige Produkte geeignet ist, kann eine sofortige Verbrennung eine stoffliche Nutzung verhindern. Das Forschungsprojekt zeigt, dass selbst länger im Wald stehendes Fichtenholz noch einen erheblichen Materialwert besitzen kann.
Ein praktisches Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Eine abgestorbene Fichte muss nicht ausschließlich als Brennstoff betrachtet werden. Geeignete Teile könnten zunächst für Schnittholz oder geklebte Produkte verwendet werden. Andere Sortimente könnten in Holzwerkstoffe einfließen. Reststoffe aus Verarbeitung und Recycling können später weiterhin energetisch genutzt werden.
Damit entsteht eine Nutzungskette, die den Rohstoff differenzierter betrachtet.
Was bedeutet die Forschung für Waldbesitzer?
Für Waldbesitzer sind Kalamitäten mit schwierigen Entscheidungen verbunden. Bei großen Schadereignissen stellt sich häufig die Frage, welche Bestände zuerst aufgearbeitet werden müssen und welches Holz gegebenenfalls zunächst stehen bleiben kann.
Die neuen Erkenntnisse können dabei helfen, den vorhandenen Rohstoff differenzierter einzuschätzen.
Eine längere Standzeit bedeutet nach den Projektergebnissen nicht zwangsläufig, dass eine hochwertige Nutzung ausgeschlossen ist. Dadurch können zusätzliche Handlungsspielräume entstehen.
Allerdings darf daraus keine allgemeine Empfehlung abgeleitet werden, geschädigte Fichten grundsätzlich stehen zu lassen. Waldschutz, Verkehrssicherheit, Naturschutz, Arbeitssicherheit, regionale Borkenkäfersituationen und forstwirtschaftliche Ziele müssen jeweils berücksichtigt werden.
Was bedeutet das für Sägewerke und die Holzindustrie?
Für die Holzindustrie kann Kalamitätsholz eine bedeutende Rohstoffquelle darstellen. Gleichzeitig entstehen besondere Anforderungen an Sortierung und Verarbeitung.
Gerade bei großen Schadereignissen kann eine bessere Klassifizierung dazu beitragen, unterschiedliche Qualitäten gezielt passenden Produkten zuzuordnen.
Ein hochwertiges Sortiment muss nicht in derselben Nutzungskategorie landen wie stärker degradiertes Material. Statt einer pauschalen Einstufung als Schadholz ist deshalb eine produktbezogene Betrachtung sinnvoll.
Genau dabei soll der im Forschungsprojekt entwickelte Leitfaden helfen. Er enthält produktspezifische Sortierkriterien und soll die Holzbranche dabei unterstützen, aus vorhandenem Schadholz möglichst geeignete Sortimente für das geplante Endprodukt zu gewinnen. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
Faktenbox: Nicht die Herkunft allein entscheidet
Die Bezeichnung Schadholz sagt noch nicht ausreichend viel darüber aus, für welches Produkt das Material geeignet ist. Entscheidend sind unter anderem Schadfortschritt, Lagerungsdauer, mechanische Eigenschaften, Feuchte, Pilz- und Insektenbefall sowie die Anforderungen des geplanten Endproduktes.
Welche Rolle spielt der neue Leitfaden für Fichtenschadholz?
Forschungsergebnisse helfen der Praxis vor allem dann, wenn daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten entstehen. Deshalb wurde auf Grundlage der Untersuchungen gemeinsam mit Projekt- und Industriepartnern ein Leitfaden entwickelt.
Unter Federführung des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbands wurden Erkenntnisse über Lagerung, Sortierung und Verarbeitung zusammengeführt.
Die produktspezifischen Sortierkriterien sollen Unternehmen und Waldbesitzern helfen, das Material nicht pauschal zu bewerten, sondern möglichst sinnvoll einem geeigneten Verwendungszweck zuzuordnen.
Wer war am Forschungsprojekt beteiligt?
Das Verbundprojekt wurde vom Fraunhofer WKI geleitet. Beteiligt waren außerdem das IHD Dresden, der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband, Wald und Holz NRW sowie die Universität Göttingen.
