Doom Metal („doom“ ist der englische Begriff für Unheil oder Untergang) ist eine sehr düstere und schwere Stilrichtung des Metal. Bezeichnend für den Doom ist eine traurige, dunkle Grundstimmung, sowohl im Text als auch bei der Musik. Die Songtexte beeinhalten oft Themen wie Tod, Trauer, Verzweiflung, Sehnsucht, Melancholie und Untergangsstimmung.

Der Doom Metal konnte sich nie wirklich als echter Mainstream gegenüber den anderen Metal-Stilrichtungen behaupten. Und das eigentlich völlig zu Unrecht: Doom ist von einem hohen künstlerischen Niveau geprägt, sei es von den Instrumenten, den Gesängen oder der Atmosphäre her gesehen. Doom Metal zeichnet sich durch schwere und sehr langsame Gitarrenriffs sowie durch walzende Drum Rhythmen aus. Außerdem hat er die meisten Subgenres, wie beispielsweise der Drone Doom, der Epic Doom, Death Doom, Gothic Doom, Stoner und Funeral Doom Metal. Zu den ersten Vertretern gehörten Black Sabbath, außerdem Saint Vitus, The Obsessed und Trouble aus den USA sowie Pagan Altar und Witchfinder General aus Großbritannien. Mitte der 80er Jahre gesellte sich dann die schwedische Gruppe Candlemass dazu.

Die absoluten Doom Metal Pioniere Black Sabbath

Doom Metal - der wohl unterbewerteste Stil der Heavy Metal Szene

Doom Metal – der wohl unterbewerteste Stil der Heavy Metal Szene

Hier handelt es sich wahrscheinlich um den am meisten unterbewerteten Stil der Szene. Ende der 1970er-Jahre entstand dieses Sub-Genre des Metal in England. Als absolute Pioniere gelten Black Sabbath, die mit schweren und langsamen Gitarrenriffs eine neue Richtung einschlugen. Doom Metal feierte nie einen großen Durchbruch im Mainstream. Und auch innerhalb der Szene schafften es nur wenige Bands wirklich bekannt zu werden und große Hallen zu füllen. Doom Metal ist seit seiner Entstehung ein Genre für den Underground der Metal-Szene. Dort jedoch ist er bis heute lebendig.

Das Sub-Genre hat enge Grenzen. Die Musik zeichnet sich durch eine gewisse Bodenständigkeit mit sich ständig wiederholenden Lava-Riffs aus. Neben einem reduzierten Tempo und einer starken Verzerrung der Gitarren, ist aber vor allem der Gegensatz zwischen Monotonie und Individualität das Hauptmerkmal. Doom Metal ist düster und kommt weit langsamer daher, als zum Beispiel andere Sub-Genres wie der Death Metal. Die Schwermut und gleichzeitige Erhabenheit, die auch als Mischung aus musikalisch transportierte Hoffnungslosigkeit gepaart mit einer tragenden Atmosphäre bezeichnet werden kann, ist in der Musik nahezu einmalig. Die tief gestimmten Gitarren, die häufig über einen Bassverstärker gespielt werden, vermitteln ein warmes und breites Klangbild. Der klare Gesang sowie Elemente aus Blues, Psychedelic und Hard Rock grenzen den Doom Metal klar von anderen Richtungen ab. Der Doom Metal hatte aber von Anfang an eine deutliche Bereitschaft zum Crossover und zeichnet sich durch viele Sub-Stile aus.

Textlich geht es im Doom Metal häufig um Apokalyptisches. Groteske und bis ins morbide reichende Weltanschauungen, Trauer, Wut, Schmerz und die bereits erwähnte Hoffnungslosigkeit und Melancholie treffen mitunter auf skurrile Landschaften. Die Texte und die Musik sind relativ also relativ homogen und schaffen die typische Doomatmosphäre.

