Das Cannabis-Forschungsprojekt der Landeshauptstadt Wiesbaden zur kontrollierten Abgabe von Cannabis über Apotheken ist vom Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung, kurz BLE, abgelehnt worden.
Cannabis-Forschungsprojekt in Wiesbaden: Ablehnung mit Signalwirkung

Die Entscheidung sorgt bundesweit für Diskussionen. Denn sie betrifft nicht nur ein einzelnes Modellvorhaben, sondern wirft grundsätzliche Fragen zur praktischen Umsetzung des Konsum-Cannabisgesetzes auf.
Im Kern geht es um die sogenannte Öffnungsklausel im §2 Absatz 4 des Konsum-Cannabisgesetzes, kurz KCanG. Diese Regelung sollte es ermöglichen, wissenschaftlich begleitete Modellprojekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis durchzuführen. Wiesbaden wollte genau diesen Weg gehen und ein strukturiertes Cannabis-Forschungsprojekt starten. Doch das BLE bezweifelt, dass diese Klausel als rechtliche Grundlage ausreichend ist.
Was ist konkret passiert? Warum ist das relevant? Und welche Folgen hat diese Entscheidung für Konsumierende, Kommunen und die politische Debatte um eine vollständige Legalisierung? Genau das schauen wir uns im Detail an.
Meldung im Überblick
- Antrag der Stadt Wiesbaden für ein Cannabis-Forschungsprojekt wurde abgelehnt
- Geplante Abgabe von Cannabis über Apotheken im Rahmen eines Modellprojekts
- Begründung: Zweifel an der rechtlichen Grundlage durch §2 Abs.4 KCanG
- Gesundheitsdezernentin kritisiert Entscheidung deutlich
- Rechtliche Schritte werden geprüft
Was war das Ziel des Cannabis-Forschungsprojekts?
Das geplante Cannabis-Forschungsprojekt in Wiesbaden sollte untersuchen, wie eine kontrollierte Abgabe von Cannabis über Apotheken in der Praxis funktioniert. Im Fokus standen Fragen wie:
- Wie entwickeln sich Konsummuster bei legalem Zugang?
- Verändert sich der Schwarzmarktanteil?
- Wie wirkt sich ein regulierter Verkauf auf Jugend- und Gesundheitsschutz aus?
- Welche Qualitätsstandards lassen sich dauerhaft etablieren?
Im Unterschied zum medizinischen Cannabis, das bereits seit 2017 in Deutschland über Apotheken erhältlich ist, hätte dieses Projekt den Zugang für erwachsene Konsumierende außerhalb einer ärztlichen Verordnung wissenschaftlich begleitet untersucht.
Warum Apotheken?
Apotheken gelten als besonders geeignete Stellen für eine kontrollierte Abgabe, weil sie:
- über pharmazeutische Expertise verfügen
- Qualitätsstandards sicherstellen können
- Dokumentationspflichten professionell umsetzen
- Beratung zur sicheren Anwendung anbieten
Ein Cannabis-Forschungsprojekt mit Apotheken hätte also einen hohen Grad an Verbraucherschutz ermöglicht. Genau darin lag für die Initiatoren der Mehrwert.
Rechtliche Einordnung: §2 Abs.4 KCanG unter der Lupe
Die Ablehnung durch das BLE stützt sich im Wesentlichen auf Zweifel an der Auslegung der Öffnungsklausel im Konsum-Cannabisgesetz. Diese Klausel erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen wissenschaftliche Modellprojekte.
Die Öffnungsklausel soll wissenschaftlich begleitete Modellprojekte ermöglichen. Ziel ist es, Erkenntnisse zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu gewinnen. Die konkrete Ausgestaltung und Genehmigung liegen jedoch bei Bundesbehörden.
Das BLE argumentiert, dass die beantragte Form der Abgabe über Apotheken nicht ausreichend von der bestehenden Gesetzeslage gedeckt sei. Damit folgt die Behörde einer Linie, die bereits bei anderen Anträgen angewendet wurde.
Juristische Kernfrage
Darf eine Kommune im Rahmen eines Cannabis-Forschungsprojekts über die im Gesetz ausdrücklich genannten Strukturen hinausgehen? Oder sind Modellprojekte eng auf bestimmte Formen begrenzt, etwa auf Anbauvereinigungen?
Diese Auslegung entscheidet darüber, wie weit die praktische Experimentierklausel tatsächlich reicht. Für viele Juristen ist genau das der entscheidende Streitpunkt.
Bedeutung für die Praxis: Wer ist betroffen?
Konsumierende
Viele erwachsene Konsumierende stehen aktuell vor folgenden Optionen:
- Eigenanbau im gesetzlichen Rahmen
- Mitgliedschaft in einer Anbauvereinigung
- Bezug über ärztliche Verordnung in Apotheken
Doch nicht jede dieser Optionen ist für jeden praktikabel. Eigenanbau setzt Platz, Wissen und Zeit voraus. Anbauvereinigungen kämpfen vielerorts mit hohen bürokratischen Hürden. In Wiesbaden ist bislang keine Vereinigung vollständig gestartet.
Ein Cannabis-Forschungsprojekt mit Apotheken hätte hier eine zusätzliche, kontrollierte Zugangsmöglichkeit geschaffen.
Kommunen
Für Städte und Gemeinden ist die Entscheidung ebenfalls relevant. Viele Kommunen sehen sich mit folgenden Herausforderungen konfrontiert:
- Umgang mit dem Schwarzmarkt
- Jugendschutz
- Belastung durch ordnungsrechtliche Maßnahmen
- Fehlende Mittel für Prävention
Modellprojekte bieten die Chance, lokal angepasste Lösungen zu testen. Wird diese Möglichkeit faktisch blockiert, sinkt der Gestaltungsspielraum vor Ort deutlich.
