Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax: Spätestens, seit sich die Urgesteine des Thrash Metal zu ausgewählten „The Big Four“-Konzerten zusammengefunden haben, ist dieser anerkennende Sammelbegriff geläufig. Allerdings hat sich Anfang der Achtziger nicht nur in den USA eine Menge in der Metalwelt getan – nahezu zeitgleich wurden auch in Deutschland vier Bands aus der Taufe gehoben, die sich ihrerseits absoluten Kultstatus erspielen konnten. Wir werfen einen Blick auf die teutonische Speerspitze, die einst eine ganze Szene anstachelte!

Kreator um Miland „Mille“ Petrozza

Kreator um Miland "Mille" Petrozza

Kreator um Miland „Mille“ Petrozza

Die wohl bekanntesten Vertreter der „Big Teutonic Four“ sind Kreator, die seit 1982 von Miland „Mille“ Petrozza angeführt werden. Wie es für eine Schülerband keinesfalls untypisch ist, fanden erste Demoaufnahmen noch unter wechselnden Bannern wie Tyrant oder Tormentor statt, ehe man sich 1984 festlegte. Mit gefundenem Namen wurde das in unter zwei Wochen eingeprügelte Debütalbum „Endless Pain“ 1985 veröffentlicht, das den Startschuss für eine Reihe stilprägender Platten abgab: Schon im Folgejahr verfeinerten Kreator ihren rohen Stil mit „Pleasure to Kill“ und der „Flag of Hate“-EP, ehe sich sowohl „Terrible Certainty“ als auch „Extreme Aggression“ und „Coma of Souls“ unter Thrash-Metal-Fans beweisen konnten.

Obwohl Kreator im Jahre 1988 bei Epic Records einen Majorlabel-Deal an Land zogen, fiel es dem Gespann aus Essen in den Neunzigern schwer, an die Beliebtheit dieser Referenzwerke anzuknüpfen. Moderne Elemente aus anderen Metal-Richtungen fanden Einzug, auch Stücke in gemäßigtem Tempo nahmen auf Werken wie „Renewal“ oder „Cause for Conflict“ Platz ein. Mille Petrozza war zu diesem Zeitpunkt das letzte verbliebene Gründungsmitglied, nachdem Jürgen „Ventor“ Reil die Gruppe verlassen hatte. Allerdings handelte es sich dabei lediglich um eine erweiterte Auszeit – schon für „Outcast“ saß er wieder am Schlagzeug.

Nachdem „Endorama“ mit Gothic-Anleihen das wahrscheinlich umstrittenste Werk der Band darstellte, fand sie 2001 mit „Violent Revolution“ zurück zu alter Härte: Durch mehrere Alben mit teils melodiösem Thrash Metal und oftmals sozialkritischen Texten schwangen sich Kreator zu den bisher größten kommerziellen Erfolgen ihrer langen Laufbahn auf. Ein Comeback mit Bestand, das 2017 durch den ersten Platz in den deutschen Verkaufscharts für „Gods of Violence“ gekrönt wurde!

Sodom um Tom Angelripper

Sodom um Tom Angelripper

Sodom um Tom Angelripper

Auch Sodom entsprangen dem Ruhrgebiet der frühen Achtziger: Im Jahre 1981 formierte sich die Band um Tom Angelripper (bürgerlich: Thomas Such) im vom Bergbau geprägten Gelsenkirchen. Schon die Anfangstage waren durch mehrere Besetzungswechsel gekennzeichnet; so wurden sowohl die ersten beiden Demos als auch die Mini-LP „In the Sign of Evil“ und das Debütalbum „Obsessed by Cruelty“ jeweils von unterschiedlichen Gitarristen eingespielt. Nichtsdestotrotz konnten Sodoms frühe Aufnahmen das rege Interesse des Metal-Untergrunds wecken, wie alleine eine bestimmte Verbindung nach Norwegen eindrucksvoll beweist: Mayhem-Gründer Euronymous benannte sein Label Deathlike Silence nach einem Song des Debüts und attestierte Sodom prägenden Einfluss auf den Black Metal seiner Generation.