Als typisch für den Doom Metal und ebenso als Geburtsstunde gelten die ersten vier Alben von Black Sabbath. Sie prägten den typischen Klang, der durch nachfolgende Band wie Saint Vitus oder Trouble in den 1980er-Jahren aufgegriffen wurde. Ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts vermischte sich der Doom Metal zunehmend mit angrenzenden Subkulturen und weitere Sub-Genres entstanden:

  • Stoner Doom
  • Sludge
  • Funeral Doom
  • Industrial Metal
  • Post-Metal

Diese Genrebegriffe wurden in den 1990er-Jahren noch unter dem Begriff „Doomcore“ zusammengefasst. Mit zunehmend mehr Interpreten und weiter ausdifferenzierten Spielweisen, wurden jedoch auch die Substile stärker differenziert. Gegen Ende des Jahrzehnts nahmen vor allem Death Metal und Harcore Punk starken Einfluss auf den Doom Metal. Daraus entstanden weitere Substile:

  • Epic Doom
  • Death Doom
  • Gothic Metal
  • Grunge
  • Stoner Doom
  • Drone Doom
  • Black Doom
  • Horror Jazz

Bekannte Bands aus dem Sub-Genre Doom Metal sind:

My Dying Bride, Ahab, Candlemass, Shape of Despair, Saint Vitus, Evoken, Count Raven, Memento Mori, Solitude Aeturnus, Trouble, Cathedral, Anathema, Paradise Lost, Funeral, Skepticism, Swallow the Sun, Black Sheep of Nexus, Paramaecium, Goatlord, My Silent Wake, Unholy, Esoteric, Katatonia (alte Alben), Isole, Novembers Doom, Sleep, OM, Electric Wizard, Cemetary, Winter, Black Sabbath, Earth, Veni Domine, October Tide, Doom:VS, Officium Triste, Darkflight, Griftegard, Beelzefuzz, Blood Ceremony, Jex Thoth, Obelyskkh, The Obsessed, Orchid, Revelation, Saint Vitus, Trouble, Witchcraft, Witchfinder General, Pentagram

Black Sabbath – 13

45 Jahre nach Bandgründung und genau 35 Jahre nach dem letzten Album in der Besetzung Osbourne, Iommi und Butler ist sie nun endlich da, die neue Black Sabbath, schlicht „13“ betitelt.

Ich glaube, kaum ein Metalhead hätte es für möglich gehalten, noch zu Lebzeiten in den Genuss eines neuen Black Sabbath-Albums zu kommen, und das in der klassischen Originalbesetzung. Klassische Originalbesetzung? Nicht ganz, denn Gründungsmitglied und Drummer Bill Ward fehlt leider auf diesem Album. Dafür konnte die Band um Ozzy Osbourne für die Aufnahmesession keinen Geringeren als Brad Wilk (Rage Against The Machine, Ex-Audioslave)für den Platz an der Schießbude gewinnen, der auf „13“ mit seiner Arbeit wirklich zu überzeugen weiß. Auch die Krebserkrankung von Riff-Gott Toni Iommi konnte die Briten nicht davon abhalten, dieses Album zu veröffentlichen, auch wenn der Tod bei den Songwriting- und Aufnahmesessions ein ständiger Begleiter gewesen ist.

Doch wie ist „13“ geworden? Meiner Meinung nach richtig gut, denn es finden sich auf dem Album alle Trademarks wieder, die diese Band in den Siebzigerjahren zu einem Rock-Dinosaurier gemacht haben. Die schweren Metalriffs von Tony Iommi, die ausgewogene, leicht bluesige und jazzige Rhythmusarbeit von Basser Geezer Butler und Drummer Brad Wilk, sowie natürlich die erhabene polarisierende Stimme von Ozzy Osbourne machen aus „13“ ein richtig gutes „Comeback“-Album. Als Anspieltipps empfehle ich den Opener „End Of The Beginning“ sowie „God Is Dead?“, die beide sehr an die ersten Platten der Band „Black Sabbath“ (1970) und „Paranoid“ (1970) erinnern. Produziert hat die Scheibe kein Geringerer als Rick Rubin (Slayer, ZZ Top, Johnny Cash, Metallica uva.), der einen wirklich guten Job hingelegt hat.

