Pagan Metal (von englisch pagan, „heidnisch“) ist ein Metal-Genre mit vorwiegend mythologischen Themen aus vorchristlichen Religionen. Entstanden ist der Pagan Metal Mitte der 90er Jahre, quasi als Produkt der zweiten Welle des Black Metal. Der größte Unterschied zum Black Metal ist allerdings die weniger satanistische Prägung, sondern vielmehr die Ausrichtung auf das Heidentum.

Pagan Metal – nicht zwingend germanische oder nordische Sagenerzählungen

Pagan Metal - vorwiegend mythologische Themen aus vorchristlichen Religionen

Pagan Metal – vorwiegend mythologische Themen aus vorchristlichen Religionen

Mythologie spielt dabei eine immense Rolle und bei den Songs geht es häufig um die Götter und das Heldentum des eigenen Landes. Nicht zwingend germanische oder nordische Sagenerzählungen bilden die Grundlage, auch Religionen aus vorchristlicher Zeit können die Basis der Texte sein, wie zum Beispiel aus der griechischen Antike oder aus der Historie von Ländern wie China, Japan, Amerika oder anderen Völkern. Bands der ersten Stunde waren zum Beispiel Primordial aus Irland, In the Woods aus Norwegen oder die litauische Band Poccolus. Die Band Kawir verband erstmals in Griechenland den Stil des Black Metal mit heidnischen Songtexten. Oftmals wir die Pagan-Metal-Musik mit Stilelementen des Folk Metal verbunden. Dann kommen Instrumente wie Dudelsäcke oder Fiddles zum Einsatz. Auch markante Keyboardstellen sind bezeichnend für die Musik. Wie beim Black Metal ist der Gesang des Pagan kreischend und krächzend; allerdings ist die Atmosphäre insgesamt weniger düster, sondern mehr epischer Natur.

Pagan Metal (übersetzt auch heidnischer Metal) ist eine klassische Unterart des Metals, in dem häufig vorchristliche Religionen oder auch mythologische Themen im Vordergrund stehen. Pagan Metal wird gerne mit dem ähnlichen Viking Metal verwechselt, wobei es doch einige Unterschiede und Abgrenzungen der Genres gibt. Viele Musikexperten sind auch der Ansicht, dass der Pagan Metal eine Weiterentwicklung des klassischen Black Metals sei. Wohl auch deshalb, weil jenes Genre im Rahmen der zweiten Black Metal-Welle zum Vorschein trat.

Die Entstehung des Pagan Metals

Es war die sogenannte „zweite Black Metal-Welle“, die den Pagan Metal hervorbrachte. Während die Black Metal-Bands vorwiegend satanistische Texte schrieben, konzentrierten sich die Vertreter des Pagan Metals vorwiegend auf das Heidentum. Aus diesem Grund folgte schon zu Beginn der Entstehung des Pagan Metals eine klare Abgrenzung, sodass der Pagan Metal zwar seine Wurzeln im Black Metal hat, jedoch deutliche Unterschiede im textlichen Segment aufweist. Doch auch im Bereich des Pagan Metals gibt es immer wieder Bands, die zwar vergleichbare Musik machen und als Urväter gelten, jedoch sich nicht in jenes Genre einordnen lassen wollen. So etwa Enslaved, die von Viking Metal sprechen und deren Alben auch gerne als „Heathen Metal“ bezeichnet werden. Die erste Band, die tatsächlich in das Genre eingeordnet werden konnte und auch kein Problem mit der Neubezeichnung hatte, war In the Woods, eine norwegische Gruppe. Auch Poccolus gelten als Urväter des Pagan Metal. Wegweisend galten auch die ersten Stücke der Band Primordial aus Irland. Auch in Deutschland haben sich zahlreiche Pagan Metal-Bands gegründet. Die bekanntesten Vertreter jenes Genres waren etwa Adorned Brood, Falkenbach oder auch Tumulus sowie Menhir und Bergthron. Auch Andras und Black Messiah, die noch zu Beginn in das Black Metal-Genre eingeordnet werden konnten, entwickelten sich mit der Zeit zu klassischen Pagan Metal-Bands.

Der Pagan Metal hat Europa im Sturm erobert

Der Pagan Metal ist vorwiegend in den Niederlanden, Deutschland, Dänemark sowie im skandinavischen Raum beheimatet. Doch im Laufe der letzten Jahre hat sich auch im östlichen Europa eine starke Szene entwickelt. Auf Grund der hohen Popularität, die der Pagan Metal genießt, wurden ab dem Jahr 2000 zahlreiche Pagan Metal-Festivals ins Leben gerufen. Das Ragnarök-Festival, das seit dem Jahr 2004 in Deutschland veranstaltet wird, gilt als klassisches Aushängeschild der Szene.

Warum Pagan Metal immer wieder in das Kreuzfeuer der Kritik gerät

Natürlich steht der Pagan Metal – auch auf Grund seiner Texte – immer wieder in der Kritik. Oftmals aber auch unberechtigt, da immer wieder selbsternannte Musikexperten die Abgrenzung zwischen dem Pagan Metal und dem Black Metal nicht erkennen (oder auch etwa nicht erkennen wollen).

Klassische Vertreter des Pagan Metals sind:

  • In the Woods (Norwegen)
  • Primordial (Irland)
  • Black Messiah (Deutschland)
  • Heathen Foray (Österreich)
  • XIV Dark Centuries (Deutschland)
  • Moonsorrow (Finnland)
  • Skyforger (Lettland)
  • Arkona (Russland)
  • Falkenbach (Deutschland)
  • Heidevolk (Niederlande)

Equilibrium – Turis Fratyr

Zu dem ersten Lied „Turis Fratyr“ muss nicht viel gesagt werden. Dieses hätte genauso gut als Intro an den Anfang des zweiten Liedes gestellt werden können.

