Die Hütte Rockt 2011

Zum 5. Mal Hütte Rockt. Ein kleines Jubiläum, zu dem Veranstalter und Gäste sich ausnahmsweise gutes Wetter verdient hätten. Daraus wurde natürlich nichts. Aber wer die Härteprobe in flächendeckender Matschepampe vom Vorjahr überstanden hat, den tangiert die fast schon traditionell hohe Niederschlagswahrscheinlichkeit eh nicht.

Die Hütte Rockt Open Air Festival in Georgsmarienhütte

Die Hütte Rockt Open Air Festival in Georgsmarienhütte

Freitag

Ich bin wohl etwas spät dran, von Weitem schallen mir bereits die Ska-Punk-Klänge des Openers Grenzwert entgegen. Als ich das Festivalgelände und schließlich die Bühne erreiche, kann ich gerade noch der Verabschiedung der kunterbunten Truppe beiwohnen. Mit ihnen ein junger Mann im Hasenkostüm das nach Känguru ausschaut. Die anwesenden Zuschauermassen passen noch in ein handelsübliches Wohnzimmer. Schade, schien es doch eine spaßige Angelegenheit gewesen zu sein. Da fällt mir noch auf, dass Jürgen Klopp sich als Meistertrainer nicht zu schade ist, als Ordner auf einem Provinzfestival zu fungieren. Ausbleibende Autogrammwünsche sind vermutlich dem geringen Anteil an Borussia Dortmund Anhängern geschuldet.

So sieht Hütte Rockt also bei herrlichem Sommerwetter aus, hatte man schon fast vergessen. Aber der Wetterbericht verspricht baldige Witterungsvariationen. Während der Umbaupause geht’s zum Pilsstand, wo sich ein Herr mittleren Alters lautstark über das Pfandsystem beschwert. Pfandmarken müssen nebst geleerter Becher am Getränkekartenhäuschen eingelöst werden. Er bleibt nicht der Einzige, Post-Konsum-Aufmerksamkeit ist des Biertrinkers Sache nicht. Ansonsten aber alles gewohnt dufte. Ab zu Xaja, deren Schweinebluesrock voll in Ordnung geht. Mehr Kompaktheit würde den gefühlt recht langen Songs allerdings gut tun. Einige gute Riffideen haben sie zweifellos im Gepäck. Der Coolness-Faktor wird beim Gitarrenspiel mit Kippe im Maul probiert. Zum vergleichsweise unspektakulären Set-Ende verdunkelt sich das Firmament verdächtig stark.

Das sieht nach einem kurzen, kräftigen Schauer aus. Also begebe ich mich zum Nahrungsmittelverzehr an den überdachten Dönerstand, dann bin ich fein raus. Als es dann losgallert wie nur was, fällt mir auf, dass man auch immer die Windrichtung einberechnen muss. In Sekundenschnelle ist 100% Baumwolle nicht mehr die korrekte Bestandteilsangabe für meine Kleidung, ein nicht unerheblicher Anteil Wasser hat sich eingeschlichen. Der Schauer hat sich bald gelegt. Warum die Biertresen so unterschiedlich gut besucht sind, stellt sich heraus als ich zur Abwechslung die gering frequentierte Bude aufsuche: Kein Wunder, die Getränke besitzen blasenfreundliche Temperatur.

Das Die Angefahrenen Schulkinder bereits am späten Nachmittag auftreten, halte ich nicht gerade für ideal. Was soll’s. Die bestgekleideten Herren des Tages lassen zwar heute die Wurst im Glas, obligatorische Publikumsbeleidigungen sind dafür inklusive. Das Feld ist nicht so stark gefüllt wie erwartet, vor dem die Schulkinder ein Potpourri an Klassikern der guten Laune zum Besten bringen. Einigen missfallen aber offensichtlich die dazugehörigen Labereien zwischen Evergreens wie „Daumen im Po“ oder „Oohh“. Die berühmte Schnuffeltuchnummer mit Samson, Lilo und Tiffy scheint auch den Protagonisten selbst nicht allzu viel Enthusiasmus zu entlocken. Seltsam alles bei Tageslicht zu erleben, trotzdem bietet man eine geile Show mit allerhand Lachern. Wie üblich beschließen Peter Maffay und Udo Lindenberg den leider zu kurzen Auftritt. Osnabrücks Qualitäts-Untenrum-Entertainment-Crew hätte mehr Raum verdient.

