Mittelaterfestivals / Burgfeste

Schon unsere Väter und Großväter waren von den Heldensagen des Mittelalters hingerissen. Zu Hause zogen die Bildbände von Prinz Eisenherz in ihren Bann, in der Schule hörten sie die Geschichte von Siegfried, dem Drachentöter, und die diejenigen unter ihnen, die das Gymnasium besuchten, mussten den Parzival lesen und besprechen. Begeistert von diesen Szenarien versuchten sie als Kinder in die Rolle ihrer Helden zu schlüpfen, bastelten sich Holzschwerter und lieferten sich Fechtkämpfe mit ihren Freunden. Die Glorifizierung der Welt des Mittelalters fand auch rege Unterstützung in der Spielwarenindustrie. Miniaturritter, Schwerter, Schilde und Äxte, alle aus Plastik oder Sperrholz, sind bis heute in den Auslagen der Spielzeughändler zu finden.

Anfang der 1960ger Jahre gewann eine Bewegung in Großbritannien an Bedeutung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, mittelalterliche Ritterspiele aufzuführen. Solche Veranstaltungen fanden bald auch Liebhaber und Nachahmer auf dem Kontinent. In Deutschland erfuhr die Bewegung einen ordentlichen Schub durch die Initiative von Prinz Luitpold von Bayern, dem Urenkel des letzten Bayerischen Königs, der 1979 ein Ritterturnier im oberbayerischen Kaltenberg organisierte, das nicht nur bis heute alljährlich aufgeführt wird, sondern sich auch zum mittlerweile größten Ritterspektakel der ganzen Welt entwickelt hat. Etwa 1000 Akteure begeistern dort an neun Tagen im Juli mehrere 10.000 Besucher. Neben dem Ritterturnier zeigen auch über 100 Handwerker ihre mittelalterlichen Künste.

Mittlerweile werden jedes Jahr landauf, landab Mittelaltermärkte und Mittelalterspektakel veranstaltet. Dutzende von Vereinen wurden gegründet, die diese Events organisieren. Sie pflegen natürlich auch Kontakte untereinander, so dass die jeweiligen Akteure, Künstler und Händler immer wissen, wo solche Veranstaltungen stattfinden. Das Publikum lohnt es ihnen allemal, denn Burgfeste und dergleichen sind immer gut besucht. Manche Mittelalter-Veranstaltungen sind auch zu einer festen Einrichtung geworden. So zum Beispiel die Ronneburg in der Nähe von Frankfurt am Main. Die Burg selbst ist weitgehend im Originalzustand erhalten und beherbergt ein Museum, in dem Rüstungen, Waffen, Küchen- und sonstige Gebrauchsgegenstände ausgestellt sind. Darüber hinaus werden mehrmals im Jahr Mittelaltermärkte abgehalten, zu Ostern, Pfingsten, im Herbst und zu Weihnachten. Und natürlich immer dann, wenn ein Turnier abgehalten wird. Wer einmal dort war, wird sich tatsächlich in der Zeit zurückgesetzt fühlen. Allerlei Leute werden sie dort antreffen, die in Rüstungen oder Kettenhemden herumlaufen, Schwerter umhängen haben, mittelalterliches Schuhwerk anhaben und mit dicken Filzmänteln bekleidet sind. Wenn da nicht Besucher in Turnschuhen herumlaufen würden oder einem der Akteure die Armbanduhr aus dem Ärmel hervorspitzt, könnte man glauben, eine Zeitreise gemacht zu haben.

In den letzten Jahren wurden auch immer mehr Weihnachtsmärkte um Bereiche erweitert, in denen mittelalterliche Handwerkskunst feilgeboten wird, zu zum Beispiel in Köln oder in Regensburg. Hier wird dann geschmiedet und geplättet, gesponnen und geknüpft. Und auf offenem Feuer werden allerlei Köstlichkeiten für das leibliche Wohl zubereitet.



