Alexander Kaschte, Anastasia Kaschte – Das Buch der toten Kinder

In „Das Buch der toten Kinder“ geht es um Sanjuscha, der nach einem Sturz von einem Baum stirbt. Er wird von einem magischen Hund abgeholt, der ihn ins Reich des Todes bringt. Auf der Reise dorthin begegnet Sanjuscha zwölf Kindern, die sich auf die unterschiedlichsten Weisen umbringen.

Die Geschichte ist zweigeteilt. In der ersten Hälfte des Buchs wird die Geschichte in Sonetten erzählt. Dabei klingt die Sprache manchmal etwas zusammengewürfelt, da die strenge Vers- und Reimform eingehalten werden muss. In der zweiten Hälfte des Buchs schreibt Alexander Kaschte dann aber viel freier, die Geschichte lässt sich einfach runterlesen. Auch die Bilder verändern sich. Waren sie zuvor noch sehr dunkel und grausam, beinhalten sie nun leuchtende Farben und wirken wesentlich positiver auf den Betrachter.

Die Motive der Bilder sind nicht immer schön, allerdings erklärt Illustratorin Anastasia Kaschte am Ende des Buchs, dass sie Selbstmord nicht glorifizieren will und deswegen ihre Illustrationen so abstoßend wie möglich gemalt hat.

„Das Buch der toten Kinder“ regt zum Nachdenken an. Die teils sehr schönen Bilder laden zum Träumen und Verweilen ein. Das schwierige Thema von Kinderselbstmord ist hier gut verarbeitet worden, allerdings gibt es in dem Buch auch einige sehr geschmacklose Stellen.

Marc Halupczok – Benedict Cumberbatch – Die Biografie

Marc Halupczok zeigt, wie vielseitig interessiert er ist. Es müssen nicht immer Musikerbiografien sein. In seinem aktuellen Werk stellt er uns das Gesicht hinter „Sherlock“ vor, eine TV-Serie des BBC, die auch in Deutschland großen Anklang fand. Doch Cumberbatch, der Mann mit den markanten Zügen, hat mehr zu bieten als „Sherlock“. 2004 spielte er den jungen Stephen Hawking in „Hawking – Die Suche nach dem Anfang der Zeit“. Im „Hobbit“ stellt er Smaug dar.

Auf nur 125 Seiten zeichnet Halupczok den erfolgreichen Lebensweg des britischen Schauspielers nach. Die lockerleichte Sprache hilft dem Leser, das Buch innerhalb kürzester Zeit zu lesen. Begleitet wird der Text von schwarz-weißen Abbildungen, im Mittelteil gibt es Farbfotos.

Ich kannte Benedict Cumberbatch zunächst nicht, Halupczoks Buch allerdings hat mir kurz und präzise die wichtigsten Ereignisse im Leben des Schauspielers aufgezeigt.

Diese Biografie ist nett und eine seichte Lektüre für Zwischendurch. Wahre Fans des Schauspielers dürften hier aber keine neuen Erkenntnisse erlangen.

Rona Walter – Gläsern

Alle Figuren haben ein entsetzliches Geheimnis, und diese zu lüften schafft der Erzähler Frederick auf einmalige, sarkastische und selbstironische Weise. Durch Fredericks Augen erhascht man einen Blick aus der Sicht eines Hausdieners auf die Gesellschaft in der er sich befindet und erlebt seine Beziehung und Loyalität zu seiner Lady Amaranth.

Auf Wunsch der Lady Amaranth wird nach ihrer und des Grafen Tochter gesucht, hierzu wird Lord Sandford angeheuert, der mit Frederick und einer weiteren Hausdienerin Jagd auf die verschwundenen Tochter Eirwyn macht.

Damit beginnt die gar nicht mal so lange Reise nach Deutschland, während der sich alle ein wenig von der Lady beobachtet fühlen, vielleicht weil sie ihren Raben hinter der Reisegesellschaft herschickt, aber auch, weil sie durch alle spiegelnden Flächen sehen kann und damit den ein oder anderen in den Wahnsinn treibt.

