Die Geschichte des Hardrock kann man ziemlich einfach in drei Epochen einteilen. Die erste Epoche dauerte in etwa von 1968 bis ins Jahr 1975. Besonders prägend für diese Zeit waren die vier Bands Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep und Black Sabbath. Wie schon zuvor erwähnt, stellten Black Sabbath mit ihrem düsteren Hardrock die Weichen für den aufkommenden Heavy Metal. Deep Purple und Uriah Heep machten durch ihren klassischen Einfluss erste Schritte in Richtung Progressive Rock. Led Zeppelin gelten als eine der bedeutendsten Bands des bluesträchtigen Hardrocks und werden als Ur-Band des Sleaze Rock angesehen.

Hardrock und Sleaze Rock

Hardrock: AC/DC

Hardrock: AC/DC

Wörtlich bedeutet sleaze „schäbig“ und „zum Abschaum gehörend“. Diese Variante des Hardrock wurde vor allem in den späten 80er Jahren in den USA populär. Vergleichbar ist der Sleaze Rock mit dem Glam Metal, allerdings unterscheiden sich diese Spielarten hauptsächlich im Image der Bands. Sleaze Rocker sind eher rau, rebellisch und unangepasst, was sich auch in ihrer Optik äußert. Typische Sleaze Bands sind unter anderem Guns N`Roses, Crazy Lixx, The Hellacopters, Hardcore Superstar, L.A. Guns, Private Line, Reckless Love, Skid Row, Vains of Jenna, Rhino Bucket, The 69 Eyes oder Gemini Five.

Die zweite Phase des Hardrock dauerte etwa von 1975 bis 1982. Auch diese stand noch unter dem Einfluss von Led Zeppelin. Auch Bands wie AC/DC, Aerosmith, die Scorpions, Kiss und Rush fallen als wichtige Vertreter in diesen Zeitraum. Bezeichnend für die Musik dieser Zeit war eine relative Einfachheit und Ungezähmtheit. Beeinträchtigt wurde diese zweite Phase des Hardrock durch die zunehmende Popularität der Punkmusik. Im Jahr 1980 ebbte die Hochphase des Hardrock doch schnell ab, da sowohl der Schlagzeuger John Bonham von Led Zeppelin als auch der Frontmann Bon Scott von AC/DC verstarben.

Die dritte Hardrock-Phase wurde mit dem Erscheinen des ersten Van-Halen-Albums im Jahr 1978 eingeleitet. Der Ausnahme-Gitarrist Eddie Van Halen setzte mit seiner Virtuosität auf der Leadgitarre ganz neue Akzente. In den darauf folgenden Jahren nahm die aufblühende Popmusik immer mehr Einfluss auf den Hardrock. Die Bands gerieten immer stärker in Wettstreit miteinander, vor allem hinsichtlich der Grandiosität ihrer Bühnenauftritte und Produktionen, außerdem auch im Hinblick auf ihr eigenes Auftreten. Anfang der 90er Jahre verdrängten dann Stilrichtungen wie Alternative Rock und Grunge zunehmend das Genre des Hardrock. Selbst klassische Hardrock-Bands wie Giant oder Winger konnten sich nicht mehr auf dem Markt behaupten.


Airbourne – Black Dog Barking

Schon beim Opener „Ready to Rock“ wird klar, dass Airbourne immer noch voll auf der Höhe sind. Nach einem kurzen Männerchor setzen die Gitarren und das Schlagzeug ein, und sofort bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sofort die Matte zu schütteln. Dazu der kreischende Gesang von Joel O’Keeffe – Großartig!