Andererorts wurde die Gruppe allerdings für ihren vergleichsweise primitiven Sound, ihre Pseudonyme oder plakative, „böse“ Texte belächelt. Diesem Umstand wusste Frank „Blackfire“ Gosdzik Abhilfe zu schaffen: Auf „Persecution Mania“ von 1987 tauchte er genau wie das spätere Bandmaskottchen, der Knarrenheinz, erstmals in Erscheinung. Der Gitarrist bereicherte Sodom um spielerische Finesse, während Angelrippers Texte vermehrt soziale oder politische Themen aufgegriffen. Ihren Höhepunkt fand diese Zusammenarbeit in „Agent Orange“, das Sodom 1989 den kommerziellen Durchbruch bescherte und das erste Thrash-Metal-Album einer deutschen Band war, das sich in den heimischen Charts platzierte. Bis heute wird die Konzeptplatte zum Vietnamkrieg immer wieder erwähnt, wenn die wichtigsten Werke des Genres gefragt sind!

In der Folgezeit versammelte Tom Angelripper diverse Besetzungen um sich und experimentierte stilistisch unter anderem mit Elementen aus Punk oder Death Metal, ehe ab der Jahrtausendwende eine Rückorientierung zum Thrash Metal stattfand. Die bisher höchste Chartplatzierung gelang Sodom nach stolzen 35 Jahren Bandgeschichte mit „Decision Day“, das auf der 7 einstieg.

Destruction um Marcel „Schmier“ Schirmer

Destruction um Marcel „Schmier“ Schirmer

Destruction um Marcel „Schmier“ Schirmer

Ähnlich den Kollegen von Sodom wird auch Destruction ein nennenswerter Einfluss auf den späteren Black Metal nachgesagt, da sie mit ihrem bedingungslos harten Thrash Metal zu den favorisierten Künstlern diverser Musiker der „zweiten Welle“ zählten. Nachdem sie von 1982 an zunächst zwei Jahre lang unter dem Namen Knight of Demon firmierte, benannte sich die im südbadischen Weil am Rhein ins Leben gerufene Band schließlich in Destruction um. Die Demo „Bestial Invasion of Hell“, ein Plattenvertrag bei Steamhammer und die EP „Sentence of Death“ folgten bald darauf, ehe das Trio aus Marcel „Schmier“ Schirmer, Mike Sifringer und Tommy Sandmann die Arbeiten am Debütalbum aufnahm.

„Infernal Overkill“ erschien 1985 und wurde nur ein Jahr später von „Eternal Devastation“ gefolgt, auf dem sich Destruction stilistisch dem gängigen Thrash-Stil dieser Zeit annäherten. Mit veränderter Besetzung – Harry Wilkens kam als zweiter Gitarrist hinzu, Oliver Kaiser übernahm das Schlagzeug – veröffentlichte die Gruppe 1987 die „Mad Butcher“-EP, die sich auch und insbesondere aufgrund des gleichnamigen Szenehits großer Beliebtheit erfreute.

Das Drittwerk „Release from Agony“ von 1988 wiederum markierte einen Einschnitt: Schmier verließ die Band und trat ihr erst zum 2000er-Album „All Hell Breaks Loose“ wieder bei. In der Zwischenzeit produzierte Mike Sifringer zwei Platten mit André Grieder als neuem Sänger, die auf geringen Anklang stießen. Seit der gefeierten Reunion stellen Sifringer und Schmier erneut den Kern von Destruction dar und veröffentlichten mit wechselnden Mitstreitern diverse weitere Studioalben!

Tankard um Andreas „Gerre“ Geremia

Tankard um Andreas "Gerre" Geremia

Tankard um Andreas „Gerre“ Geremia

Bereits der Bandname deutet unverhohlen an, dass Tankard (englisch für „Bierkrug“) schon immer etwas andere Prioritäten gesetzt haben: Huldigungen an den Teufel und dunkle Mächte sind der Formation aus Frankfurt am Main ähnlich fern wie tiefgründige Sozialkritik und aufrüttelnde Kriegsszenarien. Schon in frühen Tagen stand der Alkoholkonsum mit all seinen Facetten und Folgen stattdessen im Mittelpunkt der Texte – die drei Jahre nach Gründung entstandene Demo „Alcoholic Metal“ von 1985 gab die Marschrichtung hier unmissverständlich vor.