Mittelaltermöbel

Das Mittelalter umfasst eine recht große Zeitspanne, etwa ausgehend vom 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung bis zum 15. Jahrhundert, dem beginnenden Zeitalter der Aufklärung. Rund eintausend Jahre Menschheitsgeschichte sind folglich unter dem Begriff Mittelalter zusammengefasst. Auch die Einrichtungen der Behausungen der Menschen im Mittelalter machten entsprechende Entwicklungen durch. Wobei wie so oft die herrschenden Familien als Vorreiter gelten. Ein Beispiel dafür sind mittelalterliche Truhen, Kisten und Schränke, die zuerst bei Rittern und Adligen ihren Einzug fanden und später auch vom „einfachen“ Volk verwendet wurden.

Durchgehend durch die gesamte Geschichte der Möbel des Mittelalters waren die beiden Materialien Holz und Stein dominierend, zu denen sich im Laufe der Zeit immer mehr keramische Artikel gesellten. Schon relativ früh im Laufe der Zeit wurden Töpfe und Vasen in großen Mengen produziert und verwendet. Tonscherben sind die häufigsten Funde auf mittelalterlichen Grabungsstätten.

Holz ist ohne Frage das Material zur Herstellung von Möbeln, das sich bis heute durchsetzt. Schon sehr früh waren die Menschen in der Lage, Holz so zu bearbeiten, dass daraus Tische, Bänke und Regale wurden. Später kamen geschlossene Schränke und Truhen dazu, deren Verarbeitung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr verfeinert wurde. Die Tischler und Schreiner erlangten immer mehr Kunstfertigkeit in der Bearbeitung des Holzes. Gerade im Bereich der Nagellosen Verbindung waren Sie wirkliche Meister. Das Verzapfen von Holz hatte durchaus wirtschaftliche Gründe. Während Holz überall erhältlich war, zählte Eisen oder Nägel aus Eisen zu den teuren Materialien. Dessen Verwendung war meist dem Adel vorbehalten. So entstanden Tische und Bänke ohne einen einzigen Nagel, nur zusammengehalten durch die geschickte Verbindung der einzelnen Holzplatten. Diese Möbel waren so stabil, dass einige von Ihnen viele Jahrhunderte überdauerten und noch heute bewundert werden können.

Heute ist es wieder in Mode, die Stilrichtungen vergangener Zeiten aufleben zu lassen.
Dabei ist es mit den modernen Maschinenparks natürlich wesentlich einfacher, ein mittelalterliches Möbel herzustellen wie etwa den Scherenstuhl. Dies ist ein typischer Vertreter des Mittelalters, genauso wie Tische und Bänke, die ihre Stabilität durch das Verzapfen der einzelnen Bauteile erhielten. Während Sitzmöbel anfangs recht einfach gebaut waren, wurde auf die Herstellung von Aussteuertruhen schon immer viel Mühe verwandt. Prächtige Bemalungen sowie Intarsien sind das Hauptmerkmal einer solchen Truhe, die dazu gedacht war, die Aussteuer der zukünftigen Braut zu bewahren.

Eintausend Jahre Mittelalter brachte genauso einfache und praktische Möbel zum Vorschein wie reich verzierte Einrichtungsgegenstände, die noch heute in Schlössern und Museen zu bewundern sind. Heute wie damals gilt, dass der Aufwand zur Herstellung den Preis bestimmt. Ein Schrank mit aufwendigen Intarsienarbeiten benötigt auch heute viel Handarbeit, während andere Möbel sich relativ einfach reproduzieren lassen. Egal für welches mittelalterliche Möbel sich jemand entscheidet. Es wird auf jeden Fall einen interessanten Einblick in vergangene Zeiten bieten.

Fröhliches Treiben im Heidnischen Dorf beim WGT

Seit nun schon über zwanzig Jahren treffen sich im Mai tausende Anhängerinnen der Wave- und Gothic-Szene in Leipzig. Anlässlich des WGT-Festivals können aber nicht nur Gothic-Konzerte erlebt werden. Im heidnischen Dorf auf dem Festivalgelände lässt sich auch Mittelalteratmosphäre schnuppern. Dieses Markttreiben passt damit hervorragend zum Anspruch des Wave-Gotik-Treffens, ein umfassendes Kulturerlebnis zu bieten.

Historisch und familiär

Bei meist angenehmen Frühlingstemperaturen bietet das heidnische Dorf am Torhaus Dölitz einen Ort zum entspannten Verweilen. Gerade nach durchtanzten Nächten starten viele Festivalbesucher hier langsam in den Tag und genießen einige rustikale Speisen. Da das Dorf auch ohne Festivalbändchen zugänglich ist, findet es auch Anklang bei LeipzigerInnen, die nicht der schwarzen Szene angehören und einfach mal einen Ausflug machen wollen. Der Marktplatz ist im Stile eines Mittelaltermarktes gehalten und nicht zu eng aufgebaut. Das macht ihn auch für Familien attraktiv. Zwischen Ständen mit handwerklichen und lukullischen Angeboten bleibt viel Platz, um vergnügt im Gras zu sitzen. Häufig spielen auch Musikgruppen im heidnischen Dorf, dabei handelt es sich zumeist um Bands mit historischen Instrumenten oder folkloristischen Elementen. Bei diesen Konzerten tanzen Jung und Alt in fröhlicher Atmosphäre zusammen oder schauen einfach interessiert zu. Ist es bei Mittelaltermärkten sowieso schon üblich, dass viele Besucherinnen in historischen Gewändern erscheinen, so mischen sich beim WGT noch düstere und fantasievolle Kostüme darunter. Die Mischung aus schwarzbunten Menschen fasziniert besonders Kinder und Jugendliche, die im heidnischen Dorf ihre Eltern begleiten können, ohne dass diese Angst vor aggressiven Feierwütigen haben müssten.

Met und Ritterspiele

Neben den musikalischen Auftritten der verschiedenen Spielleute lassen sich im heidnischen Dorf auch diverse romantische oder historisierende Details betrachten. So können die Besucherinnen an verschiedenen Stellen in die Rolle von mittelalterlichen Protagonisten schlüpfen und zum Beispiel den Pranger ausprobieren oder an urigen Feuerstellen sitzen. Die Aussteller und ihre Zelte variieren freilich von Jahr zu Jahr. Inhaltlich kommen Figuren aus der Welt von Einhörnern und Rittern zum Tragen. Diese sind in Theaterstücken und Wettkämpfen zu sehen, tauchen in Lesungen und Liedern auf oder erscheinen auf käuflichen Gegenständen. Vom Stiefel bis zum Metkrug kann auf dem Marktplatz alles erworben werden, was das Romantikerherz begehrt. Das leibliche Wohl kommt bei rustikalen Braten und backfrischen Broten ebenfalls nicht zu kurz. Im Vergleich zu manchen anderen Festivals gilt das Wave-Gotik-Treffen als sehr friedlich und entspannt. Das heidnische Dorf mit seiner gemütlichen und familiären Atmosphäre macht da keine Ausnahme, sondern fügt sich nahtlos in die Reihe der Festival-Locations ein, die beim WGT über die Stadt Leipzig verteilt sind.

LARP – Live Action Role Playing

LARP bezeichnet Rollenspiele, bei denen sich die Mitspieler in fiktive Personen verwandeln und mit anderen Mitspielern in der realen Welt interagieren. Man sagt auch, der Spieler und die Spielerin, seien ein bestimmter Charakter. Sie kleiden und schminken sich der Rolle entsprechend. Die Mitspieler können selbst entscheiden, in welcher Weise sie ihre Rolle ausfüllen möchten. Die Spieler verhalten sich aber immer so, als haben sie sich in den gewählten Charakter verwandelt.