Doch man findet wie erhofft die blutjunge und wunderschöne Tochter auf dem abgelegenen Gut Waldeck. Doch wer fürchtet, es ist wieder nur ein Abklatsch von altbekannten Märchen, der wird enttäuscht, auch wenn man viele Ähnlichkeiten zu den Märchen der Gebrüder Grimm erkennt. So wird man spätestens ab der Mitte des Buches enttäuscht und muss sich nun mit einer weitaus schlimmeren Märchenwelt konfrontiert sehen, in der es immer mehr Überraschungen und Wendungen gibt, die man nicht erwartet hat.

Auf jeden Fall lesenswert, gerade für Fans des Düsteren, denn eine heile Welt werden sie in diesem Buch ganz bestimmt nicht finden.

Dornbusch, Killguss – Unheilige Allianzen

Black Metal ist böse. Aber warum? Und wer empfindet eine Boshaftigkeit gegen was? Die Autoren Christian Dornbusch, Sozialwissenschaftler, und Hans-Peter Killgus, Politikwissenschaftler, versuchen in ihrem Buch auf solche Fragen eine Antwort zu geben. Dabei geben sie Einblicke in die Bereiche des Satanismus, Heidentums und Neonazismus im Black Metal.

Es sind vor allem die Aussagen der Musiker des schwarzen Metalls selbst, die dieses eher journalistische Werk vorantreiben. Sie werden befragt, liefern Einblicke in Gedankenwelten oder legen einfach ihre Songtexte zur Interpretation vor.

„Unheilige Allianzen“ startet mit der Geschichte des Black Metal, wo er herkommt, welche Subgenres es gibt, wie er sich entwickelt hat. Danach geht es an die Szene, an die Verbindung zwischen Musik und Mensch.

Das Buch gibt so einige Auskünfte darüber, was das Böse im Black Metal zu suchen hat. Der besondere Schwerpunkt liegt hierbei auf Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Dabei wird kaum reflektiert, was der Begriff „Das Böse“ denn gar darstellt. Die Kapitel aber lassen sich flüssig lesen, die Subthemenauswahl ist breit gefächert. Lichte Einblicke in das Dunkle bietet „Unheilige Allianzen“ auf jeden Fall.

Wer dieses Buch liest, der sollte ein Spektrum an kultur- und sozialanthropologischem oder auch soziologischem Wissen besitzen. Denn „Unheilige Allianzen“ gibt zwar eine interessante Sicht auf ausgewählte Aspekte, wer diese aber nicht selbst reflektieren oder bewerten kann, der darf gerne zum „Metal-Malbuch“ greifen.

Sebastian Berndt – Gott haßt die Jünger der Lüge

Metal und Christentum? Definitiv! Denn es reicht nicht aus, als Metaller grundsätzlich gegen Jesus und seine Jünger zu sein. Überhaupt hat nicht nur eine Religion die Finger im metallischen Spiel. Es lohnt sich also, seine Emotionen zurückzuhalten und einen Blick auf die Theologie, Musikwissenschaft und Verhaltenswissenschaft im Metal zu riskieren.

Nach Vorstellung von Problematik und Methodik geht es direkt an die Musik: Woraus setzt Metal sich musikwissenschaftlich zusammen? Kompakt aufgeführt werden ebenfalls die verschiedensten Stile, hier lohnt sich ein Stöbern auch mal zwischendurch in anderen Zusammenhängen. Wissenswert und leicht lesbar.

Natürlich ist es der Teufel mit seinem Satanismus, der stets auf dem harten Metall spielt. Oder ist Satanismus möglicherweise von der Musik selbst ausgehend? Wer hat den Satanismus überhaupt in den Metal gebracht? Sebastian Berndt liefert Antworten und führt auf, dass Satanismus nicht gleich Satanismus ist.

Neben der unvermeidbaren Thematik des Neuheidentums wird auch der Rechtsextremismus nicht ausgelassen. Weitere Aspekte sind Gewalt, Apokalyptik und nicht zuletzt Sex, Drugs & Rock’n’Roll.

Am Ende des Buchs weckt das Literaturverzeichnis das Interesse am tieferen Einblick in die Materie.