Fazit: Dieses Album ist ein Manifest und gehört in jede gut sortierte Plattensammlung. Die Urväter des Heavy Metals zeigen mit „13“ jedem, wo der (Metal)Hammer hängt und lässt alle anderen Retro-Bands dagegen verblassen.

Tracklist:
01. End Of The Beginning
02. God Is Dead?
03. Loner
04. Zeitgeist
05. Age Of Reason
06. Live Forever
07. Damaged Soul
08. Dear Father

Candlemass – Chapter VI

Das erste Album der schwedischen Doom-Legende nach dem Abgang von Messiah Marcolin hatte zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung einen schweren Stand bei den verbliebenen Fans – zu Unrecht, wie der „Test Of Time“ zeigt.

In Punkto Songwriting näherte sich die Band um Mastermind Leif Edling hier, ohne auf Doom-Elemente und überlanges Songwriting zu verzichten, dem klassischen Heavy Metal an und hatte dabei mit Neuzugang Tomas Vikström (der heutzutage leider bei Therion versauert) genau den richtigen Mann am Mikro. “Chapter VI“ präsentiert sich als zweischneidiges Schwert; während die A-Seite unter „Weltklasse“ zu verbuchen ist, fällt die zweite Hälfte stark ab, ohne jedoch ein grundsolides Qualitätslevel zu unterschreiten. „The Dying Illusion“ ist der perfekte Opener und in Punkto Songwriting genau der richtige Track, um altgediente Fans bei der Stange zu halten. „And Julie Laughs No More“ markiert im Anschluß die gelungene Symbiose aus althergebrachten Doom-Tugenden und neugewonnenem Melodieverständnis, bevor dann der epische Hammer „Where The Runes Still Speak“ den Höhepunkt des Albums setzt. Allein für diesen Track lohnt sich die Anschaffung von „Chapter VI“; hier fügen sich Epik, Dramatik, Melodie und Heaviness zu einem unwiderstehlichen Ganzen zusammen. Nachfolgend weiß noch „The Ebony Throne“ ein weiteres qualitatives Ausrufezeichen zu setzen, bevor dann wie erwähnt in der zweiten Hälfte eher schmale Kost geboten wird.

Sei's drum: Wer Klassiker wie „Nightfall“ vergöttert, sollte auch „Chapter VI“ in sein Herz schließen können. Das Album wurde 2006 von GMR wiederveröffentlicht und enthält hier eine Bonus DVD mit Live-Takes der '92er-Tour auf gutem Bootleg-Niveau sowie die vier Tracks der versoffenen „Sjunger Sigge Fürst“-EP, auf der die Band allen Nachahmern wie z.B. Onkel Tom zeigt, wo der Frosch die Locken hat.

Candlemass – The Curse of Candlemass (DVD)

Die Uhr schlägt Doom. Die wohl bedeutendste Doom Metal Band Candlemass auf diesem Planeten, veröffentlicht die nunmehr zweite DVD mit dem Titel „The Curse of Candlemass“.

Und diese hat es in sich! Aufgenommen wurde ein Gig, welcher November 2003 im stockholmschen Club „Fryhuset Klubben“, bei einem gemeinsamen Konzert mit Trouble und Force of Evil stattfand. Geboten werden ca. 1,5 Stunden pure Candlemass-Power und ein Haufen alter Klassikern. Und genau dies ist der einzige Kritikpunkt. Nur „Witches“ hat es von der aktuellen musikalischen Silberscheibe auf den audio-visuellen Datenträger geschafft. Etwas schade, dass man die neuesten Errungenschaften so außer Acht gelassen hat.

Nichtsdestotrotz strotzt die DVD mit gestochen scharfen Bildern und einem Sound der für Live-Verhältnisse einfach nur als perfekt bezeichnet werden kann. Mich würde es nicht wundern, wenn hier ein großes Stück nachbearbeitet wurde.