Das Stück hat das Zeug zur nächsten Hymne, und steht in einer Linie mit Songs wie „Too much, too young, too fast“ und „No way but the hard way“. Nach diesem fulminanten Anfang geht es dann allerdings etwas ruhiger und grooviger zu. Mit „No one fits me (better than you)“ gelingt den Jungs ein interessanter, stilistischer Schlenker, der äußerst sexy rüberkommt. Hier spürt man etwas mehr Pop- Einfluss und eine gewisse Glätte, die den Song extrem eingängig macht und zum Mitsingen einlädt. In eine ähnliche Richtung geht auch „Firepower“, allerdings mit deutlich mehr Härte und Aggressivität. Danach widmet man sich wieder mehr den Airbourne-typischen Trademarks. „Live it up“ und „Woman like that“ sind straighte Hard Rock-Nummern mit typischer Lyrik und simpler Struktur. „Hungry“ hingegen ist ein klassischer Banger, der vor allem von seiner klaren Linie lebt. Der Song ist autobiografisch zu verstehen und beschreibt die Geschichte der Band. Mit seinem an frühe Metallica erinnernden Spirit zählt er wohl zu den härtesten auf dem ganzen Album. Einen würdigen Abschluss findet das Album dann mit dem Titeltrack „Black Dog Barking“. Dieser schon fast als düster zu bezeichnende Song strotzt nur so vor Wut, Angst und Aggression. Der schwarze Hund steht hier für ein geisterhaftes Wesen, das einem im Traum begegnet und als Zeichen des Todes gewertet wird.

Ganz besonders dieser Song unterstreicht die musikalische Zwitter-Stellung der Band. Längst sind sie aus dem Schatten ihrer großen Landsmänner AC/DC heraus getreten und haben ihren eigenen Sound kreiert. Hierbei vereint die Band die Fröhlichkeit des Rock’N’Roll, die Härte des Metal und auf gewisser Weise auch die Melodik des Pops miteinander.

Insgesamt kann man sagen, dass sich die Band logisch weiter entwickelt hat. Schlagzeug und Gitarren sind etwas ausgefeilter, und für das Songwriting scheint man sich mehr Zeit gelassen zu haben. Die Stücke wirken deutlich komplexer und umfassender als noch auf dem Vorgänger-Album. Eigentlich nur der Opener erinnert noch an die Unbeschwertheit und Lockerheit früherer Tage. Wer also auf lustige Party-Nummern der Marke „Girls in Black“ oder „Blackjack“ steht, der wird hier nur bedingt bedient. Dafür haben die Songs auf „Black dog barking“ mehr Tiefe. Und sicher haben Airbourne nicht ihren grinsenden Optimismus und die reißende Hard Rock-Attitüde verloren.

Tracklist:
01. Ready to rock
02. Animalize
03. No one fits me (better than you)
04. Back in the Game
05. Firepower
06. Live it up
07. Woman like that
08. Hungry
09. Cradle to the grave
10. Black dog barking

Airbourne – Runnin ́ Wild

Und für was (the bloody hell) ist Australien noch bekannt, außer für Kängurus, dem völlig wahnsinnigen „Crocodile Hunter“ Steve Irwin (R.I.P.) und trockenen 35 Grad? Richtig, für Rock ́n`Roll, der einem aufrichtig und geradewegs in die Nüsse tritt.

Genau darum geht Airbourne .„Runnin ́ Wild” heißt das erste Album der Band, das bereits Anfang 2008 in Deutschland erschienen ist. Mit einem klassischen Party – Rock à la AC/DC und Rose Tattoo reihen sich Airbourne bereits jetzt problemlos in die Liga der australischen Rockgrößen ein.

Großartiges Drumming, energiegeladenes Riffing und klassische Gitarrensoli erfüllen alle Erwartungen. Sänger und Lead- Gitarrist Joel O ́Keeffe kann mit seiner dynamisch – rauen Stimme überzeugen, mit der er vollkommen in das gängige Schema passt. Was mir besonders auffällt, ist der Sound: Die vier Jungs aus Melbourne tendieren in ihrem Gesamtklang eher gen Metal als Richtung klassischem Rock ́n ́Roll und erwecken somit einen moderneren, vielleicht auch härteren Eindruck.

Mit einer Gesamtlänge von 36:43 Minuten bekommt man 11 durchgehend gute Tracks, das Album schwächelt an keiner Stelle. Trotz den überdeutlichen Wurzeln der Band kann man zwar eine einschlägige Richtung ausmachen, aber nicht von einer Kopie sprechen.

Weitere Infos könnt ihr auf www.myspace.com/airbourne bekommen. Im Netz gibt es ausserdem die extrem coolen Videos
„Runnin‘ Wild“ und „Too Much, Too Young, Too Fast“ zu sehen.

Fazit: „Drink your beer/Drink your wine/Let’s have a good time.” Geiles Album.
Anspieltipps: „Runnin’ Wild”, „Blackjack” und „Girls In Black”

Lordi – Deadache

Vielleicht nicht immer mit den besten Erinnerungen, aber wie wir alle wissen, ist ja bekanntlich Publicity das Wichtigste, egal ob gut oder schlecht – Lordi spalten die Massen.

