FREITAG

Tradition verpflichtet und auch in diesem Jahr bricht das Festival nicht mit der schönen Tradition, den Openerslot an eine Thrashband zu vergeben. Es ist bereits gut was los, als SPACE CHASER die Bühne betreten. Die Hauptstädter moshen sich in bester Anthrax-Manier durch ihr 40-minütiges Set und sorgen schon nach ein paar Songs für den ersten Circlepit des Festivals. Starker Einstand!

Trotz einer akuten Knieverletzung, möchte Paul Di’Anno auf seinen Auftritt nicht verzichten. Zumal einige Recken der ARCHITECTS OF CHAOZ hier im Ruhrpott ein Heimspiel haben. Der Shouter, der mit seinem punkigen Organ die ersten beiden Iron Maiden Alben veredelte, macht auch im Sitzen eine gute Figur und noch wichtiger: er ist unglaublich gut bei Stimme! Das Material des Ende Mai erscheinenden Albums „The League of Shadows“ zündet gut. Durch Pauls Ansagen inklusive Genesungswünsche an seinen Maiden Nachfolger Bruce Dickinson, wird die Show zu einer runden Sache. Natürlich entlassen uns die Architekten an diesem Nachmittag mit dem Klassiker „Killers“, der von den Fans aus voller Kehle mitgesungen wird. Get well soon, Paul – it’s been a pleasure to have you here!

Noch mehr Futter für die Old-School-Fraktion bieten danach FLOTSAM & JETSAM. Die 1984 in Arizona gegründeten Thrasher verwöhnen uns mit Material ihrer beiden Zuckerscheiben „Doomsday for the Deceiver“ und „No Place for Disgrace“. Wie bereits auf dem letztjährigen KIT, bleiben keine Wünsche offen, als sich die Band, deren Bass einst Jason Newsted bediente, nach einer Dreiviertelstunde mit „Hammerhead“ verabschiedet.

Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass PENTAGRAM als amerikanisches Gegenstück zu den Szenenbegründern Black Sabbath verstanden werden können. Bereits ein Jahr, nachdem 1970 das Debütalbum der Briten um Ozzy Osbourne erschien, begann Bobby Liebling Musik zu machen. Dass es schlussendlich, mehr als eine Dekade später, die erste Langrille von Pentagram zu hören gab, ist diversen Umständen geschuldet. Wer hier tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem kann ich die Dokumentation „Last Days Here“ empfehlen. Als Bobby, wie immer in „geschmackvoller“ 70s-Retromontur, die Bühne betritt, ist das weite Halbrund fast bis auf den letzten Platz belegt. Was uns die Amis dann in der nächsten Stunde bieten, macht einfach nur Spaß. Klassiker reiht sich an Klassiker, Victor Griffins Riffs knallen kraftvoll durch die Boxen und die Stimmung erreicht ihren ersten großen Höhepunkt, als sich die Herren schließlich mit „Be Forewarned“ verabschieden. Ganz großes Doomkino!

Abschließend wird es düster in Gelsenkirchen. Mit der sich einschleichenden Dämmerung wird es Zeit für den Freitagsheadliner: Die NWOBHM-Legende und Black Metal-Szenenstifter VENOM entern das Amphitheater! Cronos und seine Mitstreiter bescheren uns eine mehr als headlinerwürdige Show und lassen die Köpfe, sowohl auf den Rängen, als auch im Pit, kreisen.
Hier stimmt heute einfach alles und spätestens als wirklich ALLE die magischen Worte Black Metal zum letzten Mal grölen, versagt mir zum ersten Mal die Stimme. Atemberaubend guter Gig einer Ausnahmeband, die zurecht Generationen von Metalmusikern aller extremen Genres beeinflusst hat. Lay down your Souls to the Gods of Rock n Roll!

SAMSTAG

Mit der vollen Breitseite Death Metal startet Tag 2: DESERTED FEAR aus Eisenberg in Thüringen eröffnen den Samstag im Amphitheater. Mit ihrem zweiten Angriff „The Kingdom of Worms“ haben die Jungs eine der besten Todesbleiplatten des vergangenen Jahres abgeliefert und auch live ist die Formation einfach ein gewaltiger Schlag ins Gesicht. Die Spielfreude ist besonders Gitarrist Fabian total anzumerken, aber auch seine Bandkollegen zocken sich mit viel Spaß und Energie durch die 40 Minuten voller Nackenbrecher. Fazit: Wer den Schuss immer noch nicht gehört hat, muss wohl Taub sein, denn das hier ist DAS neue große Ding im deutschen Death Metal.