Zwar ist „Gott haßt die Jünger der Lüge“ (übrigens eine Symbiose aus Songtiteln) einfach und flüssig zu lesen, nach den meisten Paragraphen bleibt der Leser allerdings hängen und versucht, seine eigenen Gedanken zu fassen.

Empfehlenswert für alle, die mehr als nur den Metal besser kennenlernen wollen!

Martin Arnold – Thor – Von der Edda bis Marvel

Dr. Martin Arnold gibt Einblicke in die Figur des Thor. Ob Thor in Dänemark, Deutschland oder Amerika, der Dozent für Skandinavische Literatur beleuchtet die Entwicklung der Vorstellungen in den verschiedensten Lebensbereichen der Welt. So stellt er Thor durchaus auch in epochale Kontexte, führt die unterschiedlichsten mythologischen Zusammenhänge auf und erklärt die Rolle des Gottes innerhalb des Christentums und unserer Gegenwart.

In einfacher Sprache und heruntergebrochenen Darstellungen erfährt der Leser Interessantes und vor allem Neues. Besonders lobenswert dabei ist, dass Martin Arnold es schafft, trockene Fakten spannend wiederzugeben. Durchsetzt von z.B. Textbeispielen aus den Eddas oder beschreibenden Bildern, gezeichnet von Voenix, lädt die Wissensansammlung zum Eintauchen ein.

Mit „Thor – Von der Edda bis Marvel“ ist es dem Autor gelungen, einen tiefgründigen, wissenschaftlichen Abriss der facettenreichen Figur des als allgemein bekannten Donnergottes zu liefern. Ab und an gibt es Unstimmigkeiten mit der Schreibweise altisländischer Begrifflichkeiten. Das tut dem Lesefluss aber keinen Abbruch. Wer also wissen will, wie Thor entstand und sich entwickelte, der darf diesem Buch seine Zeit widmen.

Eine verständliche Einsichtenwelt in den wohl berühmtesten Charakter der nordischen Mythologie.

Vincent Voss – Töte John Bender!

Dass im Leben nicht immer alles einfach läuft, gehört eben dazu. Dass sich daraus aber eine Hatz entwickeln kann, kann dem Leben vielleicht allzu schnell ein Ende bereiten.

Tom coacht Führungskräfte der verschiedensten Firmen. Für eine Gruppe hat er sich etwas Besonderes ausgedacht: Eine Art Überlebenstraining auf der dänischen Insel Tyreholm. Diese sollte eigentlich unbewohnt sein, doch schon bald lassen sich Hinweise auf einen morbiden Besucher finden, der es anscheinend auf Tom abgesehen hat…

Was als Roman beginnt, entwickelt sich erst zum Thriller, dann tatsächlich noch zum Horror. Mag die Geschichte anfangs noch lasch und trivial erscheinen, so beginnt das Obskure schnell mit Eintreffen der Gruppe auf Tyreholm. Die Oberfläche der Figuren wird mit jeder Seite tiefer aufgekratzt. Das Grauen schleicht sich ein. Das knochenbrechende Ende schließlich lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

„Töte John Bender“ bietet zwar keine herausragende Sprache, dafür aber ein gutes Stück Unterhaltung. Mal mit mehr, mal mit weniger Tiefgang. Und für einen Bade- oder Zeltausflug auf einer verlassenen Insel ist dieses Buch genau das Richtige. Da der Sommer vor der Tür steht, bietet sich solch eine Aktion nur an. So wünscht sich auch der Autor, dass seine Leser sich bei sonderbaren Vorkommnissen an einsamen Orten seines Buches erinnern. Also, fangt mit dem Lesen an!

Óttar Martin Norðfjörð – Das Sonnenkreuz

In Reykjavík geschieht ein schreckliches Verbrechen. Der Archäologe Baldur ist verschwunden, in seinem Haus wurde ein Ritual abgehalten. Die Museumspädagogin Embla wird zur Auflösung um Hilfe gebeten. Sie vermutet eine Verbindung zu Baldurs umstrittene Thesen über die Herkunft der Isländer. Gleichzeitig geschehen in ganz Nordeuropa Morde, begangen durch die fixe Idee, einen alten Wikingerbund wieder aufleben zu lassen.