Die einzelnen Teilvorhaben deckten unterschiedliche Bereiche ab. Dazu gehörten die Herstellung und Bewertung von Holzwerkstoffen, Untersuchungen biotischer Schadorganismen, mechanische Prüfungen geklebter Vollholzprodukte, Verbraucherakzeptanz, Risikoanalysen sowie Untersuchungen zur technischen Trocknung von Kalamitätsholz. :contentReference[oaicite:7]{index=7}
Das Projekt lief vom 1. August 2022 bis zum 31. Juli 2025. Als Fördermittelgeber werden das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit genannt. Projektträger war die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.
Wie können die Ergebnisse auf zukünftige Waldschäden übertragen werden?
Die Bedeutung der Untersuchung reicht über die konkret analysierten Fichtenbestände hinaus. Klimatische Veränderungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Forstbetriebe auch künftig mit großflächigen Schadereignissen umgehen müssen.
Für solche Situationen sind belastbare Informationen darüber wichtig, wie schnell Holz tatsächlich an technischer Qualität verliert.
Statt ausschließlich nach dem Zeitpunkt des Baumsterbens zu entscheiden, kann eine systematische Qualitätsbewertung sinnvoller sein. Dadurch könnten Rohstoffströme besser gesteuert werden.
Die Forschenden sehen deshalb Potenzial, die Erkenntnisse und insbesondere den entwickelten Leitfaden auch in anderen Regionen Deutschlands und Europas bei vergleichbaren Kalamitätsfällen einzusetzen. :contentReference[oaicite:8]{index=8}
Welche Grenzen haben die Ergebnisse?
Bei der Einordnung ist wichtig, die konkrete Fragestellung des Projektes zu beachten. Untersucht wurden Fichten, die infolge von Borkenkäferbefall abgestorben waren. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass jede andere Baumart oder jede Form von Schadholz dieselben Eigenschaften besitzt.
Auch regionale Standortbedingungen können eine Rolle spielen. Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Pilzvorkommen, Insektenbefall und Lagerbedingungen beeinflussen die Geschwindigkeit der Holzdegradation.
Die genannten Zeiträume von zwei beziehungsweise mindestens vier Jahren sollten deshalb nicht als pauschales Haltbarkeitsdatum verstanden werden.
Sie zeigen vielmehr, welches Nutzungspotenzial unter den untersuchten Bedingungen vorhanden war.
Welche rechtlichen und technischen Anforderungen gelten weiterhin?
Die Verwendung von Schadholz hebt bestehende Anforderungen an Bauprodukte und Holzwerkstoffe selbstverständlich nicht auf. Sobald Holz beispielsweise für konstruktive Anwendungen vorgesehen ist, müssen die jeweils einschlägigen technischen und normativen Vorgaben eingehalten werden.
Genau deshalb waren normgerechte Prüfverfahren ein wichtiger Bestandteil des Forschungsprojektes.
Für Unternehmen bedeutet dies: Die Herkunft aus einem Kalamitätsbestand ist weder automatisch ein Ausschlusskriterium noch ein Freibrief. Entscheidend ist, ob das konkrete Material beziehungsweise das daraus hergestellte Produkt die geltenden Anforderungen erfüllt.
Was bedeutet die Studie für eine nachhaltigere Holznutzung?
Die Ergebnisse unterstützen einen grundlegenden Perspektivwechsel. Schadholz sollte nicht ausschließlich als Problem oder Abfall betrachtet werden. Es handelt sich zunächst weiterhin um einen nachwachsenden Rohstoff, dessen tatsächliche Eigenschaften geprüft werden sollten.
Gerade angesichts großer Kalamitätsflächen kann diese Betrachtungsweise erhebliche Bedeutung gewinnen.
Wenn abgestorbene Fichten zwei Jahre nach dem Absterben noch für geklebte Vollholzprodukte und nach längerer Lagerung für bestimmte Holzwerkstoffe geeignet sein können, erweitert sich das Zeitfenster für eine sinnvolle Verarbeitung deutlich.
Für eine biobasierte Kreislaufwirtschaft ist genau diese Flexibilität wertvoll. Rohstoffe können entsprechend ihrer tatsächlichen Qualität eingesetzt werden, statt allein aufgrund ihrer Vorgeschichte aussortiert zu werden.
Wo gibt es weitere Informationen zur Forschung?
Weitere Informationen zu den Forschungsarbeiten und aktuellen Veröffentlichungen des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung WKI findest Du im Presse- und Medienbereich des Fraunhofer WKI.