Mit dem Musclecar aus Mönchengladbach cruisen wir anschließend direkt Richtung Hooklinecity.
Irgendwo zwischen Hardrock, Stoner, Heavy Metal und straightem Rock n Roll parken MOTORJESUS ihre Karre. Klingt langweilig? Ist es überhaupt nicht! Die High-Energy-Show der Mannen um Frontsau Chris Brix packt uns ab der ersten Minute. Gute Riffs, treibende Drums und immer wieder Hooks die sich so sauber in meinen Kopf fräsen, dass mir sofort klar ist: spätestens zuhause wird die aktuelle Scheibe „Electric Revelation“ ihren Weg in meine Sammlung finden!

Nun folgt ein weiterer Leckerbissen: Die selten in Deutschland auftretenden Prog Thrash-Urväter VOIVOD pulverisieren die anwesenden Fans mit Lasergranaten wie „Tornado“ oder „The Prow“ mehr als mühelos. Die teilweise deftige Kost zwischen schnellem Thrash und verspielten Passagen, gekrönt von Snakes einzigartiger Stimme, funktioniert eben nicht nur aus der Konserve, sondern überzeugt mich auch live. Man darf hoffen, dass Voivod sich nicht wieder so lange Zeit lassen, bis man sie wieder in good old Germany begrüßen darf.

Doom mal anders, das ist das Credo von Leif Edlings (Candlemass) Supergroup AVATARIUM. Da das Wetter aber nicht wirklich viel Bock auf Doom macht und außerdem der letzte Spieltag der Bundesliga in vollem Gange ist, verziehen wir uns in den Biergarten. Dort haben sich bereits viele andere Fans versammelt, um die Bundesligakonferenz zu sehen.

Das nächste Konzert, zu dem wir uns wieder ins Theater begeben, ist auch gleichzeitig ein richtiger Kracher. Nevermore sind tot, lang lebe SANCTUARY! Mit “The Year The Sun Died” haben die Pioniere des Progressive Metals letztes Jahr ein starkes Lebenszeichen gesendet. Mit gutem Blick auf die Bühne freue ich mich auf das nun folgende Spektakel. Warrel Dane und seine Mitstreiter haben nichts verlernt und beglücken uns mit einer tollen Show, die natürlich hauptsächlich aus Songs ihrer beiden Klassikerscheiben „Refuge Denied“ und „Into the Mirror Black“ besteht. Aber auch das Material der neuen Platte funktioniert perfekt. Ich kann auf Nevermore verzichten, solange ich Sanctuary habe. Ganz starker Gig der Band aus Seattle!

Die Spannung auf die groß angekündigte Early-Days-Metal-Show der Düsseldorferin DORO steigt. Doch bereits nach dem Opener ist klar: das hier wird ein Auftritt, an den ich mich noch jahrelang erinnern werde. Fast ausschließlich Warlock-Songs präsentiert die „Queen of Heavy Metal“. Alle Klassiker sind im Set vertreten und werden frenetisch von den Fans im Amphitheater gefeiert: Burning the Witches, All We Are, Hellbound, I Rule the Ruins, es bleiben keine Wünsche offen. Das war einfach perfekt und ein schöner Abschluss unseres Konzerttages.

Direkt vor dem Eingang zum Gelände feiern wir dann noch die gefühlte halbe Nacht zu UFO, Anthrax, Slayer und anderen Klassikern. Das 5,0 fließt in Strömen und der nächste Morgen beginnt erstmal wieder mit IBU und Konterbier…

SONNTAG

Deutlich früher als an den letzten beiden Tagen, startet das Programm heute bereits um 12 Uhr. High Noon in Gelsenkirchen, was passt da besser als guter alter Heavy Metal? Präsentiert wird uns dieser von den Schweden AIR RAID, bei denen sich, trotz relativ kurzer Bandhistory (Gegründet 2009), das Besetzungskarussell permanent dreht. Mit zwei Scheiben und einem neuen Sänger im Gepäck, haben sie heute die Ehre, den letzten Tag zu eröffnen. Das Material geht direkt nach vorne und es haben sich, trotz der Uhrzeit, etliche Headbanger vor der Bühne eingefunden. Solider Gig und tolle Performance der Newcomer.

