Durch die Rückkehr des Präsidenten im Vorjahr hat sich Zucht und Ordnung im gesamten Clan drastisch verbessert. Die Abreise, die in den vergangenen Jahren oft durch persönliche Nachlässigkeit hinsichtlich Pünktlichkeit und Körperpflege um fast eine halbe Stunde nach hinten verzögert wurde, erfolgte pünktlich um 4.02 Uhr MESZ. Noch vor der Abfahrt relativierte der zweitjüngste Familiensproß Annemarie just zuvor getätigte Äußerungen, sie hätte heute gute Laune, durch einen rechten Haken in die Weichteile ihres Erzeugers Uwe. Dabei hatte er gar nichts böses getan, außer sie zum Sammelpunkt zu chauffieren. Das Wetter verhielt sich allerdings nicht präsidial – besser gesagt, goß es wie aus Eimern. Trotzdem kam der Troß zügig voran.

09.06.2001 – Die Anreise zum Schneidlhof / Dorf Tirol

Gleich beim ersten Halt (in der hochherzoglichen Hopfenplantage) wurde man der ersten Kuriosität gewahr: Auf dem Fahrradträger eines fahrbaren Hauses aus dem Sachsenland war neben den hochwertigen Mountain-Bikes der Wagenlenker auch das kleinkindgerechte Boby-Car befestigt. Die Vorstellung, wenn beim familiären High-Speed-Downhill der kleine Uwe-Jens Enrico Jablonski zwangsweise seinen Vater überholt, macht klar, warum der DDR-Sport der restlichen Welt so haushoch überlegen war. Und weiter gings… Nachdem festgestellt wurde, warum es in München regnet (nämlich weil sie es verdient haben), überquerte man die erste Grenze. Durch schmerzhafte Erfahrungen aus den vorangegangenen Jahren schlauer gemacht, versteckten sich die Österreicher in ihren Hütten und zitterten. Am Parkplatz Vahrn in Südtirol überschlugen sich dann die Ereignisse: Zunächst versuchte sich Dominik von Zelchingen selbständig aus dem Oheimschen Donnerschlitten zu befreien. Nachdem er unter dem Hohngelächter der Restfamilie minutenlang versucht hatte, sich geschickt, normal und vor allem wach darzustellen, fragte ein vorbeikommender Nürnberger, ob man wohl einen Schwerbehinderten dabei habe. Aufgrund des rauhen Aussehens der Familienrotte dachte er wohl, daß man einzig zum Verhöhnen so ein bedauernswertes Geschöpf angeheuert habe. Aber es war ja nur der Dom.

Kurz nachdem Anführer und Präsident Heinz von der Nordstraße durch eine adlig donnernde Flatulenz zum Aufbruch mahnte, zeigte ein türkischer Mitbürger, daß er absolut keinerlei Ahnung vom Ausparken und Bremsen hat. Trotz eines gesammelten Warnrufes des gesamten Clanes setzte er mutig seine Rückwärtsfahrt fort und rammte mit seinem VW-Bus Baujahr 1962 das edle Urlaubsmobil des Fredewart (in diesem Jahr Leibkutscher des Präsidenten) an der Seite. Leider waren die Helebardiere der Familie gerade unabkömmlich, sonst wäre der muselmanische Wagenlenker wohl kaum lebendig davon gekommen. Spontanenthauptungen gehören nämlich zu den Spezialitäten der Ernst-Armee. Da sich Hakan Autonoglu nach einer Intervention seiner Gattin Güngör denn doch einsichtig zeigte, nachdem er zuvor abstreiten wollte, der Unglücksfahrer gewesen zu sein (der Tropf hatte gar nicht gewußt, in welcher Gefahr er schwebte), regelte Fredewart das Unheil auf bürokratische Weise. Hakan wollte sich jedoch nochmals von der Tatsächlichkeit seiner Schuld überzeugen und besorgte sich einen amtlich anerkannten und beglaubigten Präzisionsmeßzweig. Mit diesem mikrometergenauen Instrument nahm er nochmals Maß und ließ hernach den Kopf deprimiert hängen, da er von Stund an die Hosen in seiner Familie mit dem Kopftuch seiner Ehefrau tauschen mußte. Traurig warf er das Vermessungsgerät ins Gebüsch. Oheim dokumentierte den Schaden am präsidialen Gefährt mit der neu erworbenen Digitalkamera. Dies beeindruckte Güngör zutiefst und sie fragte, wo man dieses Wunderwerk der Technik erworben hatte. Dies wiederum brachte den Kamerabesitzer in einen Zwiespalt, da er wahrheitsgemäß die Antwort „Aldi“ zu geben hatte. Güngör glaubte ihm nicht.