Und das nicht nur zwischen Menschen, die der rocklastigen Musik wohl gesinnt sind und denen, die eben dieses nicht von sich behaupten, sondern auch innerhalb des zuerst erwähnten Lagers. Dort sind es vor allem die Hard Rocker / Metaller, die sich gegenseitig an den Kragen gehen, also jene, deren Musikrichtungen von Lordi eigentlich vertreten werden.

Nun ja, um es auf den Punkt zu bringen. Lordi machen geile Musik, auch wenn sie sich wissentlich dem Kommerz hingeben. Und genau aus diesem Grund gehöre ich zu den Leuten, die Lordi eher vergöttern als verfluchen und da kommt mir die neue CD gerade recht. „Deadache“ nennt sich das derweil vierte Studioalbum der Band mit Sitz im hohen Norden. Eine wunderbare Wortwahl, die den Sinn für Humor und den Hang zum Nicht-Ernst-Sein der Band noch unterstreicht. Natürlich ist mir klar, dass das Image komplett durchgeplant ist, aber was macht es, wenn dabei so ein gutes Album herauskommt.

„Deadache“ strotz wieder nur so vor genialen Hard Rock Hymnen. Genau wie auf den vorherigen CD ́s wissen es Lordi, die Massen mit eingängigen Melodien, genau akzentuierten Riffs und dem gewissen Gruselfaktor zu beeindrucken. Ob nun das wieder vor Wortwitz sprühende „Girls Go Chopping“ oder der mitreißende Titeltrack, das ganze Paket kann überzeugen. Dazu kommen noch eine Produktion und Aufmachung, die höchste Ansprüche erfüllen. Alles in allem eine hochverdiente 4,5 auf der OsnaMetal-Skala.

Lynyrd Skynyrd – Last Of A Dyin‘ Breed

Sämtliche Sounds und das Songwriting einiger Songs wurde (anders als von vielen vergleichbar alten Rockbands) der Moderne angepasst, was besonders bei Tracks wie „Homegrown“ oder „Honey Hole“ hörbar ist. Doch werden die eingesessenen Lynyrd Skynyrd-Fans keinesfalls enttäuscht, denn der typische 70er Touch geht nicht verloren.

Vor allem die realistischen Lyrics über die harten und die erfreulichen Seiten des Lebens, sowie der äußere Eindruck des Albums erinnern an „die guten alten Zeiten“. Der Titeltrack „Last Of A Dyin‘ Breed“ handelt vom Rückblick auf das spektakuläre Musikerleben, „Mississippi Blood“ lässt uns dem Namen getreu direkt in den Süden der USA eintauchen und „Start Livin‘ Life Again“ gilt als ein ein Aufruf die Finger von Drogen und Traurigkeit zu lassen. Obligatorische Themen wie Frauen, Party und Alkohol werden natürlich auch in Maßen behandelt, da die Band selbstredend mittlerweile gereift ist.

Das Album eignet sich für Fans jeder Zeit, sowie Menschen, die einfach nur auf das klassische, relaxende Rockfeeling stehen. Es lässt sich natürlich immer darüber streiten, ob eine bejahrte Band ihre früheren Alben einholen kann. Wenn man auf Vergleiche verzichtet, steht „Last Of A Dyin‘ Breed“ jedoch für sich selbst als ein gutes Rockalbum.

Tracklist:
01. Last Of A Dyin‘ Breed
02. One Day At A Time
03. Homegrown
04. Ready To Fly
05. Mississippi Blood
06. Good Teacher
07. Something To Live For

08. Life's Twisted
09. Nothing Comes Easy
10. Honey Hole
11. Start Livin‘ Life Again
12. Poor Man's Dream (Bonus)
13. Do It Up Right (Bonus)
14. Sad Song (Bonus)
15. Low Down Dirty (Bonus)

Richie Kotzen – Return of the mother head's family reunion

Auf seiner neuen Soloscheibe zeigt er außerdem wieder mal, dass er auch ein guter Sänger ist. Seine Stimme passt hervorragend zu dem Funk & Soul geschwängerten Rock Sound.

