Zum Ende der 80er Jahre entstand das Metal-Genre des Viking Metal. Genau genommen ist dieser eine Mischung aus den Elementen des Black Metal, des Death Metal und der Folk-Melodien Skandinaviens. Die Texte handeln überwiegend von großen Schlachten der Wikinger, von den Mythen und Sagen dieses Volkes. Musikalisch eng verwandt ist der Viking Metal mit dem Pagan Metal, der allerdings die Mythologie und Sagenwelt der Länder aus den verschiedensten Kontinenten behandelt.

Viking Metal

Folk Metal und Viking Metal Ende der 1980er Jahre mit den Melodien Skandinaviens

Folk Metal und Viking Metal Ende der 1980er Jahre mit den Melodien Skandinaviens

Die Band Bathory mit ihrem leider 2004 verstorbenen Gründer Quorthon ist wohl die erste prägende Gruppe dieses Metalstils. Vor allem das Album „Hammerheart“ aus dem Jahr 1989 ist ein Paradebeispiel für Viking Metal der Extraklasse. Ein weiterer erwähnenswerter Vertreter des Viking Metal ist die Band Falkenbach und außerdem die Gruppe Enslaved, die allerdings sehr stark vom Black Metal beeinflusst war. Der Gesang des Viking Metal ist eine Mischung aus den Kreisch-Elementen des Black Metal, aus clean vocals und aus den tiefen Growls des Death Metal. Oft werden auch große Chöre eingesetzt und kraftvolle, melodische Gitarren. Auch Synthesizer und Keyboards werden gerne verwendet sowie manchmal Flöten und Fiedeln. Charakteristisch für den Viking Metal ist auch, dass die Texte oft in der Landessprache vorgetragen werden.

Folk Metal

Der Folk Metal hat sehr viele Ähnlichkeiten mit dem Viking Metal, dem Mittelalter Rock und dem Pagan Metal. Die Stilmittel lassen sich schon unterscheiden, allerdings sind die Übergänge manchmal fließend. Seit Anfang der 90er Jahre existiert der Folk Rock bereits, maßgeblich begründet von der Band Skyclad (mit ihrem Album „The Wayward Sons Of Mother Earth“) oder der Gruppe Orphaned Land aus Israel, die mit ihrer Musikrichtung das Folk-Metal-Subgenre des Oriental Metal begründete. Charakteristische Merkmale für den Folk Metal sind: typische folkloristische Melodien und Texte aus der jeweiligen Nation, clean vocals oder auch Growls und Schreigesang, neben Metalinstrumenten kommen Geigen, Flöten, das Akkordeon, die Drehleier, die Sackpfeife oder der Dudelsack zum Einsatz. Typische Folk-Metal-Bands sind: Vintersorg, Elvenking, Cruachan, Arkona, Midnattsol, Tuatha De Danann, Dalriada, Heidevolk, Turisas, Waylander, Tyr, Trollfest, Finntroll, Lumsk, Arafel, Almora, Toccata Magna und Ensiferum.

Viking Metal / Folk Metal

Viking Metal, auch Folk Metal, ist ein Subgenre des Metal, in dem Elemente von Death Metal sowie Black Metal mit skandinavischer Folklore kombiniert werden. In den Songs geht es grundsätzlich um Wikinger und deren Mythologie, vor allem deren Leben, Sagen und Schlachten. Beim Vikingrock liegt der Fokus der Kompositionen ebenfalls auf Wikingern, jedoch erinnert er eher an Rock und Punk. Deswegen ist er vom Viking Metal klar zu trennen. Pagan Metal ist schon deutlich schwerer vom Viking Metal abzugrenzen, weil es dabei ebenfalls um Mythologie und heidnische Themen geht.