Rollenspieler verabreden sich häufig über Internetforen zu ihren Veranstaltungen. Diese Veranstaltungen werden auch Cons genannt. Detailgetreue Kostüme, echt wirkende Waffen und eine möglichst passende Umgebung gehören zu einem Con dazu. Es sind Freizeitveranstaltungen, die viele Begeisterte anziehen. Aber es sind nicht nur Freizeitereignisse; manche Schulen benutzen mitunter das Rollenspiel in den höheren Klassen, um zum das Lernen zu erleichtern.

In vielen Welten unterwegs

Rollenspieler können unter vielen imaginären Welten wählen. Am häufigsten gibt es LARPs im Bereich der Phantasie und des Mittelalters. Aber auch Krimirollenspiele, Science-Fiction-Rollenspiele und Western-Rollenspiele gehören unter anderem dazu.

Es wird versucht, das LARP an einem Ort stattfinden zu lassen, der durch seine Atmosphäre schon recht gut zum jeweiligen Thema passt. Ein mittelalterliches Rollenspiel wird oft auf einer freien Fläche mit angrenzendem Wald stattfinden, ein Tavernenrollenspiel aus dieser Epoche in einem rustikal anmutendem Lokal. Beliebt sind auch Jugendfreizeitheime für die Durchführung des LARP, da, neben einer passenden Umgebung, die Unterbringung und Verpflegung während eines Cons gesichert sind.

Kostüme, Waffen und Zubehör

Der LARP-Teilnehmer sucht sich ein Kostüm entsprechend des Themas des Cons aus. Meist entscheiden sich die Spieler für eine Rolle, die sie über eine lange Zeit immer wieder aufnehmen und deren Ausstattung sie mit der Zeit erweitern.

Es gibt eine breite Palette fertiger Kostüme und Waffen zu kaufen. Für den Einsteiger ist das sicher eine gute Wahl. Ist man schon länger in der LARP-Szene unterwegs, wird man sein individuelles Kostüm herstellen wollen. Die Waffen können ebenso fertig gekauft oder selbst hergestellt werden. Sie sollen möglichst realistisch aussehen und trotzdem ungefährlich sein. Meist bestehen sie aus einem verstärkten Glasfaserstab, der mit Spezialschaumstoff ummantelt wurde.

Zur Ausstattung gehört auch das zur Rolle passende Zubehör wie zum Beispiel Trinkbecher, magische Gegenstände oder historische Uhren.

Cons

Cons, die Spiel-Veranstaltungen der LARP-Spieler, können als Großveranstaltungen von mehreren tausend Leuten, wie in Deutschland das Drachenfest und Mythodea, stattfinden.
Häufig sind es aber auch kleinere Veranstaltungen im zwei- oder dreistelligen Bereich.
Beim Deutschen Live-Rollenspiel-Verband und im LARP-Kalender gibt es Informationen zu den Veranstaltungsterminen.

Ablauf eines Cons

Grundsätzlich gibt es Cons, für deren Ablauf vorher ein Rahmen gesteckt wurde und Cons, die frei ablaufen. Bei den Cons mit festem Rahmen wird durch die Spielleitung das Ziel des Spiels festgelegt und die Aufgaben, welche auf dem Weg dorthin gelöst werden müssen. Das können Interaktionen zwischen den Charakteren sein, Rätsel die die Teilnehmer lösen müssen oder Mutproben, die sie bestehen sollen.
Bei den freien Cons wird lediglich das Thema vorgegeben. Die Handlung ergibt sich aus den Aktionen der Charaktere.

Ziel eines Cons

Das wichtigste Ziel eines Cons ist es, dass alle Teilnehmer Spass haben. Alles andere ist zweitrangig. Oft kann man durch das Lösen von Aufgaben und Rätseln Punkte erzielen und es wird dann ein Sieger gewählt. Bei einigen Spielarten müssen die Spieler ein Punktesystem erfüllen, das sie danach beurteilt, wie gut sie ihre Rolle ausfüllen. Spezielle Fähigkeiten wie zum Beispiel Kampftechnik und die Qualitität des Kostüms gehören dazu.