Mit dem zweiten Lied „Wingthors Hammer“ geht das Geballer auch direkt los, schnelle Gitarren und Maschinengewehr-Double-Bass-Drumming. Im Hintergrund sind Folkelemente zu hören, welche das Ganze noch interessanter machen. Das dritte Stück „Unter der Eiche“ fängt ruhig an und geht dann auf; auch hier harmoniert der Metal gut mit dem Folk. Am Ende geht es noch mal rund und das Lied lädt zum Moshen ein. „Der Sturm“ wird seinem Namen gerecht und setzt das fort, womit „Unter der Eiche“ endete. Man bekommt Lust, bei diesem Lied im Moshpit zu stehen, dort die Sau rauszulassen oder headbangend auf einem Konzert von Equilibrium zu sein. Zudem enthält das Lied ein echt gutes Gitarrensolo, welches sich gut einfügt.

„Widars Hallen“ unterscheidet sich am Anfang nicht großartig von den beiden vorherigen, doch singt am Ende ein Chor bzw. eine einzige Frau. In einer Sage würde es so ähnlich beschrieben werden: Wir wanderten durch den Wald und auf einmal erreichten göttliche Klänge, die aus dem Mund einer Fee stammen mussten, unser Ohr. Als nächstes ist „Met“ an der Reihe, es ist ein typisches Sauflied, da es auch vom Alkohol selbst handelt. Es ist einfach eine Hymne an den Met und für mich der beste Track der Schreibe. „Heimdalls Ruf“ könnte auch auf eine dieser “Entspannung CDs“ gepresst werden. Es ist ein ruhiges Instrumental und klingt, als würde man auf einer Wiese im Wald liegen und den Klängen des Waldes lauschen. „Die Prophezeiung“ ist ein am Anfang langsameres Lied, doch es ist noch lange nicht als “weich“ zu bezeichnen. Ungefähr in der Mitte wird es dann schneller, was die meisten Metaller freuen dürfte, da sie dann ihre BPM (bangs per minute) Zahl erhöhen können. Doch nimmt die Geschwindigkeit am Ende wieder ab. „Nordheim“ sticht nicht besonders heraus. Es gibt eigentlich nichts, was man beschreiben müsste. Trotzdem fügt sich das Lied gut in das Gersamtkonzept ein. „Im Fackelschein“ klingt für mich wie ein Outro zu „Nordheim“, es ist ein Instrumental mit einem Feuergeknister im Hintergrund. Es bringt allerdings ein wenig Abwechslung in die Platte. Die „Tote Heldensage“ wird hoffentlich wiederbelebt, denn zum sterben ist dieses Lied eindeutig zu schade. Es ist eins der schnellsten Lieder der Platte. Bei den Vocals wurde gut überlegt an welcher Stelle die tieferen, death-artigen benutzt werden und an welchen die höheren.

Das Album klingt mit einem weiteren Instrumental aus, welches den Namen „Wald der Freiheit“ trägt.

Fazit: Freunde des Metals sollten diese Scheibe mindestens einmal gehört haben, denn diese CD ist wirklich erste Sahne. Bei vielen Liedern bangt man ohne nachzudenken, es überfällt einen einfach. Die instrumental gehaltenen Stücke frischen das ganze ein wenig auf und bieten Abwechslung.

So lasset uns die Hörner und Humpen heben auf dieses Werk von Equilibrium.

Equilibrium – Sagas

Die langen drei Jahre des Wartens sind für Fans von Equilibrium nun endlich vorbei. Mit „Sagas“ bleiben Equilibrium ihrem Stil des Epic Viking Metals nicht nur treu, sondern verdeutlichen ihn auch noch, was direkt beim ersten hören auffällt.

Im Gegensatz zu “Turis Fratyr” sind die Songs mit noch mehr Keyboardstimmen versehen, was direkt einen mächtigen Eindruck hinterlässt. Auch bei “Sagas” sind wieder sowohl Songs mit Sänger Helge Stangs unvergleichbarem Geschrei, als auch Instrumentalstücke vorhanden, womit eine gute Abwechslung geschaffen wird und man das Album auch bei mehrmaligem Hören nicht langweilig findet.

XIV Dark Centuries – Gizit Dar Faida

XIV Dark Centuries gilt als eine der ältesten und bekanntesten deutschen Pagan Metal Acts und kann bereits auf weit mehr 100 Livekonzerte sowie drei offizielle CD`s zurückblicken. Mit ihrem neuen Album „Gizit Dar Faida“ präsentieren die Thüringer nun ihr bislang ausgereiftestes Album.

Zu Anfang aber mal eine kurze Frage: Kann mir mal jemand erklären, warum man sich bei einem Metal-Album erst einmal durch ein über zwei minütiges Intro kämpfen muss, bevor es losgeht? Und dann auch noch durch ein ziemlich lahmes und uninspiriertes? Geht wohl um den Aufbau einer gewissen Spannung. Aber dann hätten es hier 30 Sekunden auch getan.

Sei`s drum, daran möchte ich „Gizit dar Faida“ nicht messen, denn nach dem Intro wird dem Hörer dann sofort der ersten Leckerbissen des Albums serviert. „Zeit der Rache“ besticht durch gute kompositorische Arbeit und den Wechsel zwischen schnellen und langsamen Parts. Danach kann die durchweg zügig durch-galoppierende Nummer „Schlachtgesang“ neben amtlichen Blast-Beat Attacken und einigen gekonnten Hooklines mit sehr epischen Chören aufwarten. Dazu gesellt sich der zumeist krächzende Gesang der jedem Gegner auf dem Schlachtfeld Angst und Bange gemacht hätte.