Die Band Manowar stellt mit ihrem vierten Album Sign of the Hammer eine wesentliche Grundlage dar. Obwohl sie dem Heavy Metal und True Metal Genre angehört, sind die Texte auf die germanische Mythologie bezogen und beschreiben Leben und Tod wikingischer Götter und Krieger. Auch die Untermalung besteht aus epischer und passender Musik, jedoch werden die Themen nur oberflächlich behandelt und stehen keinesfalls im Zentrum. Aus diesem Grund lässt die Band sich nicht unbedingt zum Viking Metal zählen. Hingegen wird die schwedische Band Bathory mit dem Album Blood Fire Death und dessen Nachfolger Hammerheart als Begründer des Viking Metal gesehen. 1991 entstand die Band Enslaved, die mit ihrer Musik Geschichten über Wikinger erzählten und sich nicht mit den typischen satanistischen Texten befassten. Dabei machten sie auch Gebrauch von Folklore Elementen und gelten als Begründer des Begriffs „Viking Metal“, weil dieser in einem Beiheft auftaucht. In Verbindung zu diesem Begriff gab es auch die norwegische Band Mock mit ihrer Demo Cold Winter sowie die Band Einherjer. Die Band Borknagar verwendete zwar skandinavische Folklore-Elemente, jedoch keine Texte über Wikinger. Mit der Zeit erschienen weitere Bands im Viking Metal Genre, zum Beispiel Falkenbach, Windir, Mithotyn oder Thyrfing.

Kennzeichnend für Viking Metal sind bei der Instrumentierung E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und folkloristische Instrumente. Die typischen Gesangstile verschiedener Metal-Genres finden auch beim Viking Metal Verwendung, so zum Beispiel Screams, Growls, eine Kombination der beiden oder auch klare Vocals in Form. Diese tauchen meist in einem hymnischen Gesang in Unisono auf. Viking Metal wird teilweise vom Folk Metal abgegrenzt, ist aber dennoch ein Subgenre dieses Stils. Die Texte des Viking Metal werden aus der nordischen Mythologie aufgegriffen. Bands setzen sich meistens aus zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und häufig auch einem Synthesizer zusammen. Eine klare Definition von Leadgitarre oder Rhythmusgitarre gibt es jedoch nicht. Vielmehr wechseln sie sich ab oder kommen gleichzeitig zur Geltung. Die komplexen Melodien dieser Stilrichtung sind harmonisch, dominant und einprägsamer als zum Beispiel beim Black oder Death Metal. Wider Erwarten steht der Synthesizer oft mit einer aktiven Melodie im Vordergrund und untermalt nicht nur die Musik. Im Vergleich zu den Gitarren ist er definitiv gleichberechtigt. Zu den folkloristischen Instrumenten, die ebenso auftauchen, gehören Maultrommeln, Akkordeons oder Fiedeln.

Beim Viking Metal ist auch das optische Auftreten von Bedeutung, so untermalen einige Bands ihr Konzept auch mit ihrem passenden Erscheinungsbild. Mit diesem Merkmal grenzen sie sich deutlich von Black Metal und Death Metal Bands ab. Die Musiker tragen zum Beispiel mittelalterliche Kostüme, Rüstungen und Waffen, als Schmuck Thorhämmer. Für eine besonders kriegerische Erscheinung beschmutzen sie ihre Gesichter auch mit Erde oder Blut. Speziell für Promotionszwecke wurden oft auch Szenen aus dem Leben eines Wikingers nachgestellt.

Ensiferum, Folkmetal und Heldengeschichten aus dem Norden Europas

Ensiferum - die finnischen Schwertträger

Ensiferum – die finnischen Schwertträger

Die Band Ensiferum stammt aus der finnischen Hauptstadt Helsinki. Ensiferum ist ein lateinisches Wort und bedeutet Schwertträger.

Die Musik liegt in Bereichen des melodischen Death, Folk und Wikinger Metal.

Heldenhaften Folk Metal, so bezeichnen die Mitglieder der Truppe ihren Musikstil, viele ihrer Songs beinhalten erfundene altertümliche Legenden und fantastische Heldengeschichten.

Seit ihrer Gründung wurden 5 Alben, 1 EP, 1 Kompilation, 4 Singles sowie 3 Demoalben veröffentlicht.
Melodische Keyboard und E-Gitarrenklänge, gepaart mit typischen Heavy-Metal-Sounds sowie der traditionell finnischen Kantele ist charakteristisch für die Rocker aus Helsinki.

Gründung, Demosongs und Plattenvertrag

Die Band wurde 1995 von Markus Toivonen (Gitarre), Sauli Savolainen (Bass) sowie Kimmo Miettinen (Schlagzeug) gegründet. Ein Jahr später kam Jari Mäenpää als Sänger, Gitarrist und Texter dazu, 1997 wurde die erste Demo mit 3 Songs veröffentlicht.

1998 verließen Sauli und Kimmo die Band und wurden durch Jukka Pekka Miettinen (Kimmo's kleinem Bruder) und Oliver Fokin ersetzt. Im Januar 1999 kam die zweite Demo heraus, welche noch keinen Plattenvertrag einbrachte, aber das Selbstvertrauen der Band enorm stärkte.