Man wurde einig, den mit einem Fluch belegten Rastplatz in Zukunft zu meiden und der Familienluftwaffe den Befehl zu geben, diesen Autohof mit Napalm zu bombardieren. Zuviel Ungemach ging von dieser Stelle bereits aus!!! Als man den Bestimmungsort schon beinahe erreicht hatte, stellte sich ein wackerer, ungefähr 112 Jahre alter Streiter in den Weg der Horde. Angetan mit einem Kampfhut und einer Rüstung aus dem Hause VW schreckte er nicht einmal davor zurück, verbotene Wege zu betreten, um die Familie in Verwirrung zu stürzen. Allerdings hatte er nicht mit der mittlerweilen Unerschrockenheit des Oheim gerechnet, der furchtlos an ihm vorbei stürmte und ihn mit Unterstützung des Fredewart in die Zange nehmen konnte.

Nach Einnahme der Begrüßungsmedizin machte man sich auf zu Bäcker Sparber, der in diesem Jahr die wohl beste Begrüßungstorte aller Zeiten kredenzte. Die darauf enthaltene Überdosis Knoblauch führte bei einem größtenteils haarlosen Familienmitglied zum unkontrollierten Haarwuchs, was vor allem Annemarie restlos begeisterte. Nachdem man sich zur verdienten Ruhe gelegt hatte, versammelte sich der Clan am Abend vor der Herberge, um (bei nun trockenem Wetter) in aller Gemütlichkeit einen Eimer Wein zu leeren. Unterdessen ereignete sich der erste Putschversuch. Kronprinzessin Melle . inspiriert durch nepalesische Vorgänge . sperrte ihren Vater und Präsidenten unglaublicherweise in der Hoflatrine ein, um ihn dort elend verhungern zu lassen! Allerdings konnte First Lady Inge ihre Durchlaucht schnell befreien. Das Strafmaß für diese Revolte wird von der Clanjudikative zum geeigneten Zeitpunkt festgelegt werden!

Und – man konnte es kaum glauben – auch Dominik zeigte die ersten Regungen eines Lebendigen! Vor allem, als er aufgrund eines Mangels an Gabeln gezwungen wurde, die servierten Eier mit Speck mit Löffel und Messer zu vertilgen. Besonders interessant war hier, daß er den Löffel zum Schneiden verwendete.

Sonntag, 10.06.2001: Regen – Tiroler Kreuz zum Farmerkreuz

Als sich der Clan am Morgen aus den Federn wälzte, klopfte immer noch der Regen sein trauriges Lied auf das Dach der Herberge. Es hatte auch nicht den Anschein, als wollte sich dies in den nächsten 8 Wochen ändern. So tat man das einzige, was in einer solchen Lage als vernünftig erscheinen konnte: Man begann gleich nach dem Frühstück mit dem Saufen. Während des Frühschoppens langte noch ein Hilfegesuch der bereits erwarteten Verbündeten aus Obersteben (Amelie, Reggi und Hanso) an das Ohr des Verbindungsoffiziers Oheim. Im Rahmen dessen machte man den Antragstellern klar, daß die Anreise noch am heutigen Tage zu erfolgen habe, da sonst die Vorherrschaft in Gefahr geraten könnte. Danach gings zum Mittagessen in ein neu zu erforschendes Lokal (das man mutig trotz der Warnung der Frau Wirtin aufsuchte). Beim Eintritt in den dortigen Gastraum mußte man zunächst durch grimmige Blicke für den nötigen Respekt sorgen. Nach dem Mahl, welches nicht einmal so schlecht war, beschloß ein kleines Häuflein der Aufrechtesten, trotz des garstigen Wetters eine kurze Wanderung auszuführen, die vom Tiroler Kreuz zum Farmerkreuz führte. Der Rest blieb daheim und ruhte sich vom anstrengenden Essen aus.