Auch im weiteren Verlauf treten immer wieder mehrstimmige Chöre auf, die mitunter von Flötenklängen und orchestralen Keyboard-Parts verstärkt werden. Das gibt dem Album einen Hauch von Bombast wie man ihn sonst nur von Power Metal Kapellen gewohnt ist. Gepaart mit den präzise gespielten, teilweise mehrstimmigen Gitarren erfährt der Hörer so eine komplexe Tiefenwirkung. Dabei wirkt das Album aber keinesfalls kitschig sondern sehr erdig und bodenständig. Punktabzug gibt es dann allerdings für das akkustische „Eichenhain“ und den ebenfalls akkustischen „Ausklang“. Beide Stücke fließen eintönig und belanglos daher und können allenfalls als Lückenfüller gelten.

Alles in allem finden sich auf „Gizit dar Faida“ viele gute Ansätze. Der eingängige Gesang, die variantenreiche Rhythmusgestaltung und die bombastischen Arrangements sorgen für einen positiven Gesamteindruck. Sicherlich gibt es hier und da noch Möglichkeiten zur Nachbesserung. Gerade im Bereich der Lyrik und Metrik wirken einige Stellen noch etwas holprig. Außerdem hätte man besser auf die völlig überflüssigen instrumentalen Stücke am Anfang, der Mitte und am Ende verzichtet. Das alles wird aber durch die spielerischen Fähigkeiten der Musiker größtenteils kompensiert und macht das Album zu einem zu einem guten Werk, das sicherlich auch live für einigen Wirbel sorgen wird. Für Fans von Equilibrium, Varg oder Gernotshagen ist diese Scheibe auf jeden Fall zu empfehlen.

Tracklist:
1.Westwärts
2.Zeit der Rache
3.Schlachtgesang
4.Donar’s Söhne
5.Hinauf zum Gold’nen Tore
6.Eichenhain
7.Brennen soll das alte Leiden
8.Runenraunen – Eine Wanderung II
9.Surtur erwacht
10.Ausklang

Gernotshagen – Weltenbrand

Der Weltenbrand, welcher der Edda nach die zweite große Katastrophe zum Untergang der Welt darstellt, scheint sich nun nach und nach in der Pagan Metal Szene auszubreiten. Jedenfalls hat sich die Szene in den letzten Jahren wieder einigermaßen gesund geschrumpft und die Qualität der Bands bewegt sich wieder nach oben. Und so blickt die Szene nun gespannt auf „Weltenbrand“, das neue Machwerk der Thüringer Hoffnungsträger Gernotshagen.

Ich muss gestehen, dass ich trotz meines großen Interesses für heidnische Musik bislang noch nicht mit den Genre-Größen aus Thüringen in Berührung gekommen war. Und wahrscheinlich werde ich mich auch in Zukunft eher weniger mit Gernotshagen beschäftigen, da sie mit „Weltenbrand“ nur ein weiteres mehr oder weniger gleich klingendes Pagan Metal Album veröffentlich haben. Der große Wurf sieht jedenfalls anders aus.

Nach einem kurzen instrumentalen Intro und einer krächzend geflüsterten Einleitung bekommt der Hörer den langsam stampfenden Titelsong des Albums um die Ohren geballert. Sofort fällt die hymnenhafte Ausrichtung des Songs auf. Das sehr dominante Keyboard drückt überdies dem gesamten Album einen sehr deutlichen Stempel auf und das eintönige Schlagzeug, verbunden mit rar gesäten Soli sorgt nicht gerade für Abwechslung. Das Tempo verhält sich während aller Stücke weitestgehend gleich und interessante oder überraschende Rhythmen sucht man hier vergebens. Heraus kommt jedenfalls ein bombastisches, Power-Metal artiges Album, welches einzig mit seinem guten Gesang überzeugen kann.

Leider kann mich die Platte nicht vollends überzeugen. Der stimmgewaltige Gesang ist zwar als sehr positiv zu bewerten. Minuspunkte gibt es aber für das sehr aufdringliche Keyboard und das einfallslose drumming. Von einer mittlerweile etablierten Band wie Gernotshagen erwarte ich da schon ein bisschen mehr.

Tracklist:
1.Offenbarung
2.Weltenbrand
3.Einsam
4.Blinde Wut
5.Thursenhain
6.Freyas Schoss
7.Sturmbringer
8.Schlachtenbruder
9.Die Banner hoch der Nacht entgegen

Varg – Guten Tag

Varg sind zurück und sagen „Guten Tag“. Auf ihrem vierten Album werfen uns die Wölfe 13 Stücke zum Fraß vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und damit werden sie unter ihren Fans sicherlich für die ein, oder andere Diskussion sorgen. Seit dem 2010er Album „Blutaar“ und dem extrem erfolgreichen „Wolfskult“ (2011), welches auf Platz 33 der deutschen Albumcharts einstieg, marschieren die Coburger unbeirrt vorwärts. Dabei polarisiert die Band nach wie vor wie nichts Gutes. Und eins ist bereits jetzt sicher. „Guten Tag“ wird daran nichts ändern.

