Bereits zum achten Mal fand dieses Jahr das RockHard-Festival im Amphitheater von Gelsenkirchen statt. Auch dieses Jahr wurde an der schönsten Festival-Location der Welt bei bestem Wetter eine geile Party gefeiert!


Nach einer reibungslosen Anreise und einem fixem Aufbau bei strahlendem Sonnenschein am Donnerstag Vormittag konnte es eigentlich kaum noch besser werden.

Freitag, 21. Mai

Der Freitag begann mit den Black Thrashern Ketzer, die aber leider verpasst wurden, da noch die Nachhut zum Zeltplatz gebracht werden musste, aber pünktlich zu Katatonia fand ich mich wieder im Amphitheater ein. Die schwedischen Düsterheimer konnten ihre Fans zwar mit einer guten Songauswahl begeistern, doch bei absolut perfektem Wetter kam leider null Atmosphäre rüber, weswegen die Stimmung auch eher gegen null tendierte. Dazu kam noch, dass die Band sich alles andere als bewegungsfreudig präsentierte.

Hoffen wir, dass sie sich bei ihren Landsmännern Sabaton abgeguckt haben, wie man das Publikum zum Ausrasten bringt! Es herrschte eine Stimmung, als ob es sich um den Headliner handeln würde, und mindestens so voll war es auch. Die Band, die bis kurz vor Beginn ihres Sets noch Autogramme gegeben hatte, zeigte sich von ihrer allerbesten Seite und spielte gleich vier Songs des an dem Tag erscheinenden Albums “Coat Of Arms”. Sänger Joakim zeigte sich sehr überrascht, dass weite Teile des Publikums diese ebenso gut mitsingen konnten wie die bekannten Knaller “Primo Victoria” und “Ghost Division”, hier seien wohl einige Piraten am Werk gewesen aber der Band sei die egal, solange die Leute zu ihren Konzerten kämen! Daumen hoch für diese Einstellung! Ingesamt spielte die Band mal wieder ein absolut großartiges Konzert, gewann wieder mal einige Hörer dazu und wird bei der kommenden “World War Tour” sicherlich keine Probleme haben, die Säle zu füllen.

Nun wurde es Zeit für die dritte schwedische Band im Bunde: Bloodbath. Die Death Metal-Supergroup spielte ihren insgesamt vierten Auftritt, der insgesamt dritte in Deutschland und der erste von fünf, die es dieses Jahr geben soll. Auch hier waren die Ränge gut gefüllt, und die perfekt aufeinander eingespielte Band, bot eine ausgewogene Setlist in der Songs aller Alben und EPs vorkamen, darunter “Eaten”, “Mock The Cross” und “Breeding Death”. Auf der Bühne gab es zwar nicht viel Bewegung, dafür konnte Fronter Mikael Åkerfeldt mit seinen, mit viel trockenem Humor gewürzten, Ansagen punkten. Kostprobe: “Now I will intodruce the band. Everybody has a cool stagename, except for me. This is Sodomizer, this is Lord Seth, this is Devastator and this is Desecrator. My name is Lars.” Genialer Auftritt, wer also die Chance hat, die Band dieses Jahr noch zu sehen (u.A. auf dem Graspop Metal-Meeting und dem Hellfest) sollte diese Chance unbedingt nutzen!

Die nächste Band tut vor allem eines: Polarisieren! Die einen feiern The Devil’s Blood als die beste Band aller Zeiten, die anderen sind einfach nur vom Hype genervt oder finden Aussagen wie “Ich schreibe meine Songs nicht, sie fließen durch Satan aus mir heraus.” einfach nur lächerlich. Worin sich jedoch die Mehrheit der Anwesenden einig war: Bloodbath hätten den Headliner-Posten mehr als verdient gehabt, denn die vorher angekündigte “Special Show” enttäuschte viele Fans, außerdem sind die Schweden die Band, die nur wenige exklusive Gigs spielt, The Devil’s Blood hingegen spielen, salopp gesagt, diesen Sommer an jede Steckdose. Und die Ausrede, dass die Band für ihre Show Dunkelheit benötigt und deswegen an dieser Stelle spielen muss, gilt nicht, denn Katatonia hätte eine Show im dunklen auch nur genützt. Da war ein gewisser Herr Kühnemund wohl doch ein wenig zu begeistert…

Samstag, 22. Mai

Als erste Band am Samstag standen für mich Evile auf dem Programm. Die Briten machten eine gute Figur auf der Bühne und erspielten sich einige neue Fans, da machte es auch wenig, dass die Gitarre von Matt Drake des öfteren mal den Geist aufgab, weswegen sie am Ende des Auftritts fast noch zerdeppert worden wäre.

Als nächstes enterten die Italiener Bulldozer zu ihrer insgesamt zweiten Deutschland-Show die Bühne. An den Drumriser wurde eine UNICEF-Flagge gehängt, da die Band einen Großteil der Gage an die Organisation spendete, und man trug ein Rednerpult auf die Bühne, hinter dem Sänger AC Wild auch den gesamten Auftritt über stand. Der merkwürdige Aufbau tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch, und so ballerte die Band eine Granate nach der anderen ins Publikum, und widmete als Fans des AC- Mailand dem FC Bayern München einen Song, damit sie das Champions League-Finale gegen Inter Mailand gewinnen. Geklappt hat es zwar nicht, unterhaltsam war es dennoch. Dank einer Erkundung der Fressmeile und der Merchstände inklusive Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme wurden Artillery leider verpasst.

Dafür traten Raven dann umso mehr Arsch. Das Trio ist zwar sichtlich gealtert, aber ging auf der Bühne mehr ab als so manche jüngere Band. Wenn doch nur alle Bands in diesem Alter noch so fit wären…

Exhorder waren zwar seit 19 Jahren nicht mehr in Europa unterwegs, doch das Amphitheater war dennoch gut gefüllt, und man konnte vielen die Vorfreude ansehen. Enttäuscht wurde niemand, der Pit war vermutlich der brutalste, den das Festival jemals gesehen hat und die Setlist hätte kaum besser sein können. Hoffen wir mal, dass es nicht wieder 20 Jahre dauert bis Exhorder uns wieder beehren.

Von Accept hatten die meisten nicht viel erwartet, aber am Ende war fast jeder glücklich mit der Leistung der Band, da störte es kaum, dass anstatt Udo Dirkschneider Mark Tornillo sang, denn dieser brachte die Klassiker mindestens so gut rüber wie sein Vorgänger, und auch die beiden neuen Songs “Teutonic Terror” und “The Abyss” wurden vom Publikum gut angenommen. Diese Reunion ist wohl eine der wenigen, die wirklich gut funktioniert. Genialer Gig einer vor Spielfreude überschäumenden Band, die uns in dieser Form hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Selbiges gilt für Kreator, die dieses mal echte Überraschungen in der Setlist hatten, nämlich “Coma Of Souls” und “When The Sun Burns Red”. Das Publikum dankte es der Band mit einem riesigen “Moshpit Ruhrpottstyle”. Auch Bandcheff Mille war bestens drauf und brachte einen mit seinen Ansagen entweder zum Lachen oder Kopf schütteln. Kostproben: “Wir feiern heute 4975 Jahre Kreator!”; “Früher sind wir da hinten als Kinder schwimmen gegangen und stehen heute hier auf der Bühne, ziemlich witzig, oder?”; “Das ist Eure letzte Chance mit Kreator ‘Hate’ zu sagen! Also jetzt alle, egal ob Junge oder Mädel, egal ob alt oder jung, ob neu oder… ach scheiße! Meine Ansagen sind heute auch echt wieder der Hammer…”; “RockHard Festival! Gelsenkirchen! Ruhrpott! Moshpit Ruhrpottstyle!” Genial! Zwar gab die Videoleinwand zwischendurch mal den Geist auf, und die bei “When The Suns Burns Red” gezeigten Bilder von gequälten Tieren, unter anderem wurde ein Hund bei lebendigem Leib gehäutet, verdarben dem ein oder anderen die Stimmung. Zum Glück war es der vorletzte Song.

Sonntag, 23. Mai

Den Opener am Sonntag machten Sacred Steel. Die True Metal-Band, die sich selber nicht ganz so ernst nimmt, machte ihre Sache recht gut, auch wenn der Publikumszuspruch sich aufgrund der Hitze in Grenzen hielt. In einem überfüllten Club macht die Musik der Baden-Würtemberger mit Sicherheit noch mehr Spaß.

Orphaned Land aus Israel zogen viele Neugierige an, und konnten sich auch einige neue Fans erspielen. Wenn die Band nächstes mal die Kostüme entweder weg lässt oder sich richtige zulegen würde, klappts auch mit der Bühnenshow. So sah die Band einfach nur aus wie eine Laienschauspieltruppe, die Bibelstellen nachspielt. Dann begann für mich so langsam der Abbau, deswegen wurden Nevermore auch nur kurz gesehen. Die Band lieferte eine gute Show ab und präsentierte einige Songs des neuen Albums “The Obsidian Conspiracy”. Pünktlich zum Karaoke-Finale und Mambo Kurt war dann alles verstaut. Ersteres war, wie immer nett, aber nicht zwingend notwendig, und auch Mambo Kurt macht immer dasselbe, aber beides war als Überbrückung der Umbaupause von Rage gut geeignet. Diese spielten einen Auftritt mit dem Lingua Mortis Orchestra, der vor allem von Soundproblemen gekennzeichnet war. Sicher ist es schwierig so viele Instrumente angemessen abzumischen, aber der Sound war dermaßen drucklos und dünn, dass sich viele Besucher schon in Richtung Heimat aufmachten. Dann nach jedem Song ewig lange gelabert wurde, machte das Ganze nicht besser, und so begab auch ich mich, müde und braungebrannt auf die Heimreise.

Das RockHard-Festival machte dieses Jahr seinem Ruf mal wieder alle Ehre: Perfektes Wetter, perfekte Organisation, geile Stimmung, jede Menge gute Bands, nur zwei fielen etwas ab (Rage, The Devil’s Blood), fast durchgehend guter Sound, kostenlose Wasserklos und Duschen, gutes Angebot an den Fressbuden und akzeptable Preise für Essen und Getränke. Bis nächstes Jahr!!

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