Das einzig bemerkenswerte an diesem Tag war die Ankunft der Verbündeten sowie die erneute Knoblauchdröhnung einiger Familienmitglieder. Zumindest galt dies bis 22 Uhr. Dann brachen plötzlich alle Dämme. Warum, weiß keiner. Ein Indiz wäre die auf dem Tisch angelangte Flasche Feuerwasser, die Bärhard Färber zur Feier des Hochzeitstages spendiert hatte…

Volker vom Grunde nutzte plötzlich die Gelegenheit, sich als Alleinunterhalter zu präsentieren. Dabei zeigte er größten Enthusiasmus. Zum Bedauern aller beschränkten sich jedoch Talent und Programmvielfalt auf ein 5-Minuten-Programm; was Volker allerdings nicht besonders störte. Er dehnte nämlich den berühmten Sketch „Scharf . unscharf“ mit Unterstützung durch eine Lesebrille auf 50 Minuten aus. Melle (auch nicht mehr ganz frisch) ließ sich von diversen anwesenden Männern mit Bauchspratzlerern verwöhnen, wobei sie ihren Unmut durch lautes „Yieeeehhhhaaaaaa“-Rufen kund tat. Hinterher verzehrte sie auf wahnsinnig ekelhafte Weise einen zellophanverpackten Weichkäse. Volker schlemmte unterdessen Leberwurst, Marmelade und Kondensmilch mitsamt der Verpackung. Sein Ballaststoffhaushalt scheint gesichert…

Familienherold Ben traf, nachdem er bereits sein Schlafgemach aufgesucht hatte, zu später Stunde mit einer hochnotdringlichen Nachricht ein. Als er und seine Mutter Andrea von Zelchingen im Anbau der Herberge angelangt waren, bemerkten sie den Familien-Quästor Fredeward, der ziemlich orientierungslos dort herumirrte. Nachdem man ihn nach seinem Begehr befragt hatte, gab er nur äußerst kryptische Auskünfte. Als er sich jedoch dem Lager seines Ältesten Dom näherte, sich in eindeutiger Pose vor dem Nachttisch aufbaute und die oberste Schublade öffnete, war es an der Zeit, einzuschreiten! Ansonsten hätten Doms Habseligkeiten eine völlig andere Farbe und einen total anderen Geruch angenommen. Auch wären sie durchaus etwas liquider geworden… Für alle, die es immer noch nicht geschnallt haben: Er war im Begriff, das Möbel als Urinal zu mißbrauchen. Nach einer eindringlichen Intervention seiner Restfamilie ließ sich Fredeward jedoch willig den Weg zur Toilette weisen…

Kurze Zeit später trat zum ersten Male der urlaubsmäßige Super-Gau ein: Sämtlicher Alkohol in der Kammer war vergriffen. Da keiner so verwegen war, den Abend mit Limo oder Pejo abzurunden, löste sich die Gesellschaft bereits gegen 2 Uhr auf. An diesem Tag bewahrheitete sich eine alte Weisheit: Man soll den Tag nie vor dem Abend abschreiben!!

Montag, 11.06.2001: Tappeinerweg nach Meran

Zur großen Freude aller hörte das Wetter endlich mit der Regenkacke auf und man konnte es wagen, leicht geschürzt den ersten gemeinsamen Spaziergang zu unternehmen. Man lenkte den Schritt via Tappeinerweg nach Meran, da die örtliche Einwohnerschaft immer sehr interessiert daran ist, zu wissen, wenn der Clan da ist. Somit wollte man sich dort auch zeigen. Kurz nachdem man sich auf den Weg gemacht hatte, bemerkte man zur allgemeinen Bestürzung, daß der Bushaltestellen-Erfrischungs-Kiosk ein Opfer internationaler Immobilien-Intrigen geworden war. Vielleicht hatte das Häuschen auch nur die Schnauze voll gehabt und sich verpißt. Dies wird wohl niemand jemals erfahren. Auf altbekannten Pfaden schritt man der ersten Rast entgegen, die an der beliebtesten Oase angetreten wurde. Man suchte sich Sonnenplätze, bestellte sich das Getränk seiner Wahl (meistens Weizenbier) und mußte Obacht geben, damit man nicht vom auf dem Balkon lauernden Wachmonster „Harro vom zerbissenen Oberschenkel“ zum Frühstück verspeist wurde. Dieses Ding ist von einer derart haarigen Größe, daß es wohl täglich mit 200 fetten, lebendigen Meerschweinchen gefüttert werden muß, damit es nicht vom Fleisch fällt. Aus unerfindlichen Gründen beschwerte sich Fräulein Annemarie am Tisch der Altvorderen darüber, daß sie von den anderen angespuckt worden sei. In Meran angelangt, lenkte ein Teil der Familie den Schritt sogleich zum Forst-Brauhaus, um dort zum einen die Großglas-Saison zu eröffnen und zum anderen das Mittagsmahl einzunehmen. Dort wurde man der Leibgoldschmiedin gewahr, die von früheren Besuchen her besonders durch ihr lückenhaftes Gebiß aufgefallen war. Dieser folgte man auf dem Fuß, um edles Geschmeide zu erwerben. Oheim kaufte sich einen schweren Schlagring (zur besseren Verteidigung). Gemeinsam mit Spaßminister Micha erwarb der gleiche Mensch das berühmte Arbeitsamtszeichen am Bande ohne Band.

Hernach begab man sich auf den Weg nach Hause. An der Bushaltestelle formierte sich der Familienverband wieder zum lockeren Geschwader. Melle erhielt eine Kopfwäsche der besonderen Art im Wartewasserfall, was einige dort herumstehende Teutsche Pörger zum verständnislosen Kopfschütteln animierte. Ter teutsche Pörger lacht nächt im Orlaub! Ond er hat auch keinen Spaß! Erbläckt er einen anderen Teutschen, der Onfog treibt, hat er ähn sofort mät Mäßbällägong zo strafen!

Ons war das worscht!

Am Abend verblieb man in der Herberge, wo der herausragende Vorfall war, daß Melle nicht betrunken war.

Dienstag, 12.06.2001: Besuch der Forst-Brauerei

Der geplante Besuch in der Forst-Brauerei verzögerte sich um einige Minuten, da dem Junker Ben frühmorgens noch eine eitrige Fußzehe zu entfernen war. Bei Rückkehr machte er einen so leidenden Eindruck, daß sich ein Großteil der Familie dazu veranlaßt sah, in schallendes Gelächter auszubrechen. Mit einer frisch angebrachten Fußprothese konnte sich aber auch unser Pilzkopf der Exkursion anschließen. Als man im Land, wo Bier und Bockbier fließt, angekommen war, orderten Melle und Volker eine Grillplatte, die locker dazu ausgereicht hätte, drei bis vier mittlere Hungersnöte in Äthiopien zu stillen. Zu ihrer Ehrenrettung muß jedoch gesagt werden, daß sie zum Vertilgen noch 2, 3 andere Familienmitglieder zusätzlich in Anspruch nehmen mußten. Nachdem alle gesättigt waren, kehrte man mit dem Bus nach Meran zurück. Auf dieser Fahrt erfreute Hanso den Clan mit lustigen Hangelkunststücken in der Takelage des öffentlichen Verkehrsmittels, die er auch noch mit spaßigen Grimassen unterstützte. Da bis zur Ausreise gen Tirol noch Zeit war, machte man sich daran, den örtlichen Spar-Markt zum großen Teil aufzukaufen. Der große Renner an diesem Tage war der geräucherte Mozarella. Oheim konnte als dritter Einkäufer der Familie gerade noch einen erhaschen. Hanso und Reggi durchsuchten das gesamte Käseregal, gingen aber leider leer aus… Tja, wenn der Clan voraus geht, bleibt eben nur noch verbrannte Erde zurück!