Der Opener „Go Faster“ mit der Hammondorgel und den Shaft Einsprengseln groovt wie Sau. Ich muss ehrlich zugeben, dass das eigentlich nicht mein Sound ist, aber hier muss ich einfach mitwippen. „You Know That“ erinnert mich vom Gitarrensound ein wenig an die Titelmelodie der 70er Krimiserie „Die Straßen von San Francisco“. Geil gemacht.Das acht minutige „Fooled Again“ glänzt mit einer starken Melodie und ist Disco Rock Pur und auch hier wieder die Hammond und die „San Francisco“ Gitarren. Das Solo des ehemaligen Gitarristen von Poison und Mr.Big ist absolute Weltklasse. Swingt einfach göttlich. Den Vogel hat Richie für mich aber mit der sehr soullastigen Ballade „Faith“ abgeschossen. Einfach Grandios!

Ich kriege eine Entenpelle nach der anderen.Die restlichen Songs können das Niveau locker halten. Die Scheibe klingt leicht, locker und groovt super rein. Diesen Silberling werde ich mir sicher noch zigmal Reinpfeifen. Klasseteil eines Klassemusikers. Hier besteht unbedingte Antestpflicht.

Richie Sambora – Aftermath Of The Lowdown

Der Name ist vielen bekannt und wenn man Richie Sambora hört, denkt man an grandiose Auftritte mit Bon Jovi oder das Soloprojekt, das einige überraschte. Schließlich munkelte man, dass dies das Ende der Band sei. Aber weit gefehlt. Dennoch machte Sambora in den vergangenen Jahren nicht durch musikalische Glanzleistungen auf sich aufmerksam, sondern durch negative Schlagzeilen über einen Auftritt bei einem MTV-Unplugged-Konzert unter Alkoholeinfluss und einen Entzug 2007. Wenig später wurde er wegen Trunkenheit am Steuer zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt und 2011 machte er einen erneuten Drogenentzug, weshalb er bei den Live-Auftritten von Bon Jovi fehlte.

Nun aber scheint der Gitarrist endlich zurückgekehrt zu sein und sich wieder voll und ganz auf seine Musik zu konzentrieren. Aftermath Of The Lowdown wirkt wie die musikalische Verarbeitung seines Lebens der letzten Jahre. Er singt über Scheidung, das Verlassenwerden, über alleinerziehende Eltern und Entzug. Auch Abhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit werden angesprochen und es hat wohl eine Wandlung in Sambora stattgefunden. Sein Leben ist nun hoffentlich wieder in geregelten Bahnen und das Album die Rückkehr eines großartigen Musikers, der eine dunkle und schwere Zeit hinter sich hat.

Dennoch erscheint das Album zahmer als man erwartet, wenn man die Hintergründe kennt. Zwar legt Sambora mit guten Riffs los und bringt diese in seinen Songs immer wieder zur Geltung, so dass man als Liebhaber guten Gitarrensounds seine wahre Freude hat. Allerdings fehlt den meisten Liedern die Power, wirklich mitzureißen und zu Ohrwürmern zu werden. Die Lieder plätschern eher dahin und sind gut für nebenbei, wenn man am Putzen ist oder mit Freunden zusammensitzt. Es reicht aber nicht, um sich nur auf die Musik zu konzentrieren und das Klangerlebnis zu genießen. Vielleicht haben die Jahre doch Spuren hinterlassen.

Alles in allem ist es ein ziemlich mittelmäßiges Rock-Album, das einem Mainstream hinterherjagt, der seit über zehn Jahren ausgestorben ist. Richie Sambora alleine wird kaum die Macht haben, alte Zeiten wieder aufleben zu lassen und guten, alten Rock erneut salonfähig zu machen. Die Musik ist härter geworden, teilweise auch schneller, und diese Kraft fehlt der CD eindeutig.

Ein bisschen hervorheben kann man die Balladen „Weathering The Storm“ oder „You Can Only Get So High“. Ersteres klingt derart stark nach Bon Jovi, dass der Song ein wenig seine Eigenständigkeit verliert, aber schön für die ruhigen Momente im Leben ist und wirklich Spaß macht. Letzterer besticht durch eine tolle Klavierkomposition zu Beginn, die mich beim erstmaligen Anhören als einziges Stück innehalten ließ. Das ist ein gelungener Part und in meinen Augen das Beste, was dieses Album zu bieten hat.

