Pilze suchen – das Antidepressivum für Gestresste

Pilze suchen – das Antidepressivum für Gestresste

Der Arbeitsalltag frisst die meisten von uns förmlich auf. Immer mehr in schnellerer Zeit wird von Arbeitnehmern in Deutschland erwartet und die Verantwortung und der Druck steigen. Wie oft kommen viele von der Arbeit nach Hause, wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht und möchten sich einfach nur dem schönen Nichtstun widmen. Doch leider ist dieses Vorgehen meistens auch nicht gerade förderlich für das allgemeine Wohlbefinden, denn dazu gehört bekanntlich auch sportliche Betätigung und das Bewegen an der frischen Luft. Aber woher soll man die Kraft nehmen, sich sportlich auszupowern, wenn man nach der Arbeit einfach nur kaputt ist? Der innere Schweinehund ist ein Riesenmonster, welches es erst einmal zu überwinden gilt! Doch, warum immer gleich das große Ganze wollen, wenn man mit kleinen Dingen auch zu einem gewissen Erfolg kommen kann. Eine einfache und motivierende Möglichkeit, sich an der frischen Luft zu bewegen, ist es, einfach „in die Schwamma zu gehen“!

 

„In die Schwamma gehn“ (fränk. für „Pilze suchen“)

Mit einem kleinen Körbchen oder einer Baumwolltasche und einem kleinen Messer bewaffnet, fährt man einfach zum nahe gelegenen Wald und schon gehts los! Dort angekommen, läuft man ganz gemütlich durch den Wald und hält die Augen offen. Das weiche Moos unter den Füßen und das Knistern, wenn abgestorbene Äste unter den Fußtritten zerbrechen, wirken dermaßen beruhigend, dass man relativ schnell förmlich in den Wald und in seine Geräusche eintaucht und dabei den Alltagsstress vergisst! Vögelchen zwitschern und rumoren in den Bäumen, Insekten schwirren umher und Krabbeltiere am Boden suchen sich ihren Weg. Es gibt so viel zu beobachten und zu bestaunen, dass man einfach innehalten muss und die schnelllebige Welt außerhalb des Waldes vergisst. Nebenbei entdeckt man vielleicht lustige Gebilde, die Mutter Natur so im Wald verteilt hat, sodass man vielleicht sogar über die Kuriositäten des natürlichen Zufalls schmunzeln muss.

Waldpenis

Waldpenis

Entdeckt man dann einen Pilz, der dem Speisepilz ähnelt, den man sucht, muss man sich bücken, um vor dem Ernten zu überprüfen, ob es der richtige ist. Das passiert eigentlich ständig, sodass beim „Schwammasuchen“ eine stolze Anzahl an Bückbewegungen zusammenkommt. Das heißt, dass man sich durchaus viel bewegt, zumindest bedeutend mehr als auf der heimischen Couch, und das noch dazu an der frischen Luft. Das Überragende daran ist, dass dies einfach nebenbei passiert und man nicht das Gefühl dabei hat, sich sportlich zu betätigen. So hat man die Bewegung an der Luft, die gesunde Waldluft und die Entschleunigung des Alltags ohne großen Aufwand in einem vereint. Hinzu kommt, dass man in unseren heimischen Wäldern wirklich viele Speisepilze finden kann, vorausgesetzt man kennt diese. Anfängern ist zu raten, sich beispielsweise anfangs auf Maronen zu konzentrieren, da diese sehr leicht zu erkennen sind und unter anderem ein eindeutiges Merkmal aufweisen, nämlich die Blaufärbung des Schwammes beim Eindrücken. Dann kann man sich vornehmen, jedes Jahr eine weitere Pilzart dazu zu lernen, sodass man sich von Jahr zu Jahr steigert und nach und nach mehr Speisepilze auf dem Teller landen.

Pilze: Maronen und Steinpilze

Pilze: Maronen und Steinpilze

 

Wenn man nun den bevorzugten Pilz am Waldboden überprüft und festgestellt hat, dass dies der gesuchte Speisepilz ist, scheiden sich die Geister: Soll man den Pilz am unteren Stil abschneiden oder ihn samt Wurzel aus dem Boden drehen? Darüber lassen sich im Internet viele Diskussionen finden und Befürworter sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite. Ich bevorzuge es, den Pilz am unteren Teil des Stils abzuschneiden und ihn auf diese Weise zu ernten. Der Vorteil hierbei ist, dass dies eine saubere, schnelle und einfache Methode ist und außerdem bilde ich mir ein, dass dort dann vielleicht ein neuer Pilz dieser Sorte wachsen kann, da die Wurzel noch im Waldboden ist und ihre Sporen weiter ausbreiten kann. Schließlich möchte ich die Pilze nur ernten und nicht ausrotten! Aber wie gesagt, dazu gibt es verschiedene Ansichten und Meinungen. Nach dem Ernten des Pilzes sollte man sich zudem in der Nähe der Fundstelle genau umsehen, da oftmals mehrere Pilz an einer Stelle zu finden sind. Manchmal verstecken sie sich dabei unter dem Moos oder aber Geäst liegt über ihnen, sodass man oftmals schon genau hinsehen muss, um die kleinen Scheißerchen zu finden. Dabei ist das Gefühl unbeschreiblich, wenn sich das mitgebrachte Körbchen so nach und nach füllt und man dabei immer weiter in den Wald eintaucht. Deshalb ist es auch wichtig, sich ab und ab zu vergewissern, wo genau man sich gerade befindet, um den Weg zurück zum Auto nicht zu verlieren, denn die Pilzsuche bringt einen oft in ganz andere Richtungen als vorgesehen. Auch die Zeit vergeht wie im Flug, weshalb ein Blick auf die Uhr hin und wieder auch nicht schaden kann, schließlich steht nach der Ernte auch das Putzen der Pilze noch auf dem Programm.