Von Anfang an präsentiert sich Varg von einer ganz ungewohnten Seite. Der Titeltrack „Guten Tag“ wirkt so extrem rockig und erdig, dass man auch meinen könnte man habe es mit einem härteren Onkelz-Song zu tun. „Frei wie der Wind“ klingt da schon wesentlich mehr nach den Varg, die ich kenne. Ganz besonders überzeugt hier der groovende und sehr eingängige Refrain, der zum Mitsingen einlädt. In die gleiche Kerbe schlagen „Blut und Feuer“, „Angriff“ und „Horizont“. Hier zeigt sich auch wieder der bei Varg übliche Wir gegen den Rest der Welt-Pathos, der mitunter ganz schön nervig sein kann. Musikalisch sind die Songs aber durchaus hörbar. Absolut überflüssig hingegen ist das sehr plump gestrickte und irgendwie abgekupferte „Was nicht darf“. In Rammstein-Manier versucht Varg hier das Problem pädophiler Pfarrer in der katholischen Kirche anzuprangern, was meiner Ansicht nach nur sehr bedingt funktioniert. Das können die Mannen um Till Lindemann deutlich besser.

Eine Besonderheit des Albums ist, dass es mit „A thousand eyes“ sogar ein englischer Song auf die Platte geschafft hat. Das sehr melodiös gehaltene und von Indianergesängen untermalte Stück ist zwar nicht gerade ein Meisterwerk, aber eine willkommene Abwechslung. „Wieder mal verloren“ fällt wieder durch seinen Deutschrockeinschlag auf. Zudem sorgt der im Hintergrund eingespielte Dudelsack dafür, dass man zwangsläufig irgendwie an In Extremo denken muss. Zum Ende des Albums verlässt man sich dann wieder mehr auf alte Varg-Trademarks, wie fette Akkorde, krächzenden Gesang und mehrstimmige Gitarren. Als Anspieltipps seien hier „Gedanke und Erinnerung“ und „Anti“ genannt.

Insgesamt wirkt das Album rockiger, direkter und vor allem viel moderner als alle vorherigen Outputs von Varg. Der Sound ist wie schon beim Vorgängeralbum durchweg druckvoll und ausgewogen. Allerdings haben sich Varg mit diesem Album alles andere als neu erfunden. Vielmehr wirkt es so, als habe man versucht aus verschiedenen Einflüssen einen neuen Sound zu kreieren. Das ist leider nicht gelungen. Den Trend, dass derzeit viele deutschsprachige Bands auf Teufel komm raus nach Freiwild oder Böhse Onkelz klingen wollen kann ich auch auf „Guten Tag“ erkennen. Dieser Deutschrockeinschlag ist mir für Varg aber eindeutig zu hoch. Das hat nicht mehr viel mit Pagan Metal zu tun.

Tracklist:
01. Willkommen
02. Guten Tag
03. Frei wie der Wind
04. Was nicht darf
05. Blut und Feuer
06. Angriff
07. Horizont
08. A thousand eyes
09. Wieder mal verloren
10. Gedanke und Erinnerung
11. Leben
12. Anti
13. Apokalypse

Varg – Wolfszeit

Mystische Klänge eröffnen das hochgelobte Debütalbum der deutschen Pagan-Hoffnung Varg. Doch schon nach knapp zwei Minuten ändert sich das Bild und die schneidenden Gitarren erschaffen mit Unterstützung der gezielt eingesätzten Doublebase-Attacken einen ersten Eindruck der Künste der Band.

„Wolfszeit“ heißt die CD, die mittlerweile in Fachkreisen bereits Kultstatus besitzt. Und das nicht zu unrecht. Hier paart sich lyrisches Genie mit musikalischer Finesse. Die hammergeile Rhythmusgruppe bildet eine schön druckvolle Basis für die doch sehr höhenlastigen Sechssaiter. Eben jene liefern hier bei jedem einzelnen Stück prima eingängige Melodien, die jedoch nie die gewünschte Härte vermissen lassen. Ein weiterer Bonuspunkt sind – wie oben bereits angedeutet – die Lyrics, welche hier komplett auf deutsch, und damit recht gut verständlich sind. Vor allem die Refrains sind schon beim zweiten oder dritten Mal mitsingbar und erhöhen so den Spaß an dieser CD.

So sollte Pagan Metal aus deutschen Landen klingen. Selten habe ich ein so hochqualitatives Debüt gehört wie „Wolfszeit“ der Coburger. Mich würde es nicht wundern, wenn die Bandmitglieder den größten Teil ihrer Freizeit durch die ausgedehnten Wälder ihrer bayerischen Heimat wandern, nur um am frühen Abend in eine Waldschänke einzukehren und weitere Genrehits zu verfassen; natürlich bei einem gepflegten alkoholischen Kaltgetränk. Da wartet man schon jetzt gespannt auf den bald erscheinenden Nachfolger.

Leider sind die Jungs reichlich selten auf den Brettern der Welt zu sehen. Wer Geschmack hat, der sollte eine der wenigen Chancen ergreifen. Zum Beispiel auf dem Neckbreaking Festival in unserer Heimatstadt. Ich freu mich schon drauf.

Moonsorrow – Tulimyrsky

Irgendwie sind diese Jungs schon zu bewundern. Hauen gerade erst ein Album raus, was zwar nur 2 Tracks hat, aber trotzdem ne Stunde füllt und ein Jahr später gibt's ne EP.

Nur das die EP natürlich die CD an Länge überragt. Und mit den 5 Songs auch etwas kurzweiliger ist als das teilweise recht langatmige „Hävitetty“ Album. Der erste und Titeltrack von „Tulimyrsky“ hat zwar auch seine fast 30 Minuten, aber ist irgendwie abwechslungsreicher und weniger düster. Begonnen wird wieder mit einem langen Intro, welches dann mit einem finnischen Geschichtenerzähler garniert wird, bevor es dann richtig zur Sache geht. Besonders zu empfehlen ist aber der beim Chor Teil im hinteren Drittel des Songs.