Das Cover zeigt die Lichter einer Stadt, typisch amerikanische Wolkenkratzer, durch die Samboras Silhouette wandelt. Es passt perfekt zum Titel Aftermath Of The Lowdown. Der komplette Silberling scheint von den Nachwehen der vergangenen Jahre getrieben zu sein und es bleibt zu hoffen, dass Sambora wieder zu alten Höhen zurückfindet und das nächste Album nicht 14 Jahre auf sich warten lässt. Dann vielleicht auch wieder mit mehr Power.

Kleiner Tipp: Auf der Homepage kann man unter Angabe der eigenen eMail-Adresse einen Link für einen Gratis-Download des Albums bekommen.

Tracklist:
01 Burn That Candle Down
02 Every Road Leads Home To You
03 Taking A Chance On The Wind
04 Nowadays
05 Weathering The Storm
06 Sugar Daddy
07 Always Walk Beside You
08 Seven Years Gone
09 Learning How To Fly With A Broken Wing
10 You Can Only Get So High
11 World

Ricky Warwick – Love many trust few

Vor The Almighty war Warwick Rhythmusgitarrist bei der britischen Band New Model Army, die bekannt war für eingängigen Wave Rock. Und jetzt kommt er mit einer neuen Soloplatte daher und schlägt wieder einen vollkommen neuen Weg ein, denn was Ricky Warwick auf „Love many trust few“ abliefert ist eingängiger Poprock mit sehr großem Singer/Songwriter Anteil.

Teilweise dümpeln die Songs zwar vor sich hin aber größtenteils gelingt es Warwick Gefühle, Ängste und Hoffnungen musikalisch sehr schön fest zu halten. Selber sagt er über das Album, dass viele Songs vom Weglaufen vor Plätzen, Menschen, der Vergangenheit oder sich selbst handeln. Etwas, das Warwick augenscheinlich wohl sehr gut kennt, denn genau diesen Eindruck vermittelt diese Platte. Warwick scheut sich auch nicht davor leichte und zerbrechliche Stücke zu machen, welche er nur mit einer Akustikgitarre intoniert hat („New Neighbors Old Fences“) aber größtenteils sind die Songs dann doch eher rockig gehalten. Und für uns europäische Musikfans hat sich Ricky Warwick noch was ganz besonderes einfallen lassen: Als kleinen Bonustrack hat er eine sehr schöne Akustikversion von Iron Maidens „Running Free“ mit drauf gepackt.

lles in allem also ein gelungenes Poprockalbum, welches ich von Ricky Warwick so nicht erwartet hätte.

Thin Lizzy – At The BBC (Deluxe Boxset)

Wer Thin Lizzy nicht kennt, der sollte sich mal ernsthaft Gedanken darüber machen, wie er bitteschön auf dieser Website gelandet ist. Lizzy gehören zur Ursuppe des Heavy Metal! Ohne diese Band wäre der Dinosaurier Iron Maiden nie in der bekannten Form entstanden. Thin Lizzy haben die Twin-Guitars und mit ihnen die genialen Melodien und Gitarrenduelle erfunden und perfektioniert.

Die Band hatte seit ihrer Gründung mit ständigen Lineup-Wechseln zu kämpfen. Die einzigen Konstanten im Bandgefüge waren Bandkopf Phil Lynott (Gesang & Bass), Drummer Brian Downey sowie der Leadgitarrist Scot Gorham. Gegründet wurde die Gruppe 1969 in Dublin. Nach dem Singlehit „Whiskey In The Jar“ von 1972 erfolgte der endgültige Aufstieg zur Unsterblichkeit Mitte der Siebziger mit einem ganzen Haufen wegweisender Alben. Markenzeichen und Qualitätsmerkmal der Band sind (neben den bereits erwähnten genialen Gitarrenharmonien) die Stimme und die Texte von Phil Lynott: Ich kenne keinen besseren Rocksänger als Phil, der mit seiner warmen Stimme die Songs veredelt und in seinen Texten weit über die Grenzen der Standard-Rock N‘ Roll-Themen hinausgeht.