Schon allein die Frontmannqualitäten von Messiah Marcolin sind ein Grund sich die DVD zu kaufen und in vollen Zügen zu genießen. Und falls man sich die 14 Songs gegeben hat, schmeißt man die zweite DVD in den Player und sieht sich ein 45 minütiges Interview mit der Band an. Hier erfährt man einige interessante Hintergründe zur Trennung und zur Reunion. Ebenso befinden sich einige Livevideos aus den verschiedensten Schaffensperioden der Band auf derselben DVD.

Bei dieser Veröffentlichung sollten nicht nur Candlemass-Fans zugreifen, auch Nicht-Fans werden in den Bann der Band gezogen.

Fazit: Eine Musik-DVD, welche die endgültige Wiederkehr der Doom Legende im vollen Maße darbietet.

Anathema – Weather Systems

Die Musik von Anathema hat sich von jedweden ernstzunehmenden Rock-Anleihen meilenweit entfernt und so stellt sich die Frage: Wieso? Wieso werden Hard Rock- und Metal-affine Medien noch mit dem neuen Album der Engländer bemustert?

Was Anathema hier abziehen, spottet jeder Beschreibung. Die „Musik“ ist genauso nichtssagend wie die dazugehörigen Promo-Fotos der Liverpooler. Damit kann man ganz sicher ordentlich Eindruck schinden bei Studentinnen der Sozialwissenschaften im zweiten Semester, aber mehr ist dann auch nicht mehr drin.

Anathema kommen aus dem Doom-Metal-Bereich und haben hier auch einige hochgepriesene Werke Ende der 90er abgeliefert. Davon ist nichts mehr zu erkennen: Jeder der neun Songs auf „Weather Systems“ beginnt mit Gitarren- oder Klaviergeklimper, was dann für 2-5 Minuten anhält und sich zum Ende in eine Art „Crescendo“ entlädt. Vincent Cavanagh versucht sich an etwas, was er wohl für eine radiotaugliche Singstimme hält und er kommt dieser Definition auch ziemlich nahe. Klingt schon so richtig schön nach Formatradio, sein Geknödel. Desweiteren kommen auch ganz, ganz viele synthetisch-klingende Chöre und Streicher zum Einsatz (ja genau: zum Ende eines jeden Songs) und versuchen das nicht vorhandene Songwriting zu überdecken.

Fazit: Ehemals angesehene Doom-Band hechelt irgendwelchen Trends hinterher und schafft sich damit selber ab. Muss man wollen, aber ganz sicher nicht haben.

Tracklist:
01. Untouchable, Part 1
02. Untouchable, Part 2
03. The Gathering of the Clouds
04. Lightning Song
05. Sunlight
06. The Storm Before the Calm
07. The Beginning and the End
08. The Lost Child
09. Internal Landscapes

My Dying Bride – A Map of all our Failures

Das neue Album von My Dying Bride mit dem Titel „A Map of all our Failures“ ist ein neuerliches Meisterwerk der Doomband, das in melancholische und romantische Sphären entführt.

My Dying Bride wurde 1990 gegründet und erlangte mit ihrer eigenen Mischung von Death Metal, Doom und lyrischem Gothic große Bekanntheit. Die Band besteht momentan aus 6 Mitgliedern (Vocals, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard/Violine), die für einen breiten und abwechslungsreichen Sound sorgen. Von den Gründungsmitgliedern sind heute noch der Gitarrist Andrew Craighan und Aaron Stainthorpe übrig, dessen charakteristische klagende Stimme das Markenzeichen der Band ist. So ist auch das neue Album durch und durch My Dying Bride – langsam, melodisch und klagend – wieder legen die Musiker eine Rose auf das Bett ihrer sterbenden Braut.

Die Musik wechselt zwischen dramatischen, lyrischen Passagen und harten Doomgitarren sowie zwischen Down- und Midtempo, dabei wird nie die melancholische Stimmung verlassen. Eine romantische Geige gibt den Stücken den Gothic-Touch, der aber wohl dosiert ist, sodass diese Stellen nicht in eine übertriebene Gothicwinselei abtriften.