Der Isländer Óttar Martin Norðfjörð schafft mit „Das Sonnenkreuz“ einen Thriller, der an Dan Browns Verschwörungsromane erinnert. Die Geschichte ist vor allem für Leser interessant, die sich mit dem Symbolmissbrauch der NS-Zeit und historischen Begebenheiten im alten Island auskennen. Neben der Recherchearbeit sind auch Norðfjörðs Theorien und Ideen zu loben. Die Sprache bleibt dabei allerdings gewaltig auf der Strecke. Und auch die Auflösung des Ganzen wirkt unglaubwürdig und an den Haaren herbei gezogen.

Ein Thriller, der von seiner Spannung lebt, dessen Sprache aber kaum Lesespaß vermittelt. Am Ende des Buchs gelangt man zu der Überzeugung, dass weniger doch meist mehr ist.

Yvonne S. Bonnetain – Loki – Beweger der Geschichten

Mit „Loki – Beweger der Geschichten“ gibt uns Bonnetain Einsicht in ihre Dissertation aus dem Jahre 2005. Somit ist dieses Werk eine wissenschaftliche und auf Fakten fundierte Arbeit. Der Leser erfährt die verschiedensten Darstellungen Lokis, er bekommt einen umfassenden Einblick in Funktion und Interpretation des Charakters.

Spannend und interessant zu lesen ist „Loki – Beweger der Geschichten“ vor allem für Fachkundige. Während der Laie wohl doch an der ein oder anderen Stelle zu kämpfen haben könnte, da ihm einige Sachzusammenhänge, trotz der obligatorischen Erklärungen, nicht ganz geläufig sind. Besonders interessant ist das Buch auch für alle, die des Altisländischen kundig sind. So werden die verschiedensten aufgeführten Textstellen zwar übersetzt, sind durch einen sprachwissenschaftlichen Hintergrund betrachtet aber umso interessanter für den Gesamtkontext.

Endlich ein wissenschaftliches Werk, das verbreitete Stereotype auf ihren Ursprung untersucht, Lokis in vielen Epochen und unter den verschiedensten kulturellen Aspekten entstandene Facetten beleuchtet.

Ein absolutes Lese-Muss! Wer Fachfremd ist bekommt hier die Verschiedenartigkeiten der Wirklichkeit präsentiert, sollte aber Verständnis, Interesse und eine Idee Intellekt mitbringen.

L.A. Weatherly – Dämonen des Lichts

Alex tötet Engel. Das macht er im Auftrag der CIA. Willow ist ein Halbengel, kämpft mit dem Alltag, trifft Alex. Gemeinsam ziehen sie in den Kampf. Als sie sich ineinander verlieben bleibt die Frage: Hat die Liebe zwischen Engelstöter und Engel eine Chance?

Das Buch ist in zwei Perspektiven geschrieben. Einerseits begegnet man Willows Gedanken, ihre Sicht ist in der Ichperspektive geschrieben. Andererseits erfährt man über Alex alles vom personalen Erzähler. Ein interessanter Sichtwechsel also. Interessant, aber auch ein wenig überspitzt, ist die Geschichte ebenfalls. Die Figur des Alex‘ erscheint unglaubwürdig, die Idee mit der CIA ebenfalls. Und dass die beiden zusammenarbeiten – Alex ist ein Teenager! – sogar umso mehr. Auch die Sprache ist auf einer monotonen, niedrigen Ebene gehalten.

„Dämonen des Lichts“ ist der erste Teil einer Trilogie. Wer dem ungleichen Paar also verfallen ist, kann direkt zum bereits auf Deutsch erschienenen Nachfolger greifen. Die Geschichte glänzt zwar mit Ideenreichtum, allerdings mangelt es an Umsetzung und Glaubwürdigkeit. Wer aber einfach nur gut unterhalten werden möchte, sollte hier zugreifen und sich auf eine große Portion Action und Liebe freuen.

Heitz, Delseit, Kramm, Jeltsch – Das Ich

Leider können die Geschichten nicht mitreißen. Neben einer Comicstory ist auch eine Kurzgeschichte, geschrieben von Markus Heitz, vertreten. Diese ist so unglaublich schlecht geschrieben, dass man annehmen könnte, Fantasy-Großmeister Heitz hat hier einen Ghostwriter arbeiten lassen. Weder Spannung noch Atmosphäre werden hier aufgebaut. Dabei hat die Idee durchaus Potential. Da wäre es wünschenswert, einen Roman von Markus Heitz zu bekommen.