In bemerkenswerter Regelmäßigkeit veröffentlichten Tankard in der Folgezeit Platten, die der ursprünglichen Erfolgsformel für gewöhnlich treu blieben. Auch hier sprechen allein die Titel der zunächst bei Noise Records, dann über Century Media, AFM Records und ab 2012 über Nuclear Blast vertriebenen Alben eine deutliche Sprache: „The Morning After“, „Kings of Beer“, „Beast of Bourbon“, „A Girl called Cerveza“ oder „Rest in Beer“ lassen keinen Zweifel an den Vorlieben der Gruppe aufkommen, die mit Sänger Andreas „Gerre“ Geremia und Bassist Frank Thorwarth nach wie vor zwei Ursprungsmitglieder in ihren Rängen aufweist. Gleichzeitig traten auch Gitarrist Andreas Gutjahr und Drummer Olaf Zissel schon in den Neunzigern bei.

Anders als Kreator, Sodom und Destruction wird Tankard keine allzu große Bedeutung für die Entwicklung späterer Metal-Spielarten beigemessen. Gelegentlich ist aus diesem Grund lediglich von einem „Thrash-Dreigestirn“ die Rede. Um den trotzdem nicht minder wertvollen Beitrag der Frankfurter zu würdigen, haben die „Big Teutonic 4“ inzwischen zwei gemeinsame Split-EPs auf den Markt gebracht: In beiden Fällen haben die vier großen Teutonen-Thrasher einen Song gecovert, der für die jeweilige Frühphase inspirierend und prägend waren. Mit ihren Interpretationen von „The Prisoner“ und „Iron Maiden“ verneigen sich Tankard dabei gleich doppelt vor der unerreichten NWOBHM-Legende!


Destruction – D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.

„D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.“ heißt das Teil, welches dieses Mal nicht nur von Mike, Schmier und Marc eingespielt wurde, nein und zwar holten sie sich noch ein paar Gastmusiker dazu, welche sich Vinnie Moore, Jeff Waters und Gary Holt nennen und ziemlich fette Gitarrensoli an den Mann bringen.

Der Titeltrack ist gleichzeitig der Startschuss zu ihrem neuen Meisterwerk, welcher mir aber auch schon vorher bekannt war, da ich diesen Song live miterleben durfte.

Ein Thrash-Geballer, welches nur aus dem Hause DESTRUCTION stammen kann. Nur leider werden die Songs von den Voice-Overs ein wenig ruiniert.

Aber wieder zurück zum Wesentlichen. Schmier ist in stimmlicher Topform und die Gastmusiker passen sich der Band an, als wenn sie zur Band gehören würden.

Der Sound hat sich auch ein wenig verändert im Gegensatz zu den alten Alben, im positiven Sinne natürlich und ich glaube, dass sich DESTRUCTION zu ihrem 25 jährigen Jubiläum extra viel Mühe mit der Scheibe gegeben haben. Mein persönlicher Favorit des Albums ist „The Violation of Moratlity“, weil in diesem Song die typische DESTRUCTION Manier rüberkommt und es knallt einfach wie Schwein.

Die Band hat auf jeden Fall kein bisschen an musikalischer Kreativität verloren und kann immer noch nach 25 Jahren Hammeralben rausbringen.

Ich sage nur: Respekt!

Kreator – Enemy of God

Man muss sagen, gelohnt hat es sich, auf die Technik in Wacken zurück zu greifen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Show in Wacken gehört sicherlich zu den besten, die Kreator je abgeliefert haben und so lohnt sich ein Reinschauen in die DVD nicht nur für Fans. Besonders die verwendeten Effekte setzten das ganze sehr schön in Szene und unterstreichen die Stimmung des Konzerts.

So werden z.B. schwarz/weiß Effekte, verschwommene Konturen und Farbfilter verwendet, die dem ganzen eine sehr klinische, technische Atmosphäre verpassen. Diese passt sehr schön zu den technisch einwandfrei dargebotenen Songs von Mille und seinen Mannen. In rot, grün oder blau wirkt die Bühne und besonders die Lichtshow bedrohlich und sehr technisiert. Genau wie das Cover der DVD es impliziert. Die Show ist einwandfrei und nimmt, nach der Ansage für den in Wacken gestorbenen Unbekannten, ihren Höhepunkt. Natürlich mit „Flag Of Hate“ und „Tormentor“. Kritikpunkt an der Show ist allerdings der Sound. Die Gitarren drücken mir zu wenig und die Stimme von Mille ist auch zu tief.Anders beim Gig für den Rockpalast von dem auf der CD „Reconquering The Throne“, „Renewal“ und „Servant In Heaven – King In Hell“ vertreten sind. Der Sound ist besser, dafür die Sicht auf die Bühne schlechter.