Mit dem zweiten Song ist dann auch schon das Schmankerl der CD erreicht. Moonsorrow covern „For Whom The Bell Tolls“ und das ziemlich kreativ. Sollte sich auch der dieser Band nicht geneigte Leser mal reinziehen. Danach gibt es noch zwei “kurze” Stücke aus der Frühphase der Band, die manchmal stark nach Children Of Bodom klingen. Außerdem gibt’s noch das von Mercyless gecoverte „Back To North“. Nettes Package auf jeden Fall, das jeden Fan der Band zufrieden stellen dürfte. Die typischen doomartigen Gitarren fehlen in keinem Song, der Chor findet auch verstärkt Einsatz und die Melodien sind gewohnt zeitlos. Dadurch, dass die CD weniger düster klingt und auch ein paar kurze Nummern enthält ist sie sogar eingängiger und besser verdaulich als der Vorgänger.

Dass natürlich ein ganzer Haufen Atmosphäre aufkommt usw. sollte beim Namen Moonsorrow schon so selbstverständlich sein, dass die Erwähnung völlig überflüssig ist. Deswegen, Licht aus, Kerze an und mal im Chor „For Whom The Bell Tolls“ gesungen.

Moonsorrow – Viides luku

Mit „Viides luku – Hävitetty“ (englisch „Chapter V – Ravaged“) scheinen Moonsorrow wieder zu ihrer eigentlichen Bestimmung gefunden zu haben, sehr gefühlvollen, epischen Sound zu machen.

Erinnere ich mich an „Verisäkeet“ (2005) zurück, so war ich mehr oder weniger enttäuscht, dass Moonsorrow sich in diesem Album musikalisch sehr weit von den vorangegangenen Alben entfernt hatten. Alles klang eher stumpf und ungeordnet, wer alle Moonsorrow Alben kennt weiß was ich meine. Das ganze war einfach eine komplett andere Hausnummer, nicht schlecht aber halt anders. Einfach nicht Moonsorrow. Mit diesem Album schein sich das Blatt aber wieder gewendet zu haben. Ich hatte zwar schon zuvor von dem Gerücht gehört, dass dieses neue Album lediglich zwei Songs enthalten sollte, konnte dies aber nicht so ganz glauben.

Gerade deshalb war ich umso mehr erstaunt, dass die gesamte Tracklist tatsächlich nur zwei Songs umfasst. Zwei Songs die dafür aber beide eine extreme Überlänge von je knapp 30 Minuten haben. Der erste Song mit dem Doppelnamen „Jäästä Syntynyt – Varjojen Virta” deutet schon an, dass die Gesamtlänge von knapp über 30 Minuten unmöglich nur einen Song beinhalten kann. Genau so ist es auch. „Jäästä Syntynyt – Varjojen Virta” lässt sich gleich in mehrere Abschnitte teilen, ergibt aber in der Summe doch einen kompletten Song, welcher gesplittet lange nicht die enorme Fülle wie der jetzige haben könnte. Zu Anfang fühlt man sich noch ein wenig in eine Moonsorrow-fremde Welt versetzt. Der erste Teil, welcher wie ein gigantisches Intro wirkt, ist knapp fünf Minuten lang und hat mich mit Naturklängen, dezenten synthetischen Effekten und einer sehr zurückhaltenden Gitarre beim ersten Hören irgendwie an früher im Radio gehörte Moby Songs erinnert.

Glücklicherweise wird diese Illusion aber nach wenigen Minuten zerstört da nach und nach mehr Streicher, Gitarren und Bass einsetzten. Das ganze entwickelt sich zu einem sehr ruhigen, stellenweise mit leichtem Chorgesang untersetzen langsamen Song welcher schon sehr unter die Haut geht.Fast nahtlos beginnt der zweite Teil von „Jäästä Syntynyt – Varjojen Virta” dessen Fassette sich quasi durch den ganzen Song zieht. Alle folgenden Teile sind ähnlich oder gleich aufgebaut, jedoch von den Riffs und der Instrumentenwahl unterschiedlich. Sehr dynamische Riffs wechseln mit wiederum einfacheren dafür aber mit Chören oder Streichern unterlegten Bereichen, welche einen immer wieder in die bekannte Welt von Moonsorrow zurückholen.

In der Mitte des Songs findet sich ein kleiner Einschub, der sich in Geschwindigkeit und Fülle absetzt, dafür aber mit Synthesizern unterlegt ist und ein wenig melancholisch wirkt. Gleich darauf findet man jedoch wieder den genannten Faden, der sich bis zum Schluss durchzieht. Die im Vergleich zu älteren Songs weniger eingesetzten synthetischen Effekte fehlen meiner Meinung nach keinesfalls, sondern werden stellenweise durch füllende Gitarren oder akustische Instrumente ersetzt.

Trotz der nur leicht veränderten und oft wiederkehrenden Riffs des zweiten Teils wird „Jäästä Syntynyt – Varjojen Virta” keinesfalls langweilig oder zu eintönig, wie vielleicht zu vermuten wäre, da sich alle Bereiche des Songs, wenn auch ähnlich, dezent voneinander absetzen. Das macht diesen Song zu einer wahren Gefühlsorgie, der auch mit der extremen Länge nicht übertrieben wirkt, sondern ganz einfach vollkommen ist.