Das hier zur Besprechung stehende Boxset enthält auf 6 CD’s und einer DVD Songs aus der gesamten Schaffensphase der Band (bis zum Tode Phil Lynotts im Jahr 1986). Die Aufnahmen stammen zur Hälfte aus BBC-Sessions (ein Großteil davon während der „Peel-Sessions“), bei denen Lizzy ihre Songs live und in rohem Soundgewand eingespielt haben. Die restlichen 3 CD’s enthalten bisher unveröffentlichte Liveaufnahmen. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte dieser Band auskennt wird wissen, dass Thin Lizzy den Ruf einer exzellenten Liveband genossen (Meisterwerk hier: „Live & Dangerous“ von 1978) und ihnen nachgesagt wurde, dass sie es nie richtig schafften, die Energie ihrer Liveauftritte adäquat auf die Studioalben zu übertragen. Mir persönlich sagt der Sound auf ihren Studioaufnahmen zwar außerordentlich gut zu, allerdings muss ich ganz klar feststellen, dass die hier enthaltenen Aufnahmen doch noch ein Stück spritziger und überzeugender rüberkommen: Alle Session-Songs glänzen durch eine unglaubliche Power und auch die Liveaufnahmen gehören in Sachen Soundqualität und Publikumsreaktionen zur obersten Klasse.

Die DVD enthält den schon von der „Live & Dangerous“-DVD bekannten Liveauftritt aus dem Rainbow-Theatre sowie darüber hinaus noch Aufnahmen von der „Thunder & Lighning“-Tour aus dem Jahre 1983. Zusätzlich enthalten sind alle Auftritte der Band in der englischen TV-Show „Top Of The Pops“. Alles in allem also die absolute Vollbedienung für Hard Rock-Fans im Allgemeinen und Thin Lizzy-Fanatiker im Besonderen. Die Aufmachung der Box ist äußerst hochwertig: Sie kommt in einem schwarz-weißen Pappschuber und enthält ein umfangreiches Booklet mit vielen Fotos und interessanten Linernotes.

Tracklist:
Aufgrund der Tatsache, dass es sich hier um eine 6-CD-Box + DVD handelt, verzichte ich mal auf die Angabe der kompletten Tracklist. Interessierte können diese unter diesem Link einsehen.

UFO – The Chrysalis Years Vol. 2 (1980-1986)

Enthalten sind die folgenden Studioalben: „No Place To Run“, „The Wild, The Willing And The Innocent“, „Mechanix“, „Making Contact“ und „Misdemeanor“. Zusätzlich gibt es noch Live-Aufnahmen („BBC In Concert“, „Live At Hammersmith“) sowie Single B-Seiten und Bonustracks.

Auf dem Höhepunkt des Erfolges von UFO hatte Schenker die Band im Jahr 1979 nach etlichen Streitigkeiten verlassen und sein eigenes Projekt (MSG) gegründet. Nachdem insbesondere das Livealbum „Strangers In The Night“ auch in den USA ein großer kommerzieller Erfolg gewesen war, beschlossen die beiden Bandleader, Phil Mogg (voc.) und Pete Way (b.), dass man nun versuchen sollte, mit eingängigeren Songs noch mehr Airplay in Amerika zu erhalten. Dieser Plan ging allerdings nach hinten los, da UFO in Gods Own Country nie mehr an den Erfolg von „Strangers in The Night“ anknüpfen konnten. In Europa allerdings (und hier insbesondere in ihrem Heimatland England) blieben UFO auf Erfolgskurs und das auch völlig zu Recht: Zwar sind die Songs nicht mehr so straight-rockig wie noch zur Schenker-Ära aber sie haben nichts vom typischen UFO-Charme eingebüßt. Hochmelodiös und eingängig, ohne aber nach ein paar Hördurchläufen Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Eigentlich ein Wunder, dass man mit dieser musikalischen Qualität nicht die erhofften Charterfolge in den USA erzielen konnte!

Der Nachfolger von Schenker, Paul Chapman, konnte die hohen Erwartungen mühelos erfüllen: Auch er verfügt über ein sehr dynamische Spiel und verleiht den Songs in ihren rockigen Momenten den nötigen Drive. Und das wirkliche Markenzeichen von UFO war ja eigentlich immer schon die warme und unverwechselbare Stimme von Sänger Phil Mogg.
Die Qualität der fünf enthaltenen Studioalben nimmt zum Ende hin ein wenig ab (insbesondere „Misdemeanor“ kann nicht mehr auf ganzer Linie überzeugen) aber im Gegensatz dazu stehen Alben wie „The Wild, The Willing And The Innocent“ und „Mechanix“ auf einer Stufe mit den Schenker-Großtaten aus den Siebzigern.