Im Gegensatz zum Wackengig sind die Farben dann richtig grell, also Vorsicht beim schnellen Umschalten. Die dargebotenen Songs sind qualitativ auf jeden Fall ein netter Zusatz.Ebenso das Video von „Enemy Of God“ und das dazugehörige Making Of. Hier kann man mal einen netten Blick hinter die Kulissen werfen und Mille zuhören, wie er zugibt, Horrorstreifen der 50er und 80er zu mögen, in denen Kinder evil sind. Die anderen Videoclips sind aber leider völlig überflüssig. Der langweilig animierte „Clip“ von „Dystopia“ und die auch ziemlich uninteressante Verfilmung von „Impossible Brutality“ bringen mich jedenfalls nicht zum abrocken.

Ebensowenig der Clip des Kontestgewinners zum Song „Dying Race Apokalypse“ auch wenn dieser wenigstens Undergroundbonus bekommt.Der 5.1 Mix des gesamten Albums „Enemy Of God“ ist dann eher was für Soundfreaks und/oder Nichtbesitzer dieser Scheibe. Netter Bonus auf jeden Fall. Für Leute, die im Besitzt der ersten Version von „Enemy Of God“ sind, ist die Aufmachung mit Text vielleicht ganz interessant.Alles in allem kann man Kreator jedenfalls attestierten, dass sie hier eine schöne DVD vorgelegt haben, die nicht nur das übliche Livekonzert und ein paar Bilder zeigt.

Sodom – Epitome Of Torture

Produziert wurde „Epitome Of Torture“ wieder von Waldemar Sorychta (Ex-Despair, Grip Inc.), der auch schon für das Vorgängeralbum „In War & Pieces“ (2010) für Sodom hinter dem Mischpult saß. Zum ersten Mal war „Neuzugang“ Markus Freiwald (Ex-Despair) auch mit am Songwriting beteiligt, und man hört genau heraus, dass er sich musikalisch mehr einbringen konnte als auf dem letzten Longplayer „In War & Pieces“.

Tom Angelripper hat es geschafft, dass seine Band anno 2013 so klingt wie sie zu klingen hat – hart, brachial, dreckig und ehrlich. Besonders die beiden Opener „My Final Bullet“ und „S.O.D.O.M.“ knallen so dermaßen, dass sie bestimmt schnell ihren Weg ins Live-Repertoire der Band schaffen werden. Mit „Stigmatized“ befindet sich sogar ein kleiner Hit auf „Epitome Of Torture“.

Fazit:“Epitome of Torture“ ist eine klare Kaufempfehlung für alle Sodom-Fans und Freunde des Teutonen-Thrash. Entweder man liebt Sodom oder man hasst sie… Ich persönlich liebe sie für solche Alben.

Tracklist:
01. My Final Bullet
02. S.O.D.O.M
03. Epitome Of Torture
04. Stigmatized
05. Cannibal
06. Shoot Today – Kill Tomorrow
07. Invocating The Demons
08. Katjuscha
09. Into The Skies Of War
10. Tracing The Victim
11. Waterboarding
12. Splitting The Atom

Tankard – Best Case Scenario – 25 Years In Beers

Neuaufgelegter 80’er-Teutonen-Thrash, diese Bezeichnung bringt auf den Punkt was einem hier um die Ohren gehauen wird. Dabei wird augenfällig, dass sich die Fähigkeiten, im Studio das Beste rauszuholen verbessert haben.

15 Klassiker werden neu eingespielt. Zusätzlich gibt es noch eine mit 18 Tankard Stücken bespielte Bonus-CD, auf der andere Bands Klassiker dieser Bierkiller covern. „Zombie Attack“, „Maniac Forces“, „(Empty) Tankard“ und alle anderen rocken volles Brett durchs Ohr. Und trotz der frühen Stunde (10 Uhr) bekomme ich direkt mal Durst auf ein Bier und weiß, dass ich beim Hören dieser Scheibe niemals zornig werde.

Erfasst sind die geilsten Stücke von 1986-1995, die ein jeder mal gehört haben muss. Was gibt es dazu noch zu sagen? Eigentlich nichts. Das Scheibchen ist Sahne.

Die geilsten Songs in neuem, fetzigeren, noch alkohollastigeren Gewand.

Thanks to Tankard! 4 Gitarren!

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Autor: Krautkartoffel / ARCHIVader


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