Pubertäre Identitätskrisen, die mit Pulsaufschneiden enden, vermischen sich mit dem unergründlichen Auftauchen der Bandmitglieder. Dies ist der kurze, aber komplette Handlungsstrang.

Am Ende stellt sich eine Frage: Warum? Warum kommt Das Ich in diesem Buch vor?

Vielleicht etwas für hartnäckige Fans der Band und (spät-)pubertierende Trauerklöße. Alle anderen werden hier keine Freude haben.

Andreas Schöwe – Wacken Roll

„Wacken Roll“ erzählt nicht nur die Geschichte des Festivals von Anfang an, es stellt vor allem die Metaller selbst in den Vordergrund. Ob es nun um die Macher, die Musiker oder die Metalheads geht – sie alle kommen hier in Interviews zu Wort.

Dieses Buch ist ein Ganzkörperportrait des größten Metal-Festivals der Welt. In unzähligen Interviews erfährt man Neues oder alt Bekanntes, schwelgt in Erinnerungen, erkennt sich selbst wieder. Begleitend zum Text gibt es Fotos, die leider in schwarz-weiß gehalten sind.

Man muss dieses Buch nicht von vorne bis hintern durchlesen. Es bietet sich geradezu an, irgendeine Seite aufzuschlagen und dort einzusteigen. Was dabei allerdings absolut nervig ist, sind die vielen Rechtschreibfehler. Und nicht nur das! Obwohl Autor Andreas Schöwe als einer der renommiertesten Journalisten des Metal-Genres weltweit betitelt wird, gibt es auch falsche Fakten. Ziemlich ärgerlich.

Für die Lektüre sprechen allerdings vor allem die vielen Bands und Musiker, die hier ihre Meinung zum Festival kundtun. Zu finden sind u.a. Doro, Saxon und HammerFall, aber auch Größen wie Mötley Crüe oder Dimmu Borgir.

„Wacken in Zahlen“ gibt’s zum Schluss. Interessant und bündig.

Ein Muss für Wacken-Fans und Festival-Touristen!

Kveldúlf Hagan Gundarsson, Kurt Oertel – Ásatrú – Die Rückkehr der Götter

Ásatrú ist ein komplexer Glaube. Doch in der heutigen Zeit wird dieser idealisiert, Götterbilder und Praktiken vermischen sich mit verschiedenen Lebensstilen, die Grundbedeutung geht verloren. Nicht zuletzt gilt es in vielen Metallerkreisen als cool, an Thor zu glauben, typisiert durch z.B. Viking Metal-Bands oder Comics. Was Thors eigentlichen Aufgaben waren, wie sein Charakter war, das beschreibt Kveldúlf Hagan Gundarsson, der trotz seines isländischen Pseudonyms ein Amerikaner ist, in „Àsatru – Die Rückkehr der Götter“.

Um zu verstehen benötigt man Hintergrundwissen. So gibt der Autor einen Einblick in den völkerkundlichen Kontext. Allein dieser Teil umfasst beinahe 100 Seiten und schneidet z.B. die Bronze- oder Eisenzeit an, vermittelt die wichtigsten Fakten. Den wohl gewichtigsten Part nehmen die Götter ein. Ihre Funktionen werden im einzelnen beschrieben. Es werden außerdem schriftliche Primärquellen genannt, in denen die Götter auftauchen.

Mitherausgeber der deutschen Ausgabe Kurt Oertel hat die erstmalig 1993 erschienene englische Ausgabe erweitert. In seinem Vorwort stellt er außerdem klar, dass Bezeichnungen nicht im wissenschaftlichen Sinne verwendet werden. Dies fällt vor allem dem Kenner der Thematik beim Lesen auf. So werden Götternamen „eingedeutscht“, um sie der Allgemeinheit zugänglicher zu machen. Das lässt darauf schließen, dass auch „Àsatrú – Die Rückkehr der Götter“ auf den Mainstream-Zug aufspringt. Zudem tauchen ab und an kleine Fehler auf. So ist Ásatrú durchaus keine Religion, da sich das Wort, abgeleitet aus dem Lateinischen, auf einen Buchglauben stützt wie es z.B. das Christentum mit seiner Bibel einer ist. Was auch fehlt, aber durchaus nicht zu vernachlässigen ist, ist der sprachwissenschaftliche und sprachhistorische Hintergrund. Der kommt hier leider viel zu kurz.

Als Fachliteratur ungeeignet, als fundierteres Werk neben den gesellschaftlich weit verbreiteten Meinungen über die Asentreue aber durchaus zu empfehlen! Beim Lesen unbedingt mitbringen: Durchhaltevermögen.

Jon Øystein Flink – Ficken und Sterben

Auf etwas mehr als 100 Seiten beschreibt der norwegische Autor Jon Øystein Flink den Selbstmordversuch des Ich-Erzählers, sowie seine Erlebnisse in der Familien- und Frauenwelt. Ficken und Sterben sind somit die zentralen Themen des kurzen Buchs. Zudem wird der Blick auch auf die Stadt Oslo gelenkt, auf ihre Bewohner, Straßen, Augenblicke.

„Ficken und Sterben“ ist kein Meisterwerk. Langweilige Satzstruktur, kaum Inhalt. Dennoch hat die vielfach ausgezeichnete Übersetzerin Gabriele Haefs sich des Werks angenommen. Doch das reißt das Ruder nicht herum. Die Ich-fick-mir-die-Birne-weg-Stimmung, resultierend aus dem abgebrochenen Selbstmordversuch, durchzieht Seite für Seite. Hass auf alles und jeden. Natürlich wird auch der Black Metal erwähnt. Oslo ohne Helvete, das geht anscheinend nicht mehr. Konträre Aussagen des Protagonisten prallen aufeinander, münden sogar in Rassismus. Da heißt es nämlich auf Seite 35, dass die größte Schandtat der Nazis gewesen wäre, den Opa der Verlobten des Ich-Erzählers nicht vergast zu haben. Wenig später wird eben jener Familie Rassismus vorgeworfen.

Ein Buch über stupide Themen, ohne wirkliche Handlung. Hauptsache, auf jeder Seite steht wenigstens zweimal das Wort „ficken“.

Cassandra Clare – Clockwork Angel

London im Jahr 1878, Tessa muss ihren Bruder suchen, der durch unerklärliche Weise verschwunden ist. Bei ihrer Suche trifft sie auf zwei Jungen, die ihr eine mysteriöse Welt zeigen: Die Welt der Schattenjäger. Während nachts düstere Kreaturen London unsicher machen, ist es die Aufgabe der Schattenjäger, genau diese Kreaturen zu beseitigen. Und diese geheime Gesellschaft der Schattenjäger hat irgenetwas mit dem Verschwinden des Bruders zu tun. Zudem verliebt Tessa sich auch noch in zwei Schattenjäger gleichzeitig.

Wen die Geschichte nicht interessiert, der wird spätestens vom Cover des Buches verzaubert. Neben der Steampunk-haften Aufmachung betören Schimmereffekte das Auge.

„Clockwork Angel“ ist der erste Teil der „Chroniken der Schattenjäger“-Reihe, die Vorgeschichte zu den „Chroniken der Unterwelt“.

Durch die doch eher einfache Sprache und den hohen Wert, der auf die Liebesgeschichte gelegt wird, ist das Buch kein Highlight für anspruchsvolle Leser. Zudem handeln die Figuren oft sehr kindisch. Die Geschichte schwangt zwischen Dunkelheit und Kitsch. Wer allerdings Lust auf gute Unterhaltung hat, der macht bei „Clockwork Angel“ nichts falsch. Man muss natürlich Durchhaltevermögen haben. Als Stand-alone taugt das Buch definitiv nichts.

Ein guter Tipp für Freunde von Reihen, die viel Liebe und eine Portion böse Kreaturen gerne im Bücherregal stehen haben.