Zeit mal das Zelt aufzusuchen. Klasse Idee, dort während der Pausen ein kleines Rahmenprogramm zu offerieren. Die Zu-Zweit-Unterhalter Wohnraumhelden sehen so aus wie sie heißen und zelebrieren ein Humor-Oeuvre unter Zuhilfenahme akustischer Gitarrenmelodien. Kann man sich als Hintergrundberieselung geben, verdammt lustig geht aber anders. Im Laufe der Zeit mehrt sich jedoch ihre Anhängerzahl sichtlich.

Ich kann nicht behaupten mit großer Vorfreude gen Royal Republic zu latschen. Meinen Nebenmann erinnern die Schweden an eine Schülerband. Eine ziemlich stylische. Und eine ziemlich gute. Die Vorurteile sind schnell relativiert. Der energische Rock ist definitiv das, meinerseits unerwartete, Freitagshighlight. Frontmann Adam Grahn ist ein Scherzkeks und verzagt nicht, beim Versuch die zunächst verhaltenen Leutchen aus ihrer Lethargie zu wecken. Hier kann auch abgehen wem die Platten nicht zwingend zusagen. Die Single „Full Steam Spacemachine“, aus dem letzten Album „We Are The Royal“, entpuppt sich heute als der größte Live-Knaller. Mission voll erfüllt. Und wiederum eine viel zu kurze Eruption.

Es mehren sich aus der Menge ragende, alberne Plastikwikingerhelme. Schnell ist klar: Der Großteil an Besuchern hat sich wegen Torfrock eingefunden. Trotz weitgehend kongenialem Bierpegel, ficht mich die Show nur bedingt an. Aber immerhin erweisen sich meine Befürchtungen bezüglich einer verfremdeten, elektrisch verzerrten Version von „Volle Granate Renate“ als unhaltbar. Die Akustikklampfe wird ebenso rausgekramt wie das dazugehörige Holzblasinstrument. Ärger macht sich dann doch breit als ich meinen Torfrock-Favourite „Presslufthammer B-B-B-B-B-B-B-Bernhard“ anscheinend, in ein Gespräch verwickelt, verpasse. Ein in meinen Ohren lahmes „Beinhart“ weckt entweder Kindheitserinnerungen oder lässt Hochbetagte im Glauben sie wären echte Hardrock-Freaks. Wer die routinierte Vorstellung wiederholt sehen möchte, dem verliest Klaus Büchner noch die kommenden Tourdaten, mit Schwerpunkt auf dem 09.12. im Rosenhof Osnabrück.

Die Wohnraumhelden wirken auf mich mittlerweile wie seichtes Ballermannwedeln mit echten Instrumenten. Immer mehr Anderen gefällt’s. Ich jedenfalls ertränke meine aufkeimende Müdigkeit mittlerweile in Mineralwasser, bevor ich noch mehr Menschen mit gehörigem Schwachsinn vollsülze und verlasse das Ambiente um pomadigen Musikern beim heraufbeschwören vergangener Zeiten zuzusehen.

Boppin‘ B sind schon länger am Start als Ehepaare zu Silberhochzeits-feierlichkeiten verheiratet. Und das was sie machen, 50er Jahre Rock ’n‘ Roll resp. Rockabilly mit diversen weiteren Genre-Ingredienzien, machen die Aschaffenburger unheimlich gut. Nur ist der vergangene Erfolg von Pop-Sänger Sashas Dick Brave & The Backbeats nicht nur förderlich gewesen. Boppin‘ B bekamen im Zuge dessen einen enormen Popularitätsschub und nahmen gar ein komplettes Album mit Sasha-Hits auf, aber nach einer Vielzahl von Plagiaten ist, auch wenn Boppin‘ B wohl das eigentliche „Original“ sind, das Ding ziemlich abgefrühstückt. Vollkommen zu Recht ernten sie Begeisterung, aber mir wird die ständige Coverei doch irgendwann zu blöd.