Das Institut beschäftigt sich mit nachwachsenden Rohstoffen, Holzwerkstoffen, biobasierten Materialien, Recyclingverfahren, Werkstoffprüfungen und weiteren Fragestellungen einer zirkulären Bioökonomie. Die Forschungsergebnisse werden nach Angaben des Instituts in vielen Bereichen industriell genutzt. :contentReference[oaicite:9]{index=9}
Welche Fragen bleiben bei Fichtenschadholz offen?
Kann jedes zwei Jahre stehende Fichtenschadholz für Bauprodukte genutzt werden?
Nein. Der Zeitraum beschreibt Ergebnisse des untersuchten Materials und ersetzt keine Qualitätsprüfung. Der konkrete Zustand des Holzes und die Anforderungen des jeweiligen Produktes bleiben entscheidend.
Ist vier Jahre altes Fichtenschadholz automatisch für OSB oder MDF geeignet?
Auch hier ist eine individuelle Bewertung erforderlich. Das Projekt zeigt jedoch, dass entsprechendes Material bis zu mindestens vier Jahren Lagerungsdauer für OSB, Spanplatten und MDF verarbeitet werden konnte, ohne dass größere Qualitätseinbußen festgestellt wurden.
Muss Schadholz deshalb nicht mehr schnell aus dem Wald entfernt werden?
Eine solche pauschale Schlussfolgerung wäre nicht gerechtfertigt. Neben der Holzqualität spielen Waldschutz, Borkenkäfermanagement, Verkehrssicherheit, Arbeitssicherheit, Naturschutz und regionale forstliche Strategien eine Rolle.
Warum ist die Sortierung so wichtig?
Weil unterschiedliche Produkte unterschiedliche Anforderungen an den Rohstoff stellen. Durch eine gezielte Sortierung kann hochwertigeres Material anspruchsvolleren Anwendungen zugeführt werden, während andere Qualitäten beispielsweise für Holzwerkstoffe eingesetzt werden können.
Ist Verbrennen von Schadholz grundsätzlich falsch?
Nein. Die energetische Verwertung bleibt eine mögliche Nutzung. Aus Sicht der Kaskadennutzung sollte jedoch geprüft werden, ob das Holz zuvor noch sinnvoll stofflich verwendet werden kann.
Können die Ergebnisse auch für andere Baumarten gelten?
Das lässt sich aus dem beschriebenen Projekt nicht unmittelbar ableiten. Untersucht wurde ausdrücklich Fichtenholz aus durch Borkenkäfer geschädigten Beständen. Andere Baumarten können andere Eigenschaften und Degradationsverläufe aufweisen.
Fazit: Ist Fichtenschadholz wertvoller als häufig angenommen?
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sprechen dafür, Fichtenschadholz differenzierter zu betrachten. Ein durch Borkenkäfer abgestorbener Baum ist nicht automatisch kurzfristig als hochwertiger Rohstoff verloren.
Unter den untersuchten Bedingungen konnte bis zu zwei Jahre stehend gelagertes Fichtenschadholz noch für geklebte Vollholzprodukte eingesetzt werden. Bei Lagerungszeiten von bis zu mindestens vier Jahren war weiterhin eine Nutzung beispielsweise für OSB, Spanplatten und MDF möglich.
Damit eröffnet sich für Waldbesitzer und Holzindustrie ein größeres Zeitfenster, um enorme Holzmengen nach Kalamitäten sinnvoll zu verwerten. Gleichzeitig zeigt die Forschung, wie wichtig eine gezielte Sortierung und Qualitätskontrolle ist.
Für die Kreislaufwirtschaft ist das eine wichtige Erkenntnis. Je länger Holz entsprechend seiner tatsächlichen Qualität stofflich genutzt werden kann, desto effizienter lässt sich die Ressource einsetzen. Eine energetische Verwertung bleibt möglich, muss aber nicht zwangsläufig die erste Option sein.
Gerade angesichts zunehmender Waldschäden könnte diese Form der Kaskadennutzung künftig noch wichtiger werden. Fichtenschadholz ist damit nicht lediglich ein Symptom klimabedingter Waldschäden, sondern zugleich eine Ressource, deren vorhandenes Potenzial möglichst vollständig genutzt werden sollte.
Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news876098 und https://www.wki.fraunhofer.de/de/presse-medien.html
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen, News bzw. Pressemeldung
