Amazon-Serie „Hunters“ mit Al Pacino: Nazi-Jäger auf blutigem Rachefeldzug

„Hunters“ heißt eine der neuesten Produktionen von Amazon Prime. Der Titel ist wörtlich zu nehmen, weil es in der Streaming-Serie um eine Gruppe von Nazi-Jägern geht, die im New York der Siebziger Jahre versteckt lebende Deutsche aufspürt und zur Strecke bringt. Daraus entwickelt sich ein gnadenloser Rachefeldzug. Die Hauptrollen spielen Al Pacino, Logan Lerman und Jerrika Hinton. Die erste Staffel umfasst zehn Folgen mit je einer Stunde Länge, wobei es Folge eins mit 90 Minuten sogar auf klassische Spielfilmlänge bringt. In Deutschland ist die US-Produktion ab 16 Jahren freigegeben – denn es geht ordentlich zur Sache.

Hunters – Vorbereitungen für das „Vierte Reich“

Amazon-Serie "Hunters" mit Al Pacino: Nazi-Jäger auf blutigem Rachefeldzug
Amazon-Serie „Hunters“ mit Al Pacino: Nazi-Jäger auf blutigem Rachefeldzug

Im Jahr 1977 leben Hunderte von ehemaligen Nazis in den USA. Sie sind untergetaucht, um heimlich daran zu arbeiten, ein „Viertes Reich“ auf amerikanischem Boden entstehen zu lassen. Alle haben während des Zweiten Weltkriegs offenbar furchtbare Gräueltaten an Juden verübt. Der 19-jährige Jonah Heidelbaum (Lerman), ein Waisenkind und Verkäufer von Comics, wird Zeuge eines grausamen Verbrechens. Es verändert das Leben des netten Nerds von nebenan für immer: Seine Großmutter, bei der er aufgewachsen ist und die fest an ihn glaubt, wird in der eigenen Wohnung von einem vermeintlichen Einbrecher brutal ermordet. Jonah findet bald heraus, dass wesentlich mehr hinter diese Tat steckt, als es zunächst den Anschein hat. Er entdeckt Aufzeichnungen seiner Großmutter. Diese belegen, dass sie eine Auschwitz-Überlebende war. In den Briefen beschreibt sie ihr Leben im Konzentrationslager. Auch einen rätselhaften Dolch findet der Enkel.

Bunt gemischte Anti-Nazi-Truppe bei Hunters

Jonah trifft bald auf den reichlich undurchsichtigen Meyer Offerman (Pacino), der Jonahs wachsende Rachegedanken zu nutzen versteht. Der Teenager wird Teil der „Hunters“, genauso wie seine Großmutter es einst war. Ziel der Jäger ist es, einen erneuten Massenmord der Nazis zu verhindern und die Verschwörer ohne Gnade zur Strecke zu bringen. Die ziemlich bunt gemischte Anti-Nazi-Truppe profitiert von den besonderen analytischen Gaben des Jungen, der Muster schnell erkennen und Verbindungen herstellen kann, die sonst niemand sieht.

Mit der Aufklärung der Mordserie an den Nazis wird die dunkelhäutige FBI-Agentin Millie Morris betreut, gespielt von Jerrika Hinton. Sie treibt die Ermittlungen in einer parallelen Handlung ohne jede Rücksichtnahme voran. So geht sie zum Beispiel dem plötzlichen „Gas-Tod“ einer geachteten Expertin für Raketentechnik auf Cape Canaveral nach. Die Deutsche schien eine glühende Anhängerin der Nazi-Ideologie gewesen zu sein, was Millie in kürzester Zeit herausfindet. Doch hinter der Fassade der Ermittlerin verbirgt sie ein Geheimnis: Die Agentin lebt mit einer Frau zusammen. Wenn das herauskommen sollte, ist sie ihren Job los, die Karriere wäre am Ende.

Mit dem 79-jährigen Al Pacino ist einer der renommiertesten lebenden Charakterdarsteller in der Hauptrolle des betuchten jüdischen Holocaust-Überlebenden Meyer Offerman zu sehen. Es ist für Pacino die erste Rolle in einer Fernsehserie überhaupt. Gerade erst für seine Leistung in „The Irishman“ mit einer Oscar-Nominierung geehrt, stellt Pacino nun den Anführer der geheim operierenden Kampftruppe dar. Dabei ist er zugleich Mentor für den Teenager Heidelbaum. Der 28-jährige US-Schauspieler Lerman ist einem eher jüngeren Publikum aus den beiden „Percy-Jackson“-Verfilmungen (2010 und 2013) bekannt, brillierte aber auch neben Brad Pitt in „Fury – Herz aus Stahl“ (2014). Lerman ist selbst Jude.

Hunters: Flucht in die Comic-Welt

Amazon-Serie "Hunters" mit Al Pacino: Nazi-Jäger auf blutigem Rachefeldzug
Amazon-Serie „Hunters“ mit Al Pacino: Nazi-Jäger auf blutigem Rachefeldzug

In der Figur des jungen Heidelbaum wird zudem eine Parallele zum Serien-Erfinder David Weil deutlich, der selbst sagt, dass er von seiner jüdischen Großmutter inspiriert worden sei, „Hunters“ umzusetzen. In Produzent Jordan Peele, der als Regisseur und Drehbuchautor der Horrorfilme „Get Out“ (2017) und „Us“ (2019) einem größeren Publikum bekannt wurde, hat Weil offenbar einen kongenialen Partner gefunden. Peele öffnete bei Amazon die Türen und brachte den Streaming-Riesen dazu, eine große Menge Geld in die Serie zu investieren.

„Hunters“ hat auch künstlerisch einiges auf dem Kasten. So sorgt der vermeintliche Stilbruch zwischen Pilotfilm und zweiter Folge für Verblüffung. Ist der 90 Minuten lange Prolog noch ein düsterer und dunkler Thriller, so schalten die Macher ab Folge zwei um auf einen schrillen und bunten Comic-Stil. Offenbar soll auf diese Weise vermittelt werden, wie der junge Protagonist Heidelbaum auf die sich völlig veränderte Welt um sich herum reagiert – mit der Flucht ins vertraute Comic-Universum, zu Helden, die er schon lange kennt und die ihm vertraut sind. Umso krasser und wegen ihrer Gewaltdarstellungen stellenweise schwer erträglich sind dann die Rückblenden in die Konzentrationslager der Deutschen.

Kritik an nachgestelltem Auschwitz-Schachspiel

So sorgte wenige Tage nach Veröffentlichung von „Hunters“ die heftige Kritik der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau an fiktiv dargestellten Gewalttaten der Nazis im Lager für Schlagzeilen. In einer Szene ist ein mit Häftlingen nachgestelltes Schachspiel zu sehen. Wer im „Spiel“ geschlagen wird, dem wird die Kehle durchgeschnitten. Der Sprecher der Gedenkstätte betonte, dass dies so nie passiert sei. Die Darstellung sei eine gefährliche Dummheit, die Erinnerung an den Holocaust werde verfälscht. Weil bekräftigte in einer Reaktion, dass die Schach-Szene fiktiv sei. Die Serie selbst basiere aber auf tatsächlichen Ereignissen.

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AutorIn: Matt Eagle

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