Die Sonne brennt inzwischen erbarmungslos, überhaupt haben wir bereits das ganze Wochenende lang wirklich Glück mit dem Wetter. Zeit sich direkt vor die Bühne zu verziehen. Dort gibt es nicht nur Schatten, sondern auch SPIDERS. Die straighten Heavy-Rock-Riffs, gepaart mit leichter Punkschlagseite und der guten Stimme von Frontröhre Ann-Sofie, erzeugen eine coole Retroatmosphäre. Schweden muss so etwas wie das gelobte Land für Musik vergangener Tage sein, wie Air Raid kommen die Spinnen aus Göteborg. Die eher zierliche junge Dame und ihre Band überzeugen selbst hartgesottene „70s-Verweigerer“. Nach 40 Minuten geht ein cooler Ausflug in die Zeit von Batikshirts und Orangeamps zu ende.

Angesichts des immer schlimmeren EU-Regulierungswahns könnte man meinen, aus Brüssel kommt nichts Gutes. Weit gefehlt! Die Groove-Thrasher CHANNEL ZERO belehren uns schnell eines Besseren. Anfang der 90er erblickte die Formation das Licht der Welt, wurde aber bereits 1996 zu Grabe getragen. Seit 2009 erleben die Belgier bei denen inzwischen Mike Doling (ex-Soulfly) die Leadgitarre bedient, ihren zweiten Frühling. Pantera und Machine Head lassen angesichts vieler stampfender Parts grüßen. Ab der zweiten Hälfte des Sets holt die Band dann auch den Vorschlaghammer raus und es werden die weitaus geradlinigeren Songs der ersten Alben vorgetragen. Da macht es uns auch nichts aus, dass es inzwischen auf den Stufen des Amphitheaters fast unerträglich heiß ist. Hartelijk dank für diesen Auftritt!

Als absolutes Highlight entpuppt sich der Auftritt der Ruhrpott Urgesteine REFUGE. War aber auch nicht anders zu erwarten, denn bei den Herrn Wagner, Schmidt und Efthimiadis handelt es sich um niemand geringeren als das Lineup der Band Rage in den Jahren 1988 – 1993. Dass die Jungs zum (fast) erste Mal seit 21 Jahren wieder zusammen auf einer Bühne steht, merkt man keine Sekunde. Kraftvoll startet das Herner Dreigestirn ihre Show mit „Firestorm“ vom 93er Album „The Missing Link“. Gespickt mit starken Nummern wie „Death in the Afternoon“, „Light into the Darkness“ oder „Solitary Man“ vergeht die folgende Stunde wie im Flug. Peavy betont immer wieder, wie sehr sie sich auf dieses Heimspiel gefreut haben und die drei explodieren fast vor Spielfreude. Mit „Don’t Fear the Winter“ und „Refuge“ endet der Triumphzug. Bitte, bitte, bitte, spielt eine Deutschlandtour, Jungs!

So langsam aber sicher nähert sich das Rock Hard 2015 der Zielgerade. Nur noch drei Bands, dann ist dieses schöne Wochenende auch schon wieder vorbei. Egal, die noch folgenden Acts haben es in sich.

Rock Hard Festival 2015 SchenkerAls nächstes beehrt uns nämlich das „German Wunderkind“ Michael Schenker, der heute mit seinem TEMPLE OF ROCK die Location am Rhein-Herne-Kanal erschüttert. Über den Ausnahmegitarristen und Bruder des Scorpions Klampfers Rudolf muss man denke ich, keine Worte mehr verlieren. Die legendäre Rhytmusfraktion der Scorps (Hermann Rarebell/Drums & Francis Buchholz/Bass) ist ebenso mit von der Partie wie Doggie White (ex-Tank/ ex-Rainbow) am Mikro. Auch Wayne Findlay, der das Quintett an Gitarre und Keyboard komplettiert, leistet tolle Arbeit. Was soll da noch schiefgehen? Genau, nichts! Die Herren rocken sich durch sämtliche Dekaden und präsentieren uns Hit nach Hit: „Rock you like a Hurricane“ fehlt ebenso wenig wie „Doctor Doctor“ oder „Lovedrive“. Angefüttert wird das Set von Songs des neuen Albums „Spirit on a Mission“. Doggie macht seine Sache mehr als gut und hat das Publikum sofort im Griff. Das Gespannt Rarebell/Buchholz liefert das solide Fundament und als Michael nach knapp einer Stunde zum Solo von „Rock Bottom“ ansetzt, gibt es kein halten mehr. Chapeau, das war eine ganz, ganz große Rock n Roll Show!