Es war November 1999, als das dritte Demoalbum (Hero in a Dream) erschien und die Band einen Plattenvertrag von Spinefarm Records bekam.

Das Bandlogo der dritten Demo entwarf Tuomas Tahvanainen, es ist auf allen folgenden Plattencovern zu finden.
Im Jahr 2000 ging die Band ins Studio, um an ihrem ersten Album Ensiferum zu arbeiten, welches 2001 veröffentlicht wurde. Im selben Jahr trat die Keyboarderin Meiju Enho der Band bei. Die Debüt LP brachte enormes Feedback.

Formationswechsel, weitere Alben und 10-jähriges Bandbestehen

Nachdem die Arbeit der zweiten LP Iron beendet war, entließ die Band Jari Mäenpää, der dann sein Debut-Album Wintersun aufnahm. Für die Tour mit Finntroll wurde Jari von Petri Lindroos (Gesang & Gitarre) ersetzt. Er wurde nach der Tour zum Mitglied der Band.

In den Jahren 2004, 2005 schieden Jukka Pekka und Oliver Ensiferum aus, dafür traten Sami Hinkka (Bass) und Janne Parviainen (Schlagzeug) der Band bei.

Im Februar 2005 kam die CD 1997-1999 heraus, in der die Band ihre 3 Demos in limitierter Auflage wiederveröffentlichten.
In neuer Formation ging es ins Studio, um im Februar 2006 die EP Dragonheads herauszubringen. Im Juni selben Jahres wurde die Live DVD 10th Anniversary Live, welche im Nosturi-Club Helsinki aufgenommen wurde, der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Aufnahmen zum dritten Album Victory Songs fanden zwischen November 2006 und Anfang 2007 statt, im April kam das Album auf den Markt. Die Single One More Magic Potion wurde im Februar 2007 veröffentlicht.

Im September 2007 verabschiedete sich Keyboarderin Meiju Enho und wurde von Emmi Silvennoinen ersetzt.

On the Road – Touren, Konzerte, Festivals

Ensiferum waren Headliner der Paganfest-Tour in Europa und Nordamerika 2008.

Sie waren Vorband für Megadeath im Eröffnungskonzert der United Abominations (Tour of Duty) Europatournee, als auch für Amon Amarth auf deren Tour Twilight of the Thunder God durch Nordamerika.

Als Petri Lindroos kurz vor der Russland-Tour ernsthaft krank wurde, heuerte die Band den Ex-Bassisten Jukka Pekka Miettinen an, um Petri an der Gitarre zu ersetzen. Sami Hinkka übernahm den Gesang.

In der ersten Hälfte des Jahres 2009 spielte Ensiferum auf zahlreichen Festivals in Europa (Frostrock Belgien, Tuska Open Air Finnland, Winterfire, Rocktower, Legacy, Rock am Härtsfeldsee Deutschland, Summer Nights Österreich und Z7 Metal Dayz). Im Juni und Juli tourten sie im Rahmen der Summer Slaughter Tour durch Nordamerika.

Am 9. September 2009 präsentierten sie ihr 4. Album From Afar auf Spinefarm Records.

Dem Album folgend, war die Band wieder in Europa unterwegs.

Im Oktober 2010 folgte ihre erste Tour durch Südafrika, wobei sie von lokalen Metalbands unterstützt wurden.
In 2011 tourte die Band im Zeitraum von 4 Monaten durch 22 Länder.

Das letzte Album Unsung Heroes erschien im August 2012.

Aktuell besteht die Band aus folgenden Mitgliedern: Petri Lindroos (Gitarre und Gesang), Markus Toivonen (Gitarre, Hintergrundgesang), Sami Hinkka (Bass), Emmi Silvennoinen (Keyboard, Hintergrundgesang) sowie Janne Parviainen (Schlagzeug).

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Datum: 22.09.2012


Borknagar – Origin

Borknagar - OriginPost Black Metal, wie man ihn vielleicht erwarten könnte gibt’s also nicht. Viel mehr sind die Einflüsse wirklich in Folk und Prog zu suchen. Insgesamt klingt das ganze stark nach dem Einmann Projekt Vintersorg.

Das mag niemanden verwundern, denn der Schwede gehört seid 2001 zu dem, öfter mal wechselnden, Line Up. Man könnte also vermuten, dass sich das auch auf den Sound auswirkt, auch wenn Østein G. Brun immer noch der Kopf und Hauptsongwriter der Band ist. Auch in den Texten kann man den selbsternannten Naturphilosophen Vintersorg wiederfinden. So drehen sie sich alle um die Natur und um den Geist eben jener.Nach all dem Vorgeplänkel aber mal zur Musik. Wie schon erwähnt findet man auf “Origin“ keine Stromgitarren und auch die sonst so drückenden Drums sucht man vergebens. Gebrüllt wird nicht, denn es ist Folkprog-Zeit.

Gerade das macht das Album aber sehr interessant. Viele Klangschichten sind hier zu hören. So wird die Band von Flöten und anderen Blasinstrumenten unterstützt, welche dem ganzen eine meist traurige Note geben. Dazu wurde anscheinend die, laut Bandbeschreibung, norwegische Flöten-Ikone Steinar Osdalf ins Studio geschleppt. Gelohnt hat es sich. Kombiniert mit noch einigen anderen klassischen Instrumenten, wie Violinen, gibt es dem ganzen eine richtig gute Atmosphäre. Als Referenz hierzu sei alleine der Song „White“ erwähnt. Aber auch alle anderen Songs lassen sich problemlos genießen.

Wer einmal in die CD schnuppern will, dem sei ganz besonders „Grains“, „Cynosure“ ( die Melodie erinnert etwas an Rage „Set This World on fire“) und „The Spirit Of Nature“ ans Herz gelegt. Aber auch jeder andere Song könnte gefallen finden. Nur sollte man nicht die Borknagar erwarten, die es früher gab.

Cruachan – The Morrigan’s Call

Cruachan - The Morrigan’s CallAls Vorreiter des Folk-/ Pagan Metals sind Cruachan Vorbilder für viele weitere Bands und so kombinieren die Iren keltischen Folk mit stahlharten Metal Riffs und Vocals. Auf dieser fünften Release werden sogar noch teilweise BlackMetal Parts eingebaut was den Silberling sehr abwechslungsreich ausfüllt.

Die kombinierten Elemente ergänzen sich dabei klasse und die Umsetzung wirkt nicht aufgesetzt. Mal fühlt man sich zum tanzen hingerissen wohingegen man kurz darauf von BM Parts niedergerungen wird. Gepunktet wird auch mit bekannten Stücken wie „The Very Wild Rover“, was nicht nur aus Gesangsbüchern sondern auch von anderen Bands wie Tyr bekannt ist. Nur das der Rover hier tatsächlich VERY wild ist.

Cruachan, das sind Karen Gilligan mit Gesang, Keith Fay mit Vocals, E-Gitarre, Akustikgitarre, Keys, Bouzouki, Mandolinem Banjo, Bodhrán und Percussions, John Clohessy- E-Bass und Aldotrube, John Ryan mit Fiedel, Geige, Mandocello, Bass, Banjo und Grunts in „Shelob“ sowie Joe Farrel mit Drums und Percussions. Dazu kommen als Gäste John O`Fathaigh mit irischer Flöte und gepfeife, dazu kommt Aine O` Dwyer mit der Irish Harp.

Die Scheibe kommt also auch Instrumenten technisch sehr abwechslungsreich daher. Dazu kommt dann noch die saubere Produktion und das Cover, das sich ideal in das Gesamtbild einfügt.

Wer auf Folk, Black Metal und viel Abwechslungsreichtum steht, der sollte sich diese mitreißendes Scheibe unbedingt zulegen. Alleine das Geigenspiel ist es wert gehört zu werden. Mittanzen ist so gut wie garantiert! In diesem Sinne 4 von 5 Gitarren.

Elvenking – Two tragedy poets and a caravan of weird figures

Elvenking - Two tragedy poets and a caravan of weird figuresFrüher wurde mehr Wert auf Power Metal gelegt, welcher ein paar Folk-Einflüsse hatte, jetzt sind sie komplett von der Power Metal Schiene abgekommen und lassen die elektronischen Instrumente mehr im Hintergrund.

Bei ihrem aktuellen Werk „Two tragedy poets and a caravan of weird figures“ spielt die Geige die Hauptrolle und ich muss sagen, dass ich Gefallen daran finde.

Selbst die beiden Akkustik-Versionen gefallen mir, was eigentlich eher unüblich bei mir ist. Aber die Coverversion von „Heaven is a place on earth“ find ich ein bisschen derbe kitschig.

Jedenfalls besteht die Platte hauptsächlich aus Gute-Laune-Folk Metal, wenn auch weniger Metal, als alles Andere.
Auch wenn die Stromgitarren eher weniger zu hören sind, gefällt mir das Gesamtwerk doch ganz gut und ich bin aufs neue Elvenking Werk gespannt.

Elvenking – The Scythe

Elvenking - The ScytheUnd nun bringen die Jungens ihr neues Album „The Scythe“ in die Läden und beweisen wieder einmal, dass sie Power Metal und Folk perfekt verknüpfen können.

Wie eine Sense fährt die Mucke einem ins Ohr und auch der Folk-Anteil, der hauptsächlich aus Violinenspiel besteht, unterstützt diesen Eindruck noch. Im vergleich zu den Vorgängeralben kommt diese CD ungewohnt düster und heavy daher, ohne jedoch den bisherigen melodischen Einschlag zu verlieren. Vor allem Fronter Dramnagoras zeigt seine Entwicklung, indem er nicht nur mit cleanen Vocals aufwartet, sondern auch growlend daher kommt. Auch die Gitarrensoli kommen gut rüber und gehen direkt ins Blut. Passend zum Inhalt der CD bestimmt der Sensenmann auch das Artwork und schafft so einen runden Gesamteindruck.

Insgesamt machen Elvenking erfolgreich weiter wie bisher, ohne einzubrechen und erspielen sich so einen Platz auf der „muss man gehört haben“ Liste. In diesem Sinne 4,5 von 5 Gitarren.

Finntroll – Ur Jordens Djup

Finntroll - Ur Jordens DjupNachdem Finntroll mit „Nattfödd“ (VÖ 2004) erstmalig ihre Köpfe richtig aus dem Erdoden erstreckt haben, um der Welt in einem wirklich gelungenen Album ihre Stärke zu beweisen und diese in die Masse hinauszuschreien, begehen selbige mit „Ur Jordens Djup“ einen ähnlichen aber nicht gleichen Weg. Zwar haben Finntroll auch schon vor der „Nattfödd“ von sich hören lassen, jedoch will ich behaupten, dass diese bis 2004 eher unbekannt waren.

Mit dem knapp vier Minuten lagen Introsong „Gryning“ wird man bestens auf alles weitere vorbereitet. Trollstimmen und langsame Schritte über den Waldboden mit knorrigen Astgeräuschen bieten einen guten Einstieg in den direkt beginnenden zweiten Song „Sång“, der einen direkt mit voller Wucht vom Stuhl haut und so einiges an musikalischer Power mit sich bringt. Hier, wie auch in einigen folgenden Songs erkennt man direkte Parallelen zu einigen Songs der „Nattfödd“ oder auch zu der 2001 veröffentlichten „Jaktens Tid“. Selbiges bleibt aber auch nicht aus, da solche Art von Finnischer Humpa-Polka Musik nun mal immer wieder die ein oder andere gleiche Melodie mit sich bringt. Nichts desto Trotz ist jeder der neun Songs komplett unterschiedlich gestrickt und eröffnet einem immer wieder eine neue Seite von Finntroll, trotz der genannten Parallelen.

Ähnlich wie auf den vorherigen Alben werden Polka-artige Elemente sehr gut mit schnellen Stellen gemischt und bieten so ein wirklich breites Klangspektrum selbst für jene, die eher auf rauen Black Metal Sound stehen. Genau dieser kommt meiner Meinung durchaus öfter zum Tragen als auf den Alben zuvor. Allgemein wirkt alles einen kleinen Tick härter und weniger folkartig wie es beispielsweise auf der „Nattfödd“ der Fall war. Jedoch auch solch einen oder anderen Track gibt es zu hören. „En Mäkig Här“ zum Beispiel beinhaltet viele Folkinstrumente wie Banjos, Maultrommeln und, nicht gerade folkige Steeldrums.Durchaus zu erwähnen ist auch die ein oder andere cleane Gesangseinlage der anderen Bandmitglieder.

Besonders gut kommen diese in dem sechsten Song „Slagbröder“ zur Geltung, der allerdings recht stark an den ein oder anderen Moonsorrow Song erinnert. Nicht zuletzt da Trollhorn beim schreiben fast aller Songs des neuen Finntroll Albums maßgeblich beteiligt war und bekanntermaßen auch für die zwei Songs des neuen Moonsorrow Albums „Viides Luku – Hävitetty“ (VÖ Januar 2007) verantwortlich ist. Somit bleibt vermutlich die ein oder andere Ähnlichkeit nicht aus.Neben der Tatsache, dass alle Songs wie schon erwähnt einen durchaus härteren Kern haben gibt es noch eine Neuerung namens Vreth, den neuen Sänger der sechs Finnen. Auf dem ersten Gig in Deutschland nach dem Wechsel des Sängers war ich keineswegs überzeugt, da Vreth meiner Meinung nach nicht mal ansatzweise die Stimmkraft und das Volumen der Stimme mit sich brachte, wie es zuvor Tapio Wilska getan hat. Jedoch muss ich sagen das Vreth seinen Job auf diesem neuen Werk mehr als gut macht.

Ein besonderes Augenmerk kann man vor allem auf die weite musikalische Spanne seiner Stimme legen. Er beherrscht anscheinend nicht nur einen BM-ähnlichen kreischend hohen Gesang sondern auch tief dringendes Gegrunze á la Johan Hegg von Amon Amarth. Diese Darbietung lässt sich also wirklich hören.Abschließend kann man nur sagen, dass Finntroll mit „Ur Jordens Djup“ wirklich erneut von sich hören lassen können. Wer „Naddfödd“ mag wird dieses Album lieben.

Korpiklaani – Voice of Wilderness

Korpiklaani - Voice of WildernessMit dem Namen kamen und gingen Bandmitglieder. Doch nicht nur der Name änderte sich, sondern sie wollten sich auch musikalisch in eine andere Richtung lenken. Sie wollten mehr Leute ansprechen können und entschlossen sich englische und finnische Texte zu verwenden, nicht mehr Texte in Sami (Sprache der Ureinwohner Lapplands). Zudem verwendeten sie nun mehr Elemente aus dem Metal.

Heute sind Korpiklaani wohl eine der besten, aktiven Humppa Metal Bands der Welt, neben z.B. Finntroll.Wenn man das erste Lied „Cottages & Saunas“ gehört hat, bemerkt man schon, dass die Musik von Korpiklaani viele Folkelemente enthält, doch kommen auch die Gitarrenriffs nicht zu knapp. Insgesamt wirkt das Album sehr fröhlich auf den Hörer. Ich persönlich muss beim Hören der CD immer an Jäger denken, die ihrer Arbeit nachgegangen sind und danach zuhause ein Bier oder Met auf ihre Beute trinken.

Die größten Auslöser für solche Gedanken sind denke ich die beiden Lieder „Hunting Song“ und „ Beer Beer“. Doch nicht nur die Namen rufen solche Gedanken hervor, sondern die Lieder selbst. Der „Hunting Song“ erzählt von Jägern, die Spaß an ihrer Arbeit haben. Man kann sich beim Hören vorstellen, wie die Jäger nach Hause gehen und dieses Lied singen. „Beer Beer“ ist der Track des Albums, welchen man auf jeder Party hören kann und welcher immer gute Stimmung mit sich bringt, man kann mitgröhlen und hat einfach seinen Spaß. „Native Land“ ist eines der beiden Lieder, die durch ihre Art ein wenig herausstechen. „Native Land“ ist nicht so fröhlich, wie der Rest des Albums, es klingt etwas bedrückter. Es ist ein Lied über Finnland, eine Art Nationalhymne.

Der andere Song, welcher etwas heraus sticht, ist „Fields in Flames“, es klingt für mich nicht fröhlich, aber auch nicht traurig, eben emotionsneutral. Fazit: Das Album klingt, wie sich Korpiklaani auch selbst bezeichnen: Naturverbunden. Die Scheibe kann man auf so gut wie jeder Feier einlegen, auch wenn nicht nur Rock und Metal-hörende Personen anwesend sind.Auf jeden Fall ein Muss für jeden Humppa Fan.

Anspieltipps:
– Native Land
– Hunting Song
– Beer Beer

Lumsk – Det vilde Kor

Lumsk - Det vilde KorAls Texte dienen Werke des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun.Anfangs hat dieses Album wenig mit Rock oder gar Metal zu tun, alle Songs sind eher balladenartig, ruhig gehalten und es ist kein einziger Hauch von Aggression zu vernehmen.