In einigen Tracks (3 und 7 insbesondere) wandelt sich die Stimme von Aaron Stainthorpe in einen Sprechgesang, der in episch dramatischer Art von einer sehnsüchtigen Liebe erzählt. (Track 7 „Within The Presence of Absence“)

„She rose up beautiful before me
And bare she walks the morning anew
It is the wound she gave me
Through my heart, drives her rain“

Die Scheibe endet in religiösen Anspielungen mit der Suche nach Gott, der den Liebenden doch verlassen hat und ihn in Einsamkeit zurücklässt.

„And me, with a finger of glass pushed through your heart
I’ll hide your name in a dying church for your shame
You see, I want to come in first peace oh my lord
Where was God when I most needed him?“

Also – die neue Scheibe von My Dying Bride ist ein gekonntes Werk, das für alle Gothic und Doom-Fans wärmstens zu empfehlen ist. Hört euch die Scheibe an einem dunklen Herbst- oder Winterabend (am Besten nicht allein) an und lasst euch von der Musik entführen.

Tracklist:
1. Kneel till Doomsday
2. The Poorest Waltz
3. A Tapestry Scorned
4. Like A Perpetual Funeral
5. A Map of all our Failures
6. Hail Odysseus
7. Within The Presence of Absence
8. Abandoned As Christ

My Dying Bride – The Manuscript (EP)

Romantisch, traurig, langsam und getragen bringen My Dying Bride wieder musikalische Rosen an das Totenbett ihrer sterbenden Braut.

Wie in alten My Dying Bride-Tagen ist auch eine Violine zu hören, die die Stimmung verstärkt. Das unverkennbare Markenzeichen der Band ist die Stimme von Aaron Stainthorpe, die zwischen Growls, Klargesang und Sprechgesang gekonnt wechselt. Natürlich ist auch der typische Gitarrensound zu hören, immer wieder durchsetzt mit Riffs, die sofort kennzeichnen, dass es sich um eine Scheibe von My dying Bride handelt. Dabei sind die Tracks unterschiedlich gestaltet – so ist der Titelsong „The Manuscript“ und der letzte Track „Only Tears to Replace Her With“ besonders romantisch und würde wohl eher zum Gothic Doom zählen, während besonders Track zwei „Vår gud över er“ an die Death Doom-Tradition der Band anknüpft und etwas rauer gehalten ist.

Auch wenn die Band schon 1990 gegründet wurde, hat sie von ihrem Charme nichts verloren und fasziniert nach wie vor mit dem unverkennbaren Sound und der düster-romatischen Stimmung. Hier liegt also eine gekonnte EP sehr erfahrener Musiker vor, die aber (vielleicht glücklicher Weise) wenig Innovationen aufweist.

Ein absolutes Muss für MdB-Fans und Hörer des Gothic- oder Doom-Sektors.

Tracklist:
1. The Manuscript
2. Vår gud över er
3. A Pale Shroud of Longing
4. Only Tears to Replace Her With

Paradise Lost – Icon

Ein Review zu diesem Album? Eigentlich sollte sich jetzt jeder vernünftige Metalfan fragen: „Trägt der Typ jetzt Eulen nach Athen, oder was?“. Ja, dieses Album ist ein Meilenstein. Eine (wie der Titel schon sagt) musikalische Ikone der 90er-Jahre. Warum dann also dieses Review?

Weil ich den subjektiven Eindruck habe, dass die Bedeutung dieses Opus in den letzten Jahren nicht mehr genügend gewürdigt worden ist. Dies ist zum Großteil auch die Schuld der Band selbst, da sie mit immer beschisseneren Alben in den letzten 15 Jahren dafür gesorgt hat, dass ihr grandioses Frühwerk ein wenig in Vergessenheit zu geraten scheint. Alleine die Tatsache, dass in dem aktuellen Liveset der Briten kein einziger Song von „Icon“ mehr vorkommt, ist ein verdammtes Sakrileg!

Der letzte musikalisch ernstzunehmende Output war das nur um Nuancen schwächere Nachfolgealbum „Draconian Times“. Mit „Host“ haben sie dann begonnen, ihr eigenes Denkmal mit dem Hinzunehmen von elektronischen Elementen und dem Zurückfahren des „Metal-Anteils“ in ihrer Musik zu zerstören.