Und plötzlich ist das Amphitheater zum Bersten voll, alle warten gespannt auf die Amis OVERKILL. Als die ersten Takte von „Armorist“ erklingen und Bobby Blitz wie von der Tarantel gestochen auf die Bühne flitzt, rastet die Menge komplett aus. Viele Besucher sind nur wegen den New Yorkern angereist und selten an diesem Wochenende sind die Publikumsreaktionen überschwänglicher als während der knapp 1 ½ Stunden, in denen uns nur Killersongs präsentiert werden. „Hammerhead“, „In Union We Stand“ oder „Electric Rattlesnake“, die Setlist ist ein Querschnitt durch das inzwischen über 30-Jährige Schaffen der Thrashveteranen. Einen ersten Höhepunkt erreicht die Stimmung, als Bobby zum Besten gibt: „I say it now, as I said it before: my Deutschländ is Rotten to the Core!“. Der Pit ist völlig am Brodeln und die Securities haben alle Hände voll zu tun, um die unzähligen Crowdsurfer sicher in den Fotograben zu ziehen. Der Fronter hat sichtlich Spaß und auch D.D. Verni und die restliche Wrecking Crew geben wie immer Vollgas. Ein wie zu erwarten energiegeladene Performance findet im Zugabenblock mit „Elimination“ und der Judas Priest Coverversion „Take on the World“ ihr starkes Ende.

Und dann ist es leider schon wieder soweit: die letzte Band des Festivals ist bereit, die Bühne zu betreten. Die Location hat sich zwar schon etwas geleert, aber der Platz vor der Stage und auch Teile der Ränge sind immer noch gut belegt, als die BLACK STAR RIDERS mit „Bound for Glory“ ihre Show eröffnen. Die von Thin Lizzy-Sechssaiter Scott Gorham aus der Taufe gehobene Formation, tritt heute mit einem Classic-Lizzy-Set auf. Bereits der zweite Song ist „Jailbreak“. Der ehemalige „The Almighty Shouter“ Ricky Warwick, der auch locker als Mike Ness-Double durchgehen würde, meistert das Set stimmlich perfekt und drückt auch den Lizzy-Songs seinen persönlichen Stempel auf. Die neuen Kompositionen, vor allem Material des neuen Albums „The Killer Instinct“, kommt bei den Zuhörern gut an und so wird wohl auch diese Scheibe bald bei mir im Regal stehen. Der „Lizzyblock“ beinhaltet alles, was sich der Fan wünscht und ist perfekt vorgetragen. Jedes Double-Lead sitzt perfekt, die Drums sind auf den Punkt gespielt und ja: in manchen Momenten habe ich den Eindruck, dass die Show auch mit Phil Lynott nicht hätte besser sein können. Mit „Emerald“ und „Rosalie“ setzt die Band dann zum Endspurt an, ehe Ricky Warwick die Zuschauer auf den Rängen auffordert, trotz des langen harten Wochenendes noch einmal aufzustehen. „Whiskey in the Jar“ setzt den Schlusspunkt des hervorragenden Konzerts und dieses genialen Wochenendes. Mit einem richtig guten Gefühl und der Gewissheit, dass Musik eben die stärkste Form der Magie ist, verlassen wir zum letzten Mal für dieses Jahr die schönste Festivallocation Deutschlands.

Rock Hard Festival 2015 Mille

Um es einfach noch einmal mit den Worten des Kreator-Frontmannes Mille zu sagen, dessen Show wie immer ein absoluter Hammer war: „DAS WAR EIN ECHTER RUHRPOTTSPAß!“

 

Weitere Bilder demnächst in der Galerie …

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