Im Gegenteil, dadurch, dass jedes der ersten Stücke ruhig ist, wirkt es schon fast einschläfernd und langweilig. Im zweiten Track, „Om Hundrede Aar er Alting glemt“, ist zu der weiblichen Stimme noch eine männliche zu hören, was das Ganze aber auch nicht spannender macht. Erst wenn die „Svend Herlufsens Ord“-Teile beginnen, kommt etwas Wind in die Sache. Produziert wird mehr Abwechslung durch schnellere, folkigere oder auch etwas aggressivere Parts. Teilweise sind sogar partytaugliche Rhythmen eingebaut.

Nun macht das Album auch mehr Spaß und man hört eher hin. Doch kaum sind die 4 Teile der „Svend Herlufsens Ord“-Reihe vorüber, beginnt wieder die anfängliche Leier. Die letzten zwei Lieder kühlen das Gemüt des Hörers ab und lassen ihn entspannt und beruhigt aus dem Album gleiten. In „Skærgaardsø“ kommt der nicht ganz so wilde Chor zum Zug und lässt die CD eher traurig ausklingen.

Das Album ist eher etwas für die Ruhigeren unter uns und hat, wie schon erwähnt, wenig mit Rock zu tun. Nach anfänglichen Schwierigkeiten geht das Album gegen Mitte auf, von zwei weiteren Songs abgerundet endet der Silberling dann auch schon. Ich persönlich würde mir dieses Album nur zum Einschlafen anhören, jedoch gibt es bestimmt Fans von solch ruhiger Musik und die sollten hier zugreifen. Lumsk haben, meiner Meinung nach eines dieser mittel-hoch-tief Alben geschaffen. Wenn es mal etwas aufgedrehter zugeht, hält sich dies in Grenzen. Von mir gibt es 3,0 Punkte für Beherrschung von Instrumenten und Gesang, gutem Zusammenspiel und ein wenig Abwechslung.

Abzüge gibt es für die einschläfernde Wirkung am Anfang und dafür, dass diese CD relativ schnell langweilig wird und den Hörer nicht fesselt.

Thyrfing – Hels vite

Thyrfing - Hels viteDie Rede ist von dem neuen Werk von Thyrfing. „Hels Vite“ wurde das gute Stück benannt und ist sichtlich im Viking Metal verankert. Dennoch spielen auch starke Pagan Einflüsse eine Rolle auf dem mittlerweile sechsten Studioalbum der Schweden. Überhaupt wird viel Wert auf Atmosphäre gesetzt. Seien es die genialen Männerchöre im Hintergrund, die bombastisch daher kommende Synthie-Bläser-Fraktion oder die doch recht üppigen Songlängen von im Mittel siebeneinhalb Minuten.

Man kann sich diese CD in etwa so vorstellen, als eine Fusion aus kleinen Teilen neuerer Satyricon (vor allem in den simplen aber effektiven Rhythmen) und Tyr (Harmonien), den unvergleichlichen Bathory (Atmosphäre), sowie einem ganz großen Teil eigener Duftmarke, wobei der Folk-Anteil früherer Scheiben völlig abhanden kommt.

Die Produktion ist recht weich und organisch gehalten, was im krassen Gegensatz zur Eiseskälte des Gesangs des neuen Fronters Jens Rydén (Ex-Naglfar, Profundi) steht. Leider ist durch diese Produktion auch eine leichte Überladung des Ganzen heraus zu hören. Weniger wäre an manchen Stellen sicher hier mehr gewesen.

Dennoch bleibt „Hels Vite“ eine – zwar ruhige – aber dennoch recht gute Scheibe. Freunden der Band und des atmosphärischen Viking Metals sei angeraten, mal ein Ohr zu riskieren. Von mir gibt es vier Gitarren.

Turisas – The Varangian Way

Turisas - The Varangian WaySich auf die Handels- und Eroberungsreisen der Wikinger um die Jahrtausendwende beziehend, singt Frontmann Mathias ‘Warlord’ Nygård über die Fahrt einiger Waffenbrüder von Skandinavien aus durch Osteuropa bis an das schwarze Meer. Ohne große Umschweife beginnt die Reise nach einem kurzen Intro. „To Holmgard And Beyond“ versprüht Abenteuerlust und bohrt sich auf angenehme Weise ins Hirn. Teils bombastisch im Klang, kommt das Lied aber immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

„A Portage To The Unknown“ beginnt vertraut. Wie Smetana seine „Moldau“ vor ihnen, so bauen Turisas den Song um die beschwerliche Portage, bei der es gilt die Schiffe über Land zu ziehen, auf der Melodie des schwedischen Volksliedes „Ack Värmeland du sköna“ auf. Dem Akkordeon kommt hierbei eine tragende Rolle zu.