Bei der Wartezeit überbrückenden Einnahme eines neuen Weizenbieres wurde Volker vom Grunde von einer todesmutigen Taube auf das Bein geschissen. Diese konnte allerdings so viel nicht dafür, da an der Stelle, an der Volker seinen Stuhl postiert hatte, wohl der öffentliche Taubenlokus der Stadt angelegt ist.

Das Abendessen bestand zum größten Teil aus geräuchertem Mozarella. Abgesehen vom Abendessen der Hansos…

Dafür gelang es allerdings Fredewart und Meister Horn, den Sägewerksinhabern von Zimmer 7 eine Flasche Wein aus dem Kreuz zu zocken. Nachdem diese eingenommen war, machte gegen Ende des Abends Melle eine wundersame Wandlung durch. Als nämlich die rauschdämpfende Wirkung der Monstergrillplatte vom Mittag langsam erlosch, wurde die „Knüppel-Wix“, die sie sich zugezogen hatte, langsam öffentlich. Beim Aufsuchen Ihres Gemachs überprüfte sie das Mauerwerk der Unterkunft auf Festigkeit, indem sie links und rechts mit den Schultern anschlug.

Mittwoch, 13.06.2001 . Halleluja! Wallfahrt zur Greiter-Brauerei

Ernst Clan Greiter Alm / Bier

Ernst Clan Greiter Alm / Bier

Es war so weit! Die Wallfahrt zur Greiter-Brauerei stand auf dem Programm! An der Bushaltestelle in Meran, an der man den Bus für den Aufstieg besteigen wollte, stellte Annemarie ihre stimmlichen Fähigkeiten unter Beweis, als ihr Hut im Bus liegen blieb und ihr das auffiel. Ihr ausgestoßener Schrei machte die Anhaltebemühungen von Frau Inge quasi unnötig, da durch die hohe Frequenz bereits die Dieselleitung des Gefährtes geplatzt war. Der Hut war wieder da . alles in Ordnung! Abgesehen von den Herzschrittmachern zweier Passantinnen, die leider den Geist aufgaben. Allerdings bereichert dies die Urlaubskasse des Clans, da die Abschußprämien in diesem Jahr sehr gut sind. Auf dem Fußweg zur Greiter verhärteten sich die Waden des Oheimes derart, daß er den Restweg nur noch rückwärts bewältigen konnte. In der Greiter angekommen, machte man sich sogleich auf, einen neuen Rekord zu erzielen. Das Wetter war genial, das Bier lief ohne Ende und das Essen schmeckte vorzüglich. Hier muß man allerdings noch einfügen, daß Junker Ben von einer Hauswurst übelst vollgeschleimt wurde. Zur Strafe schlitzte er das Nahrungsmittel (das vermutlich österreichischen Ursprunges war) der Länge nach auf und fraß das noch zuckende Ding langsam und sadistisch auf.

Als ein Teil der Familie bereits per Bus zurückgereist war, handelten die Verbliebenen mit dem Brauereikappo den Preis für ein Faß des edlen Gesöffs aus, das der Verbündete Hanso in seiner edlen Kutsche zurück nach DT transportieren konnte. Nachdem der Rekord gebrochen war (sieben Stück), eilte die Gang zurück ins Tal. In diesem Jahr wurden sie sogar von winkenden und kreischenden Groupies überholt! Seltsamerweise genoß ein Teil der Faßkäufer am Abend nur noch alkoholfreie Getränke… Färbi legte sich gar bereits um halb neun Uhr in die Kiste (also das Bett). Dies brachte die Schlafgewohnheiten der Sägewerksinhaber irgendwie durcheinander, denn Micha fühlte sich vom leichten Atemgeräusch des Oheim über Gebühr belästigt und schlug ihm nach und nach einen blauen Arm. Dem Oheim tat dies so leid, daß er am Ende sein Lager auf den Fußboden verlegte. So war das Problem gelöst: Entweder war das Geknarre nun für den Belästigten nicht mehr so laut oder Oheim konnte nicht mehr getroffen werden. Plan B traf schließlich zu…

In einem anderen Flügel der Herberge ereigneten sich gar unheimliche Dinge: Dom von Zelchingen erlitt mitten in der Nacht einen Musikanfall. Dies bedeutete, daß er unbedingt und jetzt und gleich und überhaupt so laut als möglich NoFX oder einen sonstigen Wohlklang haben mußte. Dies setzte er in die Tat um. Nachdem der gesamte Flügel zusammengelaufen war und ihn zur Rede stellte, gab er zur Begründung an, daß ihm manchmal Tentakel aus dem Kopf wüchsen und er seinen Freunden damit das Blut aussaugen würde. Außerdem bezeichnete er seine Eltern als „Harald Schmidt und Harald Schmidt Frau“ …

Donnerstag, 14.06.2001: Falzeben und sonstige Überraschungen

Für diesen Tag war bestes Sommerwetter angesagt. Es sollte der heißeste Tag der Woche werden. Dies nutzte man aus, um eine Wanderung in höheren Gefilden auszuführen. Zunächst fuhr man mit den fürstlichen Droschken in große Höhen, wo bereits eine Hochgeschwindigkeits-Sänfte auf den Clan wartete. Als man sich gruppenweise in die Kabinen scharte, fiel plötzlich auf, daß sämtliche Wagenlenker der Familie in einer versammelt waren. Scherze über abstürzende Bahnen waren nun unvermeidlich. Was hätte man gelacht, wäre ausgerechnet diese Sänfte abgestürzt! Die anderen hätten sehr blöd geschaut, wenn sie zu Fuß nach Hause hätten gehen müssen!

Oben ging es, wie es nun im Gebirge halt mal ist, sofort tierisch bergauf, was die präsidiale Familie dazu bewog, umgehend den Rückzug anzutreten. Hätten sie gewußt, welch edle Gastwirtschaft am Ende wartet, hätten sie sich das sicher nochmals überlegt. Man verspeiste eine geniale Aglio-Oglio-Peperoncino-Spaghetti-Komposition, trank einen unvermeidlichen Willi und freute sich des Lebens in großer Höhe (über 2000 m). Auf der Rückfahrt mit der Sänfte stellte Volker vom Grunde fest, daß der Boden der Seilbahn nicht gerade einen festen Eindruck machte. Melle fand dies nicht besonders lustig und Volker hätte sich beinahe ein blaues Auge eingehandelt. Außerdem reizte die Vorstellung, daß es zwar bis zum Boden nicht besonders tief war, ein Absturz allerdings eine waschtrommelmäßige Rollerei bis zum Tal nach sich gezogen hätte. Da niemand Waschpulver dabei hatte, verzichtete man jedoch auf diesen Megaspaß. Färber (der als Zurückgebliebener den familiären Auftrag erhalten hatte, das edle Naß zu kühlen), hatte unterdessen gemeldet, daß das mit Spannung erwartete Greiter-Faß explodiert sei. Keiner glaubte ihm …

Alle kehrten wohlbehalten in die Herberge zurück und freuten sich fortan auf die abendliche Nudel- und Bierparty. Alles war gerichtet, die Pasta fast fertig, das Bier angestochen. Nun fehlte nur noch die Waschung der Krüge. Idealer Platz dafür war die Sprühtonnen-Auffüllanlage des Schneidl-Hof. Als alle mit drei bis vier Gläsern zur Hand unter dem kühlen Bergwasserstrahl versammelt waren, geschah etwas völlig unerwartetes! In die Glasreinigungskonzentration brachen plötzlich zwei schüchterne „Hallo“s … Interessiert drehte sich das Waschkommando um und Dom hätte beinahe die Trinkgefäße fallen lassen. Völlig verwirrt blickte er von einem zum anderen und wieder zurück. Zwei der berühmten, aber dem größten Teil der Familie bisher noch völlig unbekannten, „Schnicksies“ standen vor ihm! Er überlegte lange, was er denn in diesem Moment passendes und intelligentes sagen könnte. Dann fiel es ihm ein: Er hob an und sprach . „Hi. Wos macht denn ihr dou?“. Diese feinen Fräuleins waren doch tatsächlich zum Spaß und zur Erbauung des Clanes nach Dorf Tirol gereist! Zur Belohnung durften sie am Nudelessen mit teilnehmen und es wurde ihnen sogar Bier angeboten. Zur Erleichterung der Familien-Schluckspechte lehnten sie jedoch vornehm ab. Später in der Nacht machten sich Volker und Färber auf eine Exkursion in die Freiluft-Sportszene von DT auf. Höhepunkt der Veranstaltung war ein gemeinsames Federtier-Reitturnier, das jedoch für Micha einen unbefriedigenden Verlauf nahm. Das gewählte Roß war nämlich zu schwach und neigte sich sofort nach dem Aufsteigen völlig erschöpft auf die Seite. Für nächstes Jahr wird ein Antrag auf Bereitstellung eines tiefer gelegten Zweifedern-Schlachtrosses gestellt.