Volle Pilzkörbe - Maronen, Steinpilze und viele Perlpilze

Volle Pilzkörbe – Maronen, Steinpilze und viele Perlpilze

Das tolle am Pilzsuchen, neben den genannten Aspekten, ist auch, dass man es durchaus mit anderen zusammen machen kann und es kein Soloprojekt sein muss. Durch die konzentrierte Suche und durch die Aura des Waldes ist dies trotzdem eine ruhige Angelegenheit, weil jeder sein Ding macht und man nur ab und an zusammenkommt, um zu sehen, was der andere schon alles gefunden hat oder um sich kurz zu beraten, ob der gefundene Pilz der gesuchte Speisepilz ist oder nur ein optischer Bruder oder aber um eine kleine Bierpause zu machen – ein Suchbier sollte nämlich auch immer dabei sein! Wenn dann irgendwann die Körbe gefüllt sind, die Glieder erschöpft oder aber die Dämmerung einbricht, sollte man den Heimweg antreten, denn dort gilt es dann die gesammelten Schätze in verzehrgerechte Stücke zu verwandeln.

Das Pilzeputzen

Daheim angekommen, sucht man sich am besten einen Platz am Gartentisch, bereitet Schüsseln für die Pilze und den Abfall vor und nimmt sich ein Papiertuch, ein Messer oder aber ein Pilzmesser zur Hand. Letztere haben den Vorteil, dass sich auf der einen Seite ein Pinsel bzw. ein kleines Bürstchen befindet und auf der anderen Seite das Messer. Damit ist man hervorragend ausgestattet, um die Pilze von der Erde und anderen Waldresten zu befreien und sie anschließend in kleine Stücke zu schneiden.

Pilzmesser - Pilzkorb - Pils

Pilzmesser – Pilzkorb – Pils

Man sollte beim Pilzeputzen insgesamt sehr sorgfältig vorgehen. Als erstes schaut man sich jeden Pilz vor dem Putzen sorgfältig an und überprüft noch einmal, ob es sich dabei wirklich um den gesuchten Speisepilz handelt. Wenn man sich nicht 100 % sicher ist, sollte der Pilz lieber im Bioabfall landen! Denn wer will schon eine Pilzvergiftung in Kauf nehmen? Als zweites befreit man den Pilz entweder mit dem bereitgelegten Papiertuch oder mit einer kleinen Bürste von den Waldresten. In einem dritten Schritt schneidet man den Pilz in kleine Scheibchen und überprüft gleichzeitig, ob sich Maden oder andere Tierchen an dem Pilz vergriffen haben. Manchmal hat man Glück und es entsteht kaum Abfall, da die Pilze hervorragend sind. An anderen Tagen kann es vorkommen, dass man viel wegschneiden muss, um nur das Beste zu erhalten. Ganz nach der Menge der geputzten Pilze entscheidet man, wie diese weiter verarbeitet werden. Zahlreiche Rezepte stehen einem dabei zur Verfügung und frisch zubereitet ist ein jedes von ihnen ein Gedicht. Wenn mehr Pilze für den Verbrauch zur Verfügung stehen, als man an dem gleichen Tag verarbeiten kann, bietet sich die Möglichkeit, die frischen Pilze portionsweise roh einzufrieren und diese so für andere Mahlzeiten an anderen Tagen im Gefrierfach aufzubewahren.

Pilzportionen zum Einfrieren

Pilzportionen Nr. 1 zum Einfrieren

Pilzportionen zum Einfrieren

Pilzportionen Nr. 2: gesamt über 5 Kilogramm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem leckeren Mahl kann man sich dann gemütlich, entspannt und ohne schlechtes Gewissen auf der Couch zurücklehnen und den Tag ausklingen lassen – schließlich hat man sich ja an der frischen Luft bewegt und selbst gesammeltes Essen gegessen!

In diesem Sinne: Viel Pilzglück beim Suchen!

—————————————

Gastautorin: Steffi K.


Wie hat Dir der Artikel auf metaller.de gefallen?

Pilze suchen – das Antidepressivum für Gestresste: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne5,00von 5 Punkten, basieren auf 2abgegebenen Stimmen.
Loading...

 


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen