CBDonnerstag KW35/2020: CBD (Cannabidiol) bei Zwangsstörungen (OCD)

Nachdem ich zum letzten CBDonnerstag meine persönliche Geschichte zum Thema „CBD und Magersucht“ mit euch geteilt habe, geht es heute wieder differenzierter zur Sache. Beim Thema psychische Erkrankungen bleiben wir allerdings, denn heute beschäftigen wir uns mit Zwangsstörungen und ob CBD dabei helfen kann.

Zwangserkrankungen – mehr als die Frage nach der verschlossenen Haustür

CBD (Cannabidiol) bei Zwangsstörungen (OCD)
CBD (Cannabidiol) bei Zwangsstörungen (OCD)

Gewisse zwanghafte Gedanken oder Handlungen kennt praktisch jeder von sich selbst: Viele kontrollieren vor längerer Abwesenheit mehrfach, ob alles abgeschlossen und ausgeschaltet ist, auch wenn man sich eigentlich sicher ist, alles gemacht zu haben. Wer ist nicht schon mal sicherheitshalber noch einmal zurück in die Wohnung gelaufen, weil er sich überzeugen wollte, dass der Herd wirklich abgeschaltet ist? Mein persönlicher Kryptonit: Das Bügeleisen.

Mehrmals habe ich kurz vor dem Ausgehen eine Klamotte gebügelt und dann den halben Abend darüber gegrübelt, ob ich es wohl ausgeschaltet habe. Das Gedankenkarussell dreht sich da dann ja munter weiter: Passiert überhaupt etwas, wenn es eingeschaltet, aber aufgestellt am Bügelbrett steht? Wie lange dauert es, bis so ein Bügelbrettbezug Feuer fängt? Kann und wird mich die Feuerwehr erreichen? Jedes Mal waren die Gedanken völlig umsonst, 99 % meines Gehirns wusste das auch, aber das eine Prozent schaffte es, mir den Abend zu versauen.



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Dennoch – mit richtigen Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen hat das alles noch lange nichts zu tun. Eine Zwangsstörung liegt dann vor, wenn der Betroffene massiv darunter leidet und sein Alltag eingeschränkt ist. Wer unter einer Zwangserkrankung leidet, fühlt sich oftmals dazu gezwungen, bestimmte Handlungen immer wieder zu wiederholen, bzw. als Ritual auszuführen. Manche zählen Pflastersteine, weil sie nur auf jeden fünften auftreten wollen. Manche öffnen und schließen Türen und Schubladen mehrmals hintereinander, weil sie alle Tätigkeiten drei Mal ausführen „müssen“. Einige waschen sich auch ewig Hände und Körper, auch wenn die Haut schon total rot und geschädigt ist. Die Zwänge können sich auch in übermäßigem Horten von Dingen äußern (Messie-Syndrom) oder gegen sich selbst richten (Haut aufkratzen, Haare ausreißen).

Sehr komplexe Zwangsrituale

Mit diesen Handlungen versuchen die Patienten, unerwünschte Bilder oder Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Manchmal sind die Ursachen dafür traumatisch, beispielsweise durch eine Vergewaltigung entstanden. Jedenfalls dienen die Zwänge als Bewältigungs- und Ablenkungsmanöver. Ein Problem ist, dass mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt eintritt und die Zwangsrituale immer komplexer und ausführlicher werden, bis sie die gewünschte „Wirkung“ (Ablenkung, Entspannung) bringen. Wenn Betroffene ihre Handlungen und Rituale nicht ausführen können, stehen sie unter ungeheurem Druck und Anspannung.

Die an einer Zwangsstörung Erkrankten wissen üblicherweise, dass ihr Verhalten unsinnig ist und in der Öffentlichkeit manchmal belächelt wird. Deshalb bedeutet ein Leben mit einer Zwangsstörung eine große Anstrengung, denn neben dem erlebten Trauma etc. wird auch meistens versucht, die Krankheit in der Öffentlichkeit zu verbergen. Ist das aufgrund der starken Ausprägung nicht mehr möglich, leben die Betroffenen meistens sehr zurückgezogen und isoliert, während sich ihr Leben nur mehr um die selbst auferlegten Zwänge dreht.