Bisher hätten sie noch jeden Regen abgestellt, behaupten Livingston. Heute hat der Anti-Regen-Gott den Tourbus frühzeitig verlassen. Die Band ist mitleidig mit den unter Dauerbewässerung Stehenden und bedankt sich unermüdlich fürs Verbleiben. Livingston geben sich alle Mühe, doch der Kommerzrock bleibt auch in seinen berührendst gemeinten Momenten ohne Belang. Leider denkbar schlecht gewählte Headliner. Auch ein Stück in Zulu mit passender Perkussionsbegleitung ist höchstens ein willkommener Exot für Raemonn-Fans. Nach vergebenem Warten auf musikalische sowie wettertechnische Besserung in vorderster Front, verziehe ich mich für den Rest des Gigs in die Ferne auf eine trockene Bierzeltgarnitur. Am Ende können sie einem regelrecht leid tun, eine andauernde Abwanderung macht bereits die Absperrungen vor der Bühne sichtbar. Auch wenn mir ein Hütte-Rockt-Fotograf von gestiegener Nachfrage berichtet, bleibt bei mir der Eindruck eher geringerer Gästezahl als im Jahr of the Matsch.

Mit der Eloquenz eines klatschnassen Lappens, stapfe ich über die aufgeweichte Wiese dem Ausgang zu. Ein guter Tag mit reizlosem Ausklang.

Samstag

Aus der Not geboren ist es nun an mir, meinen Kollegen Ernesto zu vertreten, welcher aus zeitlichen Gründen dem 2. Festivaltag fernbleiben musste – Aber man hilft ja gern aus!

In diesem Sinne muss ich leider mit dem alles niederschmetternden Satz beginnen: „Ernesto, du hast nicht viel verpasst“.

Leider, denn die Macher des Festivals geben sich bekanntlich stets große Mühe, ein gelungenes und abwechslungsreiches Event auf die Beine zu stellen; dies ist 2011, soviel sei schon kumuliert gesagt, nur bedingt gelungen.

Über das Thema Dauerregen und Schlammschlacht mutmaßlich minderjähriger Betrunkener vor der Bühne möchte ich mich nun nicht mehr weiter auslassen. Beides gehört leider nahezu seit Anbeginn der Festivalreihe zu eben dieser.

Konzentrieren wir unseren Fokus lieber auf das Wesentliche – die Bands. Doch auch hier lässt sich die Runnig Order von 12.00 bis 21.00 recht einsilbig und schnell abarbeiten. Nett, gut gemeint, unterhaltsam. Alles nicht wirklich schlecht, aber alles auch keine echten Reisser. Die regionalen Helden Nezzer, Gunslinger, Day to Resist, Speed Bump und Sudden Death machten ihre Sache allesamt grundsolide, zeigten Spielfreude und taten ihr Bestes, um die Zuschauer vor die Bühne zu ziehen; dies gelang aber nur in Ausnahmefällen. Mit Ausnahme von dem „Hütte Rockt Bandcontest Gewinner“ Day to Resist, die wohl einige Schulkameraden mitgebracht hatten, war der Plaz vor der Bühne recht überschaubar. Im Klartext heisst das: Seltenst mehr als 50 Nasen tummelten sich im Bühnenbereich. Eine weitere Ausnahme bildete die Osnabrücker Todesmetallformation Sudden Death, die, wie zu erwarten, mit absoluter Spielfreude und dem typischen Weckermanschen Bass-Ausritt ins Publikum punkten konnte. Die Jungs zogen die meist (mehr oder minder) langhaarigen vor die Mainstage; geschätzte 150 durften es gewesen sein.

Die Hambuger Skatoons trumpften dann mit einem Schön-Wetter-Ska-Punk-Mix auf. Dieser Auftritt bedeutete das erste Mal richtig Alarm am und im Bühnenbereich. „Es wurde gesungen, getanzt und gelacht“, um mal einen alten Gassenhauer zu bemühen. Das Eis war endgütlig gebrochen!!

Nö! Denn der nominelle Co-Headliner Templeton Pek tat alles, um die gute Stimmung wieder zu ruinieren. Gut, Absicht will ich dem Birminghamer Trio wahrlich nicht unterstellen, ebenso wenig fachliches Nichtwissen. Solider Brit-Punk, musikalisch nett. Dennoch schien es, als wäre die Spielfreude der Jungs um Basser/Sänger Neal auf der Insel geblieben – dabei sollten sie sich doch im GM Hütter Regen fast wie daheim fühlen. Lange Rede gar kein Sinn; der Auftritt schwankte zwischen mau und überflüssig, entsprechend wanderte der Groß-Großteil der vorher von den Skatoons in Verzückung gesetzten Zuschauer wieder in trockenere Gefilde Richtung Second Stage (Zelt) ab, um sich auf einen der Pausenfüller-Gigs von Das Pack, die mit munterem Fun-Rock-Metal die Fans begeisterten, vorzubereiten. Genau 13 Leute zählte ich noch vor der Bühne, während sich Templton Pek anschickten, ihren Kurz-Track „30 Seconds too far“ zu zelebrieren. Der Song dauert tatsächlich nur die versprochenen 30 Sekunden und soll den Rekord für das kürzeste Lied in den Charts brechen. Ein hohes Ziel.

Nun dann aber doch Bewegung vor und auf der Bühne. Es wurde hektisch geschraubt, das Licht wurde neu justiert, das gesamte Drumkit umgebaut. Der Headliner kommt! Wie zu erwarten dauerte der Umbau doppelt so lang wie veranschlagt; Headliner-Bonus eben. Einige Fans hielten sich mit obzönen Rufen Richtung Band über Wasser (ob es wohl betrunkene Minderjährige waren? Wer weiss das schon…), der Großteil aber der nun sicherlich 500-600 Fans vor der Bühne schwelgte in froher Erwartung auf die H-Blockx aus dem benachbarten Münster.

Die Mannen um Mastermind Henning, mit dem OsnaMetal.de erst jüngst noch ein Interview führen durfte wirkten professionell und hatten die Fans von Beginn an im Griff. Es gab viel Interaktion und auch Klassiker wie „Move“, „Risin´ High“ und natürlich das Cash-Cover „Ring of Fire“ durften nicht fehlen. Genau 70 Minuten taten Fans und Band erfolgreich alles, um der 2011er Ausgabe des Hütte Rockt Festival noch einen Glanzpunkt in einem sonst eher als mittelmäßig mit positven Ausschlägen zu bewertenden Event zu geben.

Es wurde weiter viel in die Festival-Infrastruktur investiert. Verbesserung der sanitären Anlagen (im VIP-Bereich gab es sogar Duschcontainer – ein Luxus, den nichtmal ein Major-Festival wie das Summer Breeze aufweist *Seitenhieb*), Sound und Technik im Generellen waren überdurchschittlich und die bei Events dieser Größenordnung nötigen Securitys machten einen guten Job. Der Regen gehört anscheinend inzwischen zum Programm (in Anlehnung an den bekannten W:O:A-Slogan sollte man sich vielleicht den Spruch „Hütte Rockt – No shine, only rain“ auf die Mützen sticken). Einzig das Billing war 2011 in Bezug auf Bands und Spielzeiten teilweise unglücklich zusammengestellt.

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Location: Georgsmarienhütte
Datum: 26.08.2011
Autor: Ernesto/Miro

Hütte Rockt – Festival 2009

Zur dritten Auflage des beliebten „Hütte Rockt“-Festivals fanden sich am Wochenende wieder mehr als 2000 Festivalfreunde in Georgsmarienhütte vor den Toren Osnabrücks ein. In bester Festivalatmosphäre frönten sie Flunkyballturnieren, hochwertigen Bands und gutem Wetter.

Ja, bei gutem Wetter – denn nachdem das Hütte Rockt – Festival im Jahr 2008 buchstäblich ins Wasser gefallen war, sind die zwischenzeitlichen Regenschauer, die das dritte „Hütte Rockt“ begleiteten, kaum erwähnenswert.

So hatte das Publikum Zeit, sich den wesentlichen Dingen zu widmen. Am Donnerstag Abend, dem Vorabend des eigentlichen Festivalbeginns, war dies im Wesentlichen ein präventiv geöffneter Bierwagen, an dem sich die ersten Camper und große Teile des Organisationsteams ansammelten.

Richtig los ging das Geschehen aber erst am Freitag. Nachdem am frühen Nachmittag das klägliche Rinnsaal aus Festivalbesuchern zu einem ununterbrochenen Strom anschwoll, füllte sich der Campingplatz vor dem Festivalgelände in Windeseile mit Zelten und deren Insassen sowie palettenweise Bierdosen.

Um 17.00 Uhr starteten dann die Air Borne Fly Killers aus Hagen a.T.W. den Bandreigen. Mit melodischen, streckenweise metallisch angehauchten Songs rüttelten sie die Menge vor der Bühne wach, die für einen Opener schon recht beachtlich war. Eine Vielzahl der Camper hatte wohl zwischen Zelten und Pavillons Langeweile bekommen und wollte sich die Zeit vor der Bühne vertreiben – ein Umstand, denn die Air Borne Fly Killers weidlich ausnutzten. Mit ihrer mittlerweile profunden Bühnenerfahrung präsentierten sie sich souverän und mitreißend und boten eine unzweifelhaft professionell hochwertige Show, die dank der frühen Stunde lediglich durch mäßige Publikumsresonanz beeinträchtigt wurde.

The Spirit of Desire schlugen in die gleiche musikalische Kerbe, wenn die Musik auch etwas gesetzter klang – jedoch keineswegs schlechter. Kräftig und druckvoll war der Sound auch hier, dabei etwas solider und erdiger – was vielleicht dem Umstand geschuldet sein mag, dass die Musiker des Quartetts aus Westerkappeln einem deutlich fortgeschrittenerem Semester angehören als die Jungs von den Air Borne Fly Killers. Dies tat aber erwartungsgemäß sowohl der musikalischen Qualität als auch der Stimmung im Publikum keinen Abbruch.

Mit Laut trat ein weiteres Schwergewicht aus der Riege der regionalen Rockbands an. Die ehemaligen Fortitude sorgten mit deutschsprachigem Stoner-Rock für Ohrwürmer beim Publikum, die agile Bühnenshow sorgte für zunehmend gute Laune bei der Zuschauermenge, die allerdings immer noch recht überschaubar war. Gradlinig, technisch einwandfrei und Euphorie versprühend wie ein Maschinenbaustudent in der Frauensauna nahmen Laut das Publikum souverän innerhalb der ersten Songs für sich ein.

Bevor Mambo Kurt den musikalischen Stilbruch des Abends einläutete, begaben sich Eat The Gun aus Münster auf die Bühne. Mit Inbrunst und Hard Rock läuteten sie nicht nur optisch die scheinbar längst noch nicht verflossene Ära der 80er auf der Bühne ein, die somit zur Kulisse von hemmungslosen Gepose und rotzigem Groove wurde. Eine beachtliche Leistung der Jungs aus der westfälischen Konkurrenzstadt, die auf diese Weise in Sachen musikalischer Achtungserfolge deutlich aufgeholt hat.

Dies kann man von der Heimat von Mambo Kurt leider nicht sagen. Dass die Show auf diesem Festival im Vergleich zu sonstigen Shows seiner Majestät des Heimorgelkönigs wenig Unterschiede aufwies, mag man verschmerzen. Weitaus schlimmer ist die Ursache dafür, dass nämlich das Konzept, Bands wie Slayer, Rage against the machine oder Deichkind per Heimorgel zu covern, zweitweise tatsächlich ganz lustig sein mag, dauerhaft aber nicht jedermanns Geschmack ist.

Nun ja, Festivalbesucher waren ja genug da, so dass die Stimmung unbestritten bombig war. Und dass die Interpretation diverser Stücke mindestens eine gewisse Begabung von Seiten des Herren mit dem unschön-gelben Anzug und der übergroßen Brille, ist ebenso unzweifelhaft. Darüber hinaus sorgte er oft für Gesellschaft auf seiner Bühne: So bat er z.B. OsnaMetal.de-Chef Marc in dessen Eigenschaft als Stage Manager auf die Bühne und liess ihn seltsame Musik wünschen, brachte eine junge Dame mit seinen Walzertanzkünsten in Verlegenheit und liess einige andere junge Damen um sich herum tanzen. Zudem bot er ein wahrhaft engagiertes Orgelspiel, Crowdsurfing in die Menge und derartige Späße mehr. Sicherlich nicht schlecht, aber dauerhaft nicht jedermanns Geschmack – wenn auch das Stück

Der Stilbruch deluxe erfolgte mit den Sackratten, jener Osnabrücker Spielmannstruppe, die sich aus diversen kleineren Grüppchen zusammensetzt und stets ein Garant ist für herrlich authentischen Mittelalter-Folkrock. Die Vielzahl der Instrumentalisten, die sich mit Sackpfeifen, Flöten, Trommeln und wasweissichalles für Instrumenten auf der Bühne sammelten, sorgte für einen gewohnt imposanten Klangteppich, der die Menge tanzen ließ. Allerdings konnte man schon feststellen, dass der Einsatz einer zwar unterhaltenden, aber immer noch ernsthaften Band zwischen zwei, salopp gesagt, „Blödelbands“ eine denkbar schlechte Wahl war. Da die Mehrheit der teilweise schon leicht alkoholisierten Besucher vor der Bühne mittlerweile eher albernen als musikalischen Finessen lauschen wollte, blieb die große Euphorie angesichts der Sackratten leider aus.

Um so schneller war die Stimmung auf dem Siedepunkt, als mit der Frog Bog Dosenband jene Band auftrat, deren Auftritt ein Kollege von mir einst mit dem treffenden Ausdruck „Faschingsfaschismus“ charakterisierte. Da es sich beim Auftritt auf dem „Hütte Rockt“ um den endgültig letzten Auftritt der Lokalhelden aus Georgsmarienhütte und Umgebung handeln sollte, war die Stimmung beim dicht gedrängten Publikum bestens und jeder der Songs wurde begeistert mitgesungen bzw. gelallt.

Denn eins darf bei einem Auftritt der bunten Truppe nicht fehlen: der Alkohol. Getreu des Wahlspruchs S-A-U-F-E-N hatte sich die Mehrheit der Menge schon früh dem Gerstensaft und anderen Spezialitäten hingegeben, so dass sich teilweise schon erste Ausfallerscheinungen bemerkbar machten. Mancheinem gelang der Weg vom Campingplatz zum Festivalgelände gar nicht mehr – ob das die Sache wert war?

Die Blödelbarden hingegen gaben sich bestens gelaunt und sorgten mit altbekannten Stücken für einen gelungenen Ausklang des ersten Festivaltages.

Der Samstag begann früh – bereits um 12.00 Uhr waren die ersten Flunkyballturniere gewonnen und mit Your Hands Divine stand wieder eine Osnabrücker Band auf der Bühne. Angeführt von Bandinitiator und Mastermind Jack, nebenher Schlagzeuger der formidablen Rozencrantz, präsentierte die Band traditionell-düsteren Gothic-Rock, mit dem sie ihrem Vorbild HIM tatsächlich ziemlich nahe kam.

Die überschaubare Menschenmenge, die zu dieser Frühzeit bereits auf den Beinen vor der Bühne war, mochte sich in Teilen vielleicht wundern, weshalb eine Band mit derartiger musikalischer Klasse den undankbaren Posten des Tagesopeners bekam. Die Antwort liegt jedoch auf der Hand und wurde durch die nachfolgenden Block bestätigt, die musikalisch nämlich ebenfalls zu den besseren Bands der Region zählen. Recht progressiver Stoner-Rock in der Tradition von Tool, beeinflusst von ein wenig Kyuss oder Queens of the Stone-Age.

Im späteren Verlauf des Tages folgten die Münsteraner von Da Impact. Bei diesem Quintett handelt es sich um eine Metal-Rap-Crossover – Kapelle, die am ehesten mit Gruppen im Stile von Linkin Park verglichen werden kann. Und sie machten ihre Sache auch durchaus gut. Mit mächtig Druck wurde gerappt und geshoutet, so dass sich der Platz vor der Bühne zwar nur langsam, aber um so stetiger füllte.

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Location: Georgsmarienhütte
Datum: 28.08.2009
Autor: Tim

Hütte Rockt WarmUp Party mit: Stinna og Stora & Predator & Drone

Wie auch im letzten Jahr findet auch dieses Jahr wieder das „Hütte Rockt“ Festival statt. Und was gehört zu einem richtigen Festival?

Genau, eine Warm-Up Party.

Jene fand am 11.07.08 im Osnabrücker „Rosenhof“ statt..

Mit Drone als Headliner und Predator und Stinna og Stora als Anheizer wurde die Party ausgerufen und die Leute schonmal ein bisschen auf das Hütte Rockt Festival 2 eingestimmt.

Pünktlich um 19:00 öffnete der „Rosenhof „die Türen.

Also, Bier leer trinken und rein.

Drinnen angekommen war ein schöner Hütte Rockt Merchandise aufgebaut und alle Besucher bekamen das Hütte Rockt Ticket günstiger, sofern man es auch an diesem Abend kaufte.

Zudem gab es noch 50 Liter Freibier, welche verhältnismäßig lange hielten, da auch nicht viele Leute anwesend waren.

Dann, gegen 20:30 betraten Stinna og Stora die Bühne und spielten ein knapp 40 minütiges Set.

Leider war es ziemlich leer, aber die Band störte es überhaupt nicht und hat Vollgas gegeben.

Bei ihrem bekanntesten Song „War“ ging es dann richtig zur Sache und es wurde ein Circle Pit ausgerufen, welcher an diesem Abend auch nicht der Letzte sein sollte.

Leider wurden trotz verlangter Zugabe keine weitern Songs gespielt.

Wer nicht genug von den Bad Iburger Melo Thrashern bekommen kann: Sie spielen im Rahmen von OsnaMetal.de´s ROCK THE NIGHT 6 Festial am 6.9.08!

Nach eine sehr kurzen Umbaupause ging es auch schon gleich mit Predator weiter.

Frontmann und Veranstalter des Hütte Rockt Festivals, Jan Kleinheider, holte alles aus sich raus und es wurde gebangt, was das Zeug hielt.

Leider wurde das Publikum nicht größer, geschätze 30 Leutchen verirrten sich an diesem Abend zur Party, aber auch Predator störten sich daran nicht und hatten sichtlichen Spaß auf der Bühne – als Zugabe gab es sogar noch den AC/DC Klassiker TNT.

Super geil kann ich nur sagen!

Da es im „Rosenhof “ so langsam sehr warm wurde, gingen wir kurz nach draußen um Luft zu schnappen und ein Bier zu trinken, was aber in ziemlicher Hektik endete, da die Umbaupause wieder sehr kurz war.

Bei Drone ging es dann richtig zur Sache.

Thrash Metal a lá Machine Head boten die Jungs aus Celle.

Schon beim Opener „High Octane“ entstand der erste Circle Pit und es nahm kein Ende.

Es schien mir so, als wenn auch ein paar mehr Leute da waren, als bei den vorherigen Bands, was die Stimmung nochmal etwas steigern ließ.

Aufgrund der Hitze entblösten viele ihren Oberkörper und der Eine oder Andere hatte auch Spaß am Stagediven.

Leider ist Drummer Felix die Basedrum gerissen, sodass sie aus einem Set, welches aus 11 Liedern bestand, ein 8-teiliges Set machen mussten.

Als sie dann Slayers „Raining Blood“ anspielten ging die Post ab und nach ca. einer Minute „Raining Blood“ ging es dann direkt im Anschluss mit „Welcome to the Pit“ weiter.

Bei diesem Song konnte fast keiner mehr seine Füße still halten und es wurde ein weiterer Circle Pit gestartet.

Leider war dies der letzte Song und somit ging ein ziemlich geiles Konzert zu Ende.

Fazit: Mit 10,00 € Eintritt war man gut bedient, die Bands gaben auf die Fresse, man konnte sich das eine oder andere Freibier gönnen und nun freuen wir uns auf das Hütte Rockt Festival 2 am 22. und 23.8. in Georgsamrienhütte, natürlich präsentiert von OsnaMetal.de.

Setlist Stinna og Stora:
Silence before the Storm
Treason
A tale of a hero called hero
Stinna og Stora
Stormbringer
Free Destiny
Ragnarök
War

Setlist Predator:
Intro
Step into the Fire
Addicted to Pain
Die by your side
War inside
New beginning
King of the kill (Annihilator Cover)
Buried alive
Repression
Predator
TNT (AC/DC Cover)

Setlist Drone:
High Octane
Stampmark
TIA
Life of Riley
Theopractical
Chainsaw Symphony
Carnophile
Welcome to the Pit

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Am 22. August war es wieder soweit: In Georgsmarienhütte fand zum achten Mal das mittlerweile legendäre und weit über die lokalen Grenzen hinaus bekannte 2-Tages Open Air Festival Hütte Rockt statt

Mit -nach offizellen Angaben- über 4000 Besuchern füllte sich das Festivalgelände an den zwei Tagen mit einem bunten Volk friedlich feiernder Musikfans. Auch das launische, bisweilen sintflutartig anmutende Wetter konnte den gut gelaunten Besuchern, von denen ein Großteil auf dem angrenzenden Zeltplatz kampierte, den Spaß an den wirklich gelungenen Darbietungen der verschiedenen Bands nicht verderben.

Mit den Emil Bulls konnte dieses Jahr ein Headliner aus den TOP-10 Album-Charts verpflichtet werden. Aber auch am ersten Tag konnten die Festivalbetreiber einen ganz besonderen Leckerbissen für Hütte Rockt gewinnen. Nach fünf Jahren Live-Abstinenz konnte die aus Kloster Oesede stammende Kulttruppe Frog Bog Dosenband ihrem Ruf als Garant für Spaß und gute Laune zur Freude der zahlreich angereisten Fans mehr als gerecht werden.

Pünktlich um 17:00 Uhr fiel am Freitagabend mit der Band „Anthemdown“ der Startschuss in das rundherum gelungene Event. Dass auf wie vor der Bühne alles reibungslos funktionierte, ist nicht zuletzt der perfekten Organisation der Veranstalter zu verdanken. Während die Fans vor der Bühne feierten, waren auf und hinter der Bühne zahlreiche Helfer und Bühnentechniker im Dauereinsatz.

Besonders hervorzuheben ist die musikalische Bandbreite der unterschiedlichen Acts. So gab es mit Akustikgitarre und Cajon anspruchsvoll groovende Musik (Liedfett), intelligenten deutschsprachigen Rock (Wirtz), die absolute Metal-Kelle (Purid), lokale Helden (Therapiezentrum) und so ziemlich alles dazwischen. Für jeden Geschmack also etwas. Wir haben für euch einige Impressionen vom Hütte Rockt-Wochenende in Bildern festgehalten.

t.b.c

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Location: Rosenhof
Datum: 11.07.2008
Autor: Apocalyptic Warhammer


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