Kelly Creagh – Nevermore

Das Cover macht das Buch, es vermittelt den ersten Eindruck. Violette Ranken, Krähen, ein Buch. Niedlich und mysteriös zugleich. Über 300 Seiten hält das Buch, was der Einband verspricht. Eine typische Teenie-Lovestory mit paranormalen Elementen. Die schöne Cheerleaderin Isobel wird beim Literaturprojekt ausgerechnet dem Außenseiter Varen zugeteilt. Doch während ihrer gemeinsamen Arbeit lernt Isobel den Gothic näher kennen, verliebt sich – natürlich – in ihn. Und Varen hat, wie kann es anders sein, ein Geheimnis zu verbergen.

Dann schlägt die Stimmung jedoch um. Es tauchen wirklich gruselig beschriebene Gestalten auf, denen ganze Körperteile fehlen. Die Geschichte zieht merklich an. Das Literaturprojekt über Edgar Allan Poe wird ein zentraler Aspekt des Romans. Ein langer und spannender Showdown gibt „Nevermore“ dann endlich seine Würze. Das Ende, ein wenig an Gaarders „Sofies Welt“ erinnernd, macht neugierig auf die Forsetzung, die in Englisch bereits erschienen ist. Bleibt nur zu hoffen, dass der zweite Teil schneller zur Spannung übergeht.

Matthew Kirby – Skaldenwinter

Königstochter Solveig wird mit Geschwistern und Gefolge in die Einsamkeit geschickt. Ihr Vater befindet sich im Krieg. Am Fjord sollen die Kinder in Sicherheit sein, beschützt durch Eis und die Berserker. Doch einer unter ihnen vergisst seinen Schwur der Treue.

„Skaldenwinter“ ist eines der wenigen Bücher, die von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug gelesen werden müssen. Egal ob der feinen, klaren Sprache oder der Spannung wegen. Die Geschichte hält sich nicht mit unnötigen Details auf, verwebt dennoch geschickt mehrere Nebenhandlungen miteinander.

Die Ich-Erzählerin Solveig überzeugt durch Entwicklung und glaubhafte Gedankengänge. Doch auch die anderen Figuren wirken real. Matthew Kirby steht in seinem Roman „Skaldenwinter“ nur wenig Raum zur Verfügung, umso tiefer zeichnet er die Beziehungen seiner Charaktere zueinander.

Beinahe scheint es, als sei der Roman nach wahren Begebenheiten geschrieben, so real wirkt er, so sehr wird der Leser mitgerissen.

Hier kommt jeder Leser auf seine Kosten. „Skaldenwinter“ ist ein gelungener Roman, gespickt mit Poesie und Spannung. Ein atemberaubendes Leseerlebnis, besonders zur Winterzeit.

Berni Mayer – Black Mandel

Die beiden ehemaligen Musikjournalisten Max Mandel und Sigi Singer sind als Privatdetektive unterwegs, was wenig erträglich zu sein scheint. Dafür haben beide Zeit, zu einem Dark Reich–Konzert nach Norwegen zu fahren. Den Auftritt verpassen sie, dafür finden sie sich mitten in einem okkulten Mordfall wieder, bei dem nicht nur eine Kirche brennt …

Der ehemalige Chefredakteur von VIVA und MTV, Berni Mayer, weiß genau, worüber er schreibt. Sein zweiter Roman nach „Mandels Büro“ fängt zwar ziemlich langsam und etwas langweilig an, nimmt schließlich aber Fahrt auf und präsentiert eine tolle Reise in den Norden und durch die dortige Metal-Szene. Gespickt mit viel Wissen über Bands wie Dark Reich greift Mayer gekonnt Klischees über die Schwarze Szene auf und verwendet sie mit einem Augenzwinkern. Blut auf der Bühne, SM, Kreuzigungen und Okkultismus scheinen die wichtigsten Bestandteile des Metal zu sein, was auf Szenefremdlinge verstörend und bestätigend zugleich wirken muss. Die Geschichte ist stellenweise verworren, aber am Ende klärt sich alles auf – ob zum Positiven oder nicht, muss man selbst nachlesen. Der Schreibstil ist flüssig, wenngleich typisch für Roadmovies aus der Perspektive eines Ich-Erzählers – in diesem Fall Sigi Singer – und hin und wieder auf Straßenjargon zurückgreifend. Auffallend ist das Petruskreuz auf dem Cover: das dürfte in der Buchhandlung auffallen.