Paradise Lost’s erste Scheiben waren noch stark Death Metal beeinflusst. Allerdings haben sie immer schon die langsamere Variante dieses Musikstils bevorzugt. Obwohl in Szenekreisen auch schon Alben wie „Gothic“ einen hohen Stellenwert genießen, hat die Band meiner Meinung nach erst mit „Icon“ zu ihrer wahren Stärke gefunden. Durch das Verwerfen der Death Metal-typischen Grunts und dem Wechsel zu der „klaren“ Singstimme von Nick Holmes wurden Paradise Lost zu Verfechtern des „traditionellen“ Metal in einer Zeit, in der die harte Musikszene von Waschlappen wie Kurt Cobain zu einem Teenage-Witz degradiert zu werden schien.

Was kann man also erwarten, wenn man „Icon“ in seinen Player schiebt? Zuerst einmal geniale Gitarrenhooks, die sich schon beim ersten Hören in die Gehirnwindungen einbrennen, aber im Dauerkonsum trotzdem keine Abnutzungserscheinungen zeigen. Dann die wirklich geniale Stimme von Nick Holmes, die perfekt mit der getragenen, majestätischen Musik harmoniert. Generell im Midtempo angesiedelte Songs (Ausnahmen: „Rememberance“ oder auch „Weeping Words“), die eine gewisse Traurigkeit ausstrahlen, ohne dabei in nerviger Jammerei zu ertrinken. Dann muss man natürlich hier auch noch die absolut exzellente Produktion von Simon Efemey lobend erwähnen.

Dieses Album gehört zweifellos in die Sammlung eines jeden Metalfans, der sich für erhabene Musik begeistern kann und außerdem noch einer gewissen Melancholie freundlich gegenüber steht.

Das Beben, welches dieses Werk Anfang der Neunziger in der Metalwelt ausgelöst hat, war mehr als berechtigt und sollte Grund genug sein, sich mal (wieder) mit einer Pulle Schnaps vor seine HiFi-Anlage zu setzen und sich dieses Kunstwerk am Stück zu Gemüte zu führen.

Songs, die man kennen muss: Ausnahmslos ALLE! Aber es gibt zwei Lieder, die nochmal besonders hervorstechen. Zum einen der Eröffnungs-Song „Embers Fire“: Hier gibt’s nach dem kurzen, atmosphärischen Intro sofort ein Jahrhundertriff um die Ohren gepfeffert. Das Lied steigert sich bis zum hymnischen Refrain und lässt einen, sobald man es einmal gehört hat, nie mehr los.

Zum anderen wäre da DER Signature-Song von Paradise Lost überhaupt: Mit „True Belief“ hat man sich selbst übertroffen! Sprach ich eben von einem Jahrhundertriff bei „Embers Fire“, gehen mir hier, ehrlich gesagt, die Superlative zum Beschreiben des Riffs in „True Belief“ aus. Wer diesen Song noch nie gehört hat, hat eine Bildungslücke, welche umgehend zu schließen ist! Müsst ihr kennen, werdet ihr lieben!

Trackliste:
01. Embers Fire
02. Remembrance
03. Forging Sympathy
04. Joys Of The Emptiness
05. Dying Freedom
06. Widow
07. Colossal Rains
08. Weeping Words
09. Poison
10. True Belief
11. Shallow Seasons
12. Christendom
13. Deus Misereatur

Pagan Altar – Judgement of the Death

Das kurze Album „Judgement of the Death“ ist mit ca. 39 Minuten Spielzeit eine Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 1998 – allerdings damals unter dem Titel „Volume 1“ erschienen. Damit ist die Platte das zweite Re-Release der Band.

Die Band Pagan Altar gründete sich schon im Jahr 1976, veröffentlichte aber in der Gründungszeit außer einem Demo kein Album, das kam erst später im Jahr 1998, nämlich das hier vorliegende kurze Album „Judgement of the Death“. Die Band ruhte danach einige Jahre, bevor sie sich im Jahr 2004 neu formierte. Zur Wiederveröffentlichung dieses Albums wurde im Gegensatz zum ersten Re-Release der Sound etwas „aufgefrischt“, was aber kaum auffällt und auch nicht passend wäre, da es den angestaubten rauen Underground-Sound aus den 80er zerstören würde.