Rund 1 bis 3 % der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von einer Zwangserkrankung betroffen, die Dunkelziffer jener, die nicht in Behandlung sind, ist mit Sicherheit beträchtlich. Bei Männern treten eher Kontrollzwänge auf, während Frauen häufiger von Putz- oder Waschzwängen betroffen sind. Meistens geht eine Zwangsstörung mit Depressionen und/oder einer Angststörung einher. Auch Kinder können von Zwangsstörungen betroffen sein, meistens in Zusammenhang mit einer Lebenskrise bzw. massiven Konfliktsituationen. Häufig treten Zwangserkrankungen zu Beginn des Jugendlichenalters auf.

CBD (Cannabidiol) bei Zwangsstörungen (OCD)
CBD (Cannabidiol) bei Zwangsstörungen (OCD)

Wie entstehen Zwangsstörungen?

Eine erbliche Vorbelastung wird aufgrund von Familien- und Zwillingsstudien diskutiert, dies alleine ist jedoch nicht Auslöser genug. Meistens kommen belastende oder traumatische Ereignisse hinzu. Wie man inzwischen weiß, ist auch der Frontallappen des Gehirns bei Menschen mit Zwangserkrankungen überaktiv. Der Frontallappen ist unter anderem zuständig für die Koordination von motorischen Abläufen. Menschen, deren Frontallappenregion durch einen Unfall oder einen Tumor beschädigt wurde, entwickeln ebenfalls überdurchschnittlich häufig Zwangsstörungen.
Und jetzt kommen wir endlich zur Überleitung zum CBDonnerstag, denn ihr fragt euch wahrscheinlich schon längst, wie lange meine Vorlesung „Psychiatrie light“ noch dauert. Und zwar stehen Zwangserkrankungen auch in Zusammenhang mit dem Serotoninspiegel. Eine Erhöhung des Serotoninspiegels kann Menschen mit Zwangserkrankungen helfen – und da kommt CBD ins Spiel.

Behandlung von Zwangsstörungen

Ohne eine Verhaltenstherapie kann eine Zwangsstörung üblicherweise nicht geheilt oder gebessert werden. Deshalb ist unser Tipp mit CBD wieder als Ergänzung dazu zu sehen, was Arzt bzw. Psychiater verordnet haben.

Inzwischen gibt es bereits einige medizinische Studien, welche die Wirksamkeit von CBD bei Zwangserkrankungen belegen. Eine recht aktuelle stammt aus dem Jahr 2015 von Esther Blessing und Maria Steelenkamp et. al., publiziert im Springer Verlag „Cannabidiol as a potential treatment for anxiety disorders„. Auch im Tierversuch zeigte sich CBD bei Angststörungen und depressiver Verstimmung wirksam. Wenn ich noch einmal kurz wissenschaftlich werden darf: CBD wird inzwischen eine anxiolytische, antipsychotische und antiepileptische Wirkung bestätigt. Das heißt, es handelt sich um ernst zu nehmende medizinische Wirksamkeit und nicht um Geschwurbel irgendwelcher Hanfliebhaber mit einem dicken Joint zwischen den Lippen. Wie lange Cannabidiol trotzdem noch gegen dieses Image ankämpfen muss, frage ich mich allerdings…


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Neben einer Verhaltenstherapie werden oftmals Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer verschrieben, wie sie auch bei Depressionen zum Einsatz kommen. Dabei sind die Nebenwirkungen jedoch nicht zu unterschätzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, verminderter oder vergrößerter Appetit gehören zu den häufigen. Neuroleptika kommen zum Einsatz, wenn Ängste oder Depressionen im Vordergrund stehen. Natürlich rate ich euch keinesfalls dazu, diese Medikamente abzulehnen oder auf eigene Faust zu reduzieren. In Absprache mit dem behandelnden Arzt kann CBD jedoch dazu beitragen, dass die Nebenwirkungen auf ein erträgliches Maß reduziert werden, bzw. dass mit der Zeit eine geringere Dosis des Medikaments eingenommen werden kann.

Zauberwort „Endocannabinoidsystem“

Ihr erinnert euch an das Zauberwort „Endocannabinoidsystem“, mit dem ich quasi jeden CBDonnerstag die Wirksamkeit von CBD zu erklären versuche. Ich glaube, diesen toll klingenden Satz habe ich noch nie eingebracht: Das Endocannabinoid-System schützt vor einer Übererregung des zentralen Nervensystems. Außerdem balanciert es diverse Gehirnaktivitäten durch die Aktivierung von CB1-Rezeptoren aus.

CBD kann außerdem den Betroffenen beruhigen, so dass eine Abschwächung der Zwangshandlungen möglich ist, bzw. die Zeit besser ausgehalten werden kann, bis man den Zwängen nachgeben kann.

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Autorin: CBDoris

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