Freitag, 15.06.2001: Letzte Erledigungen in Dorf Tirol und auf der Greiter

Wie gewohnt wurden am letzten Tag die letzten Besorgungen für die Heimfahrt erledigt. Es mußte zum Teil noch Gold und Geschmeide abgeholt werden. Ein Wegfall dieser Geschäfte mit dem Clan würde für den Urlaubsort den totalen Zusammenbruch des lokalen Wirtschaftswachstums bedeuten und halb Südtirol in den Abgrund stürzen. Davon gibt es dort ja genug. Ein kleines Häuflein des Clans wagte nochmals den motorisierten Aufstieg zur Greiter, um dem Braumeister ein Lob auszusprechen und ihm die dankenswerterweise ohne Pfand überlassenen Gläser sowie das Faß zurück zu bringen. Das Wetter war wieder erste Sahne. Daher beschloß man, das Mittagsmahl im Biergarten einzunehmen. Die Bestellung des Oheim schien jedoch falsch verstanden worden zu sein. Er bestellte einen Kalbsbraten. Was man ihm brachte, war jedoch ein vollständiges Kalb, das man zum besseren Verzehr in Scheiben geschnitten hatte. Micha brachte den normalerweise stoisch ruhigen Wirt für einen Moment in . Wallung, als er nach einem Job fragte. Der Chef dachte nämlich zuerst, daß er „für alle“ gemeint hatte! Und das hätte wohl nicht einmal die Greiter-Crew moralisch und nervlich ausgehalten! Die Nennung der Email-Adresse des Clan-Webmasters lockte sogar ein laut vernehmliches Lachen aus der Kehle des Wirtes.. Eine unglaubliche Emphase!!

Den Nachmittag ließ man gemütlich ausklingen und man genehmigte sich noch einen Nachttrunk aus Wein und den Restschnäpsen.

Samstag, 16.06.2001: Heimfahrt

Der Tag der Heimreise war trefflich gewählt, denn schon in der Nacht zuvor begann es wie aus Eimern zu schütten. Dies hielt beinahe während der ganzen Fahrt an. Abgesehen von einem Stau bei München (wo sonst?) verlief alles ruhig. Nur zwei Audi-Fahrer in ihren selber erbuckelten Firmen-TDIs mußten auf der dicht befahrenen Autobahn den großen Maxen markieren. Sie verhielten sich im Straßenverkehr wie kleine Kinder, die „ich will, ich will, ich will!!!“ blöken. Sie versuchten nämlich, alle 2.536 Autos, die sich vor ihnen auf der linken Spur der Autobahn befanden und „nur“ 170 fuhren, aus dem Weg zu blinken! Die Deppen sterben halt nie aus… Die rechte Spur war von Wohnmobilen beinahe verdeckt. Allerdings mußten diese zuweilen auch gleich zu dritt nebeneinander fahren, da eines 1 km/h schneller war als das andere. Oheim wünschte sich aus gegebenem Anlaß für Weihnachten und Geburtstag zusammen eine Panzerfaust mit viel Munition….

 

© 2001 by OHEIM66(6)

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