Mich erinnert die Entwicklung von UFO sehr an die Karriere der Kandier Triumph, die ebenfalls Mitte der Achtziger von gradlinigen und ungeschliffenen Rocksongs hin zu radiokompatibler Rockmusik mit eingängigen Hooklines und Refrains umgeschwenkt sind, ohne die musikalische Klasse beim Songwriting und bei der Umsetzung vermissen zu lassen. Genau das ist auch UFO zu Beginn ihrer zweiten Karrierephase geglückt! Allerdings ist nichts für Immer und so entstand nach etlichen Streitigkeiten das Album „Misdemeanor“ fast ausschließlich unter der alleinigen Regie von Phil Mogg. Kurz nach dem Release löste sich die Band dann für die nächsten sechs Jahre komplett auf.

Fazit zum Boxset: Defintive Kaufempfehlungen für alle Freunde von AOR und melodiösem Hardrock. Als Referenz können Bands wie Thin Lizzy, Kiss und die bereits erwähnten Triumph dienen. Die Produktion aller Studio-LP’s ist durchweg auf Spitzenniveau und Songs wie „Lonely Heart“, „Chains Chains“, „The Writer“ und insbesondere „Terri“ gehören sowieso zum Einmaleins des Hardrock.

Desweiteren kostet der ganze Spaß keine 20,- € und ist somit ein wahrlich wertiges Gesamtpaket (dies gilt natürlich ebenso für das bereits vor einem halben Jahr erschienene Boxset „The Chrysalis Years – Vol. 1“, welches den Zeitraum von 1973 bis 1979 abdeckt).

Tracklist:
Disc 1
01 Alpha Centauri (2009 – Remaster)
02 Lettin‘ Go (2008 – Remaster)
03 Mystery Train (2009 – Remaster)
04 This Fire Burns Tonight (2009 – Remaster)
05 Gone in the Night (2009 – Remaster)
06 Young Blood (2009 – Remaster)
07 No Place to Run (2009 – Remaster)
08 Take It or Leave It (2009 – Remaster)
09 Money Money (2009 – Remaster)
10 Anyday (2009 – Remaster)
11 Young Blood (7″ Edit) (2008 – Remaster)
12 Hot 'n‘ Ready (Live in Cleveland, Ohio)
13 Lettin‘ Go (BBC In Concert)
14 Young Blood (BBC In Concert)
15 No Place To Run (BBC In Concert)
16 Out In The Street (BBC In Concert)
17 Cherry (BBC In Concert)
18 Only You Can Rock Me (BBC In Concert)
19 Love To Love (BBC In Concert)
Disc 2
01 Mystery Train (BBC In Concert)
02 Doctor Doctor (BBC In Concert)
03 Too Hot To Handle (BBC In Concert)
04 Lights Out (BBC In Concert)
05 Rock Bottom (BBC In Concert)
06 Chains Chains (2008 – Remaster)
07 Long Gone (2009 – Remaster)
08 The Wild, the Willing and the Innocent (2009 – Remaster)
09 It's Killing Me (2009 – Remaster)
10 Makin‘ Moves (2009 – Remaster)
11 Lonely Heart (2009 – Remaster)
12 Couldn't Get It Right (2009 – Remaster)
13 Profession of Violence (2009 – Remaster)
14 Lonely Heart (7″ Edit) (2008 – Remaster)
Disc 3
01 The Writer (2009 – Remaster)
02 Somethin‘ Else (2009 – Remaster)
03 Back into My Life (2009 – Remaster)
04 You'll Get Love (2009 – Remaster)
05 Doing It All for You (2009 – Remaster)
06 We Belong to the Night (2008 – Remaster)
07 Let It Rain (2008 – Remaster)
08 Terri (2009 – Remaster)
09 Feel It (2009 – Remaster)
10 Dreaming (2009 – Remaster)
11 Heel of a Stranger (2009 – Remaster)
Disc 4
01 Blinded By a Lie (2009 – Remaster)
02 Diesel in the Dust (2009 – Remaster)
03 A Fool for Love (2009 – Remaster)
04 You and Me (2009 – Remaster)
05 When It's Time to Rock (2009 – Remaster)
06 The Way the Wild Wind Blows (2009 – Remaster)
07 Call My Name (2009 – Remaster)
08 All Over You (2009 – Remaster)
09 No Getaway (2009 – Remaster)
10 Push, It's Love (2009 – Remaster)
11 Everybody Knows (2009 – Remaster)
12 When It's Time to Rock (7″ Edit) (2008 – Remaster)
13 We Belong to the Night (Live At Hammersmith) (2009 – Remaster)
14 Let It Rain (Live At Hammersmith) (2009 – Remaster)
15 Couldn't Get It Right (Live At Hammersmith) (2009 – Remaster)
16 Electric Phase (Live At Hammersmith) (2009 – Remaster)
17 Doing It All for You (Live At Hammersmith) (2009 – Remaster)
Disc 5
01 This Time (2009 – Remaster)
02 One Heart (2009 – Remaster)
03 Night Run (2009 – Remaster)
04 The Only Ones (2009 – Remaster)
05 Mean Streets (2009 – Remaster)
06 Name of Love (2009 – Remaster)
07 Blue (2009 – Remaster)
08 Dream the Dream (2009 – Remaster)
09 Heavens Gate (2009 – Remaster)
10 Wreckless (2009 – Remaster)
11 The Chase (2009 – Remaster)
12 Night Run (US Remix) (2009 – Remaster)
13 Heavens Gate (US Remix) (2009 – Remaster)
14 One Heart (US Remix) (2009 – Remaster)

UFO – The Monkey Puzzle

Zu den ganz großen des Hard Rocks der Siebziger gehörten sie nie, Led Zeppelin und Deep Purple waren einfach zu groß, aber Erfolg hatten sie trotzdem. Der erste Song „Hard Being Me“ rockt schon mal ordentlich und kommt mit einer coolen Slidegitarre daher.

Auch das Solo ist sehr geil, und der Song ist ein echter Rocker und Ohrwurm. Schleppender wird es mit „Heavenly Body“, das sich einem erst nach mehrmaligem Hören erschliesst, bevor die „älteren“ Herren mit „Some Other Guy“ ein Stück abliefern, dass gut ein Hit werden könnte. „Who’s Fooling Who“ startet mit einem Akustik-Intro, und steigert sich danach zu einem Rocksong der ruhigeren Art. Musikalisch stark an AC/DC erinnert mich „Black And Blue“. Mein persönlicher Favorit ist „Drink Too Much“. Musikalisch einer der ruhigsten Songs auf „The Monkey Puzzle“, aber trotzdem irgendwie cool. Ich weiß nicht so recht warum… (Vielleicht weil es um Alkohol bzw. Partys geht 😉 ).

Jetzt ist das Pulver verschossen. Von den folgenden Stücken „World Cruise“, „Down By The River“, „Good Bye You”, „Rolling Man” und „Kingston Town” ist eigentlich nur ersteres erwähnenswert. Es handelt sich dabei um ein sehr bluesiges Stück, das die leichte Stiländerung der Band gut beschreibt. Wie schon auf dem Vorgängeralbum „You Are Here“ lässt der Fünfer mehr Blues-Elemente einfließen. Der Sound ist sehr gut, jedes Instrument hat den Spielraum den es braucht. Der Gesang von Phill Mogg ist nicht unbedingt besser als zuvor, aber seine Stimme ist sehr passend. Die Instrumentalfraktion leistet ganze Arbeit, vor allem die Soli von Vinnie Moore rocken. Er steuerte übrigens auch die Musik zu den meisten Liedern bei. Auch die Rückkehr von Ur-Drummer Andy Parker macht sich bemerkbar.

Fazit: Ein weiteres UFO-Album. Nichts neues. Nichts besonderes. Für Fans Ok, für den Einstieg sollte man sich aber eher die Klassiker wie „Walk On Water“, oder eins der anderen Alben mit Michael Schenker anhören, da ist man besser bedient. Die Band weiß, dass sie ihre Fans hat, und will offenbar auch keine neuen dazugewinnen. Wozu auch, wenn man seit 1969 im Geschäft ist? Dann muss man niemandem mehr was beweisen. Ein solides Album, aber eher was für Fans.

Anspieltipps:
Hard Being Me, Heavenly Body und Drink Too Much

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Autor: ARCHIVader


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