Der zweite Song, „Tuleen Ajettu Maa“, begeistert ähnlich wie der erste Song mit viel Gefühl und sehr epischem Charakter, hat aber mehr Fülle und hat insgesamt eine härtere Gangart. Ein abermals ruhiges, akustisches aber lange nicht so gestrecktes Intro wie bei „Jäästä Syntynyt – Varjojen Virta” mausert sich bald zu einer druckvollen Passage. Der Song liegt durchweg eher im Midtempo-Bereich und ist immer wieder mit einigen kleinen akustischen Schmuckstücken besetzt. Überwiegend sind allerdings Gitarre, Bass und einige Streicher bzw. Chöre zu hören, welche wie immer die eigentliche Stimmung vieler Moonsorrow Songs ausmachen. Zu Mitte des zweiten Songs bekommt man endlich die geballte Chorkraft von Moonsorrow in einem wirklich sehr gelungenen Clean-Gesang Teil zu hören. Leider bleibt es bei diesem kurzen Teil, so überwiegt Ville Sorvalis krächzender Gesang, welcher an nur wenigen Stellen von anderen Bandmitgliedern abgelöst wird.

Der Rest von „Tuleen Ajettu Maa“ ist sehr dynamisch, mit vielen guten Gitarrenriffs und einem sehr sauberen und nie unpassendem Drumming besetzt. Leichte synthetische Effekte, die sich quasi über den gesamten Song legen und eher selten von kräftigeren Streichern oder sonstigen Instrumenten abgelöst werden bringen auch hier die richtige Stimmung rüber.

Abschließend kann man nur sagen, dass Moonsorrow genau das gemacht haben, was vermutlich viele von ihnen erhoffet hatten. Sie haben ein Album geschaffen welches sowohl die wahnsinnige Stimmung von „Voimasta ja Kuniasta“ (VÖ 2001) oder „Kivenkantaja“ (VÖ 2003) als auch die geballte Ladung des letzten Albums „Verisäket“ (VÖ 2005) vereint. „Viides luku – Hävitetty“ bietet abermals wirklich gute und in keiner Weise überzogene Musik, mit viel musikalischem Können und einer mitgebrachten Stimmung von der man sich ganz einfach nur mitreißen lassen kann.

Zwar geht „Viides luku – Hävitetty“ nicht so sehr auf die Folk-Metal Schiene ein, wie es beispielsweise bei „Kivenkantaja“ der Fall war, dafür bietet dieses Album aber viel mehr epischen Charakter. „Viides luku – Hävitetty“ wird jeden, der alle vorherigen Moonsorrow Alben mochte sehr beeindrucken und ihn so schnell nicht wieder loslassen.

Auch wenn die extreme Länge der Songs den ein oder anderen abschrecken mag, so werden diese beim ersten Hören eines bessern belehrt.

Moonsorrow – Kivenkantaja

Nach dem 2001 veröffentlichten Album „Voimasta ja Kunniasta“ war ich sehr gespannt, ob Moonsorrow dieses hohe und anspruchsvolle Niveau abermals erreichen würden.

Meiner Meinung nach haben sie selbiges in vielerlei Hinsicht geschafft, jedoch an einigen Stellen an Fülle und Power verloren. „Kivenkantaja“ übertrifft das vorherige Album in mancher Hinsicht, bietet dem Hörer allerdings auch noch eine ganz andere Sicht von Moonsorrow und deren Vielseitigkeit und musikalisches Können. Das Album beginnt mit „Raunioilla“, einem mehr als 13 Minuten langen Song, welcher schon zu Anfang durch einen enorm gefüllten Einsatz von Streichern und Chören überzeugt.

Fast schon als neuer Song beginnt nun das eigentliche Gesicht von „Raunioilla“. Der zuerst durch den Clean-Gesang aller Bandmitglieder unterlegte symphonische Sound wird zunehmend von Ville Sorvalis krächzendem Gesang abgelöst oder stellenweise überlagert. Abwechselnd mit gezielt wirkenden Gitarrenriffs und einigen wenigen schnelleren Drumbeats ergibt sich nach gut ¾ des Liedes abermals eine Art Schnittstelle zu einem komplett neu scheinenden Song. Cleane Gitarrenriffs und etliche Synthesizer Effekte gehen schlussletztendlich in Glockenschläge über, welche im wahrsten Sinne des Wortes den Beginn des zweiten Songs „Unohduksen Lapsi“ einleuten.

Dieser zeichnet sich durchweg durch schnellere Riffs und stärkere instrumentale Fülle als „Raunioilla“ aus. Jedoch kommen auch hier im Refrain wieder alle Bandmitglieder durch ihren Stimmeinsatz zum Zuge, was meiner Meinung nach einen Großteil des Charakters von Moonsorrow darstellt. Der gesamte Song ist mit synthetischen Sounds unterlegt, welche jedoch nicht mal im Ansatz Überhand ergreifen oder gar die Gitarren zu sehr übertönen. Den eher harten Strophen folgt ein sehr melodisch gehaltener Refrain mit reinem Clean Gesang, wie zuvor schon angesprochen. Der Rest von „Unohduksen Lapsi“ ist in gewohntem Moonsorrow Stil gehalten jedoch vielleicht stellenweise zu unterschiedlich zum vorherigen Stil des Songs.

Abermals ohne große Unterbrechung beginnt ein Prelude zu meinem absoluten Favoriten, „Jumalten Kaupunki“. Dieser Song zeichnet sich durch einen sehr druckvollen Sound gepaart mit einem klaren Chorgesang in den Refrains aus. Der zu Anfang eher schleppend beginnende Stil wird schon bald durch eine ganze Fülle von synthetischen Strings abgelöst unter denen die Gitarren eher in den Hintergrund gerückt werden. Nach gut der Hälfte von „Jumalten Kaupunki“ bekommt man für mehrere Minuten das komplette musikalische Spektrum von Moonsorrow zu hören, welches sich durch teilweise schnelle und sehr dynamische Riffs und eine mehr als gut abgestimmte Begleitung aller sonstigen Instrumente auszeichnet.

Der vierte, mit dem Album gleichnamige Song „Kivenkantaja“, verliert, wie alle folgenden Songs, meiner Ansicht nach leider an Power. So finden sich derart druckvolle Parts wie in den Songs zuvor leider eher selten. Dafür kommen etliche klangvolle Instrumente wie z.B. Akkordeon, Maultrommel, Harmonika und Geige bestmöglich zum Einsatz und runden den gesamten Song auf eine sehr harmonische Weise ab.

„Tuulen Tytär/Soturin Tie“ verhält sich hier ganz ähnlich, jedoch für meine Verhältnisse wesentlich mehr im Einklang aller Instrumente und auch technisch geschickter aufgebaut. Auf einem rein akustischen Intro bauen Gitarren und Drums stetig auf und bringen zum Schluss ein sehr kompaktes Klanspektrum zum Vorschein, welches wohl jeden, der auf eher traditionelle Musik steht sehr beeindrucken wird.Der letzte Song, „Matkan Lopussa“ ist komplett akustisch und lediglich mit der zarten Stimme von Petra Lindberg plus des Chors von Moonsorrow versetzt. Dieser Song hat wahrlich viel Gefühl und verzaubert bei jedem abermaligen Hören desselbigen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Kivenkantaja“ erneut den vollen Charakter von Moonsorrow wiedergibt und wirklich sehr gut gelungen ist. Dieses Album muss man gehört haben, Worte sind dafür einfach zu wenig.

Black Messiah – Of Myths And Legends

Das Julfest rückt näher und traditionell ist das bei den Germanen die Zeit der Familie. Man sitzt am Feuer und lauscht den alten Mythen und Legenden, die der Skalde des kleinen Dorfes zum besten gibt.

Die Skalden sind in diesem Fall Black Messiah die uns nach einem epischen Intro mit „Of Myths And Legends“ in das Reich der germanischen Mythologie entführen wollen. Dabei bedienen sich die Jungs um Zagan bei sämtlichen Bands dieses Genres. Ich will mitnichten von Diebstahl reden. Eigenständig ist das ganze sehr wohl. Die Bandbreite geht dabei von Bathory und Mithotyn in Songs wie „Of Myths And Legends“ oder „Father Of War“ bis hin zu eher sanften Klängen die fast an die deutschen Mittelalterbarden von In Extremo erinnern. Aber nur fast. Das ist auch sehr gut so, denn sonst wäre dieses unglaublich leckere Stück Pagan wohl verkommen. Musikalisch dargeboten wird das Ganze mit allem, was dazu gehört. Melodische, hymnische Gitarrenläufe, die sich mit schnellen, reitenden Passagen abwechseln.

Unterlegt wird alles von den typischen Keyboards, die auf jeder Thyrfing-Scheibe zu finden sind. Sehr schön dargebotenes Geschrei, das sich mit melodischeren Passagen abwechselt. So wie man es auch immer mal wieder bei den finischen Bands wie Ensiferum oder Moonsorrow findet. Dazu ab und an die Geige, die z.B. bei „Sauflied“ den Anfang markiert. Damit sind wir auch schon bei der ersten wirklichen Hymne der Scheibe. Wenn ich mal in einem Langhaus saufe, dann bitte zu diesem Lied. Mit „Howl Of The Wolves“ folgt dann wieder ein härteres Kaliber. Das macht aber nichts, so ist man dann wenigstens auf das Finale in deutscher Sprache vorbereitet. „Erik, Der Rote“, „Loki`s Tanz“ und „Die Sühne Des Feuerbringers“ geben einen Exkurs in die Geschichte der Nordlande. Die Entdeckung Amerikas durch eben jenen Erik und die Geschichten um Loki, den listigen Sohn der Riesen Muspelheims, Vater von Fenris, Jörmundgand und dem Mädchen Hel. Zu diesen bösen Kreaturen will das lustig, fiedele „Loki’s Tanz“ gar nicht so recht passen. Ganz im Gegenteil zu „Die Sühne Des Feuerbringer“, wo in einer doch ein wenig bedrückenden Stimmung die Untaten Lokis aufgezählt werden.

Um die Stimmung im vermeintlichen Langhaus wieder zu heben wird zum Schluss noch altes „Kulturgut“ dargeboten. Diesmal geht die Reise in die Steppen im Osten, in denen die Bewohner sich mit Wodka berauschen. Viele mögen sich bei den ersten Klängen die Ohren reiben, aber ja, es ist wahr, da hat gerade eine ernsthafte Band „Moskau“ gecovert. Spätestens jetzt fühlt man sich auch noch an die Süddeutschen Equilibrium erinnert. Bevor das ganze aber zu kitschig wird kontert man noch einmal mit „The Bestial Hunt Of The Fenrizwolf“. Damit ist die unglaubliche Kurzweil dann auch schon an ihrem Ende. Nach knapp 52 Minuten sind die Feuer heruntergebrannt, die Hörner geleert und die Meute kehrt der eigenen (oder auch einer fremden) Schlafstatt zu. Je nach dem wie das Fest verlaufen ist kann man am nächsten Morgen sicherlich mal nachzählen ob es wirklich 5 Kinder waren, die gezeugt wurden, oder 8 Männer die man verhauen hat…

Wer neugierig geworden ist, ob man in deutschen Landen auch Pagan/Viking Metal machen kann, der sollte sich vielleicht mal „Father Of War“, „Howl Of The Wolves“ oder „Die Sühne Des Feuerbringers“ anhören. Für die etwas lustigeren Hobbywikinger stehen natürlich „Moskau“ und „Sauflied“ an erster Stelle.