Allerdings sind drei der Stücke auch auf der zuvor veröffentlichten EP „The Time Lord vorhanden“ (ich habe die doppelten in der Trackliste unten mit einem x gekennzeichnet), so dass die erneute Wieder-Wieder-Veröffentlichung nicht notwendig erscheint.

Entsprechend ihres Entstehungsdatums sind die Stücke auch stilistisch in der damaligen Zeit verhaftet: so gerade noch Midtempo Metal mit traditionellen Doomriffs und Passagen, der aber auch im traditionellen Heavy Metal verankert blieb … alles etwas trocken und angestaubt.

Wer auf traditionellen Doom und den alten, etwas muffigen Undergroundsound aus den 80er Jahren steht, wird mit der Scheibe auf jeden Fall seinen Spaß haben.

Tracklist:
01. Pagan Altar
02. In The Wake of Armadeus
03. Judgement Of The Dead (x)
04. The Black Mass (x)
05. Night Rider
06. Dance Of The Banshee
07. Reincarnation (x)

Pagan Altar – The Time Lord (Re-Release)

Die hier vorliegende EP mit ca. 33 Minuten Spielzeit ist eine Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2004 bzw. 1978, die das Potential einer Kultscheibe hat.

Die Band Pagan Altar gründete sich schon im Jahr 1976 – veröffentlichte aber außer einem Demo kein Album. Die Band ruhte danach lange Jahre, bevor sie sich im Jahr 2004 neu formierte und kurz darauf die EP The Time Lord herausbrachte. Die Scheibe enthält allerdings Songs, die in der ersten Phase der Band 1978-1979 aufgenommen wurden.

Jetzt wird diese erste EP The Time Lord also mit geändertem Cover auf CD oder grüner Vinyl wieder veröffentlicht. Dabei hat die Band den damaligen Sound unverändert gelassen – sie scheinen auf die heutigen tontechnischen Möglichkeiten der „Restaurierung“ praktisch vollständig verzichtet zu haben. So dringt nun angestaubter rauer Underground-Sound aus den 70er Jahren aus den Boxen: was für die einen dumpf und muffig klingen mag, hat für andere aber sicherlich Kultstatus.

Saint Vitus – Lillie F-65

Die Protagonisten der ersten Doom Welle nach Black Sabbath veröffentlichen nach 23 Jahren das vierte Album zusammen mit Scott Weinrich. Die Doom Anhänger glaubten schon nicht mehr an einen neuen Longplayer und oftmals wurde klargestellt, das keine neue CD geplant ist. Der Ruf der Fans war dann wohl doch nicht mehr zu ignorieren.

Mit großer Spannung und natürlich einer gewissen Erwartungshaltung höre ich die 7 neuen Songs von Saint Vitus an. Das Album wächst und wächst mit jedem Gehördurchgang. Doom ist ja nicht jedermanns Ding. Wino´s rauchig harter Gesang in Kombination mit Chandler´s sehr eigenständigen Gitarrenspiel – Einfach super auch das Zusammenspiel von Vasquez/ Adams von Schlagzeug und Bass. So muss Doom klingen.Der Einstieg Let them Fall (zu diesen Lied wurde ebenfalls ein Video-Clip gedreht) zeigt gleich alle Qualitäten und Trademarks dieser oftmals unterschätzten Band. Höhepunkte gibt es viele auf dieser CD zu entdecken. Ich lege jedem Black Sabbath-Fan dieses Album nahe, vor allem diejenigen, die nach Sabotage aufgehört haben diese Band zu hören. Nach kurzen 33:18 Minuten endet das Album. Schade ich hätte gerne noch mehr davon gehört!

Tracklist:
01. Let them Fall
02. The bleeding Ground
03. Vertigo
04. Blessed Night
05. The Waste of Time
06. Dependance
07. Withdrawal

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Autor: ARCHIVader


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