Schwarzmarkt versus kontrollierte Abgabe
Ein zentrales Argument der Befürworter des Cannabis-Forschungsprojekts lautet: Ohne praktikable legale Zugangswege bleibt der Schwarzmarkt attraktiv.
Zusammenhang verständlich erklärt
Wenn legale Alternativen:
- schwer zugänglich sind
- lange Wartezeiten verursachen
- bürokratisch kompliziert sind
dann weichen Konsumierende häufig auf informelle Märkte aus. Dort fehlen jedoch Qualitätskontrollen, Altersprüfungen und Verbraucherschutz.
- Unbekannte Wirkstoffgehalte
- Mögliche Verunreinigungen
- Kein Jugendschutz
- Keine Beratung zu Risiken
Ein Cannabis-Forschungsprojekt hätte belastbare Daten liefern können, ob eine regulierte Abgabe den illegalen Markt tatsächlich zurückdrängt.
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Medizinische Perspektive: Chancen und Grenzen
Aus medizinischer Sicht ist Cannabis kein harmloses Genussmittel, aber auch keine Substanz ohne therapeutischen Nutzen. Es kommt auf Differenzierung an.
Medizinische Chancen
- Schmerzlinderung bei chronischen Erkrankungen
- Reduktion von Spastik bei Multipler Sklerose
- Appetitsteigerung bei bestimmten Krankheitsbildern
Medizinische Risiken
- Psychische Nebenwirkungen bei vulnerablen Personen
- Abhängigkeitsentwicklung bei regelmäßigem Konsum
- Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit
Ein Cannabis-Forschungsprojekt könnte genau diese Aspekte differenziert untersuchen, insbesondere im Hinblick auf Konsummuster unter legalen Bedingungen.
Politische Dimension: Rückschritt oder Vorsicht?
Die Kritik aus Wiesbaden ist deutlich. Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke sieht in der Ablehnung eine politische Entscheidung. Sie argumentiert, dass eine Teillegalisierung ohne funktionierende legale Zugangswege inkonsequent sei.
Gleichzeitig ist festzuhalten: Bundesbehörden müssen sich strikt an den gesetzlichen Rahmen halten. Wenn dieser unklar formuliert ist, entsteht Interpretationsspielraum.
Vor und Nachteile der Ablehnung
Mögliche Vorteile:
- Rechtliche Klarheit wird eingefordert
- Vermeidung von Modellprojekten mit unsicherer Rechtsgrundlage
Mögliche Nachteile:
- Verpasste wissenschaftliche Erkenntnisse
- Fortbestehen des Schwarzmarktes
- Frustration bei Kommunen
Einordnung im internationalen Kontext
International zeigen Länder wie Kanada oder einzelne US Bundesstaaten, dass wissenschaftlich begleitete Legalisierungsmodelle wichtige Erkenntnisse liefern können. Dort wurden:
- Konsummuster systematisch erfasst
- Jugendschutzmaßnahmen angepasst
- Steuereffekte analysiert
Ein deutsches Cannabis-Forschungsprojekt hätte vergleichbare Datengrundlagen schaffen können, zugeschnitten auf hiesige rechtliche und gesellschaftliche Bedingungen.
Kontext: Teillegalisierung und ihre Grenzen
Seit 2024 ist Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert. Erwachsene dürfen unter bestimmten Bedingungen besitzen und anbauen. Dennoch ist das System fragmentiert.
Viele Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass eine inkonsistente Regulierung Risiken birgt. Ohne klar strukturierte, flächendeckende Abgabemodelle bleibt die Umsetzung lückenhaft.
Eigene Einordnung: Perspektive einer vollständigen Legalisierung
Aus globaler Perspektive spricht vieles für eine vollständige, klar geregelte Legalisierung von Cannabis. Entscheidend sind dabei:
- Transparente Qualitätsstandards
- Konsequenter Jugendschutz
- Investitionen in Prävention
- Entkriminalisierung erwachsener Konsumierender
Ein Cannabis-Forschungsprojekt ist kein Selbstzweck. Es ist ein Instrument, um politische Entscheidungen auf Daten statt auf Ideologie zu stützen. Wird dieser Weg blockiert, fehlen wichtige empirische Grundlagen.
Wie geht es weiter?
Die Stadt Wiesbaden prüft rechtliche Schritte. Möglich sind:
- Widerspruch gegen die Entscheidung
- Verwaltungsgerichtliche Klärung
- Anpassung des Projektkonzepts
Unabhängig vom Ausgang bleibt die Grundsatzfrage bestehen: Wie ernst ist die Politik gewillt, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Cannabisregulierung tatsächlich zu ermöglichen?
Zusammenfassung
Das Cannabis-Forschungsprojekt in Wiesbaden sollte untersuchen, wie eine kontrollierte Abgabe über Apotheken funktioniert. Das BLE hat den Antrag mit Verweis auf rechtliche Zweifel abgelehnt. Die Entscheidung hat Signalwirkung für andere Kommunen. Sie berührt Fragen des Jugendschutzes, der Schwarzmarktbekämpfung und der wissenschaftlichen Begleitung der Teillegalisierung.
Ob das Projekt doch noch umgesetzt wird, hängt von juristischen und politischen Entwicklungen ab. Klar ist jedoch: Ohne belastbare Daten bleibt die Debatte über die Zukunft der Cannabisregulierung unvollständig.
Quellen / Infos: https://www.wiesbaden.de/pressemitteilungen/pressereferat/februar/260219-Cannabis-Forschungsprojekt
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Autor und Bild: Canna-Chad Gregor Paul Thiele
Kein Anspruch / Gewähr auf Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der News bzw. Pressemeldung
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