Obscurity – Obscurity

Die Bergischen Löwen brüllen wieder. Und sie brüllen so laut und selbstbewusst wie niemals zuvor. Mit ihrem neuen Silberling haben Obscurity ein richtig starkes und abwechslungsreiches Album geschaffen, das mit gutem Grund nach der Band selbst benannt ist.

Dunkelheit, Unklarheit, Verworrenheit. Das sind die Worte mit denen das englische Wort Obscurity auf www.leo.org ins Deutsche übersetzt wird. Und das trifft es in diesem Falle auch sehr gut, denn Obscurity nehmen uns auf ihrem neuen Album mit auf eine Reise durch die düstere und schwertragende nordische Mythologie. Und im Gegensatz zu vielen Pagan Metal-Bands, die ihr Heil mittlerweile abseits dieser Thematik suchen, machen die Jungs aus dem Bergischen sie zum zentralen Punkt ihrer Lyrik. Sei es nun Naglfar, das Totenschiff, der „Weltenbrand“ oder der „Fimbulwinter“. Alles findet seinen Platz auf „Obscurity“.

Dabei wirkt die Musik aber auch unklar und verworren, denn so ganz genau kann man weder Band noch Album genau einem Genre zuordnen. Zum einen hört man wütend krächzenden Gesang, wie man ihn von Bands wie Enslaved oder Moonsorrow kennt. Zum anderen gesellen sich rhythmisch melodiöse Gitarrenriffs á lá Amon Amarth dazu. Und teilweise klingen die Jungs so episch und atmosphärisch, dass man sich an die guten alten Bathory erinnert fühlt. Auf jeden Fall lassen Obscurity keinen Zweifel daran, dass sie es wissen wollen. Das Tempo ist fast durchgängig im Up-Tempo, schlägt einem ziemlich in die Fresse, und der Sound ist über jeden Zweifel erhaben. Lediglich die Schlagzeugarbeit könnte ein wenig differenzierter sein.

Das Album ist voll mit großartigen Stücken und es fällt mir schwer einen bestimmten Höhepunkt hervorzuheben. Sei es nun das extrem aggressive und schnelle „Germanenblut“ oder aber das Titelstück „Obscurity“, welches durch seinen sehr eingängigen Refrain überzeugt. Jedes Stück hat sein besonderes Etwas und trägt somit seinen Teil zu einem soliden Genrealbum bei. Es wird bewusst auf allzu viel Experimentiererei verzichtet und der Band typische Grundsound nur dezent erweitert. Insgesamt zeigt sich Obscurity auf seinem neuen Langspielwerk von seiner bislang bissigsten Seite.

Wegen seiner kompromisslosen Attitüde und seiner gradlinigen Kompositionsweise wird das Album wohl außerhalb der Black/Pagan-Szene kaum Beachtung und Anerkennung finden. Aber gerade das macht „Obscurity“ auch schon wieder interessant. Für Genreliebhaber und Interessierte lohnt sich der Kauf also sicherlich.

Tracklist:
01.In Nomine Patris
02.Obscurity
03.Germanenblut
04.Strandhogg
05.Ensamvarg
06.Blutmondzeit
07.Joermungandr
08.Weltenbrand
09.Fimbulwinter
10.Kein Rückzug
11.So endet meine Zeit

Obscurity – Tenkterra

Obscurity – Bereits vielfach wurde mir von dieser, schon seit geraumer Zeit existierenden, Band vorgeschwärmt. Doch bisher konnte ich mich nicht dazu überwinden, mich näher mit ihnen auseinanderzusetzen. Und ich bin froh, dass sich das mit „Tenkterra“ jetzt geändert hat – Denn ein Viking-Epos von gewaltigem Ausmaß – und nichts geringeres – erwartete mich, als mir der brandeue Silberling der Viking-Metaller aus dem Bergischen Land aus den Boxen entgegenschallte.

Eingeleitet durch ein gefühlvolles Gitarren-Intro mit Ohrwurm-Charakter, dann eine epische Tremolo-Melodie, unterlegt mit Blastbeats – So läutet der erste Song, namentlich „Keltiwald“, den knapp 43 Minuten andauernden Ritt durch Wälder, Berge, Täler und germanische Geschichte ein.

Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei „Tenkterra“ um ein Konzeptalbum handelt, in dem sich alles um die Tenkterer dreht, einen germanischen Volksstamm, und dessen (meist kriegerischen) Auseinandersetzungen mit Julius Cäsar. Und tatsächlich – durch die eingängige Arbeit der, mal nach vorn preschenden, mal atmosphärisch arbeitenden Instrumental-Fraktion, und die wütenden, perfekt zur Musik passenden Growls von Sänger Agalaz, wird man geradezu mitgerissen und Teil von etwas längst vergangenem.

Der Stil der Band gibt sich im gesamten sehr melodisch, unkompliziert und schwedisch, hebt sich aber durch die, teilweise sehr gut verständlichen, deutschen Texte und den doch recht individuellen Stil etwas ab. Manchmal vermisse ich allerdings etwas die Abwechslung, z.B. in Form eines Instrumentals.

Für Fans von Amon Amarth, älteren Songs von Equilibrium oder SuidAkrA und ähnlichen Bands ist „Tenkterra“ dennoch ein wahrer Festschmaus für die Gehörwindungen!

Anspieltips: Blut für Blut, Grenzland, Bergischer Hammer

Trackliste:
01. Keltiwald
02. Tenkterer
03. Keldagau
04. Blut für Blut
05. Raubzug der Sugambrer
06. V. Legion
07. Germanicus‘ Rache
08. Brukturer
09. Grenzland
10. Bergischer Hammer

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Autor: ARCHIVader


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