Energiegeladen geht es mit „Cursed Be Iron“ weiter. Der Text entstammt der finnischen Kalevala und berichtet über Herkunft und Schwurbruch von Eisen und Stahl. Es ist das einzige Lied des Albums, welches nicht direkt die Reise schildert, sondern auf Brauchtum und Volksglaube der Reisenden eingeht. Aber nicht nur inhaltlich tut sich hier ein Unterschied zum restlichen Album auf: Der Refrain ist ungewöhnlich aggressiv, von den typischen Folk-Elementen ist nicht viel zu hören. Dafür sind die Strophen recht einfach gehalten; der cleane Gesang wird zu Beginn nur leise vom Akkordeon unterstützt. Ab der zweiten Strophe kommt dann auch das Schlagzeug zurückhaltend dazu, gewinnt aber immer mehr an Intensität, bis sich die Spielart von Refrain und Strophe nur noch marginal unterscheiden und sich auch der Gesang in die Nydgårds eigenen Shouts verwandelt hat.

Im Gegensatz zum vorangegangenen Track, kommt „Fields Of Gold“ unspektakulärer daher, macht seine Sache aber gut und schildert die Gedankengänge des Protagonisten, als dieser die endlosen Kornfelder entlang des Flusses betrachtet.
„In The Court Of Jarisleif“ ist eine echte Abwechslung: Die Gruppe hat nun Kiew erreicht und es wird gehörig gezecht. Das Lied hört sich an, als könnte es genau so vor einem Jahrtausend von einer Horde betrunkener Wikinger auf einem Fest in Kiew gesungen worden sein – die elektrischen Instrumente einmal außen vorgelassen.

Es folgt, wie es sich für ein ordentliches Saufgelage gehört, ein tierischer Kater. Ganz sachte beginnt „Five Hundred And One“ mit dem Keyboard. Die Fortsetzung der Reise steht nun auf der Kippe. Man hat schließlich Kiew erreicht und der Weg war schon lang genug. Nachdem Abschied von alten Weggefährten genommen wurde, entscheidet man sich, weiter den Strom entlang zu fahren und erreicht in „The Dnieper Rapids“ den gefährlichsten Abschnitt der Reise. Dementsprechend dramatisch fallen die mächtigen Chorgesänge und nervösen Violinenspiele aus. Wie bei einer Achterbahnfahrt geht es auf und ab, der Hörer wird mitgerissen und läuft schlussendlich, von lieblicher Musik begleitet, ins Schwarze Meer ein.

Und dann ist das Ziel erreicht. Miklagard. Das mächtige Konstantinopel, der Nabel des Oströmischen Reiches schimmert am Horizont in seiner gewaltigen Pracht. Durch die halbe Welt sind die Gefährten gereist. Sie haben viel durchlitten, Gefahren getrotzt, viele Männer verloren. Doch der Anblick dieser imposanten Metropole, die größer ist als alles, was man sich erträumt hatte, entschädigt. ‘Miklagard Overture’ fehlt es fürwahr nicht an Pathos. Es ist der krönende Abschluss eines gelungenen Konzeptalbums und das bekommt man zu spüren, oder besser gesagt – zu hören.

Zugegeben, Turisas verzichtet nicht auf das einfache Mittel Bombast, um den Hörer bei der Stange zu halten, und das Songwriting hätte teilweise etwas weniger kryptisch sein können; wer sich hier nicht informiert, oder über das nötige Hintergrundwissen verfügt, steht oftmals auf dem Schlauch.
Aber das verzeiht man ihnen gerne, denn herausgekommen ist ein ehrliches Konzeptalbum, das Spaß macht.

Trackliste:
01. To Holmgard and beyond
02. A Portage to the Unknown
03. Cursed be Iron
04. Fields of Gold
05. In the Court of Jarisleif
06. Five Hundred and One
07. The Dnieper Rapids
08. Miklagard Overture
Auf dem Director’s Cut finden sich nach einer 30 sekündigen Pause auch noch das Boney M. Cover „Rasputin“ und eine kürzere Version von „To Holmgard And Beyond“.

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Autor: ARCHIVader


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