Es ist ein gelungener Krimi über die dunkle Musikszene, gespickt mit Wissen und Heavy Metal. Da sollten auch diejenigen zugreifen, die keine Bücherwürmer sind.

Alexander Broicher – Fakebook

Frieder Kurtsmeier, genannt Kurz, ist unzufrieden mit sich. In der Firma läuft es nicht mehr so gut wie einst, die Kollegen machen sich über ihn lustig, die Freundin trägt nun ein „Ex“ vor dem Titel. Eine neue Persönlichkeit muss her. Und das funktioniert am besten über Facebook. So erschafft Frieder sich sein neues Ich: Rocco.

236 Seiten zeigen dem Leser, wie arg sich die moderne Welt doch auf das Internet, auf Facebook, verlagert hat. Was wir kommentieren, liken und teilen nimmt immer mehr Zeit und Gedankengut in Anspruch. Ganze Meinungen kippen an nur einem einzigen Post.

Broicher zeigt: Wer auch im realen Leben nichts erreichen mag – wenige Klicks, etwas mehr Geschwafel und schon ist man der Star auf Facebook. Dass man dort trotz etlicher Freundschaftsanfragen seltenst Freunde trifft, weiß heutzutage jeder User der blau-weißen Seite.

Es scheint, als könne Frieder nicht mehr unterscheiden zwischen seinem wahren und seinem virtuellen Ich. Denn Rocco existiert nicht mehr nur im Internet. Er tritt als Lebensberater in Frieders Leben und verschafft ihm so Ansehen. Blasse Erinnerungen an Bret Easton Ellis‘ Patrick Bateman aus „American Psycho“ werden geweckt.

Leider versprechen Cover und Klappentext mehr, als das Buch hergibt. Schwarz, Rot und Weiß als die drei markanten Thriller-Farben leiten hier in die Irre. Das Blut dekoriert bloß das Smartphone, richtig brutal wird es im Buch selbst nämlich nicht. Und auch der Schreibstil birgt keine großen literarischen Künste.

Der Roman plätschert vor sich hin, lässt sich zügig lesen. Den Charakteren fehlt gewisse Tiefe. Gerade die Darstellung der Psyche Frieders leidet darunter. Hier hätte Broicher sehr viel mehr herausholen können.

Ein kurzweiliges Buch, das uns die Fake-Welt des Internets zeigt. Eindeutige Höhepunkte bleiben leider aus.

Peter Beste – True Norwegian Black Metal

Peter Beste ist Amerikaner und kann dennoch wie ein echter Norweger den TNBM vorstellen. Beim Schauen seiner Fotos fällt nämlich schnell auf: Das ist TNBM! Die Aufnahmequalität der frühen 90er-Tapes bringt Beste durch verschwommene, verzerrte, kratzige Fotos zum Ausdruck.

Ob Musiker, Fan oder gar die norwegische Landschaft, in „True Norwegian Black Metal“ gibt es ein breites Spektrum an Vertretern des Genres. Die Fotos sind im großformatigen Buch meist doppelseitig und ziehen den Betrachter gnadenlos in ihren Bann. Mal eben schnell durchblättern geht hier definitiv nicht! Besonders interessant ist auch die Tafel, auf der wichtige Punkte zur Beeinflussung des TNBM aufgelistet sind. Aufpassen muss man allerdings beim Preis. Da die englische Ausgabe nicht der deutschen Buchpreisbindung unterliegt, gibt es keine festen Angaben. Der hier genannte Preis bezieht sich auf die Preisempfehlung von 60 $.

Dieser Bildband ist True Norwegian Black Metal! Ein grandioses, perfektes Buch!

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Das waren einige Literatur-Kurzreviews, die für Metaller interessant sein könnten. Hast Du noch nicht genug, dann findest Du hier Teil 2 mit weiteren Kurzvorstellungen.


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Literaturreviews – Heavy Metal Literatur und Bücher für Metaller (Teil 1): 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne5,00von 5 Punkten, basieren auf 1abgegebenen Stimmen.
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